Die Verbindung von alten Traditionen und neuen Ideen lässt die Adventszeit mal ganz anders glänzen. Von Stefanie Böhmann

Ein lauter Jubelschrei klingt durch unsere Wohnung, wenn ich meinen Kindern signalisiere, dass wir nun endlich die Weihnachtskiste aus dem Keller holen können, um die Wohnung adventlich zu schmücken. Obwohl ich auch in den anderen Jahreszeiten die Wohnung mit den Kindern dekoriere, ist die Vorfreude auf die Adventszeit besonders groß. Woran liegt das? Warum feiern wir Advent und wie feiern wir ihn?
Mit dem Wort „Advent“ verbinden wir die Vorbereitung auf den Geburtstag Jesu. Wenn unsere Kinder Kindergeburtstag feiern, dann müssen möglichst früh Einladungen gestaltet, Spiele und Programm überlegt und Kuchenwünsche geäußert werden. Die Vorfreude und Erwartung ist riesengroß, weil es natürlich liebgewonnene Rituale gibt, aber ein Geburtstag auch immer voller Überraschungen steckt. Ähnlich ist es auch mit Weihnachten. Dieses Fest, das als das klassische Familienfest gilt, wird lange im Voraus geplant und die Vorfreude steigt von Tag zu Tag.

Der Ursprung

Das Wort „Advent“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“. Im Griechischen wählt man das Wort „epiphaneia“ (Erscheinung), wenn man den Besuch eines Königs oder eines hohen Amtsträgers erwartet. Im Advent bereiten wir uns auf der einen Seite auf den Geburtstag Jesu vor, aber es ist auch eine Erwartungszeit, in der wir auf die Wiederkunft von Jesus warten.

In den ersten Jahrhunderten nach Jesu Tod galt diese Ankunftszeit als Fastenzeit. Papst Gregor legte auf der Grundlage der 4.000 Jahre andauernden Zeit, die nach kirchlicher Geschichtsschreibung vom Sündenfall Adams und Evas bis zur Geburt des Erlösers verstrichen ist, im siebten Jahrhundert fest, dass nur vier Adventssonntage gefeiert werden sollten. Die orthodoxen Kirchen halten auch heute noch an der 40-tägigen Fastenzeit fest.

Adventskalender

Ob nun gefastet oder gebacken wird, die Adventszeit ist mit einigen Traditionen verbunden: Seit 1920 gibt es den Adventskalender mit Türen zum Öffnen. Doch die Idee des Adventskalenders stammt bereits aus der Zeit um 1886. Dem Sohn eines schwäbischen Pfarrers aus Maulbronn verkürzte die Mutter die lange Wartezeit, indem sie ihm 24 kleine Kekse, „Wibele“ (schwäbische Spezialität), auf einen Karton band. An diese kleinen Geschenke seiner Mutter erinnerte sich Gerhard Lang später, als er Buchdrucker war. Er druckte erst Kalender mit Gedichten und Bildern, später einen mit Fensterchen zum Öffnen, hinter denen Bilder versteckt waren und auch den Schokoladenadventskalender hat Gerhard Lang geprägt.

Sehr schön nachlesen kann man diese Geschichte in folgendem Buch: „Wann ist endlich Weihnachten? Die Geschichte des ersten Adventskalenders“ (SCM Hänssler). Heute gibt es Adventskalender in den unterschiedlichsten Ausführungen: In vielen Familien wird viel Liebe in die Gestaltung und Füllung der Kalender gelegt. Ob es nun Klopapierrollen sind, die in Tannenbaumformat aufeinander gestapelt, angemalt und dann gefüllt werden oder gespannte Schnüre am Treppengeländer, an denen Geschenke hängen.

Sie können auch die Weihnachtsgeschichte in 24 Tagen nachlesen und dazu passende Lichthäuser bauen, sodass Sie an Weihnachten die Weihnachtsgeschichte mit Hilfe dieser Lichthäuschen nacherzählen können (Anleitung dazu in: Stefanie Böhmann: „Eine Reise zum Weihnachtsfest“, Brunnen). In anderen Familien wird an jedem Tag im Advent eine Figur zur Krippe gestellt oder ein Teelicht mehr leuchtet den Weg zur Krippe aus.

Adventskranz

Der Adventskranz wurde schon vor dem Adventskalender erfunden. Pastor Johann Hinrich Wichern, der sich um arme Hamburger Kinder kümmerte, wollte mit diesen die Adventszeit feiern. Er versammelte die Kinder jeden Abend um sich, erzählte ihnen Geschichten und betete mit ihnen. Dabei zündete er jeden Abend eine weitere Kerze an, bis am Heiligen Abend 24 Kerzen brannten. Einer seiner Freunde griff die Idee im nächsten Jahr auf und baute einen Kronleuchter. Er band Tannenzweige darum und steckte 24 Kerzen auf den Leuchter. Heute haben wir als Adventskranz also nur noch die verkleinerte Variante des Lichterkreises. Das Kerzenlicht an sich weist natürlich auch schon auf die Geburt dessen hin, der von sich selber sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Die vier Kerzen sollen uns an dieses Licht erinnern.

Barbara und Nikolaus

Ein weiterer Brauch wird am 4.12. gefeiert. Das ist der Barbaratag. Barbara lebte vor vielen Jahrhunderten in der Türkei. Weil sie sich für den christlichen Glauben entschied, wurde sie von ihrem Vater an die Polizei verraten. Auf dem Weg ins Gefängnis verfing sich ein Zweig in ihrem Haar. Im Gefängnis steckte sie ihn in ihr Trinkglas. Am Tag ihrer Hinrichtung blühte der Zweig und machte ihr Mut, am Glauben festzuhalten. Der Barbarazweig ist meist ein Obstbaumzweig, der am 4.12. in eine Vase mit Wasser gesteckt wird, um dann zu Weihnachten zu blühen. Seine Blüte soll auch an das Licht erinnern, dass durch Jesu Geburt auf die Welt gekommen ist.

Zwei Tage später, am 6.12., erinnern wir uns an Nikolaus von Myra, der sein Hab und Gut eingesetzt hat, um anderen Menschen zu helfen. Wenn der Nikolaus zu Ihrem Kind nach Hause kommt und es beschenkt, dann soll diese Geste Ihr Kind daran erinnern, dass Nikolaus von Myra damals auch geschenkt und verteilt hat.

Geburtstagsvorbereitung

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, dass ich mit meinen Kindern die Adventszeit so feiern möchte, als würde ein Kindergeburtstag ins Haus stehen. In der ersten Woche werden wir uns Gedanken über die Geburtstagsdekoration machen und schon einige Vorbereitungen treffen. Auch die Dekoration für das Weihnachtsessen (Tischdeko, Baumdekoration) kann schon gebastelt werden. In der zweiten Woche soll es um das Essen gehen. Das Weihnachts-„Geburtstags“-Essen wird geplant und Plätzchen werden gebacken. In der dritten Woche liegt das Hauptaugenmerk auf den Geschenken. Wir werden uns überlegen, was wir Freunden schenken können, aber auch, was wir Jesus zu seinem Geburtstag schenken können. Beispielsweise freut sich Jesus, wenn wir an alte und kranke Menschen denken. Waren Sie mit Ihren Kindern schon einmal in einem Altenheim und haben den Menschen dort Weihnachtslieder vorgesungen? Zu meiner eigenen Jungscharzeit gehörte das immer zur Weihnachtszeit dazu, dass wir alte Menschen besucht haben. Noch heute erinnere ich mich an viele leuchtende und oft auch feuchte Augenpaare.

Ein Fest sollte nicht ohne Freude und gute Laune gefeiert werden. Ich versuche mir in der letzten Woche vor Weihnachten keinen Stress zu machen, sondern Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, Geschichten zu lesen, zu beten und ruhig zu werden. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Stefanie Böhmann ist Grund- und Hauptschullehrerin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hamburg.