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Sven Gerhardt
Schon sehr junge Kinder nehmen die Stimmung im Elternhaus wahr, wenn sich die Eltern mental und praktisch auf ein neues Baby vorbereiten. Gerade bei den ganz Kleinen sorgt die neue Situation manchmal für Verwirrung und Ängstlichkeit, da sie die Lage noch nicht kognitiv abschätzen können.
Bittere Entthronung
Wenn sich die Eltern einmal in die Situation des Erstgeborenen hinein versetzen, ist solches Verhalten nicht verwunderlich. Was würde die Ehefrau sagen, wenn ihr Mann nach feierlicher Ankündigung eine Nebenbuhlerin mit nach Hause brächte und freudestrahlend verkündete: "Sie wohnt jetzt auch hier, ist das nicht toll?" Das ältere Kind wird buchstäblich von seinem Thron geschubst, und zwar ganz unabhängig von seinem Alter. Kaum ist das Baby zu Hause, dreht sich alles um das Kleine. Und das ältere Kind, das ja auch noch klein ist, versteht die ganze Aufregung vielleicht gar nicht.
Mittendrin statt nur dabei
Mit etwas Einfühlungsvermögen und Verständnis lässt sich die anfängliche Eifersucht aber überwinden. Ganz wichtig ist, dass ihr Kind spürt, dass Sie es noch genauso lieb haben wie vorher, und dass es als größtes Kind immer etwas Besonderes sein wird. Toll wäre auch, wenn Sie im Vorfeld schon die Gelegenheit nutzten und Ihr Kind je nach seinem Alter in die Vorbereitungen mit einbeziehen. Das geht zum Beispiel beim Herrichten des Kinderzimmers oder beim Aussuchen der Babybekleidung. Die Ankunft des Babys kann auch etwas versüßt werden, wenn es dem Geschwister eine Kleinigkeit "mitbringt", zum Beispiel ein Bilderbuch oder ein kleines Spielzeug. Manchen Kindern hilft eine eigene Puppe in der ersten Zeit sehr. Mit ihr kann das Kind alles nachspielen, was Mama und Papa mit dem Baby auch machen. Dadurch identifizieren sich die Kinder eher mit der Rolle des Versorgenden und sind stolz auf ihre Fähigkeiten.
Ich gebe dir, was du brauchst
Genauso wichtig ist bei allem Babystress, dass die Eltern ihr Großes nicht vergessen: eine bestimmte Zeit am Tag – und wenn es nur zehn Minuten sind, sollte zuverlässig für das erste Kind reserviert werden. Da kann das Telefon klingeln und das Baby warten (natürlich nur satt, frisch gewickelt und gesund) – diese Zeit gehört nur dem Erstgeborenen. Diese "Mama-Papa-Oasen" tun der Seele gut und helfen gleichzeitig zu akzeptieren, dass ein Baby viel Zeit und Pflege beansprucht. Manchmal kommt es dennoch vor, dass die älteren Geschwister in ihrer Entwicklung scheinbar stehenbleiben oder sogar einen Rückschritt machen. Sie nässen plötzlich wieder ein, brauchen wieder einen Schnuller oder das Fläschchen. Darauf können Sie gelassen reagieren und Ihrem Kind geben, was es braucht. Bei allem Verständnis ist es aber wichtig, dem Kind auch klarzumachen, dass das Baby ein vollwertiges Familienmitglied ist, das die Eltern auch lieb haben (dürfen!). Geschwister haben schon früh die hautnahe Chance, Rücksichtnahme und Toleranz zu lernen.
Kleine Tricks zur schnelleren Überwindung dieser Phase:
Birgit Wenzel ist Erzieherin, Fachkraft für Sprachförderung im Kindergarten und arbeitet als Journalistin.
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