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Von Angebern und Tiefstaplern „In Mathe bin ich die Beste!“

Von Stefanie Diekmann


Erst, zweiter, dritter: Ob sich Kinder als Sieger fühlen, hat eine Menge mit ihrem Selbstwertgefühl zu tun.

Bild:

Sven Gerhardt

Gemütliches Playmobil-Gekruschel kommt aus dem Kinderzimmer. Timna hat Besuch und spielt mit ihrer Freundin. Durch die offene Tür höre ich, wie Tomke sagt: „Ich hatte im letzten Diktat null Fehler. Und du?“

Timna murmelt: „Auch.“ Schweigen und Gekruschel. „In Mathe bin ich die Beste. Und du?“ Timna: „Weiß ich nicht.“ Schweigen. „Ich habe schon fast 1.000 Euro gespart. Und du?“ … „Ich bin ziemlich hübsch.“ … „Mein Zimmer ist ein Stückchen größer als deins.“ Von Timna höre ich wenig.

 

„Ich bin wertvoll“

Ich staune, wie verschieden Kinder sind. Wie sie Dinge bewerten. Was ihnen wichtig ist. Wieso misst das eine seinen Erfolg so stark und wieso gibt das andere Kind nicht preis, wo seine Qualitäten stecken? Wie schnell erleben beide Kinder mit ihrer Haltung Misserfolge: Das eine Kind wird als unangenehmer,  egozentrischer Angeber in sozialen Gefügen unbeliebt werden. Das andere Kind wird durch das Tiefstapeln an sich und seinen Erfolgen zweifeln, sich mühen und herausfordern und doch nicht spüren, wie weit es gekommen ist. Bei beiden Gruppen ist es wichtig, eine Grundvoraussetzung neu wachzurufen: den Wert ihrer Persönlichkeit. Ein Kind, das sich wertvoll empfindet, hat nicht nötig zu messen, zu bewerten, seine Erfolge zur Schau zu stellen. Ein Kind, das sich wertvoll empfindet, hat nicht nötig, seine Erfolge klein zu reden, sie zu missachten oder zu verheimlichen. Für die Eltern bedeutet diese „schlichte“ Erkenntnis eine notwendige Vorarbeit. Welche Dinge, Eigenschaften, Ziele sind für mich und für mein Kind wichtig? Wenn es die Medaillen und die schönen Augen sind, wird das Kind Äußerliches natürlich stärker bewerten. Manch mal sagen Eltern als Lippenbekenntnis: „Uns ist ganz wichtig, dass das Kind sozial ist und sich um andere kümmert.“ Die Sprache des Lebens bedeutet aber: „Stell dich auf Fotos für die Zeitung vorne hin!“ „Sing laut, damit dich alle hören!“ Eltern von Tiefstaplern verstärken die Tendenz durch Aussagen wie: „Gib nicht mit deinem Klavierspiel an!“ „Sag nicht, dass du Klassenbeste bist, das macht nur neidisch!“

Tipps für „Angeber“-Eltern


Ich hinterfrage, warum mir Erfolg in Sport, Aussehen und Schule so wichtig ist. Ich lobe mein Kind bewusst für sein Wesen, nicht so sehr für seine  Errungenschaften: „Ich bin gern mit dir zusammen, wenn …“, „Du bist ein schnell denkendes Kind, Gott hat dich super gemacht.“, „Du bist ein Gewinn für uns, wenn du so fröhlich bist.“ Ich betone, dass nicht Leistung, sondern die Herzenshaltung lobenswert ist. Dazu bemühe ich mich, dem Kind zu helfen, andere zu sehen und wahrzunehmen. „Deine Eins in Physik ist der Knaller. Gibt es jemanden, der sich nicht so mitfreuen kann? Was kannst du ihm geben?“ Ich lasse zu, dass mein Kind andere Angeber wahrnimmt: „Hast du gehört, wie Lukas über seine Trainingserfolge gesprochen hat? Wie findest du das?“ Tipps für "Tiefstapler"-Eltern Ich hinterfrage, ob ich Erfolg nicht loben und genießen kann. Ich bemühe mich, den Weg und die Leistung sichtbar zu machen: „Du hast jeden Tag die Vokabeln geübt. Die Eins hast du durch dieses Training verdient. Ich bin stolz auf dich!“ Mein Kind soll lernen, dass es Erfolge feiern darf. Etappenziele werden bewusst wahrgenommen. Die eigenen oft hohen Ansprüche und Versagensängste werden so den Erfolgen gegenüber gestellt. Ich male mit dem Kind in Zukunftsfantasien aus, was ihm mit seinen Fähigkeiten möglich ist.


Stefanie Diekmann ist Erzieherin und arbeitet als Bildungsreferentin beim Jugendrotkreuz. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

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