Ein Mann genießt allein eine Wanderung.

Glück nur zu zweit?

Marcus Beier ist überzeugt: Wer sich selbst nicht annehmen kann, wird durch die Ehe nicht glücklich.

Um es vorwegzusagen: Ich bin gern verheiratet. Und ich bin glücklich verheiratet. Aber bin ich nur glücklich, weil ich verheiratet bin? Mit anderen Worten: Ist meine Frau verantwortlich für mein Glück? Bin ich nur glücklich, weil ich sie habe?

Damit ich richtig verstanden werde: Ich bin maximal glücklich, dass ich meine Frau (und meine Kinder) habe und möchte das keineswegs missen! Das steht fest. Trotzdem mache ich meine Frau nicht für mein Glück verantwortlich. Einerseits wäre das eine völlige Überforderung. Andererseits würde es bedeuten, dass ich unglücklich gewesen wäre, bevor ich sie kennengelernt habe. Aber war ich unvollständig, als ich Single war? Konnte ich zu mir selbst erst Ja sagen, als ich endlich unter der Haube war?

Ein vollständiger Mensch

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Menschen ihr Glück im Leben zu zweit suchen. Schließlich ist das der Stoff, aus dem Kitschromane und Liebesfilme gemacht sind. Emotional schließt sich das durchaus an unser Erleben an. Wir Menschen fühlen uns oft unfertig und mangelhaft. Biblisch gesehen ist das auch nicht falsch. Wir sind unvollkommen, erlösungsbedürftig, und ein Gegenüber ist eine wunderbare Ergänzung. Aber es kann eben nur das sein: ein Gegenüber. Erlösung? Nein, die gibt es nur bei Gott.

Wie ist das nun mit dem Glück? Meine knallharte These: Wenn ich allein nicht glücklich bin, werde ich es auch in der Ehe nicht. Ich kann von meiner Partnerin nicht erwarten, dass sie mich glücklich macht. Diese Last kann niemand tragen. Denn die Identität eines jeden Menschen liegt nicht in seinem Gegenüber. Er ist ein vollständiges, in sich geschlossenes Individuum. Sein Wert liegt in sich selbst begründet – denn Gott hat Wunderbares in jeden Menschen hineingelegt. Das kann niemand wegnehmen, und dem kann niemand etwas hinzufügen. Leider tendieren wir dazu, etwas anderes haben oder jemand anders sein zu wollen. Wir arbeiten gegen uns selbst.

Ehrlich gesagt kenne ich das sehr gut: Ich würde gern anders aussehen, wäre gern schlauer, witziger, schlagfertiger, belesener … Anstatt zu sein, wer ich bin, lehne ich mich ab und bemühe mich bestmöglich, jemand anderes zu sein. Das ist die Wurzel des Unglücks. Glücklich zu sein bedeutet, zu lernen, ich selbst zu sein und mich selbst zu lieben. Natürlich arbeite ich an mir und an meinen Schwächen. Ich will die beste Version meiner Selbst werden – aber nicht jemand anderes. Meine Frau kann mir auf diesem Weg helfen. Aber Ich-Sein ist meine Aufgabe! Wenn ich mich nicht selbst annehmen kann, wird auch ein Ehepartner das Problem nicht beheben. Wenn ich mich selbst annehme, ist ein Ehepartner eine wunderbare Ergänzung – aber nicht das Glück selbst.

Marcus Beier ist Redakteur bei Family und FamilyNEXT. Er lebt mit seiner Familie in Wiesloch bei Heidelberg.