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Die Lesesommer-Tipps von Bettina Wendland

Ulla Hahn: Das verborgene Wort (dtv)

Dieser autobiografisch gefärbte Roman erzählt von einer Nachkriegskindheit im katholisch geprägten Rheinland. Hildegard wächst in einer Familie auf, in der der Glauben streng, unbarmherzig und mit Blick auf die Außenwirkung gelebt wird. Einzige Ausnahme ist ihr Großvater, dessen Glaube geprägt ist von Liebe und Weite und Freiheit. Er verschafft Hildegard einen Zugang zur Literatur, in der sie Zuflucht findet. Ein nicht leicht zu lesender, aber sehr bewegender Roman. Ich habe viel darüber nachdenken müssen: Wie hat der Glaube mich geprägt – und wie präge ich meine Kinder? P.S. Die Fortsetzung der Geschichte findet sich in dem Roman „Aufbruch“ (DVA), den ich mir für diesen Sommer vorgenommen habe.

Rolf Lappert: Nach Hause schwimmen (dtv)

Die Story ist ziemlich traurig: Wilburs Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater verschwindet, schließlich kommt er nach Irland zu seiner Großmutter. Doch das Glück währt nicht lange, sie stirbt bei einem Autounfall. Trotzdem ist dieser mehrfach ausgezeichnete Roman nicht deprimierend, denn mit Hilfe seiner Freundin Aimee lernt der nur 1,50 Meter große Wilbur schließlich, sein Leben zu leben und zu lieben. Das Ganze ist meisterhaft erzählt, die Figuren erscheinen lebensecht – ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte.

Pascal Mercier: Lea (btb)

Wie sehr können wir das „Schicksal“, den Lauf der Dinge, die Entwicklung unserer Kinder beeinflussen? Zwei ältere Männer aus der Schweiz treffen sich in der Provence. Bei der gemeinsamen Rückfahrt erzählt Martijn von seiner Tochter Lea: Nach dem Tod der Mutter findet die Achtjährige durchs Geigespielen ins Leben zurück. Sie ist ein Ausnahmetalent, startet eine große Karriere. Doch glücklich wird sie nicht. Und ihr Vater fragt sich: Ist er schuld an ihrem Unglück? Wie hätte er es verhindern können? Traurig, bewegend, literarisch wertvoll.

Edvard Hoem: Die Geschichte von Vater und Mutter (Suhrkamp Taschenbuch)

Der norwegische Autor erzählt die Geschichte seiner Eltern: Der Bauernsohn Knut zieht als Laienprediger über Land, dabei trifft er Kristine. Sie ist von einem deutschen Soldaten schwanger, der sie sitzengelassen hat. Knut beschließt, sie zu heiraten und damit zu „retten“, obwohl sie ihn nicht liebt und sein Ansehen als Prediger leidet. Das Buch bietet nicht nur die Geschichte einer ungewöhnlichen Ehe, sondern auch einen Einblick in das protestantische, ländliche Norwegen der 30er und 40er Jahre. P.S.: Auch hier gibt’s eine Fortsetzung: In „Heimatland. Kindheit“ (Insel) erzählt Edvard Hoem seine eigene Geschichte.

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