
Pädagogisch interessierte Eltern wissen: Gemeinsam mit seinen Kindern Fernsehen schauen ist gut. Ich bemerke ihre Reaktionen, ich kann zwischendrin oder hinterher mit ihnen über die Dinge reden, die präsentiert wurden. Und so wird man Experte für „Die Sendung mit der Maus“ und das Disney-ABC: Aladdin, Bambi, Cinderella. Doch auf einmal sind die Kinder groß. Sie sind auch keine Kinder mehr, sondern Jugendliche und voll cool. Ihre Sehgewohnheiten sind jetzt eine Herausforderung für Eltern. Denn auch hier eröffnen sich wieder neue Welten: die krassesten Horrorfilme, die wildesten Actionfilme, unrealistische Gerichtssendungen, Superstar, Supermami, Topmodel, Topsportler, Topkoch, Intelligenzbestie, Dschungel-Surviver … Es gibt Sendungen, die strotzen vor Sex, Gewalt und Schimpfwörtern. Der Zuschauer setzt sich beziehungslosen Beziehungen aus, es geht um Schönheit anstelle von inneren Werten, sexuelle Eroberung als Lebensziel anstelle von dauerhaften, tief gegründeten Liebesbeziehungen, Tötungsabsichten und Morden anstelle von Lebensschutz.
Gemeinsame Zeit
Diese neuen Vorlieben paaren sich mit einer Erziehung, die in die Selbstständigkeit führen soll. Schritt für Schritt erhält der Jugendliche also mehr Freiheiten, um zu lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen. Mit zunehmendem Alter wird der Gestaltungsfreiraum größer.
Die Zeiten, wann Fernsehen geschaut wird, wie lange man davor sitzen darf und was geguckt werden darf, all das verändert sich. Das heißt auch, dass es mehr Freiraum für Sendungen und Filme gibt, die ich nicht ausgesucht hätte. Warum ich trotzdem mitgucke jedenfalls ab und zu?
Die Medienwelt ist sehr prägend für Jugendliche. Die spezielle Jugendkultur wird gepflegt und ausgebaut, sie grenzt sich mehr und mehr von der „Erwachsenenwelt“, also meiner Welt, ab. Ich möchte meine Jugendlichen aber auf ihrem Weg ins Erwachsenendasein begleiten. Deshalb will ich ein bisschen in ihrer Welt beheimatet sein.
Michaela Schnabel ist Sozialpädagogin und lebt mit ihren drei Töchtern in Witten.
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