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"Ich bin doch nicht Hotel Mama!"

Von Christina Rosemann


Ist das Kind König?

Solange du die Füße unter unseren Tisch stellst, dich aus unserem Kühlschrank bedienst und auf unsere Kosten duschst, hast du dich gefälligst auch an unsere Ordnung zu halten.“ Ups – wer spricht denn da? Bin ich das? Oder erkenne ich die Worte meiner Eltern wieder?

Um es vorweg zu sagen: Ich liebe es, wenn alle Füße unter meinem (unserem) Tisch stehen. Nicht etwa, weil ich denke, dass wir als Eltern uneingeschränkt sagen könnten, wo es lang geht. Ich liebe es, wenn alle Füße unter unserem Tisch stehen, weil es die Highlights für uns als Eltern sind: lecker kochen und gemütlich zusammen essen.

Geben und Nehmen

Zugegeben, gemütlich ist es nicht immer, mit heranwachsenden und erwachsenen Kindern unter einem Dach zu leben. Meistens wird angestrengt diskutiert und oft laut gestritten. „Ich bin doch nicht Hotel Mama!“ Diesen Satz höre ich immer wieder von empörten Eltern. Und auch wir haben uns manchmal gefragt, ob Geben und Nehmen im Zusammenleben mit unseren Kindern noc in einem angemessenen Verhältnis stehen. Je älter unsere Kinder wurden und je mehr sie ihre eigenen Wege gegangen sind, sahen wir uns herausgefordert, Regeln und Rituale zu entwickeln, die es möglich machten, Familienleben zu gestalten. Der Konflikt ist allerdings vorprogrammiert, wenn Eltern sich wegen ihrer Stellung autorisiert fühlen, Vorschriften zu machen. Und genauso destruktiv ist es, wenn sich die jungen Leute herausgefordert fühlen, ihre Eltern zu provozieren und das Zusammenleben in der Familie in Frage zu stellen. Viele Eltern besprechen sich mit ihren Kindern, aber nicht in wohlwollender und partnerschaftlicher Art und Weise. Sie nennen es Diskussion, aber oft gleicht es eher einer Gerichtsverhandlung – es wird beschworen, gepredigt, gedroht, bestochen, angefleht oder gezwungen. Ist es da verwunderlich, wenn der Streit immer wieder zu eskalieren droht?

Alltägliche Reibereien

Wenn Eltern ständig damit beschäftigt sind, ihre Überlegenheit zu behaupten, geht der Kampf los. Das Ringen zwischen den Generationen, bei dem es meist um die kleinen, alltäglichen Reibereien geht, ist in Wirklichkeit nur ein Ringen um unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Als Eltern sind wir herausgefordert, die Entwicklung unserer heranwachsenden Kinder zu begleiten und zu beeinflussen, ohne mit ihnen zu kämpfen. Allerdings fühlen sich viele Eltern auf diesem Weg überfordert und geben alle Bemühungen auf, das Familienleben zu gestalten. Aber sie können lernen, Einfluss auszuüben, anstatt auf Autorität zu pochen oder sich resigniert zurückzuziehen.

Mitverantwortung

Der erste Schritt in eine andere Richtung wäre getan, wenn Eltern ihre jugendlichen Kinder als ernstzunehmendes Gegenüber anerkennen und sie in die Mitverantwortung für ein harmonisches Familienleben einbeziehen. Jedes Familienmitglied sollte Verantwortung für ein gelingendes Familienleben übernehmen und gleichzeitig genug Raum haben, sich als eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln. Dabei stehen die Eltern im Zentrum der Familie, aber sie sollten sich nicht ausschließlich um die Bedürfnisse der Kinder bemühen. Sie sollten sich auch um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern. Irgendwann haben mein Mann und ich entdeckt, dass das gemeinsame Essen die beste Möglichkeit ist, auch die älteren Kinder einzuladen, gemeinsam als Familie in Kontakt zu bleiben – es ist zum zentralen Element unseres Familienlebens geworden. Dort werden Absprachen getroffen, Probleme gewälzt, die neusten Informationen weitergegeben, Pläne gemacht, Aufgaben verteilt, es wird geredet, diskutiert, gestritten und, wenn es gut läuft, ganz viel zusammen gelacht.

Quelle:family

Labels: Selbständigkeit

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