„Mein Baby schreit extrem beim Einschlafen“: Expertin räumt mit einem Eltern-Irrtum auf
Elternfrage: „Mein Baby (7 Monate) weint und schreit sehr stark bei der Einschlafbegleitung. Häufig lässt es sich nur beruhigen, wenn ich Arme und Beine festhalte. Das fühlt sich nicht richtig an. Schade ich meinem Kind damit?“
Kinder in diesem Alter erleben an einem einzigen Tag unglaublich viel. Sie bewegen sich zunehmend, erlernen neue Fähigkeiten und nehmen mehr Eindrücke und Emotionen wahr. Meist wird all das genau dann verarbeitet, wenn das Nervensystem herunterfährt und es um das Einschlafen geht.
Viele Kinder beginnen dann zu weinen, was oft ein Ausdruck ist, dass sie das Erlebte gerade verarbeiten. All die aufgestauten Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse des Tages werden entladen. Dieses Weinen wird auch als Entlastungsweinen bezeichnet und hat eine heilsame Wirkung. Es hilft den Kindern, Stress abzubauen, um ruhig und entspannt einschlafen zu können.
Liebevolles (Aus-)Halten
Allerdings ist diese Situation für die Eltern oft herausfordernd. Sie wissen nicht, wie sie ihre Kinder beruhigen sollen, und sind selbst müde und erschöpft vom Tag. Meist ist unser erlernter Impuls, das Weinen schnellstmöglich zu beenden. Es geht jedoch in diesen Situationen weniger darum, das Weinen zu stoppen, als vielmehr die Kinder liebevoll in ihren Emotionen zu begleiten.
In diesen Momenten hilft es, dem Kind Halt zu geben: durch liebevolles Halten, leise „Schhhh“-Geräusche oder sanftes Wiegen im Arm. Hierbei ist die Herausforderung für die Eltern, dem Kind gegenüber ruhig und zugewandt zu bleiben und das Weinen nicht unterdrücken zu wollen. Hilfreich dabei kann ruhiges, konzentriertes Atmen sein. Für weitere Strategien kann ein individuelles Schlafcoaching helfen. Wenn die Eltern spüren, dass sie das Weinen nicht aushalten können, können sie die Begleitung am Tag üben oder sich in der Einschlafsituation abwechseln, sofern dies möglich ist.
Sinnvolle Rituale
Ebenfalls sollten die Eltern prüfen, ob der Zeitpunkt für das Zubettbringen zu spät ist. Ist das Kind schon übermüdet, erschwert das die Einschlafbegleitung. Ein beständiges Einschlafritual sollte eher etwas früher beginnen und aus nicht zu vielen Elementen bestehen. Damit sich ein Ritual etablieren kann, sollten die Eltern es circa zwei Wochen durchführen, bevor sie etwas daran verändern.
Liebevolles Festhalten und Begrenzen während der Einschlafbegleitung kann dem Kind Halt geben und Sicherheit vermitteln. Jedoch sollte dieses Festhalten nicht aus Wut heraus erfolgen oder gewaltsam werden. Sobald die Eltern bei sich selbst Aggression wahrnehmen, ist es wichtig, die Situation zu unterbrechen und sich zeitnah (professionelle) Unterstützung zu holen.
Lisa Buhl ist Sozialpädagogin und systemische Beraterin, ganzheitlicher Familienschlafcoach und Chronocoach. Sie gibt Workshops rund um das Thema Schlaf. beratung-lebelaut.de







