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Kinder lispeln: Wann Eltern aktiv werden müssen

Elternfrage: „Mein Kind (5) lispelt beim Sprechen. Muss es zur Logopädie? Können wir daheim etwas tun? Oder wächst es sich sowieso mit der Zeit aus?“

Die kleine Lia rennt aufgeregt zu ihrer Mutter und erzählt, dass der drollige Hund Simson gerade an ihrem Eis geschleckt habe. Dabei sieht die Mutter, dass bei jedem S-Laut Lias Zunge entweder an oder sogar durch die Zähne drückt und hört ein Lispeln. Die Mutter lächelt und drückt ihrer Kleinen einen Kuss auf die Wange.

Wenn die Kids klein sind, finden wir es oft niedlich, wenn ihre Zunge zwischen den Zähnen durchguckt und sie lispeln. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr passend finden und uns Sorgen machen, weil gleichaltrige Kinder nicht mehr lispeln. Die Frage steht im Raum, ob das Kind eine logopädische Therapie braucht.

Es entwickelt sich noch

Erst mal möchte ich Sie beruhigen. Wenn ein Kind mit fünf Jahren noch lispelt, ist es in guter Gesellschaft. Etwa 25 bis 35 Prozent der gleichaltrigen Kinder tun das. Ihr Kind hat noch Zeit, um seine motorische Entwicklung weiter reifen zu lassen. Insofern das Kind tatsächlich nur lispelt, hat es die Laute bereits richtig erfasst. Es kann „sch“ und „ch“ von den S-Lauten unterscheiden und wirft die Laute beim Sprechen nicht durcheinander. Dann können Sie durchatmen: Es ist zu erwarten, dass sich Ihr Kind so weiterentwickeln wird, dass es die S-Laute richtig aussprechen kann.

Wenn jedoch nach dem Zahnwechsel der Frontzähne immer noch ein Lispeln vorliegt, ergibt es Sinn, mit einer Therapie zu starten. Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, wie das Kind selbst mit der Situation umgeht. Was meine ich damit? Es gibt Kinder, die sich schon mit vier oder fünf Jahren daran stören, wenn sie lispeln. Vielleicht wurden sie im Kindergarten damit aufgezogen und es hat sie in ihren Sprechfähigkeiten verunsichert. Spätestens dann, wenn ein Kind sehr dadurch entmutigt ist und nicht mehr gern sprechen mag, sollten die Eltern reagieren und logopädische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Is will auch Sokolade haben.“

Es kann auch sein, dass Ihr Kind mit fünf Jahren ein gelispeltes „S“ spricht, obwohl in diesem Wort ein „Sch“ oder ein „Ch“ nötig gewesen wäre. Zum Beispiel: „Is will auch Sokolade haben.“ Das Thema Lispeln darf hier noch getrost außer Acht gelassen werden.

Jedoch wäre es wegen der fehlenden „sch“- und „ch“-Bildung wichtig, eine logopädische Therapie zu beginnen. Das Kind hat dann noch nicht die Unterscheidung der Laute „s“ und „sch“ beziehungsweise „s“ und „ch“ erfasst. Das sollte in diesem Alter schon erlernt worden sein. Der Grund hängt wahrscheinlich mit einer mangelnden Hörverarbeitung zusammen. Was bedeutet das? Das eigentliche Hören ist kein Problem, die Ohren funktionieren. Aber die zentrale Verarbeitung der Laute klappt noch nicht so recht. Logopädie kann in diesem Fall weiterhelfen.

Sollte Ihr Kind lispeln, können Sie es daheim unterstützend beeinflussen. Gerne gebe ich Ihnen einen beliebten Tipp weiter: Nehmen Sie dickflüssigen Joghurt und lassen Sie das Kind diesen mit einem Trinkhalm trinken. So wird die Rückzugsmuskulatur der Zunge aktiviert und die gesamte Mundmuskulatur gestärkt. Intensivieren kann man diese Übung, wenn man nach und nach dünnere Trinkhalme verwendet. Mmh, lecker! Ich schätze, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, Ihr Kind dafür zu begeistern.

Ina Finis ist Logopädin und Individual­psychologische Beraterin sowie Therapeutische Seelsorgerin in eigener Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei jugendlichen Kindern in Paderborn.

Kind lispelt: Logopädin erklärt, wann Eltern aktiv werden müssen

Elternfrage: „Mein Kind (5) lispelt beim Sprechen. Muss es zur Logopädie? Können wir daheim etwas tun? Oder wächst es sich sowieso mit der Zeit aus?“

Die kleine Lia rennt aufgeregt zu ihrer Mutter und erzählt, dass der drollige Hund Simson gerade an ihrem Eis geschleckt habe. Dabei sieht die Mutter, dass bei jedem S-Laut Lias Zunge entweder an oder sogar durch die Zähne drückt. Die Mutter lächelt und drückt ihrer Kleinen einen Kuss auf die Wange.

Wenn die Kids klein sind, finden wir es oft niedlich, wenn ihre Zunge zwischen den Zähnen durchguckt und sie lispeln. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr passend finden und uns Sorgen machen, weil gleichaltrige Kinder nicht mehr lispeln. Die Frage steht im Raum, ob das Kind eine logopädische Therapie braucht.

Es entwickelt sich noch

Erst mal möchte ich Sie beruhigen. Wenn ein Kind mit fünf Jahren noch lispelt, ist es in guter Gesellschaft. Etwa 25 bis 35 Prozent der gleichaltrigen Kinder tun das. Ihr Kind hat noch Zeit, um seine motorische Entwicklung weiter reifen zu lassen. Insofern das Kind tatsächlich nur lispelt, hat es die Laute bereits richtig erfasst. Es kann „sch“ und „ch“ von den S-Lauten unterscheiden und wirft die Laute beim Sprechen nicht durcheinander. Dann können Sie durchatmen: Es ist zu erwarten, dass sich Ihr Kind so weiterentwickeln wird, dass es die S-Laute richtig aussprechen kann.

Wenn jedoch nach dem Zahnwechsel der Frontzähne immer noch ein Lispeln vorliegt, ergibt es Sinn, mit einer Therapie zu starten. Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, wie das Kind selbst mit der Situation umgeht. Was meine ich damit? Es gibt Kinder, die sich schon mit vier oder fünf Jahren daran stören, wenn sie lispeln. Vielleicht wurden sie im Kindergarten damit aufgezogen und es hat sie in ihren Sprechfähigkeiten verunsichert. Spätestens dann, wenn ein Kind sehr dadurch entmutigt ist und nicht mehr gern sprechen mag, sollten die Eltern reagieren und logopädische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Is will auch Sokolade haben.“

Es kann auch sein, dass Ihr Kind mit fünf Jahren ein gelispeltes „S“ spricht, obwohl in diesem Wort ein „Sch“ oder ein „Ch“ nötig gewesen wäre. Zum Beispiel: „Is will auch Sokolade haben.“ Das Thema Lispeln darf hier noch getrost außer Acht gelassen werden.

Jedoch wäre es wegen der fehlenden „sch“- und „ch“-Bildung wichtig, eine logopädische Therapie zu beginnen. Das Kind hat dann noch nicht die Unterscheidung der Laute „s“ und „sch“ beziehungsweise „s“ und „ch“ erfasst. Das sollte in diesem Alter schon erlernt worden sein. Der Grund hängt wahrscheinlich mit einer mangelnden Hörverarbeitung zusammen. Was bedeutet das? Das eigentliche Hören ist kein Problem, die Ohren funktionieren. Aber die zentrale Verarbeitung der Laute klappt noch nicht so recht. Logopädie kann in diesem Fall weiterhelfen.

Sollte Ihr Kind lispeln, können Sie es daheim unterstützend beeinflussen. Gerne gebe ich Ihnen einen beliebten Tipp weiter: Nehmen Sie dickflüssigen Joghurt und lassen Sie das Kind diesen mit einem Trinkhalm trinken. So wird die Rückzugsmuskulatur der Zunge aktiviert und die gesamte Mundmuskulatur gestärkt. Intensivieren kann man diese Übung, wenn man nach und nach dünnere Trinkhalme verwendet. Mmh, lecker! Ich schätze, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, Ihr Kind dafür zu begeistern.

Ina Finis ist Logopädin und Individual­psychologische Beraterin sowie Therapeutische Seelsorgerin in eigener Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei jugendlichen Kindern in Paderborn.

„Mein Kind spricht nicht“

„Mein Sohn ist gerade zwei Jahre alt geworden. Mit einem Jahr hat er schon ‚Mama‘ und ‚Papa‘ gesagt. Seitdem macht er aber wenig Versuche, mehr zu sprechen. Was kann ich tun?“

Zunächst einmal sollten Sie sich keine Sorgen machen. Der Verlauf des Spracherwerbs ist sehr unterschiedlich. Mit einigen Hilfen können Sie jedoch die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes unterstützen. Viele Dinge werden Sie aber schon automatisch und intuitiv richtig machen, ohne darüber nachzudenken.

DAS EIGENE SPRACHVERHALTEN
So ist es hilfreich, Ihr Handeln und das Ihres Kindes sprachlich zu begleiten. Auch wenn Ihr Kind im Moment wenig oder gar nicht spricht, profitiert es doch sehr von diesem Verhalten. Es versteht, dass Sprechen ganz normal und notwendig ist. Wenn Sie im Alltag zusammen spielen oder etwas unternehmen, beschreiben Sie, was Ihr Kind tut. Suchen Sie im Gespräch den Blickkontakt. Wenn Sie über einen Gegenstand sprechen, zeigen sie auf diesen und achten Sie darauf, dass Ihr Kind ihn auch fokussiert. Generell ist es sinnvoll, normale, kurze und einfache Sätze zu verwenden. Bauen Sie bestimmte Wörter in Sätze ein und benennen sie nicht, wie bei einer Fremdsprache, nur das einzelne Wort. Vermeiden sie es in der „Baby-“ oder „Robotersprache“ mit ihrem Kind zu sprechen. Zum Erlernen von Wörtern ist es wichtig, diese oft zu wiederholen und in unterschiedliche Sätze einzubauen, auch wenn dies anfangs ungewöhnlich erscheinen mag. „Welchen Pullover möchtest du anziehen, den grünen Pullover oder den blauen Pullover? Schau mal, der Pullover ist ganz weich.“ Achten Sie auf die Art der „Korrektur“, wenn Ihr Kind ein falsches Wort verwendet. Es muss viele Wörter erst verknüpfen und Netzwerke aufbauen, damit es die Worte korrekt verwenden kann.

WERTVOLLE GEMEINSAME ZEIT
Manchmal kann Druck entstehen, wenn das eigene Kind noch nicht viel spricht. Vermeiden Sie es jedoch, Wörter wie Vokabeln abzufragen. Kinder merken das und haben dann wenig Lust zu sprechen. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, dass die Notwendigkeit zum Sprechen besteht. Nehmen Sie Ihrem Kind daher nichts vorweg, unterbrechen Sie es nicht oder sprechen für es. Dann ist es viel wahrscheinlicher, dass sich das Kind der Sprache bedient. Der Alltag ist oft sehr hektisch und voll von Terminen. Dennoch ist es wichtig, sich jeden Tag bewusst Zeit für Ihr Kind zu nehmen. Dabei ist nicht immer die Dauer entscheidend, auch kurze gemeinsame Zeiten sind wertvoll. Bilderbücher anschauen ist ebenfalls gut, um das Sprechen anzuregen. Auch wenn manches ohne das Beisein Ihres Kindes schneller geht, sollten Sie es in den Alltag einbinden. Gehen Sie zusammen einkaufen, lassen Sie es, je nach Möglichkeit, beim Kochen, Backen und Putzen dabei sein. Sollten Sie unsicher sein, ob Ihr Sohn in seiner sprachlichen Entwicklung verzögert ist, sprechen Sie einfach beim nächsten Besuch mit Ihrem Kinderarzt.

Luisa Kaminski ist Logopädin und lebt in Siegen.