Negativ verändert: Wenn das Kind sich von den Eltern distanziert
Elternfrage: „Unser Sohn (17) ist in seiner ersten festen Beziehung und sehr verliebt. Doch er hat sich negativ verändert: Er lügt uns an, ist distanziert, bleibt über Nacht ohne Information weg und geht nicht mehr in die Junge Gemeinde. Wir denken, die Beziehung tut ihm nicht gut. Was können wir tun, ohne ihn von uns wegzustoßen?“
Ihr Sohn ist nun in der späten Adoleszenzphase angelangt, in der er seine eigene Identität und seinen Platz in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen findet. In dieser Phase wird er sich zunehmend von Ihrer Kontrolle zu lösen suchen und seinen eigenen Weg finden wollen.
Für Eltern ist diese Zeit oft nicht leicht, denn sie merken, dass ihr Einfluss auf das Verhalten des Heranwachsenden beschränkt ist. Grenzen, Konsequenzen, Verbote oder Belohnungen haben leider oft zur Folge, dass noch mehr Widerstand aufgebracht wird. Denn das Ziel dieser Entwicklungsphase ist ja das Erreichen von Eigenständigkeit.
Zum Gespräch bereit
Es ist verständlich, dass Sie sich in Ihrer Situation Sorgen um Ihren Sohn machen. Teilen Sie ihm mit, dass Sie beunruhigt sind, wenn er ohne Informationen über Nacht wegbleibt, jedoch ohne ihm Vorwürfe zu machen. Sagen Sie ihm, dass Sie sich wünschen, dass er Ihnen beispielsweise eine Nachricht schreibt, wenn er nicht nach Hause kommt. Auch wenn Sie sein Fernbleiben nicht gut finden, ist es immer noch besser, Sie wissen Bescheid, als dass er Sie anlügt, weil er eine Moralpredigt oder Strafen fürchtet.
Mit zunehmendem Alter muss Ihr Sohn die natürlichen Konsequenzen seiner Handlungen selbst ausbaden. Wenn er von der Schule fernbleibt, muss er selbst für ein Attest sorgen und den Stoff nachholen. Er muss selbst entscheiden und vielleicht auch schmerzhaft erfahren, ob ihm eine Partnerschaft gut tut oder nicht. Gut wäre aber, wenn er Sie als Gesprächspartner an der Seite hat und bei Ihnen seine Bedenken loswerden kann, ohne sich abgestraft zu fühlen. Es besteht die Chance, dass er Ihnen in Zukunft wieder mehr anvertraut, wenn Sie auf das, was er Ihnen mitteilt, mit Empathie begegnen.
Sie könnten seine Freundin und/oder ihre Eltern auch einmal zu sich einladen und näher kennenlernen. Wenn es gut läuft, wird er sich nach und nach öffnen, weil er sich verstanden fühlt. Auf seine Entscheidungen mögen Sie keinen großen Einfluss mehr haben, aber Sie können eine positive, wertschätzende Beziehung zu Ihrem Sohn entwickeln, die die Krisen überdauert.
Glaubensvorbild
Ihr Sohn möchte momentan nicht mehr in die Junge Gemeinde gehen. Das ist schade. Aber gleichzeitig nützt es nichts, ihn dazu zu zwingen. Es kommt in diesem Alter recht häufig vor, dass Jugendliche sich von der Gemeinde distanzieren. Das muss nicht dauerhaft so bleiben. Sie können für ihn beten, dass er seinen Weg findet, auch seinen Weg zu Gott. Und ihm auch ohne Worte ein Glaubensvorbild sein. Vielleicht gibt es auch eine Jugendgruppe in einer anderen Gemeinde, die ihm besser gefallen würde. Denn Jugendliche und junge Erwachsene suchen sich ihre Peergroup selbst aus. Sie orientieren sich dabei meist an Beziehungserfahrungen, die sie zuvor gemacht haben, möchten vielleicht aber auch etwas ganz Neues für sich ausprobieren.
Bleiben Sie im Dialog mit Ihrem Sohn und lassen Sie ihn durch Worte und Taten wissen, wie wichtig er Ihnen ist.
Stefanie Siemens ist Bildungswissenschaftlerin (B.A.) und Fachreferentin für Familie und Erziehung (team-f). Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Augsburg, Familienbildung@web.de.








