„Ich werde YouTube-Star“

Immer mehr Teens nennen als Traumberuf „YouTube-Star“. Das Video-Portal und mit ihm andere soziale Netzwerke wie Instagram spielen eine zentrale Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen. Was macht die Faszination aus? Family-Redakteurin Bettina Wendland hat sich auf den Videos Days in Köln, einem Festival der YouTube-Stars, umgeschaut und umgehört.

Noch ist die Halle der Lanxess Arena leer. Die Techniker checken die Light-Show. Im Pressebereich spricht „YouTube-Dino“ Christoph Krachten über die Geschichte und die Entwicklung der Video Days. Gestartet als Treffen einiger weniger YouTuber und ihrer Fans 2010 im Rahmen der Spielemesse Gamescom haben sich die VideoDays zum eigenständigen Event und zu Europas größtem YouTuber-Festival entwickelt. Das hängt natürlich mit der wachsenden Bedeutung zusammen, die YouTube hat – vor allem für Teens.

Und so bevölkern bei den VideoDays überwiegend Teenager die Halle. Ein paar jüngere Kids sind auch dabei, damit auch nicht wenige Eltern. Aber sonst ist kaum jemand über 20. Auch auf der Bühne nicht. Wenn doch, meint er, sich dafür entschuldigen und selbst als „YouTube-Opa“ bezeichnen zu müssen.

Die Vielfalt von YouTube kommt bei den VideoDays nicht wirklich zum Tragen. So ist das Bühnenprogramm am Donnerstag geprägt von Music-Acts. Dabei ist bei der künstlerischen Qualität eine größere Bandbreite zu verzeichnen als beim Musikstil. Vieles klingt mainstreamig, nur weniges unverwechselbar. Und die Begeisterung der überwiegend weiblichen Fans hängt kaum mit der Qualität der Performance zusammen. Sänger, die durch eine starke Stimme auffallen, bekommen weniger Bühnenzeit und Jubel als so mancher Headliner, dessen Stimme durch Hall und sonstige Effekte so unterstützt wird, das gewisse Schwächen nicht so ins Gewicht fallen.

Aber in welcher Generation spielte die musikalische Qualität schon eine Rolle für Fans im Teenager-Alter? Manche YouTuber haben es immerhin auch schon ins klassische Musikbusiness geschafft, haben Plattenverträge und machen Konzerte. Sie inszenieren sich aber immer noch gern als YouTube-Stars.

Warum ist das Konzept YouTube so erfolgreich? Ich denke, es liegt an der gefühlten Nähe zu den Fans. Viele YouTuber sind eigentlich der Junge oder das Mädchen von nebenan, das durch kreative Videos, geschicktes Marketing und sicher auch so manchen Zufall erfolgreich wurde. Auf YouTube und andere sozialen Kanälen kann man direkt mit den Stars in Kontakt treten. Sie retweeten oder teilen die Posts und Fotos ihrer Fans und geben ihnen damit eine stärkere Bedeutung als das im klassischen Musikgeschäft möglich ist. Der Übergang vom „normalen“ Teenie, der seine laienhaften Videos hochlädt, zum bekannten und gefeierten YouTube-Star ist fließend. Und damit in scheinbar greifbarer Nähe.

Das stellt manche Eltern vor die Frage, was sie erlauben sollen. Keine Mutter, kein Vater möchte die Kreativität seines Kindes beschränken. Aber kann man erlauben, dass eine 12-Jährige Videos aus ihrem Kinderzimmer in den unergründlichen Weiten des Internet veröffentlicht? Hut ab vor allen Eltern, die sich hier mit ihren Kindern produktiv und mit viel Interesse auseinandersetzen.

Überhaupt muss ich ein fettes Lob an die Mamas und Papas aussprechen, die ihre zumeist jüngeren Teens und Kids zu den VideoDays begleitet haben. Mal abgesehen von den Kosten fürs Ticket haben sie sich nicht gescheut, sich unter kreischende Teens zu mischen, allzeit bereit, ein Foto ihres Kindes mit einem YouTube-Star zu machen, dessen Namen sie möglicherweise noch nie gehört haben. Sie haben manchen mittelmäßigen Auftritt ertragen, aber immerhin auch ein paar musikalische Highlights erlebt. Und sie haben vor allem etwas gemeinsam mit ihren Kids oder Teens erlebt! Und auch wenn die das nicht immer so deutlich ausdrücken – ich bin sicher, dass sie dafür dankbar sind.

Bettina Wendland, Redakteurin Family/FamilyNEXT

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