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family.de Tränen am Schreibtisch

Von Stefanie Böhmann


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Mama, ich habe jetzt keine Lust, meine Hausaufgaben zu machen.“ Die Mutter rollt mit den Augen und startet eine Erklärungsflut, warum die Hausaufgaben sofort gemacht werden sollten. Dies wiederum verursacht Tränen auf Seiten des Kindes und ein Frustgefühl auf beiden Seiten.

Kennen Sie dieses Szenario? Es hat sich seit dem Schuleintritt unserer ältesten Tochter schon häufiger bei uns abgespielt.
Uns war klar: So kann es nicht weitergehen. Ich habe mich gefragt, welche Rolle ich bei den Hausaufgaben zu spielen habe und wie ich meinem Kind die Freude daran vermitteln kann. Das Ziel der Aufgaben ist ja eine Vertiefung des Gelernten, eventuell eine Vorbereitung auf den nächsten Unterricht. Im Endeffekt aber soll es meinem Kind helfen, eigenverantwortliches und selbstständiges Lernen zu lernen. Hausaufgaben sollten eigentlich eine leistbare Herausforderung bieten, nicht ein unüberwindbares Hindernis darstellen.

Möglichst selten

„Die Kunst des Helfens besteht darin, dem Kind in bestimmten Situationen ganz gezielt zur Seite zu stehen – und das möglichst selten“, so der Hamburger Erziehungswissenschaftler Peter Struck. Die Hausaufgaben sollten von den Schülern alleine bewältigt werden. Wenn sie Fragen haben, dürfen die Eltern gerne helfen. Wenn Ihr Kind Hilfe braucht, lassen Sie sich von ihm die Aufgabenstellung erklären. Es sollte selber darstellen, wo das Problem liegt. Meistens wird es Kindern klarer, wenn sie über ihre offenen Fragen reden.
Wenn nicht, dann kann man auf ähnliche Beispiele aus der Schule verweisen oder kleine Hilfestellungen geben. Sollten Sie selbst nicht mehr weiterwissen, können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind auf eine Forschungsreise durch Lexika oder das Internet gehen. Dieser Fall sollte aber nicht zu häufig vorkommen, denn das ist ein Zeichen, dass die Hausaufgaben die Schüler überfordern. Ein Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer wäre dann angebracht.

So geht’s besser:

Umgebung: Der Ort, an dem die Hausaufgaben gemacht werden, sollte ordentlich sein und nicht zu viele Ablenkungen bieten. Motivieren Sie Ihr Kind, den Schreibtisch aufgeräumt zu halten und auf genügend Platz zum Schreiben zu achten.
Zeit: Überlegen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, wann es am besten die Hausaufgaben machen kann. Direkt nach der Schule sind viele Kinder müde. In diesem Fall versuchen Sie Ihrem Kind eine Pause zu lassen. Manche Kinder sind am Abend wieder aufmerksamer, wenn sie genügend Zeit zum Spielen und Toben hatten. Dies haben wir auch bei uns beobachtet: Unsere Tochter setzt sich lieber am Abend an die Hausaufgaben. Dann ist sie wesentlich schneller fertig als am Nachmittag. Wenn sie allerdings noch eine Abendveranstaltung hat, lege ich Wert darauf, dass sie die Hausaufgaben mittags fertig macht.
Lob: Loben Sie Ihr Kind, wenn es Aufgaben gut erledigt oder besonders schön geschrieben hat. Wenn Sie etwas zu kritisieren haben, loben Sie Ihr Kind zuerst und versuchen dann, das Augenmerk des Kindes auf Dinge zu richten, die weniger gut gelungen sind.
Ausgleich: Achten Sie auf ausreichend Bewegung und frische Luft für Ihr Kind. Durch die Bewegung wird die Durchblutung gefördert und das Kind bekommt wieder neue Kraft.
Schaffen Sie also die richtigen Rahmenbedingungen und mischen Sie sich nicht unerwünscht in die Hausaufgaben ein. Die Erziehungswissenschaftlerin Britta Kohler fordert von Eltern, dass sie ihren Kindern „das schöne und beflügelnde Erlebnis, eine Aufgabe ohne Unterstützung bewältigt zu haben“ ermöglichen. Dann können Hausaufgaben als Lust, und nicht nur als Frust, wahrgenommen werden.

Stefanie Böhmann ist Grundschullehrerin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hamburg.

Quelle:family family jetzt kostenlos testen

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