
Pädagogen und Psychologen warnen: Viele Jugendliche sind bis über die Ohren in der Konsumfalle. Selbstwert und Attraktivität wird immer mehr über Besitz definiert. Wichtige erlernbare Fähigkeiten wie soziale Kompetenz, Zuverlässigkeit oder Einfühlungsvermögen verlieren in dem Maß an Attraktivität, in dem sozialer Status einfach gekauft wird. Es ist nicht schlecht, dass junge Erwachsene gesteigerten Wert darauf legen, bei anderen gut anzukommen. Schlecht ist, wenn sie dabei nicht die Fähigkeiten erwerben, die wesentlich dazu beitragen, dass ihr Leben gelingen kann.
Von Dr. Ulrich Giesekus
Klar, dass der Umgang mit Kohle in vielen Familien Reizthema Nr. 1 ist. Eltern suchen nach Orientierung: Was ist eigentlich noch normal? Wer definiert die Maßstäbe? Wie finden wir das richtige Maß? Problem: das richtige Maß gibt es nicht. Für jede Familie gelten andere Grundbedingungen; und wenn irgendjemand behauptet zu wissen, ob Eltern den Führerschein bezahlen sollen oder welche Summe ein Student monatlich braucht, dann lügt er. Das weiß keiner. Alles kann falsch sein und alles richtig. Was den einen verwöhnt, ist dem anderen zu wenig. Ein eher zwanghafter Mensch muss zu Großzügigkeit erzogen werden, ein Chaot zu Disziplin. Beides gleichzeitig geht schlecht.
Aber es gibt Grundprinzipien, die bei den individuellen Entscheidungen helfen können. Dazu ein paar Tipps:
Machen Sie Geld nie zur Hauptsache!
Weder das Geld, was man hat, noch das, was man nicht hat. Wenn es Ihnen gelingt, Geld zu einer Nebensache zu machen, wird es nicht über Sie oder Ihre Kinder herrschen. ("Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr") Spielen Sie nicht mit und unterstützen Sie es nicht, wenn Ihr Nachwuchs das Glück dieser Erde im fetten Konto oder im BMW sieht. Sinnvolle Lebensziele liegen immer im "Sein" begründet, niemals im "Haben".
Vermeiden Sie Extreme!
Wenn es um Nebensachen geht, sind fast immer die Mittelwege goldrichtig. So auch die biblische Sicht in Sachen Geld: "Gib mir nicht Armut, nicht Reichtum! … dass ich weder übersatt Dich leugne, … noch, arm geworden, stehle." (Sprüche 30, 8 ff.) Die Extreme sind ungesund. Das Motto der Sparsamen "arm leben und reich sterben" führt in die Sklaverei, ebenso "iss und trink, morgen sind wir tot".
Lassen Sie sich ruhig in die Karten schauen!
Beginnen Sie so früh wie möglich damit, Ihre Kinder an den finanziellen Entscheidungen in der Familie zu beteiligen. Es schadet nichts, wenn Kinder nachvollziehen können, wie Eltern rechnen müssen. Das vielleicht Wichtigste, was man im Umgang mit Geld lernen kann, ist Ehrlichkeit. Gehen Sie also mit gutem Beispiel voran und lassen Sie die Familienfinanzen nicht zum Tabuthema werden. Finden Sie ein Ja zu Ihren finanziellen Realitäten. Was Sie sich nicht leisten können, brauchen Ihre Kinder auch nicht.
Achten Sie auf Gerechtigkeit!
Gerechtigkeit ist nicht Gleichbehandlung, sondern reagiert bedürfnisorientiert. Die Verteilung unter Geschwistern darf jedoch niemals willkürlich sein. (Streitigkeiten über ungerechte Erbverteilung gehen oft über Generationen und zerbrechen Familien.) Aber ein musikalisch begabtes Kind braucht vielleicht ein Klavier, ohne dass alle Geschwister sich jetzt ebenfalls ein ähnlich teures "Spielzeug" leisten müssen. Auf lange Sicht gesehen wird sich das insgesamt ausgleichen. Familien, in denen ständig aufgerechnet wird, können Geld nicht zur Nebensache machen.
Versuchen Sie nie, Ihre Kinder zu kaufen!
Es ist gut, sich eigenes Geld zu verdienen. Das kann durch Verträge geschehen ("Wer bis zum 18ten Lebensjahr nicht raucht, bekommt den Führerschein bezahlt") oder durch Leistung ("Ich biete dir einen Ferienjob an …"). Aber: Versuchen Sie niemals, sich persönliche Nähe, innere Einstellungen oder Gehorsam zu "kaufen". Sie werden Trotz ernten oder Heuchelei. In meiner familientherapeutischen Praxis kommt es gar nicht so selten vor, dass Ehen äußerst angespannt sind, weil Eltern oder Schwiegereltern in die Ehe hineinregieren und ihrem Herrschaftsanspruch mit dem Testament (bzw. der Drohung, es zu ändern) Nachdruck verleihen.
Was sind Sie wert?
Unabhängig von Ihrem Konto: Für Gott sind Sie es wert gewesen, dass er selber Mensch wurde, arm war und elend verreckt ist. Wenn Sie das vermitteln, werden dadurch die Diskussionen um Geld nicht erledigt, aber das Wesentliche wird wichtig.
Dr. Ulrich Giesekus ist Psychotherapeut und führt eine Praxis in Freudenstadt, wo er auch mit seiner Frau und vier Kindern (15 – 21) lebt. E-Mail: info@giesekus.de
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