Medienerziehung: Wie viel lassen wir uns abnehmen?

Gestern war ich im O2-Shop. Die nette Mitarbeiterin riet mir, beim Handy meines Sohn unbedingt eine Drittanbietersperre einzurichten. Klar, es macht Sinn, dass er nicht durch unbeabsichtigte Abos oder In-App-Käufe irgendwelche Kosten verursacht. Aber bisher hat es auch ohne Sperre gut geklappt. Bevor er das Handy bekam, haben wir einen Vertrag gemacht und ausführlich besprochen, was er darf und was nicht und bei welchen Aktionen er Rücksprache mit uns halten soll. Weder bei ihm noch bei der älteren Schwester gab es bisher Probleme. Aber gut, sicher ist sicher. Ich habe die Sperre eingerichtet.

Nun gibt es auch die App Smombie Guard: Sie blockiert die Benutzung des Smartphones beim Gehen. Läuft das Kind doch mit dem Smartphone in der Hand los, erscheint nach wenigen Schritten ein Warnbildschirm, der erst wieder beim Stehenbleiben oder Ausschalten verschwindet. Hm, ist das sinnvoll? Ich rede mit meinen Kindern immer wieder darüber, wie gefährlich es ist, im Straßenverkehr das Handy vor Augen zu haben. Ich ermahne sie ja schon, wenn sie im Haus mit dem Handy in der Hand herumlaufen.Und ich finde, das reicht. Das muss reichen. Übrigens: Smombie Guard kann auch so eingestellt werden, dass die Benutzung von Apps während des Autofahrens blockiert wird. Wäre für manche Eltern vielleicht noch wichtiger … (Infos: Smombie Guard)

Voraussichtlich ab April gibt es die App Kangule. Sie ist gedacht für Kinder zwischen drei und zehn, die regelmäßig auf dem Handy oder Tablet ihrer Eltern spielen. Einerseits verhindert die App den Zugriff auf private Daten und Geräteeinstellungen. Sobald die App gestartet wurde, kann das Kind Kangule nicht verlassen und sich nur innerhalb der App bewegen. Sie beinhaltet Spiele bekannter Hersteller, die frei sind von Werbung und In-App-Käufen. Außerdem kann man ein tägliches oder wöchentliches Zeitbudget einstellen. Ist das Budget augeschöpft, meldet sich das Gerät mit der Bemerkung „Zeit ist um!“ ab. Das verhindert lästige Diskussionen ums Aufhören. Geplant ist Kangule als Abo für € 2,99 pro Monat. Noch bis Sonntag, 19.2., läuft eine Kickstarter-Kampagne, damit die App auch wirklich umgesetzt werden kann: Kangule Kickstarter-Kampagne

Grundsätzlich sind solche Apps sicher hilfreich. Aber wir als Eltern dürfen uns damit nicht selbst aus der Verantwortung entlassen. Ja, Diskussionen um Bildschirmzeiten und Spieldauer sind nervig. Aber ich finde es wichtig, dass unsere Kinder auch lernen, solche Themen auszudiskutieren. Dass sie lernen, das elterliche „Nein“ zu akzeptieren und nicht nur eine „Zeit ist um“-Message auf dem Bildschirm. Die Nutzung von Medien bietet Eltern und Kindern die Chance, ins Gespräch zu kommen – im real life. Diese Chancen sollten wir nutzen, ob mit oder ohne App-Hilfe.

Bettina Wendland

Redakteurin Family und FamilyNEXT

PS: Gute Infos zur Medienerziehung findet man hier: www.klicksafe.de, www.schau-hin.info

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