Beiträge

Unter einem Dach – Nur noch Augen für die Freundin?

Elternfrage: „Mein Sohn (16) hat zum ersten Mal eine Freundin. Er ist sehr glücklich und fast jeden Tag mit ihr zusammen. Mit seinen Freunden trifft er sich kaum noch. Sollte ich ihn darauf hinweisen?“

In meiner Ausbildung zur Beraterin habe ich gelernt, dass wir Kindern keine Ratschläge erteilen sollten, denn es seien doch Schläge. Schläge kommen nicht gut an und führen meistens zum Gegenteil dessen, was wir erreichen wollen. Alles schön und gut, aber wenn es um das eigene Kind geht, sieht die Sache anders aus, oder? Denn manchmal würde man sie doch am liebsten rütteln, die lieben Pubertiere, wenn sie ganz andere Vorstellungen haben als wir Eltern. Es ist schwer zu ertragen, wenn sie unsere wohlgemeinten Ratschläge nicht hören wollen. Wenn sie dann auch noch mit dem anderen Geschlecht ins Haus kommen, die Hormone verrücktspielen und sich alles in die rosarote Wolke einhüllt: Dann bekommen wir Eltern unsere Kinder gar nicht mehr zu sehen. Da stehen wir dann mit unseren Erfahrungen und Wahrnehmungen und fragen uns, wie wir durch den rosaroten Dunst und die Hormone zu unseren Kindern durchdringen und sie vor dem Untergang retten können.

Ehrlich sein

Mir helfen in diesen Momenten die banalen Ich-Botschaften. Ich möchte mir und meinen Gefühlen genauso treu bleiben, wie meine Kinder eine Chance verdienen, ihren eigenen Weg finden zu dürfen. Meine Kinder wissen: Wenn ich sie frage, ob sie mal kurz Zeit für mich hätten, sollten sie am besten nicht „Nein!“ sagen. Dann benenne ich die Dinge, die mir aus meiner Mama-Perspektive auf der Seele brennen, die mir aufgefallen sind oder warum ich vielleicht Sorge um ihr Wohl habe. Mit diesen Ich-Botschaften versuche ich, sie nicht mit wohlgemeinten Ratschlägen zu erschlagen, sondern ihnen auf Augenhöhe meine Wahrnehmung sowie die Konsequenzen ihres Handels zu präsentieren. Sie dürfen dann entscheiden, wie für sie das beste weitere Vorgehen aussehen könnte. Ich weiß nach einem solchen Gespräch: Ich konnte ihnen sagen, was mir wichtig ist, und ich habe authentisch gehandelt.

Aus Erfahrung lernen

Ihr Sohn wird womöglich erfahren, dass sich Freunde abwenden, weil er eine ganze Zeit lang nur Augen für die Freundin hatte. Aber er wird aus den gewonnenen Erfahrungen lernen und vielleicht mehr mitnehmen, als wenn Sie als Eltern ihn in Watte gepackt oder von oben herab interveniert hätten. Er hat aber auch Ihre elterliche Perspektive gehört und nun die Wahl, diese zu überdenken und anzuwenden. Und dann stellt er vielleicht fest, dass Eltern in der Pubertät nicht immer nur schwierig sind, sondern es ab und zu auch mal gut meinen.

Stefanie Böhmann ist Pädagogin und individual-psychologische Beraterin. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Falsche Freunde

„Mein Sohn hat einen Kumpel, den ich nicht mag. Ich habe Angst, dass er ein schlechter Einfluss ist. Was kann ich tun? Wie sollte ich mich verhalten?“

Solange die Kinder klein sind, organisieren viele Eltern neben den Freizeitaktivitäten auch die Freundschaften ihrer Kinder. Kontakte in der KiTa werden von den Eltern in die Wege geleitet. So haben die Eltern eine optimale Übersicht darüber, mit wem ihr Kind in näheren Kontakt kommt. Die Frage, ob das Kind „falsche Freunde“ hat, stellt sich gar nicht.

TEENIES SUCHEN IHRE FREUNDE SELBST AUS
Wenn die Kinder älter werden, schwindet naturgemäß auch der Einfluss der Eltern. Die Kinder suchen sich ihre Freunde selber. So wie der vierzehnjährige Kai, der seit kurzem einen neuen Freund hat, der so gar nicht zu ihm zu passen scheint. Die Eltern, Michael und Eva, bringen diesem Leo großes Misstrauen entgegen. Sie stellen fest, dass Kai auf einmal nicht mehr so „pflegeleicht“ ist wie früher. Er kommt unpünktlich nach Hause, macht seine Hausaufgaben nur widerwillig und reagiert pampig auf fast alles, was von den Eltern an ihn herangetragen wird. Michael und Eva stellen fest, dass sich Kai verändert und argwöhnen, dass Leo einen schlechten Einfluss auf Kai ausübt. Die Eltern wollen ihren eigenen Einfluss auf Kai geltend machen und versuchen, ihm diesen neuen Freund „auszureden“. Doch je mehr sie auf ihn einreden, umso bockiger reagiert Kai. Er zeigt sich unzugänglich und zieht sich von den Eltern zurück.

FREUNDE AKZEPTIEREN, STATT AUSREDEN
Wenn sich Ihr Kind Freunde sucht, die so gar nicht Ihren eigenen Vorstellungen entsprechen, sollten Sie Ihrem Sohn diese Freunde nicht ausreden. Spätestens im Teenager- Alter, möchte Ihr Nachwuchs seine Freunde selbst auswählen. Idealerweise akzeptieren Sie den neuen Freund Ihres Sohnes und öffnen sich für diese neue Person. Lernen Sie die Freunde Ihres Kindes kennen, auch wenn sie nicht Ihren Vorstellungen entsprechen.

KEINE VORURTEILE PFLEGEN
Begegnen Sie dem neuen Kumpel Ihres Sohnes vorurteilsfrei. Ihr Kind wird immer wieder mit Menschen zu tun haben, die anders „ticken“ als die eigene Familie. Vielleicht ist es ja auch gerade diese Andersartigkeit, die Ihr Kind in den Bann zieht. Versuchen Sie nachzuempfinden, was Ihrem Sohn an diesem Freund gefällt. Auch wenn dieser Freund ganz andere Werte mitbringt, muss das nicht zwangsläufig dazu führen, dass Ihrem Sohn die Werte in Ihrer Familie nichts mehr bedeuten. Am besten, Sie behandeln jeden Freund Ihres Kindes mit Wohlwollen. Denn vielleicht bringt er auch absichtlich „falsche“ Freunde mit nach Hause – einfach, um zu provozieren. Wenn Sie jedoch jeden Freund vorurteilsfrei willkommen heißen, läuft diese Provokation ins Leere. So wie bei Michael und Eva. Seit sich die Eltern mit dem Freund ihres Sohnes abgefunden haben, verbringt Kai viel weniger Zeit mit ihm. Ihr Kind will „cool“ sein, deshalb sucht es sich „coole“ Freunde. Bleiben Sie auch „cool“ und lassen Sie sich nicht provozieren, auch nicht mit Freunden, die Sie niemals für ihn ausgesucht hätten.

Ingrid Neufeld ist Erzieherin und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Sie lebt in Mittelfranken.

Zusammen übernachten?

„Unser Sohn (17) möchte gern, dass seine Freundin bei ihm übernachtet. Die Eltern der Freundin haben kein Problem damit, aber wir sind unsicher, ob wir das erlauben sollen.“

Weiterlesen