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Topmodel und Superstar: Gemeinsam mit meinen Kindern fernsehen

Von Michaela Schnabel


Disney, Pippi Langstrumpf, Die Sendung mit der Maus – hach, schön war’s. Aber diese Zeiten sind vorbei. Jetzt heißt es eher: „Heute Abend muss ich dringend Fernsehen gucken, es kommt doch‚ Germany’s next Topmodel‘ oder ‚Desperate Housewives‘ oder ‚DSDS‘ oder …“

Pädagogisch interessierte Eltern wissen: Gemeinsam mit seinen Kindern Fernsehen schauen ist gut. Ich bemerke ihre Reaktionen, ich kann zwischendrin oder hinterher mit ihnen über die Dinge reden, die präsentiert wurden. Und so wird man Experte für „Die Sendung mit der Maus“ und das Disney-ABC: Aladdin, Bambi, Cinderella. Doch auf einmal sind die Kinder groß. Sie sind auch keine Kinder mehr, sondern Jugendliche und voll cool. Ihre Sehgewohnheiten sind jetzt eine Herausforderung für Eltern. Denn auch hier eröffnen sich wieder neue Welten: die krassesten Horrorfilme, die wildesten Actionfilme, unrealistische Gerichtssendungen, Superstar, Supermami, Topmodel, Topsportler, Topkoch, Intelligenzbestie, Dschungel-Surviver … Es gibt Sendungen, die strotzen vor Sex, Gewalt und Schimpfwörtern. Der Zuschauer setzt sich beziehungslosen Beziehungen aus, es geht um Schönheit anstelle von inneren Werten, sexuelle Eroberung als Lebensziel anstelle von dauerhaften, tief gegründeten Liebesbeziehungen, Tötungsabsichten und Morden anstelle von Lebensschutz.

Gemeinsame Zeit

Diese neuen Vorlieben paaren sich mit einer Erziehung, die in die Selbstständigkeit führen soll. Schritt für Schritt erhält der Jugendliche also mehr Freiheiten, um zu lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen. Mit zunehmendem Alter wird der Gestaltungsfreiraum größer.
Die Zeiten, wann Fernsehen geschaut wird, wie lange man davor sitzen darf und was geguckt werden darf, all das verändert sich. Das heißt auch, dass es mehr Freiraum für Sendungen und Filme gibt, die ich nicht ausgesucht hätte. Warum ich trotzdem mitgucke jedenfalls ab und zu?

  • Es gibt nicht mehr viele Sachen, die man als Eltern gemeinsam mit Jugendlichen machen darf. Sich gemeinsam berieseln lassen, das geht. Und für mich ist das gemeinsame Zeit mit meinem Kind. Wir werfen uns Kommentare zulachen gemeinsam und haben eine gemeinsame Erinnerung: „Weißt du noch in dem Film, als …“

  • Ich kriege aus erster Hand mit wo mit sich meine Kinder beschäftigen. Aha, das ist heute angesagt. Darüber reden sie mit ihren Freunden. Mit diesen Einstellungen, diesem Gedankengut setzen sie sich auseinander. Ich versuche, mich zurückzuerinnern: Wie war das damals als ich 16 war? Wie würde sich das anfühlen, heute 16 zu sein? Was wäre schön, würde Spaß machen? Was würde mich unter Druck setzen?

  • Und natürlich nutze ich die Chance und gebe zu der ein oder anderen Situation einen Kommentar. Erinnere sie daran, dass es auch andere Standpunkte und Einstellungen gibt. Oder er kläre, was ich an den Sendungen und Filmen nicht gut finde, auch wenn ich sie mitgucke. Aber auch in anderen Gesprächen kann ich auf das Bezug nehmen, was wir gemeinsam gesehen haben Szenen und Situationen, die sie kennen als Beispiele nutzen. Gemeinsam Gesehenes ist auch eine Form von Verbindung miteinander.


Die Medienwelt ist sehr prägend für Jugendliche. Die spezielle Jugendkultur wird gepflegt und ausgebaut, sie grenzt sich mehr und mehr von der „Erwachsenenwelt“, also meiner Welt, ab. Ich möchte meine Jugendlichen aber auf ihrem Weg ins Erwachsenendasein begleiten. Deshalb will ich ein bisschen in ihrer Welt beheimatet sein.

Michaela Schnabel ist Sozialpädagogin und lebt mit ihren drei Töchtern in Witten.

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