Party statt Schule

„Meine Tochter (17) will nur noch Party machen. Sie hält sich an keine Absprachen, kommt und geht, wann sie will. Schule ist ihr egal. Was kann ich tun?“

 

Zunächst einmal ein kleiner Trost: Es ist nichts Neues, dass Jugendliche auf Regeln pfeifen und nicht auf ihre Eltern hören: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Dieser Satz wird dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben, der von 470 – 399 v. Chr. lebte. Schon er hatte mit dem provokanten Verhalten der Jugend zu kämpfen.

SOUVERÄN BLEIBEN
Wenn Jugendliche sich über Grenzen hinwegsetzen, ist es wichtig, dass die Eltern souverän bleiben und sich nicht provozieren lassen. Natürlich ist es schwer, einfach zu Hause abzuwarten, ob das Kind tatsächlich wieder pünktlich und heil von der Party zurückkommt. Dieses Loslassen ist für alle Eltern ein Lernprozess. Je schwerer er uns fällt, umso mehr rebelliert unser Kind und hält die vorgegebenen Zeiten erst recht nicht ein. Deshalb ist es wichtig, eine eigene Souveränität zu erlangen. Gebet ist dabei eine wesentliche Hilfe. Trotzdem müssen sich die Kinder natürlich daran halten, zu den vereinbarten Zeiten wieder zu Hause zu sein.

GESETZLICHE AUSGEHREGELN
Der deutsche Gesetzgeber hilft hier, denn er gibt sehr genau vor, wie lange Heranwachsende in welchem Alter wegbleiben dürfen (in der Schweiz gibt es leider keine einheitliche Regelung). 16- bis 18-jährige dürfen bis 24 Uhr in einer Disco oder Gaststätte bleiben. Reden Sie mit Ihrer 17-Jährigen und sagen Sie ihr, dass Sie sich Sorgen machen, wenn sie sich nicht an Absprachen hält. Weisen Sie Ihr Kind unaufgeregt und sachlich auf die Konsequenzen hin, die dieses Verhalten nach sich zieht. Sollte sie sich nicht an die Regeln halten, wird der Ausgang ganz gestrichen, oder Sie überlegen sich eine andere Konsequenz.

PARTYS STATT REGELN
Wenn Ihrer Tochter die Schule egal ist, gibt es unterschiedliche Gründe dafür. Finden Sie heraus, ob der Grund für die schlechten Noten im fehlenden Interesse für die Schule oder in einer zunehmenden Überforderung liegt. Im ersten Fall hat es Sinn, die Prioritäten – eventuell mit Hilfe von Lehrergesprächen – wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen. Im zweiten Fall sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter nach Alternativen Ausschau halten, wie eine andere Schulart oder eine Ausbildung. Manchmal hilft es auch, einfach die Klasse zu wiederholen. Überforderung kann durchaus ein Grund dafür sein, dass Ihr Kind mehr Sinn daran sieht, Partys zu machen, als sich um die Schule zu kümmern. Wenn Ihre Tochter Sie nicht mehr in ihr Leben hineinlässt, dann müssen Sie das akzeptieren. Sie wird erwachsen und will sich abgrenzen. Sie müssen es allerdings nicht akzeptieren, wenn Ihre Tochter Ihre Regeln nicht mehr einhält. Machen Sie Ihr klar, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen darf, dass sie sich aber trotzdem an die Regeln zu halten hat, die Sie ihr vorgeben.

 

Ingrid Neufeld ist Erzieherin und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Sie lebt in Mittelfranken.

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