Wenn einsilbige Cowboys beredte Quasselstrippen heiraten, kann schon mal ein kommunikatives Ungleichgewicht entstehen. Drei Paare berichten, wie sie damit umgehen. Aber nicht immer sind die Frauen die Vielrednerinnen …
Thomas Schol schiebt im Gespräch gern eine ruhige Kugel. Seine Frau Dorothee überholt ihn locker von rechts.
Bekenntnisse eines Schweigers
Von Thomas Schol
Ja, ich bekenne: Ich habe gerne meine Ruhe. Nicht ständig und immer, denn sonst hätte ich nicht geheiratet. Aber Kommunikation über das lebensnotwendige Min destmaß hinaus empfinde ich schnell als ärgerliche Zeitverschwendung. Mit Homer Simpson sage ich: Schuld an Ehestreitigkeiten ist meist die Kommunikation – zu viel Kommunikation.
Meine Frau Doro ist da anders. Sie redet gern, freut sich daran, meine Stimme zu hören und ihre Erlebnisse verbal mit mir zu teilen. Einerseits wirkt das auf mich unselbstständig. Ich tue mich schwer, sie darin ernstzunehmen. Andererseits ist es gut, dass Doro mich aus der Reserve lockt. Ich brauche ihre Ergänzung.
Besonders mag ich meine Frau in ihrer Rolle als „Außenministerin“ unserer Familie. Sie regelt unsere privaten Angelegenheiten, lädt Leute ein und pflegt soziale Kontakte. Davon profitiere ich auch. Ich mag es, wenn wir Besuch haben. Dann reden alle nett miteinander, und ich brauche nur zuzuhören und kann mich nebenher um die Kinder und den Abwasch kümmern.
Zu Beginn unserer Beziehung hatten wir ein aufschlussreiches Erlebnis in einer Bäckerei. Ich suchte mir etwas aus, bezahlte – und war erstaunt, dass Doro tief verletzt war, weil ich ihr nichts gekauft hatte. Damals dachte ich: „Sie ist doch alt genug, sich selbst etwas auszusuchen.“ Heute achte ich darauf, dass wir bei solchen alltäglichen Dingen als Paar auftreten und handeln. Zu Hause benutzen wir kleine Kommunikationshelfer: An der Pinnwand hängt unser Wochenplan, und auf Post-its hält Doro manche Erlebnisse mit den Kindern tagsüber fest.
Das Rede-Tempo drosseln
Von Dorothee Schol
Es gibt nichts Schöneres, als lange, ausgiebige Gespräche zu führen – finde ich! Mein Mann Thomas sieht das anders, und ich habe gelernt, ihn trotzdem zu lieben. Er ist eben ein Mann. Er macht Dinge mit sich selbst aus, indem er darüber nachdenkt. Ich bin ganz Frau und reflektiere Dinge, während ich darüber rede.
Es ärgert mich, wenn ich merke, dass Thomas mir nicht zuhört, aber so tut als ob. Inzwischen erkenne ich das recht schnell. Wir haben gelernt, auch darüber zu sprechen. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass ich Thomas meine Liebe am besten zeige, indem ich ihn in Ruhe lasse – das widerstrebt mir zwar sehr, aber ich weiß, dass es ihm gut tut und er danach wieder mehr Energie hat, mir zuzuhören.
Da ich den ganzen Tag mit unseren zwei Jungs zu Hause bin, hat sich am Abend vieles bei mir aufgestaut, worüber ich gern mit Thomas sprechen möchte. Sobald mein Mann die Tür aufmacht, sind da allerdings auch noch zwei kleine Kerle, die mir mit der gleichen Absicht Konkurrenz machen. Und wenn die beiden dann im Bett liegen, braucht Thomas erst mal eine Pause.
Wir verlegen unseren Tagesrückblick auf den späteren Abend und unterhalten uns entspannt auf dem Sofa. Dann bin ich schon ein bisschen müde, und mein Tempo ist gedrosselt, sodass Thomas sich besser auf das Gespräch konzentrieren kann. Seit wir Kinder haben, die beide unglaublich viel reden können und uns den ganzen Tag zutexten, kann ich sogar meinen Mann besser verstehen, wie es ihm wohl manchmal mit mir geht …
Weitere Paare und ihre Geschichten sind in der aktuellen family-Ausgabe zu finden...




