Eine Familie mit erwachsenen Kindern sitzt an einem großen Tisch und isst gemeinsam.

Urlaub mit erwachsenen Kindern: Das solltet ihr bedenken

Elternfrage: „Mein Mann und ich möchten im Sommer mit allen vier erwachsenen Kindern in den Urlaub fahren. Drei von ihnen sind ausgezogen, zwei haben einen Partner oder eine Partnerin. Das macht die Planung schwer. Wie können wir das organisieren, sodass jeder Lust auf den Urlaub hat?“

Keine Illusionen

Am Anfang eines solchen Projekts sollte eine ehrliche Reflexion stehen: Sind unsere Beziehungen in der Familie so, dass ein gemeinsamer Urlaub für alle einigermaßen entspannt werden könnte? Wenn die Antwort kein überzeugtes „Ja“ ist, müsst ihr euch als Elternpaar wohl noch einmal ungeschminkt ein paar Fragen stellen: Welches Motiv steht hinter unserem Wunsch nach einem gemeinsamen Urlaub? Wollen wir damit eine Idylle herbeizwingen? Wenn der Plan Ausdruck einer Sehnsucht nach Wiederherstellung von Beziehungen ist, wird das Ganze vermutlich überstrapaziert und ist zum Scheitern verurteilt. Ein Urlaub mit erwachsenen Kindern, ihren Partnern und allenfalls Enkeln spült nämlich gnadenlos alle Unterschiede und Dissonanzen an die Oberfläche.

Gebt ihr euch als Paar innerlich ein fröhliches „Go“, dann kommuniziert den Termin mindestens ein Jahr im Voraus. Achtet darauf, dass Ort und Art der Unterkunft (Hotel, Ferienwohnung, Camping) in etwa den verschiedenen Bedürfnissen, vor allem nach Privatsphäre, entsprechen. Definiert unbedingt schon im Vorfeld des Urlaubs, was in eurer Einladung alles inbegriffen ist. Wenn plötzlich der Ausflug oder das Essen im Restaurant zu Lasten der Kinder geht, kann das Unstimmigkeiten auslösen. Und: Ein gewisses Maß an individueller (Wahl-) Freiheit muss für alle während der gemeinsamen Zeit möglich sein.

Helena Gysin wohnt in Seegräben (CH). Sie ist seit 33 Jahren mit Thomas verheiratet. Zur Familie gehören drei erwachsene Kinder mit Partnern und sechs Enkelkinder.

Urlaub lieber zu zweit

Meine Kollegin genießt ihren jährlichen Urlaub mit den erwachsenen Kindern samt Partnern und Omas sehr. Ich wiederum genieße es sehr, dass wir zu zweit als Ehepaar in den Urlaub fahren können. Der Erholungs- und Genussfaktor ist so (für mich) deutlich höher. Nicht, dass gemeinsame Familienzeiten uns nicht wichtig wären oder wir die Idee vom gemeinsamen Urlaub nicht auch schon gehabt und umgesetzt hätten – die gemachten Erfahrungen waren durchaus (auch) positiv. Allerdings haben wir für uns gemerkt, dass der damit einhergehende Aufwand auf allen Ebenen nicht im Verhältnis zum „Beziehungsertrag“ stand.

Unsere Lösung ist es, einmal im Jahr einen Tag gemeinsam mit einer schönen Aktion zu verbringen: zum Beispiel eine Wanderung mit Picknick oder eine Kanufahrt durchs Naturschutzgebiet. Demnächst werden wir ein mehrgängiges veganes Menü unter professioneller Anleitung kochen und essen. Vielleicht werden wir irgendwann auch wieder einmal für ein Wochenende zusammen wegfahren. Bei der Planung werden wir darauf schauen, dass es genügend Rückzugsräume und mindestens zwei Toiletten gibt. Wir werden einige typische Vollmer-Familien-Aktionen zelebrieren (Fußmassagen, Stockbrot und Karriere-Poker), oft lachen und vielleicht manchmal auch streiten. Und am Tag darauf werde ich Urlaub nehmen und mich erholen …

Elisabeth Vollmer ist Religionspädagogin. Sie lebt mit ihrem Mann in Freiburg und hat drei erwachsene Kinder.

Anders als früher

Die erste Frage, die wir uns bei einem bevorstehenden gemeinsamen Urlaub stellen, ist: Haben wir gerade eine Atmosphäre, in der alle ihre Meinung sagen können und es keine billigen Kompromisse gibt? Auch wenn wir einander als Kernfamilie gut kennen, bringen Partner oder veränderte Lebensbedingungen von jungen Erwachsenen neue Themen mit, weshalb es wichtig ist, uns an die Grundhaltung „Deine Meinung ist wichtig“ zu erinnern.

Seit unsere Kinder Teenager sind, versuchen wir die Urlaube so zu planen, dass es Freiraum für jeden geben kann und feste Punkte geplant werden, die wir gemeinsam genießen. So essen wir gern abends zusammen, aber frühstücken nach persönlichen Bedürfnissen. Einige von uns spielen bis in die Nacht, andere beginnen den Tag mit einer Morgenandacht. Dabei holen wir uns aus den Schubladen, in die wir uns gesteckt haben: Wenn nun jemand plötzlich am Puzzle-Tisch sitzt, ist das genauso angenehm, wie bei einer Gebetszeit dabei zu sein. Oder eben nicht. Was als Tradition von früheren Urlauben geblieben ist? Dass wir uns beim gemeinsamen Essen im Tagesfeedback üben und uns erzählen, was schön war.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.