Wenn Nebensächliches an der Beziehung nagt. Von Susanne Ospelkaus
Vor ein paar Monaten musste eine Kirche in unserem Landkreis geschlossen werden. Nagekäfer hatten sich durch das Gebälk geknuspert. Um genau zu sein: Es waren Larven des Anobium punctatum, bekannt unter der Bezeichnung „Holzwurm“. Im Verborgenen vernaschen sie totes Holz und haben dabei einen erstaunlichen Appetit. Im Verborgenen wollen Kleinigkeiten unsere Beziehungen zernagen. Dabei geht es nicht um die großen Themen wie Sexualität, Religion und Erziehung oder Geld, Gesundheit und Genussmittel. Es geht um die Kleinigkeiten, die sich summieren. Aus Missverständnissen und Enttäuschungen erwächst ein Monsterkäfer, der jede Liebe und Vertrautheit vertilgt.
AMÜSANT, SOLANGE ES UNS NICHT BETRIFFT
Jeder kennt diese Kleinigkeiten. Vielleicht empfand man sie am Anfang der Beziehung süß, hinreißend oder lustig. Comedy Shows sind voller Beispiele über die wir lachen, so lange sie uns nicht betreffen. Da ärgert sich ein Partner, wenn man …
… an der Butter kratzt, statt schneidet.
… die Socken herumliegen lässt.
… den Autoschlüssel jedes Mal an einen anderen Platz legt.
… das Bett nicht macht.
… den Schrank offen lässt.
… beim Essen schmatzt.
… die Gabel seltsam hält.
WAS STECKT DAHINTER?
Ich habe auch solch ein Getier in meiner Ehe, das mich am Mittagstisch piesackt: Mein Mann zerdrückt sein Essen! Mit der Gabel macht er aus jeder Speise eine Pampe. „Soll ich es dir pürieren?“, erkundige ich mich genervt. Wenn ich mich beherrsche und nichts sage, fragt er: „Wieso guckst du so?“ „Wie denn?“ „Na so!“ Jeder andere würde sich über uns amüsieren. Ich habe das Tierchen untersucht, das mich zu Tisch befällt. Ich interpretiere das zermatschte Essen als Kritik an meiner Kochkunst. Würde es ihm schmecken, müsste er es doch nicht zerdrücken, oder? „Nein, mein Schatz, es ist genau andersherum. Weil es mir so gut schmeckt, zerdrücke ich es.“ „Ach so?“ Für den Fall, dass wir mal in ein Feinschmeckerrestaurant gehen, hat er mir versprochen, sein Essen nicht zu zerdrücken. Es gibt auch Dinge, die ihn an mir nerven, wie ein lästiges Insekt, das immer wieder kommt. Ich wurstle das Handtuch nach dem Benutzen über die Trockenstange. Er ist empört, wie solle es nun trocknen? „Wieso kannst du es nicht ordentlich aufhängen?“ „Wieso ist es dir so wichtig?“ Mein Mann überlegt. Hinter dem Wunsch, dass ich das Handtuch sorgfältig hinhänge, steckt die Bitte nach einer Vorbildfunktion für unsere Kinder. Räume gewissenhaft auf!
WIESO STÖRT ES MICH GERADE JETZT?
Unliebsame Angewohnheiten schlummerten schon in unserer Beziehung, als wir uns kennenlernten. Doch spürbar wurden sie erst, als die Routine im Alltag einzog. Nähe und Gewöhnung schufen die Bedingungen dafür, dass Unarten reiften, schlüpften und schließlich durch die Zweisamkeit krabbelten. Die besondere Vertrautheit in einer Ehe macht uns sensibel füreinander, aber auch manchmal überempfindlich. Bei Menschen, die uns nicht so nah stehen, können wir eine Unart leichter aushalten. Tauchen sie bei der Chefin, dem Pfarrer oder einem Bekannten auf, wedeln wir sie weg. Doch gegenüber unserem Partner machen wir aus einer mückengroßen Unart einen Elefanten.
Die Vertrautheit in der Ehe ist groß, die Hemmschwelle niedrig. Der Partner lässt seine Kleidung vor dem Bett liegen: wir stöhnen, grummeln, verdrehen die Augen. Die Haare der Partnerin hängen im Abfluss und schweben in der Wohnung: wir klagen, motzen, explodieren. Da entzündet eine Kleinigkeit angestauten Frust und der Partner bekommt die Detonation ab. Der Ärger über die Unart des Partners wird zu einem Brandbeschleuniger für die eigene Unzufriedenheit, aber wir sollten uns ehrlicherweise fragen: Worum geht es wirklich?
AUS LIEBE
Ein Freund – er ist wirklich ordnungsliebend – beklagte sich über die Kalkflecken am Wasserhahn. Seine Partnerin könne sie doch wegwischen, man müsse doch nur mit einem Tuch … das könne sie doch aus Liebe tun. Ich amüsierte mich über die unwichtigen Kalkflecken. Doch Moment mal, andere werden das zerdrückte Essen oder das verwurstelte Handtuch auch lächerlich finden. Könnte ich nicht aus Liebe …? Ja, was denn? Mich verändern? Die Aussage: „Wenn du mich liebst, dann kannst du dies und jenes für mich tun …“ ist Manipulation! Der Psychotherapeut Paul Watzlawick hat die Bücherlandschaft um den schönen Titel „Wenn du mich liebtest, würdest du gerne Knoblauch essen“ bereichert. Daran wird das Problem schon deutlich. Hier werden Beweise für die Liebe verlangt. Aber alles Wichtige im Leben, wie Vertrauen und Liebe lässt sich nicht beweisen. Es ist Gewissheit. „Wenn du mich liebst, dann …“ mit dieser Aufforderung kann man zielgerichtet und präzise die Ehe zerstören. Wie soll der Partner sich verhalten? Handelt er nach der Aufforderung, macht er es vielleicht lieblos, nur aus einer Pflicht heraus. Handelt er nicht, ist es ein Beweis, dass er nicht liebt. Jede Reaktion ist falsch, weil die Anforderung falsch ist. Ist eine aufgeräumte Unterhose tatsächlich ein Liebesbeweis? Taten der Liebe sind sehr speziell und persönlich. Eine weitere Reaktion könnte sein: „Ja und wenn du mich liebst, dann würde dich meine Unart nicht stören.“ Spätestens jetzt gewinnt der Ehestreit an Tempo. Die Holzwürmer freuen sich auf die Achterbahn und schreien: „Jippie!“ Wir können keinen Liebesbeweis einfordern und wir dürfen unseren Partner nicht für das eigene Glück verantwortlich machen. Auch wenn uns manche Macken nerven, unsere Zufriedenheit liegt nicht in den Händen unseres Partners. Unsere Zufriedenheit liegt in Gottes Händen. Bevor wir uns beim Partner beschweren, sollten wir zuerst mit Gott darüber reden. Gelassenheit kommt eher aus dem Himmel als durch die Taten von Menschen.
KAMPF DEM UNGEZIEFER
Als wir uns eine Katze zulegten, beherbergten wir gleichzeitig eine Flohpopulation. Es war schrecklich. Wir holten uns Rat und kauften Mittelchen, um alle Entwicklungsstufen des Flohs zu eliminieren. Wir wuschen Kissen und Decken, röchelten mit dem Staubsauger in jede Ecke und unter jedes Polster. Es hat uns Mühe und Zeit gekostet, bis unser Haushalt flohfrei war. Der Umgang mit lästigen Kleinigkeiten kostet Disziplin. Selbstdisziplin! Ich darf mich nicht auf die Macke meines Partners konzentrieren. Ich könnte schon mit der Erwartung aufstehen: „Na, ob ich gleich über seine Klamotten stolpere?“ oder „Ob sie wieder die Shampooflaschen offengelassen hat?“ Diese Gedanken lassen den Holzwurm wachsen. Er dehnt sich aus und verschlingt den liebevollen Guten-Morgen-Gruß. Damit ich den Wurm unter Kontrolle habe, räume ich dies oder jenes auf. Eine schlichte Handlung, die mich Überwindung kostet, aber mir nicht meinen Seelenfrieden raubt. Ich will keine Insekten in meinem Herzen und auch nicht in meiner Beziehung. In einem ruhigen Moment kann ich sagen: „Alexander, mich stört, wenn du …“, und muss darauf gefasst sein, dass er mir auch meine Versäumnisse aufzeigt. Wie wäre es, wenn jeder dem anderen zwei Unarten „schenkt“? Ich ärgere mich nicht über deine Socken vor dem Bett und du beschwerst dich nicht über die zerkratzte Butter. Ich schimpfe nicht mehr über den offenen Kleiderschrank und du beschwerst dich nicht mehr über die Messer, die verkehrt herum in der Spülmaschine stehen.
Susanne Ospelkaus lebt mit ihrer Familie in Zorneding bei München, bloggt unter www.buchstabenkunst.de und arbeitet als Ergotherapeutin.
Zweite Halbzeit
Ingrid Jope hat nachmittags „frei“. Das heißt, sie sitzt nicht im Büro. Dafür flitzt sie von Aufgabe zu Aufgabe …
Schönen Feierabend!“ – wünscht mir mein Kollege wie fast jeden Tag, als ich gegen 13.30 Uhr das gemeinsame Büro verlasse. Während ich mich auslogge, den Büroschlüssel im Rucksack verstaue und Auto- sowie Hausschlüssel zutage fördere, rumort es in mir. Da ploppt ein Gedanke in meinem Hirn auf, den ich in die „Schublade“ schiebe: „Muss ich gleich im Auto aufschreiben, damit ich es morgen im Büro nicht vergesse.“ Danach steuere ich unsere Familienkutsche durch die Dreißiger-Zone, die am Ende einer Sackgasse zum Kindergarten führt. Das Wort „Feierabend“ liegt mir immer noch etwas ungeschmeidig auf der Zunge. Es klingt nach in Ruhe etwas Leckeres essen, Beine hochlegen, vielleicht ein Buch lesen oder eine gute Zeitschrift, wahlweise einen warmen Tee oder ein kühles Bier trinken. Was mich jetzt gleich erwartet, fühlt sich anders an. Ein verschwitzter Dreckspatz begrüßt mich verhalten begeistert. Vor Müdigkeit und voller Eindrücke ist er nicht mehr der besten Laune und schafft es kaum, sich aus der versandeten Matschhose und der verdreckten Jacke zu schälen. Wenige Minuten später kommt unsere Tochter mit sechs Stunden Schultrubel in den Knochen nach Hause. „Mama, hier ist ein Elternbrief.“ – „Mama, ich hab solchen Hunger!“ – „Mama, fährst du mich heute zu Carina?“ – „Mama, wo ist mein Sammelalbum?“ Als das selbstgebaute Legoschiff zerbricht, steht der erste Geschwisterstreit ins Haus. Ich bin beschäftigt damit, das Küchenchaos zu managen, wütende Kinder zu besänftigen, den Antwortabschnitt für die Schule auszufüllen, Termine zu planen, Waschmaschine und Meerschweinchen zu füttern. Schon ermahne ich die Kinder: „Beeilung, sonst kommen wir zu spät zur Logopädie.“ Auf dem Rückweg kaufe ich noch die Zutaten fürs Abendessen ein, anschließend koche ich, hänge Wäsche auf, beantworte schnell noch ein paar Mails, telefoniere mit der Mutter einer Freundin unserer Tochter, um die Fahrt zum späteren Schulanfang morgen abzusprechen. Glücklich schaffe ich es gerade noch so zu meiner Pilates-Stunde. Der Mann, den ich liebe, übernimmt das „Abendchaos“. Als ich nach der Dusche aufs Sofa sinke, ist das Wort wieder da: Feierabend! Diesmal mit dem richtigen Gefühl. Wenn ich an die Zeit zwischen 13.30 Uhr und jetzt denke, passt eine andere Bezeichnung viel besser: Zweite Halbzeit. So ein volles Familien- und Berufsleben verdient keinen Bequemlichkeitspreis. Es ist stressig und hält mich in Atem, besonders wenn zusätzliche Arbeitsstunden im Büro und zu Hause oder Krankheitszeiten anstehen. Irgendwas ist immer. Aber inmitten meines wirklichen Feierabends weiß ich auch: Es ist so kostbar, eine Familie zu haben. Und es inspiriert und erfüllt mich, als Reha-Prozessbegleiterin zu arbeiten. Diese „Rush-Hour des Lebens“ fordert mich, sie lässt mich aber auch wachsen – an Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, kreativer Krisenbewältigung. Oder – wie das Schild besagt, das ich kürzlich auf dem Schreibtisch eines anderen Kollegen entdeckt habe: „Mich regt nichts auf – bin dreifacher Vater!“
Ingrid Jope ist Theologin und Sozialpädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wetter/Ruhr.
Schnelle Hilfe in Krisensituationen
Die im April 2017 geänderte Psychotherapie-Richtlinie soll die Erreichbarkeit von Psychotherapeuten verbessern. Das ermöglicht schnellere Hilfe bei akuten Problemen. „Diese Akutbehandlungen sichern aber noch nicht automatisch eine kurze Wartezeit für einen Therapieplatz“, erklärt der Psychologe Ralf Dohrenbusch im Interview. Er ist Leiter der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz des Instituts für Psychologie der Universität Bonn und Autor des Ratgebers „Psychotherapie“ der Verbraucherzentrale.
Herr Dohrenbusch, stimmt es, dass psychische Erkrankungen „boomen“? Wie viele Menschen in Deutschland leiden an einer psychischen Störung?
Grob geschätzt kann man sagen, dass fast jeder Zweite in Deutschland irgendwann im Laufe seines Lebens einmal von einer psychischen Störung betroffen ist. Das bedeutet aber nicht, dass alle auch behandelt werden müssen. Viele psychische Störungen bilden sich von selbst wieder zurück, wir sollten sie nicht automatisch als behandlungsbedürftige „Krankheiten“ ansehen.
Die im April 2017 geänderte Psychotherapie-Richtlinie definiert neue Leistungsangebote und soll die Erreichbarkeit von Psychotherapeuten verbessern. Was sind die wichtigsten Neuerungen?
Patienten haben nun einen Anspruch auf eine psychotherapeutische Sprechstunde, in der geklärt werden soll, ob der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige psychische Störung besteht. Erst nach diesem Orientierungsgespräch können sie – wenn erforderlich – weitere Behandlungen in Anspruch nehmen. Die Abrechnungsmöglichkeiten für Gruppentherapien wurden verbessert, sodass in Zukunft wahrscheinlich mehr Gruppentherapien angeboten werden. Für kürzere Therapien müssen Therapeuten keine Anträge mehr schreiben und begutachten lassen, um die Kostenübernahme durch die Krankenkasse zu sichern. Und sogenannte Langzeittherapien werden nun gleich mit 60 statt bisher mit 45 Sitzungen veranschlagt.
Ist unbürokratische Hilfe bei akuten Problemen oder in Krisensituationen ab sofort besser möglich?
Zumindest die Rahmenbedingungen wurden so verändert, dass bei akuten Problemen schnellere Hilfe möglich wird. Die sogenannte Akutbehandlung soll Betroffene in Krisensituationen kurzfristig entlasten und einer Verschlimmerung vorbeugen. Vermutlich führt dieses Angebot dazu, dass in Zukunft Psychotherapeuten auch häufiger bei stärkeren emotionalen Reaktionen auf normale Belastungssituationen wie Trennungen oder familiäre Konflikte in Anspruch genommen werden, auch wenn keine psychische Störung im engeren Sinne vorliegt.
Hat die neue Richtlinie Einfluss auf die oftmals lange Wartezeit für einen Therapieplatz?
Das wissen wir noch nicht. Die verpflichtende Sprechstunde soll sicherstellen, dass jeder mit psychischen Problemen zeitnah Kontakt zu einem Psychotherapeuten aufnehmen kann. Ein erstes Kontaktgespräch und auch die Möglichkeit einer Akutbehandlung sichern aber noch nicht automatisch eine kurze Wartezeit. Wir müssen abwarten, wie die Ideen der Reformer von den Therapeuten umgesetzt werden.
In welchen Fällen kommt eine Psychotherapie in Frage? Welche Alternativen gibt es bei psychischen Problemen?
Jeder kann eine Psychotherapie erwägen, der nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage ist, belastende Denk- und Verhaltensweisen oder Gefühle zu regulieren. Normalerweise sollte man schon Anstrengungen unternommen haben, um die psychische Not zu lindern, bevor man eine Therapie ins Auge fasst. Wenn die eigenen Bemühungen gescheitert sind, kann es sinnvoll sein, sich eine Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen. Alternativen zur Psychotherapie der Krankenkassen gibt es in Deutschland bei psychischen und sozialen Schwierigkeiten auch durch städtische oder konfessionelle Beratungsstellen.
Wie erkennt man unseriöse Angebote?
Unseriöse Anbieter haben sich häufig darauf spezialisiert, einen schnellen und intensiven Kontakt zu ihren Kunden herzustellen, unrealistisch hohe Erwartungen an einen Behandlungserfolg aufzubauen und ihre Kunden frühzeitig in eine emotionale Bindung zu sich zu bringen. So wird es den Hilfesuchenden erschwert, eigene kritische Entscheidungen zu treffen und sich für andere Angebote zu entscheiden. Problematisch sind esoterische Angebote, Angebote mit hohen Anteilen an magischspiritistischem Denken, symbolischen Ritualen oder Ankündigungen von Wunderheilungen. Leider lassen sich manche Anbieter – auch im Internet – immer wieder neuen Quatsch einfallen, von dem sich psychisch labile Personen einfangen lassen. Zurückhaltung ist auch bei überhöhten Preisen geboten, also bei deutlich mehr als 80 Euro pro Stunde.
Psychotherapie ist ein sensibler Bereich. Stichwort Datenschutz: Wie sorgsam wird mit den persönlichen und vertraulichen Themen umgegangen?
Die Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht, können davon aber vom Patienten entbunden werden. Innerhalb des Versorgungssystems der Krankenkassen wird sorgsam und verantwortungsvoll mit persönlichen Daten umgegangen. Die Abläufe sind so organisiert, dass außer dem Behandler kein anderer Einblick in die Details der Probleme und des Therapieverlaufs erhält. Patienten sollten sich aber bewusst sein, dass die Inanspruchnahme einer Psychotherapie im Archiv der Krankenkasse gespeichert ist. Wer später eine Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen und dazu Auszüge aus seinen Krankenkassendaten vorlegen muss, kann diese Therapieleistung nicht verheimlichen und muss eventuell mit höheren Gebühren bei der neuen Versicherung rechnen.
Hat die Neuregelung Einfluss darauf, wie in Zukunft psychotherapeutisch behandelt wird?
Nein. Nach wie vor unterscheidet das Krankenkassen-Versorgungssystem verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologisch begründete Behandlungsverfahren. Zwar werden durch die neuen Angebote eher kurzfristige stützende und auf Informationsvermittlung ausgerichtete Behandlungen stärker gefördert als längere beziehungsorientierte Therapien. Unabhängig davon sollten aber alle Patienten darauf achten, dass ihre Behandlung den Verlauf nimmt, den sie selbst für sinnvoll halten. Unverändert gilt, dass Patienten ihre Therapie immer auch aktiv mitgestalten und die relevanten Entscheidungen nicht allein ihrer Therapeutin oder ihrem Therapeuten überlassen.
Was kann man tun, wenn die Krankenkasse den Antrag auf Kostenübernahme ablehnt?
Wahrscheinlich werden die neuen Regelungen dazu führen, dass Anträge auf Therapien von Therapeuten ohne Kassenzulassung von den Krankenkassen häufiger abgelehnt werden. Bisher konnten Patienten, die zeitnah oder wohnortnah keinen Therapeuten mit Kassenzulassung fanden, mit Begründung auf Therapeuten außerhalb des kassenärztlichen Versorgungssystems zugreifen. Das wird in Zukunft wahrscheinlich schwerer. Privatversicherte oder Selbstzahler sind davon nicht betroffen.
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Der Ratgeber „Psychotherapie. Chancen erkennen und mitgestalten“ kann hier bestellt werden: www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/psychotherapie
Der Holzwurm der Ehe
Wenn Nebensächliches an der Beziehung nagt. Von Susanne Ospelkaus
Vor ein paar Monaten musste eine Kirche in unserem Landkreis geschlossen werden. Nagekäfer hatten sich durch das Gebälk geknuspert. Um genau zu sein: Es waren Larven des Anobium punctatum, bekannt unter der Bezeichnung „Holzwurm“. Im Verborgenen vernaschen sie totes Holz und haben dabei einen erstaunlichen Appetit. Im Verborgenen wollen Kleinigkeiten unsere Beziehungen zernagen. Dabei geht es nicht um die großen Themen wie Sexualität, Religion und Erziehung oder Geld, Gesundheit und Genussmittel. Es geht um die Kleinigkeiten, die sich summieren. Aus Missverständnissen und Enttäuschungen erwächst ein Monsterkäfer, der jede Liebe und Vertrautheit vertilgt.
AMÜSANT, SOLANGE ES UNS NICHT BETRIFFT
Jeder kennt diese Kleinigkeiten. Vielleicht empfand man sie am Anfang der Beziehung süß, hinreißend oder lustig. Comedy Shows sind voller Beispiele über die wir lachen, so lange sie uns nicht betreffen. Da ärgert sich ein Partner, wenn man …
… an der Butter kratzt, statt schneidet.
… die Socken herumliegen lässt.
… den Autoschlüssel jedes Mal an einen anderen Platz legt.
… das Bett nicht macht.
… den Schrank offen lässt.
… beim Essen schmatzt.
… die Gabel seltsam hält.
WAS STECKT DAHINTER?
Ich habe auch solch ein Getier in meiner Ehe, das mich am Mittagstisch piesackt: Mein Mann zerdrückt sein Essen! Mit der Gabel macht er aus jeder Speise eine Pampe. „Soll ich es dir pürieren?“, erkundige ich mich genervt. Wenn ich mich beherrsche und nichts sage, fragt er: „Wieso guckst du so?“ „Wie denn?“ „Na so!“ Jeder andere würde sich über uns amüsieren. Ich habe das Tierchen untersucht, das mich zu Tisch befällt. Ich interpretiere das zermatschte Essen als Kritik an meiner Kochkunst. Würde es ihm schmecken, müsste er es doch nicht zerdrücken, oder? „Nein, mein Schatz, es ist genau andersherum. Weil es mir so gut schmeckt, zerdrücke ich es.“ „Ach so?“ Für den Fall, dass wir mal in ein Feinschmeckerrestaurant gehen, hat er mir versprochen, sein Essen nicht zu zerdrücken. Es gibt auch Dinge, die ihn an mir nerven, wie ein lästiges Insekt, das immer wieder kommt. Ich wurstle das Handtuch nach dem Benutzen über die Trockenstange. Er ist empört, wie solle es nun trocknen? „Wieso kannst du es nicht ordentlich aufhängen?“ „Wieso ist es dir so wichtig?“ Mein Mann überlegt. Hinter dem Wunsch, dass ich das Handtuch sorgfältig hinhänge, steckt die Bitte nach einer Vorbildfunktion für unsere Kinder. Räume gewissenhaft auf!
WIESO STÖRT ES MICH GERADE JETZT?
Unliebsame Angewohnheiten schlummerten schon in unserer Beziehung, als wir uns kennenlernten. Doch spürbar wurden sie erst, als die Routine im Alltag einzog. Nähe und Gewöhnung schufen die Bedingungen dafür, dass Unarten reiften, schlüpften und schließlich durch die Zweisamkeit krabbelten. Die besondere Vertrautheit in einer Ehe macht uns sensibel füreinander, aber auch manchmal überempfindlich. Bei Menschen, die uns nicht so nah stehen, können wir eine Unart leichter aushalten. Tauchen sie bei der Chefin, dem Pfarrer oder einem Bekannten auf, wedeln wir sie weg. Doch gegenüber unserem Partner machen wir aus einer mückengroßen Unart einen Elefanten.
Die Vertrautheit in der Ehe ist groß, die Hemmschwelle niedrig. Der Partner lässt seine Kleidung vor dem Bett liegen: wir stöhnen, grummeln, verdrehen die Augen. Die Haare der Partnerin hängen im Abfluss und schweben in der Wohnung: wir klagen, motzen, explodieren. Da entzündet eine Kleinigkeit angestauten Frust und der Partner bekommt die Detonation ab. Der Ärger über die Unart des Partners wird zu einem Brandbeschleuniger für die eigene Unzufriedenheit, aber wir sollten uns ehrlicherweise fragen: Worum geht es wirklich?
AUS LIEBE
Ein Freund – er ist wirklich ordnungsliebend – beklagte sich über die Kalkflecken am Wasserhahn. Seine Partnerin könne sie doch wegwischen, man müsse doch nur mit einem Tuch … das könne sie doch aus Liebe tun. Ich amüsierte mich über die unwichtigen Kalkflecken. Doch Moment mal, andere werden das zerdrückte Essen oder das verwurstelte Handtuch auch lächerlich finden. Könnte ich nicht aus Liebe …? Ja, was denn? Mich verändern? Die Aussage: „Wenn du mich liebst, dann kannst du dies und jenes für mich tun …“ ist Manipulation! Der Psychotherapeut Paul Watzlawick hat die Bücherlandschaft um den schönen Titel „Wenn du mich liebtest, würdest du gerne Knoblauch essen“ bereichert. Daran wird das Problem schon deutlich. Hier werden Beweise für die Liebe verlangt. Aber alles Wichtige im Leben, wie Vertrauen und Liebe lässt sich nicht beweisen. Es ist Gewissheit. „Wenn du mich liebst, dann …“ mit dieser Aufforderung kann man zielgerichtet und präzise die Ehe zerstören. Wie soll der Partner sich verhalten? Handelt er nach der Aufforderung, macht er es vielleicht lieblos, nur aus einer Pflicht heraus. Handelt er nicht, ist es ein Beweis, dass er nicht liebt. Jede Reaktion ist falsch, weil die Anforderung falsch ist. Ist eine aufgeräumte Unterhose tatsächlich ein Liebesbeweis? Taten der Liebe sind sehr speziell und persönlich. Eine weitere Reaktion könnte sein: „Ja und wenn du mich liebst, dann würde dich meine Unart nicht stören.“ Spätestens jetzt gewinnt der Ehestreit an Tempo. Die Holzwürmer freuen sich auf die Achterbahn und schreien: „Jippie!“ Wir können keinen Liebesbeweis einfordern und wir dürfen unseren Partner nicht für das eigene Glück verantwortlich machen. Auch wenn uns manche Macken nerven, unsere Zufriedenheit liegt nicht in den Händen unseres Partners. Unsere Zufriedenheit liegt in Gottes Händen. Bevor wir uns beim Partner beschweren, sollten wir zuerst mit Gott darüber reden. Gelassenheit kommt eher aus dem Himmel als durch die Taten von Menschen.
KAMPF DEM UNGEZIEFER
Als wir uns eine Katze zulegten, beherbergten wir gleichzeitig eine Flohpopulation. Es war schrecklich. Wir holten uns Rat und kauften Mittelchen, um alle Entwicklungsstufen des Flohs zu eliminieren. Wir wuschen Kissen und Decken, röchelten mit dem Staubsauger in jede Ecke und unter jedes Polster. Es hat uns Mühe und Zeit gekostet, bis unser Haushalt flohfrei war. Der Umgang mit lästigen Kleinigkeiten kostet Disziplin. Selbstdisziplin! Ich darf mich nicht auf die Macke meines Partners konzentrieren. Ich könnte schon mit der Erwartung aufstehen: „Na, ob ich gleich über seine Klamotten stolpere?“ oder „Ob sie wieder die Shampooflaschen offengelassen hat?“ Diese Gedanken lassen den Holzwurm wachsen. Er dehnt sich aus und verschlingt den liebevollen Guten-Morgen-Gruß. Damit ich den Wurm unter Kontrolle habe, räume ich dies oder jenes auf. Eine schlichte Handlung, die mich Überwindung kostet, aber mir nicht meinen Seelenfrieden raubt. Ich will keine Insekten in meinem Herzen und auch nicht in meiner Beziehung. In einem ruhigen Moment kann ich sagen: „Alexander, mich stört, wenn du …“, und muss darauf gefasst sein, dass er mir auch meine Versäumnisse aufzeigt. Wie wäre es, wenn jeder dem anderen zwei Unarten „schenkt“? Ich ärgere mich nicht über deine Socken vor dem Bett und du beschwerst dich nicht über die zerkratzte Butter. Ich schimpfe nicht mehr über den offenen Kleiderschrank und du beschwerst dich nicht mehr über die Messer, die verkehrt herum in der Spülmaschine stehen.
Fitness
SCHNAPPATMUNG
Katharina Hullen denkt über einen persönlichen Fitnesscoach nach.
Katharina: „ 5 Kinder! – Sportlich!“ Ha, wenn es das nur mal wäre! Es stimmt: Ich bezwinge mehrmals in der Woche unsere Wäschegebirge, betätige mich täglich mit ganzem Körpereinsatz als „Stalljunge“ an der Wickelkommode und ziehe dutzende Male am Tag mein persönliches Fitnessprogramm „Sachen vom Boden aufheben“ durch. Ich müsste fit wie ein Turnschuh sein. Faktisch ist mein Körper nach den Geburten von fünf Kindern aber doch leicht aus der Form. Da halfen auch zehn Stunden Rückbildungsgymnastik nichts – wenn der Geist zwar willig ist, aber das Fleisch nach dem Kurs wieder müde und chipshungrig auf dem Sofa sitzt. Dazu kommt, dass sich jeder Trotzanfall der Kinder doch auch viel leichter mit einem großen Stück Schokolade herunterschlucken lässt. Und ist eine mollige Mama nicht ohnehin viel kuscheliger? Außerdem bemerke ich den Verfall ja nicht nur bei mir, sondern auch bei Hauke. Warum soll nur ich mir Mühe geben, wieder in Form zu kommen? Und wie sollte es überhaupt im Moment gehen? Im Fitnessstudio anmelden? Dort gäbe es ja sogar eine Kinderbetreuung – ich fürchte allerdings, dass dann leider alle anderen Eltern ihre Kinder nicht mehr mitbringen würden, weil unsere Schar den kleinen Raum komplett ausfüllt. „Hilfe, die Hullens kommen!“ Dann doch lieber Sport daheim. Ohnehin ist es doch ungemein praktisch, sich alles nach Hause zu holen, damit man nicht immer mit Sack und Pack und Mann und Maus überall aufschlagen muss: Musiklehrer, Frisör, Finanzberater … warum nicht auch den Personal- Trainer? Am besten als Familien-Trainer. Das wäre großartig! Wobei – wäre es das wirklich? Hätten wir alle Spaß daran? Während die Kinder an der Turnstange mit wehenden Haaren und einem Liedchen auf den Lippen Feldaufschwünge, Klimmzüge und Salti schlagen, lägen Mama und Papa doch schon nach dem Warm-Up mit Schnappatmung ausgestreckt auf der Wiese. Ach ja. Abnehmen, wieder fitter, beweglicher sein, das wäre schon gut. Für mich, und damit auch für uns alle. In diesem Jahr werde ich 40 Jahre alt. Ich glaube ja, dass Konfektionsgrößen an das Alter angepasst sind. Immer ist die Größe aktuell, in die man altersmäßig hineinwachsen wird. Fürs erste behalte ich aber die 38er Klamotten noch, auch wenn die 42 am Horizont schon zu sehen ist. Vielleicht zählt ja irgendwann das gefühlte Alter! Auf meinem Wunschzettel jedenfalls steht ein stabiler Crosstrainer, der im Zweifel auch Haukes Gewicht trägt, wenn er irgendwann soweit ist, sich einzugestehen, dass seine Kleidung nicht kürzer, sondern er „größer“ geworden ist. Aber lesen Sie selbst …
IM ZWEIMANNZELT
Hauke Hullen wird aus der Kleiderabteilung mit Normalgrößen verbannt.
Hauke: Die Umkleidekabine – welch Ort der Demütigung! Grelles Neonlicht, ein unvorteilhafter Zerrspiegel und dann noch dieser süffisant vor sich hin grienende Verkäufer mit offenkundiger Sehschwäche, der mir Hosen in aberwitzigen Größen anschleppt … doch der Reihe nach! Früher hatte ich Bundweite 34, doch da die Hersteller ihre Maße änderten, muss ich inzwischen einen 36er-Bund akzeptieren. Anfang Januar stelle ich aber fest, dass etliche Hosen in Bauchhöhe eingelaufen waren. So suchen wir ein großes Kaufhaus auf, wo ich hoffnungsfroh mit einer seltenen 35er-Hose in der Umkleide verschwinde. Sie passt. Hurra – ich habe abgenommen! Doch vor der Umkleide gibt es statt Szenenapplaus nur Schweigen und betretene Mienen des Verkäufers und meiner Frau. Der Angestellte schüttelt resigniert den Kopf. Nein, die Hose ginge gar nicht, auch 36 käme nicht in Frage, doch größere Hosen würden sie in dieser Abteilung nicht führen. Ich will dem Verkäufer ordentlich den Marsch blasen, doch der zu eng eingestellte Gürtel verhindert das Luftholen. „Wir haben da noch die Abteilung für starke Größen”, flötet er. Wo genau? „Auf der anderen Seite der Etage, immer geradeaus.” Aha. Wer also wie meiner einer ein bisschen muskulöser gebaut ist, wird in die hinterste Ecke abgeschoben, um die unterernährten anderen Kunden optisch nicht zu belästigen, schon klar! Ich sinniere, wie die Abteilung wohl genannt wird: „Dick & Chic” vielleicht, oder „Fett & Adrett”?!? Wir machen uns auf den Weg, dem Gang der Schande aus dem „Games of Thrones”- Epos nicht unähnlich. Er führt uns quer durch die Sportabteilung. „Schande!”, scheinen die Blicke der drahtigen Mittzwanziger zu sagen, die in den Trikotagen wühlen, „Schande!”, rufen die aufgereihten Laufschuhe, „Schande!” skandiert die Funktionswäsche, „da geht wieder so ein Adipositas-Athlet, der seine Neujahrsvorsätze schon in der ersten Woche gebrochen hat!” Endlich haben wir unsere Abteilung erreicht, wo mir ein schmieriger Verkäufer die übliche 36er-Hose verwehrt und mir höhnisch ein paar 38er in die Hand drückt. Ich betrete die Kabine neben dem – genau! – Lastenaufzug. Kabine? Eine Familienumkleide! Für Großfamilien! Gut, ein bisschen stämmig bin ich vielleicht geworden, aber muss man mir zum Umziehen gleich einen Tanzsaal zuweisen? Mit einer Spiegelwand? Erbost schlüpfe ich in das mir aufgeschwatzte Zweimannzelt und trete aus der Umkleide. Wieder Schweigen. Dann ein anerkennendes Nicken des Angestellten: „Passt!” Kathi strahlt: „Gut siehst du aus!” Jetzt fällt es mir auch auf. „Richtig sportlich”, ergänzt die beste Ehefrau von allen. „Ja”, bestätigt der überaus sympathische und sachkundige Fachverkäufer. Wir kaufen alles. Es ist wirklich leicht, seine gute Figur zu halten!
12 Thesen für eine gute Geburtshilfe
Anlässlich des heutigen Internationalen Hebammentages hat der Deutsche Hebammenverband 12 Thesen veröffentlicht:
1. Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind natürliche und besonders schützenswerte Vorgänge im Leben von Frauen.
2. Schwangere und Mütter haben in diesen Lebensphasen das Recht auf eine respektvolle und individuelle Betreuung und Begleitung durch Hebammen.
3. Hebammen unterstützen bei diesen natürlichen Lebensprozessen. Sie schützen, wahren und fördern die körperliche und seelische Gesundheit der Frauen und ihrer Kinder. Dies steht an oberster Stelle bei jeder Begleitung durch Hebammen.
4. Jede Geburt und jede Frau haben ihren eigenen Rhythmus – sie bekommen die Zeit, die sie benötigen.
5. Damit jede Frau an einem von ihr selbst gewählten Ort gebären kann, muss ihr ein ausreichendes Angebot an Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
6. Schwangeren und Gebärenden steht jederzeit ein geschützter Raum, die Wahrung ihrer Intimsphäre sowie Verschwiegenheit zu.
7. Während der Geburt hat jede Frau das Recht, kontinuierlich durch eine Hebamme begleitet zu werden, die sich ausschließlich um sie kümmert. Eine solche Eins-zu-eins-Betreuung wird von
jeder Hebamme angestrebt.
8. Hebammen erfüllen alle ihre Aufgaben bestmöglich unter den gegebenen Umständen und unabhängig von wirtschaftlichen Interessen.
9. In den natürlichen Geburtsvorgang sollen Hebammen und Ärzte nur eingreifen, wenn die Gesundheit der Frau oder des Kindes bedroht sind.
10. Frauen haben das Recht, vor jedem Eingriff in das Geburtsgeschehen verständlich und nachvollziehbar darüber aufgeklärt zu werden, was genau passieren wird. So können sie gemeinsam mit denjenigen, die sie betreuen, informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen über ihren Körper treffen.
11. Die Werte von Frauen und ihre Entscheidungen sind zu respektieren.
12. Die Stärkung der Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten der Frauen stehen im Fokus aller Überlegungen und allen Tuns.
Weitere Infos: www.unsere-hebammen.de
Survival-Tipps für schwangere Kerle
10 mehr oder weniger ernst gemeinte Kniffe für den Start ins Papa-Abenteuer.
doch ganz anders als geplant.
Unter Vollbetrieb wird’s stressiger.
Rüdiger Jope ist Vater von Anna und Joshua und Chefredakteur des Männermagazins MOVO, www.MOVO.net.
Mehr Geld für Kitas
Der Deutsche Bundestag hat gestern einstimmig das „Gesetz zum weiteren quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung“ beschlossen. Damit können 100.000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder geschaffen werden. Der Bund stellt den Ländern eine weitere gute Milliarde Euro für den Kita-Ausbau zur Verfügung. Das ist bereits das vierte Investitionsprogramm dieser Art.
Neu ist, dass die Investitionen auch Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt zugute kommen sollen. Bisher ging es ja immer um den Ausbau der U3-Betreuung, was zur Folge hatte, dass viele Eltern Schwierigkeiten haben, für ihr dreijähriges Kind einen Betreuungsplatz zu bekommen. Manche Eltern lassen daher ihr Kind schon mit zwei Jahren betreuen, damit es den Platz sicher hat, obwohl sie es eigentlich noch gern ein Jahr zu Hause betreut hätten.
Klingt also alles ganz gut? Nicht wirklich. Der Haken ist, dass mit diesem Programm nur in den Bau, Ausbau und die Ausstattung investiert werden kann. Natürlich ist es wichtig, dass Kinder Platz zur Entfaltung haben, dass sie in gut ausgestatteten Sport- oder Kreativräumen gefördert werden. Aber wäre es nicht viel wichtiger, in Menschen anstatt in Steine zu investieren? Was hilft der schönste Sportraum, wenn es nicht genug Erzieherinnen gibt, die mit den Kindern darin turnen können? Viel wichtiger als der Bau von Essensräumen und Spielgeräten ist meiner Meinung nach eine deutliche Verbesserung des Betreuungsschlüssels.
Mehrere Fraktionen im Bundestag drängen auf ein bundeseinheitliches Qualitätsgesetz für die Kindertagesbetreuung. Darin könnte man zum Beispiel einen einheitlichen Betreuungsschlüssel festlegen. Doch letztlich sind dafür die Bundesländer zuständig. Das heißt, es wird noch viel Zeit vergehen, bis so ein Gesetz auf den Weg gebracht werden könnte. Die Länder lassen sich nicht gern in ihre Zuständigkeiten reinreden. Bis dahin sind Eltern herausgefordert, selbst zu erkennen, wie gut oder schlecht die Betreuung in der Kita ihrer Wahl ist. Und dann dort auch einen Platz zu bekommen zu dem Zeitpunkt, den sie wählen.
Bettina Wendland
Redakteurin Family und FamilyNEXT
Ein Jahr was anderes machen
378 amazing days of my life
Im Sommer 2014 begann mein Au-pair-Abenteuer in den USA im Bundesstaat Connecticut. Au-pair heißt, als Kindermädchen bis zu 45 Stunden pro Woche für eine Familie zu arbeiten und auch im Haus der Familie zu wohnen. Einmal etwas ganz anderes als Schule zu erleben, war für mich einer der Gründe, Au-pair zu werden. Außerdem reizte mich der neue Kontinent und Zeit mit Kindern verbringen zu können. Meine Gastfamilie habe ich durch die Agentur Intrax gefunden. Ich habe mich sehr gut betreut gefühlt. „378 amazing days of my life“ waren es aber in erster Linie dank meiner fantastischen Gastfamilie und den tollen neuen Freunden, die ich fand. Klar läuft nicht immer alles rund, aber wenn man zeitnah die Dinge anspricht und gemeinsam eine Lösung sucht, müssen Probleme gar nicht erst zu Dramen werden. Da ich mich um drei Kinder unter fünf Jahren gekümmert habe, war eine Auszeit mit Freunden oder beim Tanzen ein super Ausgleich. Ein eher praktischer Vorteil des Au-pairs ist der Verdienst: mit 200 Dollar die Woche zur eigenen Verfügung (Kost und Logis sind inklusive) hat man viele Möglichkeiten zu reisen oder sich (neue) Hobbys zu suchen. Das Geld ist aber nichts im Vergleich zu der Liebe, die ich erfahren habe! Meine Au-pair-Zeit bleibt mir unvergessen, ich würde sie gegen nichts eintauschen wollen. Man kommt definitiv selbstständiger und erwachsener wieder nach Hause!
Hier noch ein paar Tipps:
Tamara Mayer (21) studiert Englisch und evangelische Theologie auf Lehramt an der Uni Heidelberg und kehrt immer wieder
gerne nach Connecticut zurück.
Eine Riesenchance
Micha war derjenige unserer drei Söhne, der meinen Mann und mich die meisten Nerven gekostet hat: quengelig, unselbstständig, fordernd, laut und oft egoistisch seinen Brüdern gegenüber, allerdings anderen Kindern gegenüber immer der mit der größten Sozialkompetenz. Das Abi kam und Micha flüchtete sich in die Idee, erstmal ein FSJ zu machen, um sich noch nicht für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden zu müssen. Da er viel Spaß in der Kinderarbeit unserer Kirchengemeinde hatte, lag es für ihn nahe, sich in diesem Bereich etwas zu suchen. Ein Schulpraktikum, das Micha in seiner ehemaligen Grundschule absolviert hatte, brachte ihn auf den Gedanken: Dahin will ich wieder. Obwohl ich selbst an dieser Schule unterrichte, war dies, trotz unserer konfliktgeladenen Beziehung, kein Hinderungsgrund für ihn. Mein Mann war skeptisch: So nah an seinem Zuhause? In der eigenen Grundschule? Und die Mutter als „Kollegin“? Ob das gut gehen würde? Wir haben Michas Entscheidung trotzdem nicht beeinflusst und ihn nur bei organisatorischen Fragen unterstützt. Die FSJler der Grundschule werden durch den Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) betreut. Micha fühlte sich hier von Anfang an gut aufgehoben. Und wie erleben wir unseren Sohn nun nach einem guten halben Jahr FSJ? Total verändert. Micha ist nach meinem Empfinden unglaublich gereift in dieser Zeit. Statt unerquicklicher Diskussionen führen wir nun häufig ernsthafte Gespräche über Verhaltensweisen von Kindern und ihre Ursachen, über Elternverhalten und seine Rolle zwischen Kumpel und Lehrkraft. Micha übernimmt nun auch zu Hause freiwillig Pflichten. Ich höre plötzlich Fragen wie: „Mama, soll ich einkaufen fahren?“ oder „Was soll ich kochen?“ Es scheint Micha gut zu tun, einen Grad an Verantwortung zu tragen, den er schultern kann, mit Aufgaben betraut zu sein, die ihm liegen und ihn herausfordern. Die positiven Rückmeldungen, die er immer wieder erhält, stärken sein Selbstbewusstsein. Der fest geregelte Tagesablauf scheint ebenfalls Halt zu bieten. Nun überlegt Micha, ob er auch Grundschullehramt studieren möchte. Wir sind als Eltern sehr glücklich über die Möglichkeit, die unser Sohn mit dieser Aufgabe hat und empfinden das Jahr als segensreich für ihn und die ganze Familie.
Antje Seeger ist Mutter von drei Söhnen und Grundschullehrerin in Südhessen.
Was soll aus dem Jungen nur werden?
Eltern von Teenagern sind oft verzweifelt, wenn ihr Kind null Interesse an der Berufswahl hat. Eine erfahrene Mutter rät aus eigener Erfahrung zur Gelassenheit.
Elternabend an der Schule mit dem Thema „Pubertät und null Bock“. Nach einem Vortrag mit Diskussion verfing die Atmosphäre sich in einer Ratlosigkeits- und Resignationssackgasse. Als vermutlich dienstälteste Mutter, die nicht nur bocklose Teens, sondern auch erwachsene, leistungsbereite Kinder hatte, musste ich mich jetzt einfach zu Wort melden. „Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, schloss ich meinen kurzen Erfahrungsbericht. Allgemeine Erleichterung, hoffnungsvolles Aufseufzen.
Wieder einmal hatte ich mir selbst Mut zugeredet. Was sollte ich tun mit Jonas, der bereits zum zweiten Mal ein Schuljahr wiederholte und rein gar nichts hielt von Berufsberatung und Ausbildungsmesse? Hatte ich in der Erziehung eine wichtige Weichenstellung übersehen? Genoss Jonas zu viele Freiheiten?
Seinen großen Bewegungsdrang als Kind hatte ich gern unterstützt. Toben, klettern, Rad fahren, all das machte ihn glücklich. An einem etwas kühleren Tag schwamm ein Sixpack Cola in der Mitte des Flusses. Jonas warf sein Fahrrad hin, sprang ohne Zögern ins Wasser, schnappte sich das Ziel seiner Wünsche und radelte triefend nach Hause. Am nächsten Tag war er zwar krank, aber für die Cola hatte sein Einsatz sich gelohnt.
Im Kindergartenalter war sein innigster Wunsch eine Pistole. Jonas flehte immer wieder. Meinem Mutterherzen dämmerte allmählich, dass Jonas nun mal ein Junge war und dass kindliche Aggressionen nicht durch eine Spielzeugpistole entstehen. Ich liebte Jonas und kaufte ihm sein Sehnsuchtsobjekt. Sein Glück ließ sich mit Worten kaum beschreiben. Im Lauf der Zeit erweiterte sich das Arsenal um Pfeil und Bogen, Armbrust und Ähnliches. Und nein, der Umgang mit der „Waffe“ zog keine Charakterverderbnis nach sich, vielmehr war Jonas aufmerksam Schwächeren gegenüber und teilte freiwillig seine Süßigkeiten. Überhaupt war er sehr kontaktfreudig. Zugleich verstand er es, sich abzugrenzen. Doch quasi über Nacht wurde Jonas von Pubertätshormonen überschwemmt. Jetzt zog er alle Register. Seine Freunde wählte er nach dem Kriterium „Elternschreck“ aus. Schule wurde für ihn zu einer Gleichung mit drei Unbekannten. Mehrmals täglich drehte er mich durch den mentalen Fleischwolf.
Wenn Bekannte von seinem netten, höflichen Auftreten schwärmten, fragte ich mich, wen sie eigentlich meinten. Für berufliche Dinge interessierte Jonas sich nicht die Bohne. Auch nicht für Ferienjobs. Schulkameraden und Altersgenossen machten Ausbildungsverträge und Schulabschlüsse. Jonas dümpelte vor sich hin. Etwas Soziales wollte er nicht machen, mit Kreativität hatte er nichts am Hut, für Handwerk interessierte er sich auch nicht. Immerhin beschaffte er sich einen Job. Mittwochs trug er in unserem Wohnviertel hinfort die Wochenblätter aus.
Mein Mann und ich fuhren das größte Geschütz auf, das wir kannten: Wir beteten für Jonas. Vor allem beteten wir um gute Freunde für ihn. Was weiter geschah, ließ uns staunen: Nachdem Jonas einen wirklich coolen Freund kennengelernt hatte, war plötzlich Fitnessstudio statt Chillen angesagt und Früchte statt Chips. Dennoch behielt er weiterhin sein taubes Ohr für gelegentliche Ausbildungsvorschläge unsererseits. Seine Wochenblätter aber verteilte er regelmäßig in die Briefkästen. So kam er mit dem einen oder anderen Nachbarn ins Gespräch. Einer, den wir nicht kannten, sagte: „Du hast noch keine richtige Idee, was du beruflich machen willst? Könntest du dir eine Arbeit bei der Polizei vorstellen? Hier hast du die Telefonnummer von einem Freund von mir, der ist dort Einstellungsberater. Melde dich bei ihm und sag schöne Grüße von mir.“
Um es kurz zu machen: Jonas hat alle Prüfungen prima bestanden und arbeitet heute als Polizist. Dies tut er mit einer positiven Einstellung und ist mit sich und seinem Leben im Reinen. Rückblickend denke ich: „Ein Wunder, dass er nicht schon in Uniform auf die Welt gekommen ist, dieser Beruf passt genial zu seiner Persönlichkeit.“
Ich finde, Gott hat all das sehr gut eingefädelt und bin stolz auf Jonas, dass er mit für unsere Sicherheit sorgt. Und wieder einmal habe ich ein Gebetsanliegen: Dass er beschützt bleibt …
Was ist eigentlich riskant?
Oft entsteht der Eindruck, ein erfülltes Leben sei immer auch mit Risikobereitschaft verbunden. Ist das so? Gedanken von Carolin Schmitt.
Die Redewendung „No risk, no fun“ war in meinen Jugendjahren ein geflügeltes Wort, das immer dann zitiert wurde, wenn jemand etwas Neues ausprobieren wollte. Ein anderes Sprichwort besagt: „Wer wagt, gewinnt!“. Aber stimmt das tatsächlich? Können wir nur Spaß haben, wenn wir etwas riskieren? Gewinnt nur derjenige, der auch etwas wagt? Wieso haben sich diese Redewendungen in unserer Sprache und in unserem Denken so eingenistet, dass wir sie glauben, ohne sie überprüft zu haben? Sicher gibt es Beispiele, die diese Aussagen bestätigen. Aber was bedeutet eigentlich „riskant leben“ oder „ein Risiko eingehen“? Schaut man ins Wörterbuch, so wird Risiko definiert als „möglicher negativer Ausgang bei einer Unternehmung, mit dem Nachteile, Verlust, Schäden verbunden sind“. Aber behaupten die oben zitierten Redewendungen nicht genau das Gegenteil? Dass man nur gewinnen kann, wenn man ein Risiko eingeht?
ÄNGSTLICH UND LANGWEILIG
Mir fallen in diesem Zusammenhang Geschichten ein, die wohl jeder kennt: die befreundete Familie, die Haus, Job und Freunde aufgibt, um als Missionare in ein fremdes Land zu gehen. Der Kollege, der ein Jahr unbezahlten Urlaub nimmt, um die Welt zu bereisen. Die Freundin, die ihren sicheren Job kündigt, weil sie den Traum der Freiberuflichkeit realisieren möchte. Der Onkel, der viel Geld in die Gründung von StartUps investiert. Bei all diesen Geschichten komme ich mir klein und unbedeutend vor. Mein Leben erscheint mir langweilig, eintönig und grau – so wie ich es eigentlich nie haben wollte. Ich fühle mich schlecht und frustriert: Alle anderen haben ein aufregendes Leben, sind mutig und vertrauen bei ihren Entscheidungen einfach auf Gott. Ich dagegen bin ängstlich und langweilig. Und anscheinend fehlt mir das nötige Gottvertrauen, um aus meiner Routine und meinem gewöhnlichen Leben auszusteigen. Warum bin ich nicht in der Lage, riskant zu leben und Abenteuer zu wagen?
RISIKOBEURTEILUNG
Aber wer bestimmt überhaupt, was riskant ist? Hängt die Risikobeurteilung nicht immer vom Standpunkt des Betrachters ab? Es kann doch sein, dass ich ein Vorhaben als extrem riskant einordne, der betroffene Akteur aber zu einer ganz anderen Einschätzung kommt. Je nachdem, welche Erfahrungen ich bisher gemacht habe oder mit welchen Stärken und Schwächen ich von unserem Schöpfer ausgestattet wurde, wird mein Risikoempfinden anders aussehen als das meines Gegenübers. Umgekehrt werden andere meine Lebenssituationen und Entscheidungen in die Sparte „riskant“ einordnen, bei denen ich keinerlei Risiko oder Wagnis erkenne. Das heißt doch, dass letztendlich ein riskanter Lebensstil nur deshalb als riskant bewertet wird, weil wir – die Betrachter – diese Wertung vornehmen. Mir scheint, dass wir durch unsere Gesellschaft und manche Medien so geprägt sind, dass nur noch große und für alle sichtbare Lebensgeschichten als riskant und sinnerfüllend bewertet werden. Oft wird suggeriert, dass das Leben nur lebenswert ist, wenn wir etwas riskieren, neue Dinge wagen und uns auf die Suche nach dem noch besseren Erlebnis begeben. Aber was ist mit den vielen kleinen Begebenheiten in unserem alltäglichen Leben, denen wir meist gar keine Beachtung schenken? Sie werden als langweilig abgetan, ignoriert oder schneiden im Vergleich nur unterdurchschnittlich ab.
MUTIG ODER NAIV?
Mir fällt die Rentnerin ein, die ihren pflegebedürftigen Mann jahrelang pflegt – auf die Gefahr hin, unter dieser Belastung selbst zu zerbrechen. Oder der junge Mann, der im Knast saß und es nun wagt, zu heiraten und eine Familie zu gründen – in dem Wissen, dass er wahrscheinlich aufgrund seiner Vorstrafe nie einen festen Job finden wird. Oder die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die ihr Studium zu Ende bringen möchte, obwohl sich die Finanzen permanent am unteren Limit befinden. Und was bewegt den Freund, der es nach mehrfach gescheiterten Firmengründungen trotzdem wieder wagt, eine neue Geschäftsidee zu entwickeln? Wie sieht es mit der Familie aus, die Pflegekinder aufnimmt und neben Beruf und eigenen Kindern Zeit und Liebe investiert – in der Hoffnung, diesen Pflegekindern einen besseren Start in die Zukunft zu ermöglichen? Es gibt noch viele solcher Geschichten, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen kann. Wahrscheinlich bewertet jeder diese Geschichten unterschiedlich. Von riskant, mutig, abenteuerlustig über naiv und dumm werden hier die Urteile ausfallen. Aber wann ist etwas riskant? Und wann ist etwas gefährlich oder dumm und naiv? Dieses Urteil hängt stark vom Standpunkt des Betrachters ab.
MIT DEM HERZEN SEHEN
Auch die Motivation der Menschen spielt eine Rolle. Manche gehen ein Risiko ein, um sich selbst oder anderen etwas zu beweisen oder um Anerkennung zu bekommen. Andere wagen etwas im tiefen Vertrauen auf Gott, obwohl Außenstehende es als „dumm und unüberlegt“ abstempeln. Lebensgeschichten zu vergleichen und zu bewerten ist hinfällig, keine Geschichte ist mit der anderen vergleichbar. Gott hat jeden von uns mit anderen Erfahrungen, Begabungen und Lebensumständen ausgestattet. Und Gott allein kann ein Urteil über unser Leben fällen. In diesem Zusammenhang fallen mir die Worte meiner Französischlehrerin ein, die sie mir in der 5. Klasse ins Poesiealbum geschrieben hat: „On ne voit bien qu‘avec le coeur. L‘essentiel est invisible pour les yeux.“ Ich glaube, dass Antoine de Saint-Exupéry in seinem Buch „Der kleine Prinz“ mit diesen Worten eine tiefe göttliche Wahrheit ausdrückt: Gott sieht unser Herz und lässt sich nicht von Äußerlichkeiten blenden. Ich möchte immer mehr versuchen, mir diese Wahrheit ins Bewusstsein zu bringen, um so mein Leben, mein Umfeld und meine Mitmenschen offen wahrzunehmen und nicht zu beurteilen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Carolin Schmitt arbeitet als Wirtschaftsingenieurin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Karlsdorf/Baden.
Sie leitet die KinderKirche ihrer Gemeinde und veröffentlicht ihre Gedanken auf dem Blog www.morethanpretty.net.