Kommunizieren wie ein Profi

Wenn sich der Partner verschließt, gerät das Gespräch in eine Sackgasse. Doch es gibt Strategien, um aus der Sackgasse herauszufinden. Von Jörg Berger

Alle Paare kommen einmal an einen Punkt, an dem Worte den anderen nicht mehr erreichen. Was in der Partnerschaft eine Ausnahme ist, stellt in Beratung und Therapie die Regel dar: Menschen sind blockiert, und gut gemeinte Worte dringen kaum durch. Professionelle Kommunikationsstrategien führen hier dennoch weiter. Auch für den privaten Gebrauch sind sie nützlich. So unterschiedlich die Situationen und die beteiligten Persönlichkeiten sind, eines gleicht sich: Ingo, Petra und Ralf sind mit einer Tatsache konfrontiert, die sie nicht gerne hören. Sie belastet ihr Selbstwertgefühl und ihre Sicherheit, die Situation macht sie hilflos. Und deshalb verschließen sie sich, jeder auf seine Weise. Auch Worte, die ihr Partner auf faire Weise ausspricht, kommen nicht an. Die Ehepartner stellen ihre erfolglosen Kommunikationsversuche irgendwann ein. Aber kann das schon das Ende sein, wenn sich ein Partner einem unangenehmen Thema verweigert?

DEN WIDERSTAND ERKUNDEN

Würden Ingo, Petra oder Ralf in einer Beratung auftauchen, würde man an dieser Stelle natürlich nicht locker, lassen. „Ja“, werden Sie vielleicht einwenden, „als Berater oder Therapeut können Sie sich das erlauben. Da hört sich mein Partner vielleicht an, was er sich von mir nicht sagen lassen würde.“ Damit hätten Sie natürlich ein Stück weit recht. Aber aus meiner Zeit als Berufsanfänger kann ich Ihnen versichern: Wenn ich nicht rechtzeitig auf professionelle Kommunikation umgeschaltet habe, habe ich keine bessere Figur gemacht als ein Ehepartner, der sich an meinem Ratsuchenden bereits die Zähne ausgebissen hat. Professionelle Kommunikation erkundet zunächst den Widerstand. Wer sich verschließt, hat dafür Gründe, die man verstehen kann. Die Frage nach Gründen hat allerdings nur eine Chance, wenn die innere Haltung dabei stimmt. Ein „Warum?“, das die Gründe erfahren und gleich infrage stellen will, wird auf Abwehr stoßen. Eine gute Haltung will wirklich verstehen und an den Punkt kommen: „Wenn ich in deiner inneren Situation wäre, würde ich wohl ganz ähnlich reagieren.“ Wenn sich ein Partner hier öffnet, ist das ein Vertrauensvorschuss, den der andere nicht verspielen sollte. Das heißt, weitere Diskussionen, Kritik oder Appelle sind dann tabu.

HILFREICHE FRAGEN SIND:

  • Was befürchtest du? (… wenn du zu meinen Eltern auch mal ‚Stopp‘ sagst?)“
  • „Was wäre dir denn dabei am unangenehmsten? (… wenn du mir zuliebe ein wenig strenger bist?)“
  • „Ich merke, du sprichst nicht gerne darüber. Mache ich es dir unnötig schwer, darüber zu reden?“

Sie kennen Ihren Ehepartner gut. Vielleicht erkennen Sie, was hinter der Blockade steht. Dann können Sie es auch als Vermutung äußern.

  • „Ist es dir denn peinlich, dass du deinen Zorn nicht immer unter Kontrolle hast?“
  • „Denkst du etwa, du bist als Vater nicht gut genug?“

Wenn sich Ihr Partner öffnet und damit verletzbar macht, sollten Sie die Auseinandersetzung vielleicht ein anderes Mal weiterführen. Manchmal kann man auch direkt zur nächsten Kommunikationsstrategie übergehen. Wenn Sie den Widerstand verstanden und eine akzeptierende Haltung eingenommen haben, sind Sie bereit für eine einfühlsame Konfrontation.

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