Schulkinder stehen vor derTür eines Busses.

Grundschule beendet? So gelingt der Wechsel auf die weiterführende Schule

Elternfrage: „Unsere älteste Tochter (10) wechselt dieses Jahr von der Grund- auf die weiterführende Schule. Habt ihr Anregungen, wie der Übergang gut gelingen kann?“

Es ist immer das Gleiche: Noch im Winter kann ich mir nicht vorstellen, dass ich als langjähriger Klassenlehrer meiner vierten Klasse überhaupt jemals wieder ohne diese schnuckeligen und süßen Kinder Freude am Schulalltag empfinden werde. Doch irgendwann nach den Osterferien stellt sich bei vielen Viertklässlern immer mehr eine Erkenntnis ein, die dieses Gefühl verändert. Sie begreifen, dass die Würfel gefallen sind. Die Anmeldung an den weiterführenden Schulen ist vollzogen. Ein wichtiger Meilenstein in ihrer Entwicklung ist gesetzt und erreicht.

Sie beginnen, sich sehr vehement vom Grundschuldasein und auch von ihrem einst so bewunderten Klassenlehrer zu lösen. Einige von ihnen werden nachlässig und respektlos. Ich als Lehrer plane emotionale Abschiedsmomente. Bei den Kindern jedoch nehme ich wahr, dass die Grundschule ihnen bereits zu eng ist. Sie wollen weiterziehen. Wie aber kann der Start in die fünfte Klasse vorbereitet werden? Ich teile aus schulischer Sicht zwei Anregungen:

Die letzte „Übungszeit“ nutzen

In den letzten Wochen und Monaten vor dem Schulwechsel ist es wichtig, die Übungsmomente, die in der Grundschulzeit noch verbleiben, bis zuletzt zu nutzen. Sind die Hausaufgaben gemacht? Müssen noch Klassenarbeiten daheim vorbereitet werden? Sind die Mappen in Ordnung? Auch Eltern, die nun, am Ende der Grundschulzeit, von der Entwicklung ihrer Kinder enttäuscht sind, sollten am Ball bleiben.

Die Bedeutung der einzelnen Schulfächer verschiebt sich in den weiterführenden Schulen. Da, wo in den ersten vier Jahren noch Mathematik und Deutsch die entscheidenden Hauptfächer waren, sind es ab der fünften Klasse bald auch Englisch, Biologie, Erdkunde und Geschichte. Ein wichtiger Schlüssel für den schulischen Erfolg liegt darin, dass Texte verstanden werden und schriftlich darauf eingegangen werden kann. In Bezug auf Englisch hilft es, schon in der Grundschulzeit Methoden und Rituale für das häusliche Vokabeltraining einzuüben. Hier wird eiserne Disziplin nötig sein. Überhaupt gilt in den ersten Wochen im fünften Schuljahr: Starke Lerner müssen das Lernen neu lernen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Schwache Lerner sollten bei den ersten Klassenarbeiten Erfolge feiern können. Hier werden die Eltern noch einmal gebraucht.

Den Handykonsum vorbereiten

Noch ein anderer Aspekt, der den Übergang von der Grund- auf eine weiterführende Schule betrifft, liegt mir am Herzen: Wenn die Kleinen ab dem fünften Schuljahr ein Handy bekommen und Beziehungen zu ihren neuen Mitschülern aufbauen, bekommen sie intensiven Kontakt zu einer Parallelwelt im Internet. Sie werden geistlose Spiele spielen, die Grenzen des Erlaubten suchen und zahllose Kurzfilme anschauen.

Damit Ihre Kinder in dieser Parallelwelt nicht versinken und Schaden nehmen, müssen Eltern und Großeltern begreifen, dass insbesondere die „sozialen Medien“ gefährlich für die Entwicklung und die schulischen Erfolge von Kindern und Jugendlichen sind. Hier wird mit mühsamer Bestimmtheit das Durchsetzen von klaren Regeln notwendig sein. Außerdem sollte das Leben in der „echten Welt“ der Kinder gepflegt und mit positiven Erlebnissen verknüpft werden. Es hilft sicherlich sehr, wenn Hobbys, Klavierunterricht, Fußballtraining, Ballett oder Reitunterricht auch durch Phasen von Unlust und Ermüdung hindurch beibehalten werden. Solche Aktivitäten spenden Rhythmus und Stabilität, Gemeinschaft und Erfolge.

Johannes Köster ist Leiter der Primarstufe an der Freien Christlichen Schule Ostfriesland. Er hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau im Landkreis Leer.