Love, Rosie – eine Filmkritik

Von Christof Matthias

Gestern hatten wir unseren Eheabend. Ein Kinobesuch schien uns für unsere derzeitige Situation passend.  Nachdem wir beim Überblicken des derzeitigen Angebots einen Film als zu „schwer“ empfanden, einen anderen als zu dünn und ein dritter erst am nächsten Tag startete, fing Hedwig bei „Love, Rosie — Für immer vielleicht“ Feuer. Sie hatte schon das zu Grunde liegende Buch von Cecelia Ahern gelesen.  Ihre Erinnerung daran war sehr positiv.

„Es ist eher ein ungewöhnliches Buch, da es hauptsächlich aus Briefen, Mails und Chatgesprächen besteht sowie einigen persönlichen Begegnungen. Es bildet Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen ohne Kitsch und mit einem sehr angenehmen Maß an Humor ab. Ein Muss für alle Romantik-Fans!“ – so eine Rezension.

Als ich das Kino gegen 22.30 Uhr verließ, war ich doch ein wenig irritiert. Mir drängte sich im Laufe des Films immer mehr der Eindruck auf, dass hier wieder einem Millionenpublikum die Ehescheidung auf subtil romantische Weise als kleiner Lapsus verkauft wird.

Falls du deinen wahren Liebespartner noch nicht hast, er bisher (aus welchen Gründen auch immer) ausblieb, er dir dann aber wieder erreichbar scheint, kann sich ja jeder von dem derzeitigen Partner trennen.  Das dann entstehende Glück überstrahlt alles.

Kinder, die von ganz anderen Partner entstanden sind, gehören natürlich einfach dazu. Patchwork kann auf jeden Fall die erfüllendste Form der Partnerschaft sein. Und mal mit diesem und mal mit jenem zu schlafen, die Pille danach – das gehört ja heute scheinbar sowieso fest dazu. Von dabei entstehender Schuld oder Sünde, einer inneren Umkehr, einfach Fehlern oder Wiedergutmachung ist nirgends die Rede.

Um uns herum erleben wir das überall. Menschen suchen nach dem Glück in den Umständen (dem anderen) und nicht mehr in den Einstellungen. Andere Aspekte werden aber auch deutlich:

Das ganze Dilemma der wechselnden Beziehungen hat seinen Ursprung in der Sprachlosigkeit emotionaler Empfindungen. Hätten die beiden Hauptdarsteller doch einmal offen über ihre Empfindungen gesprochen, wäre vieles wohl anders gelaufen. Das wiederholt sich über mehr als zehn Jahre, die der Film abbildet, immer wieder. Auf Grund scheinbarer Rücksichtnahme, falsch verstandener Gesten, unbeantworteter Briefe wird die Wahrheit nicht gesehen.

Man möchte ihnen zurufen: „Nun redet doch einmal miteinander!“ Ich hoffe, auch diese Botschaft werden die Zuschauer verstehen.

Eine vorbildliche Rolle hatte immerhin Rosies Vater. Er hielt in sehr einfühlsamer, ermutigender Weise zu seiner Tochter. Katholisch werteorientiert erzogen zeigte er keine Spur von Gesetzlichkeit oder moralisierendem Einwirken – ganz im Gegenteil. Über seinen Tod hinaus wirkten seine visionären Worte noch sehr segensreich nach.

Zum Film:

Rosie und Alex sind beste Freunde. Seit ihrer Kindheit. Schon allein deswegen können sie niemals ein Paar werden – oder doch? In Sachen Liebe stehen sich die beiden mal selbst, mal gegenseitig im Weg. Ein gescheiterter Annäherungsversuch hier, eine verpasste Gelegenheit da, und schon sendet das Schicksal die beiden in völlig unterschiedliche Richtungen. Können verschiedene Kontinente, ungewollte Schwangerschaften, desaströse Liebesaffären, Ehen, Untreue und Scheidungen das Band dieser Freundschaft zerreißen? Können Männer und Frauen überhaupt beste Freunde sein? Und gibt es wirklich nur eine Chance für die große Liebe?

 

Christof Matthias

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