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Artikel aus den Heften

Digital und nackt

Von Rolf Krüger

Huch!? Über genau diese neue Kameratasche habe ich doch erst gestern mit einem Freund gesprochen und heute wird sie mir bei Amazon angepriesen. Hat Amazon mitgehört? Ähnliche Gedanken hat wohl jeder schon einmal gehabt. Dasselbe gilt für Menschen, die wir irgendwo getroffen haben und die uns Facebook plötzlich als Freunde vorschlägt. Und viele andere digitale „Zufälle“. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Dass wir alle täglich Dinge mit Konzernen teilen, die wir sonst nur unseren besten Freunden anvertrauen würden, sollte inzwischen bekannt sein. Das Schlagwort heißt „Big Data“. Smartphones zeichnen genau auf, wo wir uns befinden und für was wir uns interessieren. Die einzelnen Informationen sind gar nicht so dramatisch – ihre Kombination und Masse macht daraus einen wertvollen Schatz für alle, die an uns Geld verdienen wollen. Denn nichts ist kostenlos. Wenn wir nicht dafür zahlen, dann sind wir nicht der Kunde, sondern das Produkt, für das jemand anderes zahlt.

Die Daten, die unsere PCs und Telefone sammeln, werden von den Konzernen geschickt kombiniert. Anna und Paul sind für drei Stunden am selben Ort? Könnte sein, dass sie sich kennen, folgert Facebook, und schon bekommen sie sich gegenseitig als Freundschaftsvorschlag. Waren 1000 Menschen ebenfalls dort? Dann wohl kaum. Und die Algorithmen werden immer präziser, je mehr wir sie durch die gewünschte Handlung bestätigen – oder eben nicht. Gelernt wird immer. Und wir sind die Studienobjekte. Haben sich Anna und Paul vielleicht nicht voreinander ausgezogen – vor Google & Co. haben sie es getan. Für die Konzerne sind wir inzwischen ziemlich nackt.

Es gibt vor allem zwei Wege, wie wir damit umgehen: Die einen sehen Big Data als bequemen Service und freuen sich, dass die Maschinen helfen, den Alltag zu organisieren. Die anderen sehen vor allem die Gefahr, dass ihre Datensammlung irgendwann gegen sie verwendet wird.

Die gesunde Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Es gilt, die Vorzüge der Technik zu genießen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit unseren Daten umzugehen. Im Folgenden haben wir Möglichkeiten zusammengestellt, unsere Datensammlung bewusster zu steuern. Denn wie nackt wir uns machen, kann jeder und jede für sich selbst entscheiden.

Aktivitätsberichte

Bei allen großen Anbietern kann man seine gespeicherten Daten einsehen und ggf. löschen. Es ist sehr erhellend, mal durch die eigene Sammlung zu stöbern…

  • Google (inkl. Android-Smartphones)
  • Facebook
  • Microsoft (inkl. Windows 10 & Bing)

Nicht verfügbar bei: 

  • Apple (inkl. iPhone) — es wird kein Aktivitätsverlauf außerhalb des Gerätes angelegt.

Datenschutzeinstellungen

Was von den Anbietern oder Programmen aufgezeichnet wird, kann man in gewissem Rahmen selbst bestimmen. Das gilt sowohl für die Aufzeichnung von Daten auf dem lokalen Computer als auch in den Clouds der Anbieter wie Microsoft oder Google. Die Optionen sind sehr umfangreich und man muss schon ein wenig Arbeit investieren, um das gewünschte Maß an Privatsphäre sicherzustellen. Aber die Arbeit lohnt sich…

  • Microsoft / Windows 10
  • Google
  • Apple (MacOS und iOS inkl. Safari)

Nicht verfügbar bei:

  • Facebook — Aufzeichnung der Aktivität Kern des Angebots ist. Aber man kann einstellen, wer die eigenen Aktivitäten sehen kann.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/04/shutterstock_447671734-2.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2017-04-18 08:00:292017-04-24 16:58:07Digital und nackt

Aufgaben Verteilung

WO DIE FÄDEN ZUSAMMENLAUFEN
Katharina managt das siebenköpfige Familienunternehmen. Ihren Mann sieht sie als hochengagierten Mitarbeiter.

Katharina: „Fünf Kinder! Wie schaffst Du das bloß?“ Diese Frage höre ich häufig. Meine Antwort variiert je nach Tagesform zwischen „Gar nicht!“ über „Das frag ich mich auch!“ zu „Einfach machen!“ Dabei bin ich ja nicht allein für alles zuständig, sondern habe ein Netz von Unterstützern: Schwiegereltern, Freunde und nicht zuletzt meinen Mann. Er und ich wollen diese Kinderschar und wir möchten auch partnerschaftlich mit der Aufgabenverteilung umgehen. So übernimmt Hauke den Fahrdienst zur Schwimm-AG oder den Großeinkauf, er putzt Küche und Bäder (oder das Flusensieb der Waschmaschine) und staubsaugt die Wohnung. Er kocht für alle am Wochenende – vor allem, wenn er selber Hunger hat. Zudem übernimmt er mit viel gutem Willen alle Hausmeisterdienste, die, nun ja, in seinem Vermögen stehen. Und da unser 3-Jähriger beschlossen hat, sich nur noch vom Papa ohne Theater wickeln, baden und Zähne putzen zu lassen, freue ich mich sehr über die Selbstverständlichkeit, mit der Hauke diese Aufgaben übernimmt. Das ist eine Menge bei gleichzeitiger beruflicher Tätigkeit. Hauke schneidet gut ab in punkto Familien-Engagement. Warum denken trotzdem viele, ich würde die Last alleine tragen? Ich glaube, es liegt an der Art der Arbeit. Während Hauke mit seiner Unterstützung den Rahmen zusammenhält, versuche ich, den Kasten mit Leben zu füllen. Ich organisiere die Familienzeit, habe den Überblick, wer wann wo mit welchen Dingen sein muss. Meine Überlegungen und Vorbereitungen prägen unsere Familientraditionen – die Rituale an Festtagen, aber auch im Alltag. Ich bin zuständig für die Wäsche, weiß, wem welche Hose gehört und mache mir Gedanken über Familienregeln. Abends lege ich mich häufig noch zu Kindern und kläre den Weltschmerz oder höre mir die Schulgeschichten an. Mir sind die Namen der Schulfreunde und -streitigkeiten der Kinder ein Begriff, und das Foto-Jahrbuch der Familie gestalte ich ebenso wie die Pflege unserer Freundschaften und Familienbanden. Mit all diesen Dingen übernehme ich die Familien-Denkarbeit, während Hauke bei der Umsetzung hilft. Will er das? Provoziere ich mit meinen schnellen Entscheidungen dieses Verantwortungsungleichgewicht? Bevormunde ich ihn? Aber wenn ich warte, bis er anfängt, ist der Kindergeburtstag schon morgen, und wenn es gut läuft, lässt sich nur noch ein absoluter Notfallplan umsetzen. Aber mein Plan A funktioniert eben auch nur mit Haukes Hilfe. Bei allem Gemaule („Du könntest dir ja auch mal was überlegen“ von mir und „Selber schuld, wenn du immer so schnell bist“ von Hauke) sind wir wohl beide eigentlich zufrieden mit dieser Aufteilung. Ich darf gestalten, Hauke will mitmachen und unterstützen. Beides kann von Zeit zu Zeit ermüdend sein. Das einander zuzugestehen ist die Kunst, die wir noch lernen.

 

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie
und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

DER GROSSE KNALL
Hauke bewundert das Durchgreifen seiner Frau und ist überzeugt, dass sie seinen Beitrag im Familienunternehmen falsch einschätzt.

Hauke: Manchmal grüble ich darüber nach, ob Gott die Welt nicht vielleicht mit Hilfe des Urknalls erschaffen hat. Denn wie das im Prinzip gehen könnte, zeigen mir unsere fünf Kinder nahezu täglich: Aus dem absoluten Nichts heraus gibt es plötzlich einen lauten Knall und tosendes Gezeter (oder fröhliches Gekreische, das spielt fürs Resultat keine Rolle), und Millisekunden später herrscht Chaos in der Wohnung. Der atomar zerstäubte Inhalt mehrerer Spielzeugkisten schwebt, liegt und kullert herum. Materie überall, vollständig ungeordnet. Und die Wohnung war wüst und die Schränke leer … Wem nun der Urknall schon wie ein großes Wunder vorkommt, der wird nicht glauben können, was anschließend in diesem Tohuwabohu passieren wird: Ebenfalls aus dem Nichts heraus gibt es einen zweiten Knall, noch viel, viel größer, diesmal auf jeden Fall verbunden mit tosendem Gezeter, wieder fliegt Materie in Lichtgeschwindigkeit durch die Wohnung, diesmal aber in umgekehrter Richtung, und kurz darauf ist alles wieder an seinem ursprünglichen Platz. Und siehe, es war sehr gut aufgeräumt. Welche unfassbare Macht wohl für den zweiten Knall verantwortlich ist? Sie ahnen e s: m eine Frau. O hne z u z ögern n immt s ie den K ampf m it d er l okalen A narchie- Bewegung auf, wirft sich ins Getümmel und stürmt die Barrikaden vor dem Kinderzimmer. Und da meine Frau keine Gefangenen macht, wird jeder kleine Revoluzzer sofort umgedreht, so dass er fortan für die Gegenseite arbeiten muss. Warum nicht der Göttergatte für Recht und Ordnung sorgt? Dafür gibt es zwei Gründe: Oft bemerke ich aufgrund einer deutlich höheren Toleranzschwelle die Anzeichen für den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung nicht rechtzeitig – und wenn ich sie doch registriere, dann bleibt mir meist nur noch Zeit für eine einzige Gegenmaßnahme: mich hinterm Sofa zu verstecken, um den zweiten Knall zu überstehen … Ich bewundere meine Frau aufrichtig dafür, wie sie in der Familie alles ordnet und regelt. Mit schier unerschöpflicher Energie managt sie das Leben von sieben Personen mit Weitund Umsicht. Da ich weiß, dass nicht die eigentliche Erledigung der vielen Aufgaben so anstrengend ist, sondern das Tragen der ständigen Verantwortung, versuche ich, Katharina zu entlasten. Ich will zumindest die Arbeiten erledigen, die mir auffallen – das ist wenig genug. Dazu kommen die Arbeiten, die mir nicht auffallen, aber meiner Frau. Auch dann packe ich mit an, fröhlich und frei von jedwedem traditionellen Rollendünkel. Katharina denkt übrigens, dass ich vergleichsweise viel zu Hause helfe. Ich halte das eher für ein Wahrnehmungsproblem: Meine Mithilfe sieht sie, die der anderen Männer nicht. Aber sei‘s drum, in diesem Punkt soll Kathi gerne bei ihrer Meinung bleiben. Bitte verraten Sie ihr nicht die Wahrheit!

 

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Family_NEXT_17_2_DS_Seite_36.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-04-15 10:07:502017-02-23 11:25:35Aufgaben Verteilung

Zum Zaungast degradiert?

Medien, Schule, Freunde – all das beeinflusst unsere fast erwachsenen Kinder. Haben wir als Eltern überhaupt noch Einfluss?

Jan hat gerade seinen 16. Geburtstag gefeiert und ist davon überzeugt, dass ihm jetzt die Welt offen steht. Endlich darf er den Führerschein für ein Moped oder einen Roller erwerben. Von den Eltern will er sich gar nichts mehr sagen lassen. So wie Jan sehen viele heranwachsende Kinder ihre eigene Position. Sie fühlen sich bereits erwachsen, obwohl sie es faktisch – und auch vor dem Gesetz – noch gar nicht sind. Das ist keine einfache Situation. Eltern wünschen sich manchmal, ihr Kind wäre noch klein und auf sie angewiesen. Denn Babys begreifen ihre Eltern als Erweiterung von sich selbst und hängen deshalb sehr an ihnen. Erst mit der Entwicklung des eigenen Ichs wird die Umwelt allmählich wichtiger. Mit dem Alter des Kindes nimmt die Beeinflussung außerhalb des Elternhauses kontinuierlich zu. Irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem der Einfluss von Schule, Freunden und Medien dominiert und sich der junge Mensch kaum mehr etwas von den Eltern sagen lässt.

DAS GROSSE SCHWEIGEN
Marc ist 17, seine Freundin Svenja hat vor wenigen Wochen ihren 16. Geburtstag gefeiert. Beide halten ihre Beziehung vor den Eltern geheim. Marc, weil er genau weiß, dass seine Eltern die neue Freundin mit den schlechter werdenden Schulnoten in Verbindung bringen und deshalb gegen die Beziehung Partei ergreifen würden. Svenja, weil sie fürchtet, dass die Eltern es nicht gern sehen, dass sie sich mit einem Freund abgibt, der weder im Jugendkreis der Gemeinde anzutreffen ist noch sonst irgendeinen Bezug zum christlichen Glauben hat. Doch Svenja sieht in Marc jemanden, mit dem sie ihre Probleme besprechen kann und der sie versteht. Svenja empfindet diese Beziehung als Bereicherung, aber sie weiß, dass ihre Eltern das ganz anders sehen würden. Tom besucht die 10. Klasse einer Realschule. In diesem Jahr steht die Abschlussprüfung an. Doch statt fleißig zu lernen, sitzt Tom den ganzen Tag am Computer und macht … Ja, was er dort treibt, wissen seine Eltern nicht. Denn Tom schweigt sich darüber aus. Da sich die Eltern bisher wenig für den Computer interessiert haben und damit selbst nicht viel anzufangen wissen, können sie sich auch gar nicht vorstellen, was Tom den ganzen Tag im Internet macht. Auf jeden Fall hängt er den lieben langen Tag vor dem Computer ab und ist nicht zu motivieren, sich um die Schulaufgaben zu kümmern. Die 16-jährige Lisa blendet jede Unterhaltung von vornherein aus, da ihre Aufmerksamkeit vom Smartphone so sehr in Anspruch genommen ist, dass sie gar nicht mehr merkt, dass die Eltern mit ihr reden wollen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Denn so viele unterschiedliche Jugendliche es gibt, so viele unterschiedliche Situationen gibt es auch, in denen Jugendliche ihre Eltern regelrecht ausbremsen und aus ihrem persönlichen Alltag außen vor lassen. Sie orientieren sich lieber an Medien oder Menschen, die vollkommen außerhalb des Einflussbereichs der eigenen Eltern stehen.

BETRETEN VERBOTEN!
Für Eltern, die den Zugang zu ihren Kindern suchen und dabei gegen Wände laufen, kann das sehr frustrierend sein. Obwohl die Kinder in derselben Wohnung leben, haben sie sich einen Bereich geschaffen, zu dem die Eltern keinen Zutritt haben. Sie zeigen das nicht nur ganz konkret durch Schilder an der Tür, wie „Betreten verboten – Lebensgefahr“ oder „Eltern müssen draußen bleiben“, sondern auch dadurch, dass sie ihren Eltern nichts von ihren Problemen oder auch nur von den Alltagserlebnissen erzählen. Tipps für ihr Leben holen sie sich eher aus den sozialen Netzwerken als von den Eltern. Eltern fragen sich deshalb nicht zu Unrecht: „Habe ich überhaupt noch Einfluss auf mein Kind?“ Grundsätzlich ist diese Frage schon allein deshalb zu bejahen, weil Sie als Eltern in all den vergangenen Jahren einen immensen Einfluss auf Ihren Sohn oder Ihre Tochter ausgeübt haben. Dieser Einfluss hat in Ihrem Kind bereits Grundlagen gelegt, die dafür sorgen, dass es sich bei seinen Handlungen in der Regel fragen wird, ob die Eltern diese Handlung gut oder schlecht finden werden. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass sich Ihr Jugendlicher genauso verhält, wie Sie es für richtig halten. Es kann im Gegenteil bedeuten, dass er genau aus diesem Grund einen anderen Weg wählt, als er ihn vom Elternhaus vorgelebt bekommen hat. Ein junger Mensch setzt sich mit den Werten und Meinungen auseinander, die ihm die Eltern vermittelt haben. Dazu gehört auch, dass er sich gegen die weitere Beeinflussung sperrt und absichtlich konträre Entscheidungen trifft. Wir kennen dieses Verhalten alle sehr gut aus der eigenen Jugend. Warum sollten unsere Kinder anders reagieren?

FALSCHE ENTSCHEIDUNGEN
Eltern sollten sich nicht unbedingt in die Entscheidungen ihrer Kinder einmischen. Lassen Sie Ihr Kind ruhig auch mal Fehler machen. Falsche Entscheidungen können durchaus heilsam sein. Außerdem ist es immer schwierig zu sagen, dass eine Entscheidung richtig oder falsch ist. Selbst „falsche“ Freunde können für den jungen Menschen wichtig sein. Vielleicht ist es für Ihre Tochter wichtig, gerade jetzt einen Freund zu haben, der so gar nicht zu Ihren Vorstellungen passt. Eltern müssen sich auch mal zurücknehmen und abwarten. Der erste Freund ist ganz selten der Mann fürs Leben. Geben Sie Ihren Kindern den Raum, allein Entscheidungen zu treffen. Wenn Ihre Kinder dann aber vor einem Scherbenhaufen stehen, weil die Entscheidung eben tatsächlich falsch war, dann vermeiden Sie es, Ihrem Kind zu sagen: „Ich habe es doch gleich gewusst.“ Zum einen nützt es nichts, mit dieser Bemerkung Salz in die Wunde zu streuen. Und zum anderen ist Ihr Kind jetzt sicherlich offen für Ihren Trost und Ihre Hilfestellung. Diese Offenheit sollten Sie nicht dadurch wieder zunichtemachen, dass Sie Ihre Überlegenheit ausspielen. Egal wie die Situation ist, behalten Sie die Ruhe und warten Sie einfach ab. Irgendwann kommt Ihr Kind wieder auf Sie zu.

DER 16. GEBURTSTAG
Manche Jugendliche haben hohe Erwartungen an ihren 16. Geburtstag. Spätestens jetzt erhalten sie einen eigenen Personalausweis. Außerdem sind manche Jugendschutzbestimmungen nun nicht mehr relevant für sie. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist für die meisten jungen Menschen der Erwerb des Führerscheins. Seitdem es die Möglichkeit gibt, den Führerschein im Rahmen des „Begleiteten Fahrens ab 17“ vorzeitig zu erwerben, ist der 16. Geburtstag ein wichtiges Datum, das die Heranwachsenden dem Führerschein näher bringt. Da jedoch meist die Eltern diejenigen sind, die den Führerschein bezahlen, können Sie diesen Erwerb auch mit der Bedingung verknüpfen, dass der oder die Heranwachsende sich an die Regeln des familiären Zusammenlebens hält. Dazu gehört es selbstverständlich, dass Jugendliche eben nicht machen, was sie wollen, sondern sich an Absprachen halten, ihr Zimmer selbst in Ordnung halten, die Hausaufgaben regelmäßig erledigen und an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Welche Regeln für Ihre Familie wichtig sind, legen Sie selbst fest.

EINMISCHUNG DER ELTERN
Es gibt sicherlich viele Bereiche, in denen die Heranwachsenden ihre eigenen Erfahrungen machen wollen und auch müssen. Trotzdem gibt es auch Situationen, in denen Jugendliche ihre Eltern brauchen. Um das herauszufinden, ist es wichtig, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben. Im Alter von 16, 17 oder 18 Jahren wollen Kinder oft alles selbst regeln und schweigen Probleme manchmal tot. Wenn Sie als Eltern jedoch immer wieder zeigen, dass Sie an Ihrem Kind interessiert sind und sehr wohl merken, wenn es ihm nicht gut geht, wird sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter leichter öffnen und eine schwierige Situation zumindest andeuten. Wenn Sie erfahren, wo das Problem zu suchen ist, können Sie beispielsweise mit dem Lehrer oder dem Arbeitgeber reden und so Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht braucht Ihr Jugendlicher auch Hilfe bei der beruflichen Orientierung. Diese Frage treibt Jugendliche oft mehr um, als sie zugeben. Manchmal passen die Noten nicht zum Wunschberuf, oder der Jugendliche hat zu nichts Lust. Versuchen Sie, gemeinsam Stärken herauszufinden und entwickeln Sie mit ihm zusammen Ideen. Es ist nicht so, dass Sie als Eltern auf dem Abstellgleis stehen und nur noch als Zaungast zuschauen müssen. Ihr Kind braucht Sie als Eltern genauso dringend wie früher. Es zeigt es nur nicht – und braucht Sie anders. Doch wenn Jugendliche begreifen, dass die Eltern immer für sie da sind, dann ist das eine gute Grundlage für Ihre Eltern-Kind- Beziehung – bis ins Erwachsenenleben hinein.

Ingrid Neufeld ist Erzieherin und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Töchtern. Sie lebt in Mittelfranken.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Family_NEXT_17_2_DS_Seite_08.jpg 495 700 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-04-11 09:52:512017-02-23 11:01:49Zum Zaungast degradiert?

Grenzenloses Vertrauen

Auch wenn nicht alles wie geplant lief: Hiltrud und Rüdiger freuen sich, dass sie immer wieder einen gemeinsamen Weg gefunden haben, selbst in einer Phase der beruflich bedingten Trennung.

 

Eine Sandkastenliebe verbindet die beiden nicht, dazu ist der Altersunterschied von fünf Jahren wohl zu groß. Aber Hiltrud und Rüdiger kennen sich schon lange. Sie waren Nachbarskinder und sangen gemeinsam im Kinderchor der Gemeinde. Danach verloren sie sich aus den Augen, doch das Singen hat sie dann wieder zueinander geführt. Nach Studienende und Rückkehr in die Heimatstadt sahen sie sich im Chor wieder und verliebten sich. Eine besondere Rolle hat dabei sicher die uneingeschränkte Offenheit in ihren Gesprächen über Gott und die Welt gespielt – in DDR-Zeiten keine Selbstverständlichkeit, weil man nie sicher sein konnte, wem man etwas anvertrauen konnte.
Das Verlieben war ein längerer Prozess, doch dann stand sehr schnell fest, dass sie heiraten wollten. Das war unumstößlich! Nach ihrer (heimlichen) Verlobung 1982 auf einer Wanderung im Harz hat sich etwas voreilig vor der geplanten Hochzeit ihr erstes Kind angekündigt. So wurde schnell das Standesamt „dazwischen“ geschoben und die geplante kirchliche Hochzeit dann als „Traufe“ (Trauung + Taufe) gefeiert. Die beiden haben das Fest noch in sehr guter Erinnerung und freuen sich auch an den drei Jahrzehnten danach: „Unser gemeinsames Leben war begleitet von vielen wunderschönen Erlebnissen, von Höhen und aber auch von Tiefen: Unsere Hochzeit, die Geburt unserer drei gesunden Kinder, die erste richtig schöne und große Wohnung im geliebten Stadtgebiet, der wundervolle Mauerfall, der erste gemeinsame ‚Westurlaub‘ … Dass wir so viel zusammen erlebt haben, das ist das Schönste und Wichtigste!“, schwärmen beide.

HARTE PROBE
Das tiefste Tal in ihrem Eheleben durchschritten sie nach der Wende, als sich Rüdigers Arbeitsstandort plötzlich um 500 Kilometer gen Westen verlagerte, obwohl er in Leipzig noch angestellt war. „Die langen Abwesenheitsphasen, das Alleinsein mit den drei Kindern, die Sehnsucht nach dem Familienleben, das hat uns auf eine harte Probe gestellt, besonders unsere drei pubertierenden Kinder. Letztlich mussten wir dann aufgrund des wirtschaftlichen Zwanges die geliebte Heimat verlassen und auch das war hart“, erzählt Hiltrud. Durch eigenen Mut und Zuversicht, Vertrauen in- und abgrundtiefe Liebe zueinander, tapfere Kinder, helfende Familie, eine neue Gemeinde, ein neuer Chor, treue alte und neue Freunde haben sie geschafft, die schmerzhafte Veränderung auszuhalten und durchzustehen.
Für die beiden ist grenzenloses Vertrauen in den Partner eine der wichtigsten Grundlagen ihrer Partnerschaft. Sie legen Wert auf offene und ehrliche Kommunikation. „Schwierig in unserer Ehe ist bei uns wohl vor allem die Diskrepanz zwischen weiblicher Emotionalität und männlicher Rationalität, wenn es um grundlegende Entscheidungen geht. Aber auch dann hilft es, miteinander zu reden! Es fällt uns leicht, uns unsere Liebe durch kleine Gesten bewusst zu machen und es ist wichtig, das auch immer wieder in Worte zu fassen“, meint Rüdiger.
Wichtig ist ihnen auch ihnen auch ihr Trauspruch, der ihnen oft Wegweiser und immer wieder Hoffnungssignal geblieben ist: „Christus spricht: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14/27)

Priska Lachmann ist verheiratet, zweifach Mama, Theologin, freie Redakteurin und Bloggerin von www.leipzigmama.com

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/ThinkstockPhotos_betyarlaca.jpg 1500 2560 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-04-06 10:31:422017-02-24 13:05:42Grenzenloses Vertrauen

Beim Umzug helfen?

„Unser Sohn (23) zieht in eine neue Wohnung, wo noch viel renoviert werden muss. Dafür erwartet er unsere Hilfe. Wir haben aber gerade selbst viel um die Ohren und denken, dass er alt genug ist, um so etwas allein zu regeln. Können wir ihm absagen?“

 

Wenn die Kinder das Nest verlassen haben, bleibt bei Eltern oft nicht das erwartete Freiheitsgefühl, sondern ein Wehmutsgefühl zurück. Loslassen ist nicht einfach. Eltern müssen akzeptieren, dass ihr Kind sein eigenes Leben lebt. Es beinhaltet aber auch, dem Kind sein Erwachsensein zuzugestehen, ihm einen eigenen Lebensstil und eigene Entscheidungen auch innerlich zu erlauben. So eine Beziehung auf Augenhöhe fühlt sich nach all den Jahren der Fürsorge und Verantwortung erst einmal fremd an. Die Eltern-Kind-Beziehung wächst in ein neues Stadium hinein, das Schritt für Schritt ertastet werden will. Vieles daran fühlt sich ungewohnt an. Zum Beispiel, dass es zu einem ausgewogenen Geben und Nehmen kommen darf. Wir sind nicht mehr die nur Starken und Überlegenen, sondern wir dürfen uns auch mit unseren Schwächen und Grenzen zumuten.

ABSAGE ZUMUTEN
In Ihrer Frage wird deutlich: Da hat schon jemand das Nest verlassen. Sowohl Sie als auch Ihr Sohn haben ein jeweils eigenes, erfülltes Leben. Deshalb gilt: Ihr Sohn ist selbst verantwortlich für seinen Umzug. Dass Sie als Eltern noch gefragt werden, ist ja auch schön und zeugt von familiärer Verbundenheit. Im besten Falle hat sich zwischen Ihnen und Ihrem Sohn ein freundschaftliches Nebeneinander entwickelt. Und wie es unter guten Freunden üblich ist, darf man sich auch mit seinen Unvollkommenheiten zeigen. Auch Sie als Eltern haben Grenzen, zum Beispiel weil Sie keine Zeit haben, gesundheitlich nicht mehr so viel leisten können oder zu weit weg wohnen. Nehmen Sie auf einer erwachsenen Ebene Kontakt zu Ihrem Sohn auf und muten ihm eine Absage zu. Ihr Sohn muss lernen, dass einseitige Ansprüche der Vergangenheit angehören. Eltern wollen fair gefragt werden. Und auf eine Frage darf man auch mit „Nein“ antworten.

RÜCKHALTLOSES ZUTRAUEN
Wir als Eltern sind nicht mehr verantwortlich für das Wohlergehen unserer erwachsenen Kinder. Und damit auch nicht für das Gelingen eines Umzugs. Diese Verantwortung liegt beim Sohn (oder der Tochter). Was Ihr Sohn braucht, ist Ihr rückhaltloses Zutrauen. Hat er das? Oder denken Sie, dass der Umzug ohne Ihre Mithilfe scheitern wird? Vielleicht lohnt es sich, wenn Sie über folgende Fragen nachdenken: Warum könnte es mir schwer fallen, Nein zu sagen? Was daran macht mir Angst? Dass unser Sohn Dinge falsch einschätzt und Fehler machen wird? Dass der Umzug misslingt? Halte ich es aus, wenn es vielleicht chaotisch läuft? Habe ich die Befürchtung, dass es mit einer Absage zu einem (grundsätzlichen) Konflikt kommen wird? Dass sogar die Beziehung als solche in Frage gestellt werden wird? Wollen wir einmal grundsätzlich miteinander darüber sprechen, wie jeder von uns sich eine erwachsene Eltern-Kind-Beziehung vorstellt, was jeder bisher erwartet hat, was sich jeder wünschen würde?

 

Michaela Schnabel ist Mutter von drei Töchtern, die ihre weltweiten Umzüge sehr selbstständig organisieren. Sie arbeitet als Sozialpädagogin und lebt in Witten.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Auf-eigenen-Füssen-e1487778477532.jpg 532 596 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-04-04 10:42:092017-02-24 13:06:28Beim Umzug helfen?

„Spione“ auf Kinderwebsites

Harmlose Spiele, pädagogisch wertvolles Wissen, lustige Zeichentrickfilme: Viele Internetseiten locken Kinder und Jugendliche mit Gratisangeboten. Doch oft dient das vor allem einem Zweck: Die Kinder sollen ausspioniert werden.

Kinder und Internet? Da denken die meisten Eltern in erster Linie an Gefahren wie Gewalt, Mobbing und Pornografie. Die Rettung versprechen speziell auf die junge Zielgruppe ausgerichtete Angebote, wie helles-koepfchen.de, kividoo.de oder spielaffe.de. Auf den bunten, harmlos erscheinenden Seiten erwartet niemand etwas Böses. Doch der Schein trügt, wie eine aktuelle eBlocker-Studie zeigt. Auf vielen dieser Internetseiten werden Kinder ausspioniert und anschließend mit verlockender Werbung konfrontiert.

Tracker „verfolgen“ auch Kinder

Beispiel Helles-Koepfchen.de: Das Wissensportal für Kinder und Jugendliche verspricht pädagogisch und journalistisch hochwertige Inhalte und will einen guten Überblick über das Angebot innerhalb der „Kinderseiten-Landschaft“ verschaffen. Siegel wie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend suggerieren Sicherheit. Tatsächlich verstecken sich aber auf der Seite insgesamt 31 so genannter „Web Wanzen“ (englisch „Tracker“), die Kinder mitunter über mehrere Websites hinweg verfolgen. Auch trackende Werbung, Like-Buttons und vieles mehr trägt dazu bei, dass das Surfverhalten von Internetnutzern genauestens protokolliert wird. Anhand verschiedener individueller Merkmale können Werbeunternehmen die Kinder dadurch eindeutig identifizieren und so ein genaues Persönlichkeitsprofil erstellen. Die dahinterstehenden Unternehmen protokollieren dazu die gelesenen Artikel, die angeschauten Videos und aufgerufenen Spiele und wissen dann nach einiger Zeit genau, mit wem sie es zu tun haben: Alter, Geschlecht, Vorlieben, Lernfortschritte, Entwicklungsstand – das surfende Kind
hinterlässt unbewusst seine persönliche Visitenkarte. Aber auch Dinge wie finanzieller Hintergrund, mögliche Lernschwächen oder soziale Probleme können so ans Licht kommen.

Helles-Koepfchen.de ist leider kein Einzelfall, wie die Ende Januar durchgeführte eBlocker-Untersuchung zeigt. Von zwölf geprüften Kinderseiten schnüffeln neun Ihre vorrangig kindlichen Besucher aus, ergab die Quellcodeanalyse der jeweiligen Startseiten durch die eBlocker-Experten. Besonders wild treiben es neben Helles-Koepfchen.de die Seiten Spielaffe.de mit 64, Kividoo.de mit 20 und Bravo.de mit 14 Web-Wanzen. Besonders heikel: auf der Hälfte der geprüften Internetseiten werden auch Tracker von Werbenetzwerken wie doubleclick.net, das zum Google-Konzern gehört, verwendet. Das ermöglicht nicht nur dem Webseitenbetreiber, sondern auch Dritten (dem Werbenetzwerkbetreiber) umfangreiche Einblicke in das Surfverhalten der jungen Besucher.

Es gibt aber auch positive Beispiele. Das Angebot von Blinde-Kuh.de erwies sich zum Beispiel datenschutztechnisch als rundum unbedenklich. Ebenfalls empfehlenswert sind WDRMaus.de sowie kidsville.de. Auf beiden Seiten ist jeweils nur ein Tracker vorhanden und dazu handelt es sich um harmlose Varianten, die keine Persönlichkeitsprofile erstellen.

Freie Bahn für Datenschnüffler?

Die Praktiken der Tracker sind nicht generell verboten. Persönlichkeitsprofile von Kindern und Jugendlichen – wie von jedem anderen Internetnutzer auch – dürfen kommerziell verwertet werden. Aus Sicht von Anti-Tracking-Experte und Initiator der Studie Christian Bennefeld ist das ein Skandal. Sein Appell: „Eltern müssen nicht nur überprüfen, was die Kinder mit den Medien machen. Sondern auch, was die Medien mit ihren Kindern machen.“ Übrigens: Aus gutem Grund ist in den USA bereits seit 2013 das Tracken von Onlineaktivitäten von Kindern unter 13 Jahren per Gesetz verboten. Hierzulande genießen die Datenschnüffler dagegen – noch – freie Bahn.

Wer seine Kinder ungern zum Spielball der Datensammler machen möchte, muss sie schützen. Eine Möglichkeit besteht darin, auf jedem einzelnen Gerät die Datenschutz-Einstellungen des Browsers zu überprüfen und gegebenenfalls Add-ons wie „Better Privacey“ bei Firefox zu installieren (Tipps z.B. hier: selbstdatenschutz.info). Wer aber nicht jedes einzelne Gerät für sicheres Surfen fit machen möchte, für den bietet sich der eBlocker Family an. Die kleine Box wird per Kabel am Router angedockt. Fortan schützt sie alle Geräte vor Tracking. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, für jedes Mitglied im Haushalt eigene Einstellungen zu treffen, so können für Kinder und Jugendliche spezielle Jugendschutz-Funktionen eingerichtet werden.Der eBlocker Family ist ab EUR 249,- erhältlich unter www.eblocker.com.

Geräte-Tests zum eBlocker (zum Teil bezogen auf das Vorgänger-Modell) gibt es hier:

test.de

datenschutzbeauftragter-info.de

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/ThinkstockPhotos-511319730_IuriiSokolov.jpg 1500 2250 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-03-31 09:49:402017-03-31 09:49:40„Spione“ auf Kinderwebsites

Abi – ohne mich!?

„Unsere Tochter (15) möchte nach der 10. Klasse von der Schule gehen. Die Lehrer sind der Meinung, sie hätte Potenzial, das Abi zu schaffen. Wie können wir sie unterstützen?“

Wir Eltern haben oft genaue Vorstellungen, wie der Bildungsweg unserer Kinder aussehen soll. Wir lieben sie, und deshalb wollen wir natürlich ihr Bestes. Im Schulalltag erlebe ich sehr oft Eltern, die der Überzeugung sind, dass nur ein Leben mit Abitur (oder Matura in der Schweiz) ein vollwertiges Leben sein kann, weil dem Kind angeblich nur dann alle Bildungswege offen stehen. Auf der einen Seite stimmt das. Wenn man zielstrebig sein Abitur macht und gute Noten vorweisen kann, hat man die optimale Wahlmöglichkeit. Aber unsere Erfahrungen an der Schule zeigen auch, dass Schüler mit einem sehr guten Mittleren Schulabschluss leichter einen tollen Ausbildungsplatz finden als Schüler mit einem schlechten Abitur.

NEUE MOTIVATION
Wir staunen oft über Schüler, die völlig schulmüde nach Klasse 10 die Schule verlassen und dann in der Ausbildung aufblühen und neue Freude an der Berufsschule finden. Dort lernen sie gerade in den Hauptfächern viel spezifischer das, was sie auch für ihren Beruf brauchen. Nicht selten streben sie nach der Ausbildung mit ganz neuer Motivation die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife an. Nichts ist schlimmer für Eltern, Schüler und auch Lehrer als unmotivierte Schüler und Kinder. Wie findet man also gemeinsam einen Weg?

REDEN
Teenies sind davon überzeugt, dass nur sie selber wissen, was für sie das Beste ist. Sie wollen als vollwertige Personen angesehen werden und nicht mehr als Kinder. Das spielt auch bei diesem Thema eine wichtige Rolle! Wenn wir als Eltern Druck aufbauen, ohne ihnen das Gefühl zu geben, mitreden zu können, werden wir keine zufriedenstellende Lösung finden. Wir sollten uns anhören, was unser Kind möchte und gemeinsam überlegen, wie die Vor- und Nachteile von einem Lebenslauf mit oder ohne Abitur aussehen können. Informieren Sie sich über Alternativen, wie man das Abitur vielleicht auch später noch nachmachen kann.

ALTERNATIVEN
Wenn man nach dem Mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss, Mittlere Reife) erst eine Ausbildung macht, ist es in Deutschland möglich, danach in der Berufsoberschule seine Hochschulreife zu erwerben. In der Abendschule kann man berufsbegleitend die Fachhochschulreife machen oder man erwirbt sie in einer Berufsfachschule parallel zu einer Berufsausbildung, sodass man nach drei Jahren eine fertige Ausbildung und die Berechtigung zum Besuch der Fachhochschule hat. Konkrete Schritte:

  • Ein Praktikum während der Ferien und das Hineinschnuppern in die Berufswelt gibt Teenies oft ein realistischeres Bild von der Schulalternative. Einen Termin bei der Jugendberufsagentur zur gemeinsamen Beratung vereinbaren. Ihre Tochter braucht Sie, auch wenn sie das nie so sagen würde.
  • Wenn man von etwas überzeugt ist, dann geht man diesen Weg mit Freude, Begeisterung und Leistungsbereitschaft. Finden Sie mit Ihrer Tochter gemeinsam diesen Weg, bei dem sie sich von Ihnen wahrgenommen und begleitet fühlt.

Stefanie Böhmann ist Grund- und Hauptschullehrerin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/11-15.-e1487684163131.jpg 475 594 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-03-28 09:32:312017-02-23 11:05:10Abi – ohne mich!?

Ostern – kindgerecht erklärt

In vielen Geschäften ist es nicht zu übersehen: Bald ist Ostern. Hasen, Eier und Küken schmücken die Schaufenster. Der eigentliche Sinn von Ostern ist allerdings kaum präsent. Auch im Buchladen dominieren die „Häschenschule“ und die „schönsten Ostereiergeschichten“. Aber es gibt auch Bücher, Hörspiele und DVDs, in denen es um die Ostergeschichte an sich geht. Hier wird kindgerecht die zugegeben etwas schwierige Geschichte erzählt, wie Jesus gestorben und vom Tod auferstanden ist. Solche Medien eignen sich gut, um mit Kindern über den Sinn von Ostern ins Gespräch zu kommen.

Amelie Benn: Die Ostergeschichte

Hier wird für Kinder ab zwei Jahren in kurzen, einfachen Sätzen die Ostergeschichte erzählt. Vom Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl, die Verhaftung und Hinrichtung (diese allerdings sehr zurückhaltend) bis hin zur Auferstehung. Sehr gelungen!

Marlene Fritsch: Wie Jesus nach Emmaus kam

Für Kinder ab drei ist diese Erzählung von den so genannten Emmaus-Jüngern geeignet. Nachdem Jesus gestorben ist, machen sich Kleopas und Jakob auf den Weg nach Emmaus. Unterwegs treffen sie einen Fremden, erzählen ihm von Jesus‘ Tod und den Gerüchten, er sei auferstanden. Erst als sie gemeinsam essen, wird ihnen klar, dass der vermeintlich Fremde Jesus ist. Hier wird die Ostergeschichte in der Rückschau der beiden Jünger erzählt und gleichzeitig durch Jesus, der vermeintlich Fremden, erklärt und gedeutet. Auch noch für Grundschulkinder passend.

SchlafSchaf.TV: Ostern

Diese DVD enthält neun Folgen der Sendung SchlafSchaf.TV, die sich mit den Ereignissen rund um Ostern beschäftigen und sie kindgerecht erzählen und erklären. SchlafSchaf.TV ist für Kinder von vier bis sieben Jahren gedacht.

Leonie: Die Osterentführung

Leonie und ihre Freundinnen planen einen besonderen Ostergottesdienst. Der soll in einem Zirkuszelt stattfinden. Doch plötzlich verschwindet das wertvollste Pferd des Zirkus. Kurz darauf ist auch Leonies Pferd Silver Cloud spurlos verschwunden. Leonie und ihre Freundinnen müssen unbedingt herausfinden, was dahintersteckt. Sie nehmen die Spur auf – und lernen außerdem viel über den wahren Sinn von Ostern.Ein Hörspiel von Christian Mörken für Kinder ab sieben.

Ben und Lasse: Juwelendieb in der Osternacht

Die Brüder Ben und Lasse sind zu Besuch bei ihren Großeltern. In der Nacht wird Omas teure Juwelenkette gestohlen. Die Brüder machen sich auf die Suche nach dem Täter. Diese Hörspiel-CD bietet nicht nur ein spannendes Abenteuer aus der Feder von Harry Voß, sondern erklärt „nebenbei“ noch die Ereignisse und den Sinn von Ostern. Für Kinder ab acht.

 

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/OStern.jpg 1500 2000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-03-23 12:23:532017-03-23 12:23:53Ostern – kindgerecht erklärt

Mein Sohn schläft nicht…

„Unser Sohn (8) kann schlecht einschlafen. Wie können wir ihm helfen, abends besser zur Ruhe zu kommen?“

Mit Ihrer Frage sind Sie nicht allein, sondern treffen ein Thema, das viele Eltern irgendwann beschäftigt: Sie sehnen sich abends nach Ruhe und ihrem verdienten Feierabend, und auch die Kinder benötigen ihren Schlaf. Wenn ihr Sohn ein Kind ist, welches nicht alleine zur Ruhe kommt, ist Ihre Aufgabe und Herausforderung, das zu erkennen und zu akzeptieren. Wenn Sie sich darauf einstellen und ihm liebevoll und wertfrei begegnen, können sie Raum für einen guten Umgang mit der Situation schaffen. Vielleicht war er schon als Baby ein unruhiger Schläfer und brauchte bei jedem Nickerchen Ihre Hilfe? Vielleicht ist er insgesamt eher temperamentvoll und aktiv? Oder auch sehr sensibel und nimmt mehr Reize auf, als er verarbeiten kann? Probieren Sie verschiedene Strategien aus, die ihm abends helfen können: ein Bad mit ätherischen Ölen wie zum Beispiel Lavendel, dem man eine beruhigende Wirkung zuschreibt. Auch ein Gebet, beruhigende Musik, Stilleübungen, eine Wärmflasche im Bett, eine besondere Lampe mit warmem Licht, eine Massage oder eine Geschichte können helfen. Es gibt viele Möglichkeiten. Bestimmt finden Sie etwas, das zu Ihnen passt.

TAGESABLAUF
Darüber hinaus ist es wichtig, einen Blick in Ihren Alltag und auf den Tagesablauf zu werfen. Eventuell ist Ihr Sohn ein Kind, welches besonders anhand von Wiederholungen und Strukturen Orientierung erhält. Achten Sie darauf, dass Sie bestimmte Rituale in Ihren Tag integrieren. Unterziehen Sie Ihre Woche einer kleinen „Stressanalyse“: Gibt es ausreichend Zeiten, in denen alle abschalten und runterkommen können? Gibt es Phasen am Tag, an denen nichts passiert? Erlebt Ihr Sohn auch einfach mal Langeweile? Ist Ihr Wochenprogramm zu umfangreich? Bekommt er genügend Bewegung, ist er ausreichend an der frischen Luft? Achten Sie auch darauf, dass Sie den Abend als ruhige Phase im Tagesablauf markieren. Für Ihren Sohn ist es hilfreich, wenn klar ist, wann er ins Bett gehen soll und was davor passiert.

ATMOSPHÄRE IN DER FAMILIE
Manchmal finden Kinder nicht in den Schlaf, weil abends aller Trubel und alle Ablenkungen von ihnen abfallen und dann Sorgen und Ängste in ihr Bewusstsein gelangen. Als Eltern sollten Sie sich auch fragen, wie viel Ruhe von Ihnen selbst ausgeht. Wenn wir permanent auf unsere Handys schauen, abends noch schnell die Mails checken oder mit den Gedanken schon beim nächsten Tag sind, dann ahmen unsere Kinder uns nach. Womöglich quält Ihr Kind sich auch mit etwas, das in der Familie dringend angesprochen werden muss. Lassen Sie sich hier nicht verunsichern: Unsere Familien haben alle Herausforderungen, Ecken und Kanten und ihre schwierigen Punkte. Wenn diese Dinge offengelegt und nicht tabuisiert werden, kann eine Familie gut damit umgehen. Auch Ärger in der Schule oder Streit mit Freunden kann Kindern den Schlaf rauben. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie geruhsame Abende!

Anne Schultz-Brummer ist Diplom-Pädagogin, familylab-Trainerin und arbeitet als Kita-Fachberaterin in Hamburg. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/03/Schlafen-e1490195795699.jpg 605 1158 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-03-21 10:00:482017-03-22 17:16:50Mein Sohn schläft nicht…

Der Junge mit der Mundharmonika

Christof Matthias bläst sich aus dem Alltag.

Es war immer wieder schön an Omas Kaffeetisch. Ab und zu holte sie bei diesen Gelegenheiten für uns Enkelkinder die Mundharmonika heraus, spielte alte Volkslieder und tanzte dabei mit uns um den Tisch. Bis heute erinnere ich mich gern an diese Momente, den besonderen Omageruch im Wohnzimmer und den einzigartigen Klang der Harmonika. 45 Jahre später fand ich unter meinen Weihnachtsgeschenken eine Mundharmonika. Meine Frau hatte gut zugehört, als ich die schönen Begebenheiten aus meiner Kindheit erzählte. Was für eine Freude! Natürlich waren die versammelte Familie und die Gäste an den kommenden Tagen dann mein Publikum und mussten sich meine ersten Versuche anhören. Inzwischen sind noch einmal einige Jahre vergangen. Allerlei Verwandte fanden die Idee gut, mir eine Mundharmonika zu schenken, und aus dem einen Exemplar ist eine Sammlung von 20 verschiedenen geworden. Für jede Dur die passende, manche mit eher klassischem Klang, andere gehen in die Blues-Richtung. Meine ersten Bemühungen waren eher laienhaft. Aber durch fleißiges Üben wurden der falsch angespielten Töne immer weniger. Irgendwann habe ich den Mut gefasst, den Setkasten zu einem unserer Seminare mitzunehmen und beim gemeinsamen Singen im Hintergrund leise zu begleiten. Glücklicherweise waren die Reaktionen fast immer sehr ermutigend! Zumindest blieb ich dran. Einmal meinte ein Teilnehmer, das Beste am Lobpreis sei die Mundharmonika gewesen. Das war natürlich ein persönliches Highlight für mich. Vielleicht hatte ich auch bei ihm eine schöne Erinnerung wachgerufen. Die Mundharmonika ist so schön klein und handlich, sie passt in jede Hosentasche und es ist nur ein Griff, um sie über die Lippen gleiten zu lassen und ein paar Töne zu erzeugen. Schon das allein reicht für mich, um meinen Alltag reicher zu machen und innerlich zur Ruhe zu kommen. In diesen Augenblicken kann ich in gutem Sinne alles andere aus den Augen verlieren und bin ganz bei mir. Im Alltag fange ich oft an zu spielen, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Verlieren kann ich mich, wenn ich über einen Onlinekanal Mundharmonikamusik laufen lasse und dann selber dazu die Luft durch die Membranen presse. „Banks of Ohio“ ist gerade mein Hit. Dann ist es weniger ruhig, eher emotional heftig, der Hammer und die Computerboxen fangen an zu klirren. Ich muss dann auch mal ins Treppenhaus gehen, damit meiner Frau das nicht entgeht. Wir Männer (zumindest für mich trifft das zu) sind manchmal eher verkopft, rational und gefühlsverarmt. Mit einer großen Welle fühle ich mich dann mitgerissen, der Ratio bleibt zurück. Es braucht danach ein wenig, um mich am Schreibtisch wieder auf die Korrespondenz einzustimmen. Ich wünschte jedem Mann, dass er seine Welle findet, von der er sich ab und zu mittragen lässt. Ich bin nach wie vor kein Virtuose, meine Mucke sehe ich eher als Hausmannskost. Aber mir tut es gut.

Christof Matthias ist freiberuflicher Supervisor und Regionalleiter von Team.F, Vater von drei leiblichen Söhnen, einem mehrfach behinderten Pflegesohn, zwei Schwiegertöchtern und Opa von zwei Enkeltöchtern.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/02/Tankstelle_Mundharmonika-e1487843025218.jpg 580 643 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-03-19 10:35:592017-02-24 13:07:02Der Junge mit der Mundharmonika
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