Mädchen fürchten sich vor dem Schulfach Mathe durchschnittlich doppelt so häufig wie Jungen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Schülerinnen und Schülern im Auftrag von scoyo und der Stiftung Rechnen. Gravierend ist der Unterschied vor allem nach dem Wechsel auf weiterführende Schulen.
Kaum ein Fach ist so wichtig für das Leben wie Mathematik. Alltäglich sind wir im Beruf und in der Freizeit gefordert, zu addieren, zu subtrahieren, zu multiplizieren oder zu dividieren. Gleichzeitig sorgt kaum ein anderes Fach für so viel Angstschweiß bei Kindern und Eltern – das beobachtet die Stiftung Rechnen seit Jahren. Eine FACT-Umfrage unter 544 Kindern der Klassen 1 bis 7 im Auftrag des Online-Lernspezialisten scoyo und der Stiftung Rechnen hat nun ergeben: Nahezu jedes zehnte Kind fürchtet sich vor dem Schulfach – Mädchen durchschnittlich doppelt so häufig wie Jungen. Am stärksten ausgeprägt ist die Sorge bei Schülerinnen in der fünften Klasse, also in der Regel direkt nach dem Übergang auf eine weiterführende Schule: Ein Drittel der 11- bis 13-jährigen Mädchen gab an, bei dem Gedanken an Mathe Angst zu verspüren.
Positives Ergebnis der Umfrage: Fast die Hälfte der teilnehmenden Mädchen und Jungen haben Spaß am Rechnen – und viele wissen zudem, wie man den noch steigern könnte: Mehr als jedes dritte der befragten Kinder (34 Prozent) würde Aufgaben mit Zahlen lieber spielerisch lösen. Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler wünscht sich mehr Bezug zum normalen Leben.
Haltung der Eltern prägend für Kinder
Welche Einstellung ein Kind zur Mathematik hat, das beeinflussen auch die Eltern und deren Haltung zu dem Schulfach: Reagieren die Erwachsenen selbst eher ablehnend auf Prozentrechnung und Co., so steigt die Abneigung auch bei den Kleinen – und darunter leiden die Noten. Das zeigt das Ergebnis einer Studie der Psychologin Erin A. Maloney von der Universität Chicago.
Auch Claudia Abjörnson von der Stiftung Rechnen betont den Einfluss der Väter und Mütter: „Eltern sollten versuchen, ihre Kinder trotz eventueller eigener Vorbehalte für das Rechnen zu motivieren und zu begeistern. Nur so können Mädchen und Jungen ein positives Verhältnis zu Mathe entwickeln und später zu guten Rechnern im privaten und beruflichen Alltag werden.“
Geschlechterstereotype sind mitverantwortlich für die Mathe-Angst
Neben der Einstellung der Eltern spielen auch Geschlechterstereotype eine Rolle: Die Bildungsforscherin Prof. Madeleine Bieg von der Universität Konstanz hat herausgefunden, dass Mädchen Mathematik noch immer als “Jungsfach“ erleben. Mehr als ihre Mitschüler neigen sie dazu, sich selbst grundsätzlich ängstlicher einzuschätzen, als sie wirklich sind. Aktuelle Studien aus den USA zeigen, dass sich dieser Geschlechterunterschied aufheben wird, wenn sich nach und nach die Rollenvorbilder ändern – erste Entwicklungen dahin sind bereits nachweisbar. Auf dem Weg dahin wird es vor allem wichtig sein, die Angst abzubauen. Denn Angst beim Lernen führt zu Blockaden, Frustration und Widerstand.
„Mathe muss zum Anfassen sein!“
Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo, hat ein Gegenrezept: „Mathe macht dann keinen Spaß, wenn es nur aus dem Schieben von Zahlen besteht. Kinder lernen am erfolgreichsten, wenn sie neugierig und motiviert sind. Unsere Umfrage zeigt, was die Kinder sich dazu wünschen: Matheaufgaben, die aus ihrem Lebensalltag stammen und die sie spielerisch lösen können. Das in Kombination mit einer offenen Haltung verhindert das Entstehen von Angst.“
Veranstaltungshinweis:
Keine Angst vor Mathe! Was Eltern tun können, damit Kinder Spaß am Rechnen haben. – Online-Elternabend von scoyo in Kooperation mit der Stiftung Rechnen am 24. Januar 2017, 20 bis 21 Uhr
Der Online-Lernspezialist scoyo und die Stiftung Rechnen laden Mütter und Väter ein, gemeinsam beim siebten Elternabend im Netz mit Expertinnen und Experten über das Angstfach Nummer eins zu sprechen: Mathe. Dabei geht es um die Nöte der Kinder und Fragen der Eltern: Wie kann ich meinem Kind die Angst nehmen? Welche Möglichkeiten gibt es, Mathe mit Spaß und Freude zu lernen? Wann spricht man von einer Dyskalkulie und wer bietet Hilfe?
Es diskutieren und antworten auf Fragen der Eltern:
- Dr. Silke Ladel: Fachdidaktik Mathematik Primarstufe und Initiative KLEE (Kreativ Lernen, Erfolg Erleben)
- Alexandra v. Plüskow: Lehrerin und Bildungskoordinatorin (und Family-Autorin!)
- Petra Naumann-Kipper: Geschäftsführerin des Instituts Dyskalkulie-Saar
Interessierte können vor und während des Elternabends ihre Fragen stellen, via:
Link zum scoyo Elternabend:
http://www-de.scoyo.com/eltern/scoyo-elternabend
Von der Brust zur Flasche
„Leider klappt bei uns das Stillen nicht, und ich möchte mit meiner vier Wochen alten Tochter auf die Flasche umsteigen. Was muss ich beachten?“
Vermutlich können Sie es schon nicht mehr hören: „Stillen ist das Beste für dein Kind.“ Ich mute es Ihnen trotzdem zu, weil ich weiß, dass viele Frauen durch eine fehlende, ungenügende oder frustrierende Begleitung in die Stillbeziehung hinein entmutigt werden. Sollten Sie zu diesen Frauen gehören, rate ich Ihnen – bevor Sie auf die Flasche umsteigen –, sich eine fachkundige Stillberaterin zu suchen, die Sie in Ihrem Wunsch zu stillen so unterstützt, dass es für Sie zu einem angenehmen Geschehen wird. Es kann aber auch Situationen geben, in denen das Umsteigen auf die Flasche sinnvoll ist und die familiäre Situation entspannt. Das Füttern mit der Flasche sollte genauso bindungsorientiert geschehen wie das Stillen. Nehmen Sie Ihr Kind liebevoll in den Arm, machen Sie es sich gemütlich, sprechen Sie mit ihm und schauen Sie Ihrem Kind in die Augen.
LANGSAME UMGEWÖHNUNG
Was gibt es nun zu bedenken beim Übergang von der Brust auf die Flasche? Insgesamt sollten Sie mit ca. sechs bis acht Wochen für den Wechsel rechnen, damit sich Ihre Brust und der Darm des Kindes langsam umgewöhnen können. Füttern Sie im ersten Lebensjahr grundsätzlich eine Pre-Nahrung. In Test-Zeitschriften werden die gängigen Nahrungen regelmäßig bewertet. Das hilft bei der Entscheidung für eine Marke. Wählen Sie einen schwergängigen Sauger, damit Ihr Kind auch an der Flasche „arbeiten“ muss und nicht zu schnell die Brust verweigert.
SCHRITT FÜR SCHRITT
Beginnen Sie eine Mahlzeit Schritt für Schritt zu ersetzen, indem Sie Ihr Kind zuerst an der Brust trinken lassen. Es sollte die Brust nicht ganz leer trinken. Bieten Sie ihm die Flasche an, nachdem der größte Hunger gestillt ist. Sollte Ihr Kind sich nicht von der Brust abnehmen lassen, können Sie auch erst die Flasche anbieten, dann die Brust. Durch dieses Vorgehen gewöhnt sich Ihre Brust langsam daran, dass weniger Milch gebraucht wird. Lassen Sie Ihr Kind immer kürzer an der Brust und dafür länger aus der Flasche trinken, bis diese Mahlzeit nur noch mit der Flasche gefüttert wird. Nach ca. einer Woche beginnen Sie mit der zweiten Mahlzeit, wobei die sich möglichst nicht direkt an die erste anschließen sollte. Bei allen anderen Mahlzeiten gehen Sie genauso vor.
HILFEN
Wenn Sie zwischendurch ein unangenehmes Spannungsgefühl auf der Brust haben, streichen Sie sie vorsichtig aus. Auch feuchte Wärme kann helfen, die überschüssige Milch abfließen zu lassen. Bitte nicht abpumpen, dadurch wird die Milchbildung angeregt. Zusätzlich können Sie die Brust kühlen und die Milchbildung durch das Trinken von Pfefferminz- oder Salbeitee reduzieren. Ein medikamentöses Abstillen sollte nur in Ausnahmefällen erfolgen, da die Medikamente zu einer depressiven Verstimmung führen können. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kind einen entspannten und kuscheligen Wechsel von der Brust zur Flasche.
Martina Parrish ist Hebamme und Stillberaterin und arbeitet in der Hebammenpraxis Fokus Leben in Berlin.
Angst vor Mathe: Mädchensache?
Mädchen fürchten sich vor dem Schulfach Mathe durchschnittlich doppelt so häufig wie Jungen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Schülerinnen und Schülern im Auftrag von scoyo und der Stiftung Rechnen. Gravierend ist der Unterschied vor allem nach dem Wechsel auf weiterführende Schulen.
Kaum ein Fach ist so wichtig für das Leben wie Mathematik. Alltäglich sind wir im Beruf und in der Freizeit gefordert, zu addieren, zu subtrahieren, zu multiplizieren oder zu dividieren. Gleichzeitig sorgt kaum ein anderes Fach für so viel Angstschweiß bei Kindern und Eltern – das beobachtet die Stiftung Rechnen seit Jahren. Eine FACT-Umfrage unter 544 Kindern der Klassen 1 bis 7 im Auftrag des Online-Lernspezialisten scoyo und der Stiftung Rechnen hat nun ergeben: Nahezu jedes zehnte Kind fürchtet sich vor dem Schulfach – Mädchen durchschnittlich doppelt so häufig wie Jungen. Am stärksten ausgeprägt ist die Sorge bei Schülerinnen in der fünften Klasse, also in der Regel direkt nach dem Übergang auf eine weiterführende Schule: Ein Drittel der 11- bis 13-jährigen Mädchen gab an, bei dem Gedanken an Mathe Angst zu verspüren.
Positives Ergebnis der Umfrage: Fast die Hälfte der teilnehmenden Mädchen und Jungen haben Spaß am Rechnen – und viele wissen zudem, wie man den noch steigern könnte: Mehr als jedes dritte der befragten Kinder (34 Prozent) würde Aufgaben mit Zahlen lieber spielerisch lösen. Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler wünscht sich mehr Bezug zum normalen Leben.
Haltung der Eltern prägend für Kinder
Welche Einstellung ein Kind zur Mathematik hat, das beeinflussen auch die Eltern und deren Haltung zu dem Schulfach: Reagieren die Erwachsenen selbst eher ablehnend auf Prozentrechnung und Co., so steigt die Abneigung auch bei den Kleinen – und darunter leiden die Noten. Das zeigt das Ergebnis einer Studie der Psychologin Erin A. Maloney von der Universität Chicago.
Auch Claudia Abjörnson von der Stiftung Rechnen betont den Einfluss der Väter und Mütter: „Eltern sollten versuchen, ihre Kinder trotz eventueller eigener Vorbehalte für das Rechnen zu motivieren und zu begeistern. Nur so können Mädchen und Jungen ein positives Verhältnis zu Mathe entwickeln und später zu guten Rechnern im privaten und beruflichen Alltag werden.“
Geschlechterstereotype sind mitverantwortlich für die Mathe-Angst
Neben der Einstellung der Eltern spielen auch Geschlechterstereotype eine Rolle: Die Bildungsforscherin Prof. Madeleine Bieg von der Universität Konstanz hat herausgefunden, dass Mädchen Mathematik noch immer als “Jungsfach“ erleben. Mehr als ihre Mitschüler neigen sie dazu, sich selbst grundsätzlich ängstlicher einzuschätzen, als sie wirklich sind. Aktuelle Studien aus den USA zeigen, dass sich dieser Geschlechterunterschied aufheben wird, wenn sich nach und nach die Rollenvorbilder ändern – erste Entwicklungen dahin sind bereits nachweisbar. Auf dem Weg dahin wird es vor allem wichtig sein, die Angst abzubauen. Denn Angst beim Lernen führt zu Blockaden, Frustration und Widerstand.
„Mathe muss zum Anfassen sein!“
Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo, hat ein Gegenrezept: „Mathe macht dann keinen Spaß, wenn es nur aus dem Schieben von Zahlen besteht. Kinder lernen am erfolgreichsten, wenn sie neugierig und motiviert sind. Unsere Umfrage zeigt, was die Kinder sich dazu wünschen: Matheaufgaben, die aus ihrem Lebensalltag stammen und die sie spielerisch lösen können. Das in Kombination mit einer offenen Haltung verhindert das Entstehen von Angst.“
Veranstaltungshinweis:
Keine Angst vor Mathe! Was Eltern tun können, damit Kinder Spaß am Rechnen haben. – Online-Elternabend von scoyo in Kooperation mit der Stiftung Rechnen am 24. Januar 2017, 20 bis 21 Uhr
Der Online-Lernspezialist scoyo und die Stiftung Rechnen laden Mütter und Väter ein, gemeinsam beim siebten Elternabend im Netz mit Expertinnen und Experten über das Angstfach Nummer eins zu sprechen: Mathe. Dabei geht es um die Nöte der Kinder und Fragen der Eltern: Wie kann ich meinem Kind die Angst nehmen? Welche Möglichkeiten gibt es, Mathe mit Spaß und Freude zu lernen? Wann spricht man von einer Dyskalkulie und wer bietet Hilfe?
Es diskutieren und antworten auf Fragen der Eltern:
Interessierte können vor und während des Elternabends ihre Fragen stellen, via:
Link zum scoyo Elternabend:
http://www-de.scoyo.com/eltern/scoyo-elternabend
Das ändert sich für Familien
2017 ändern sich einige gesetzliche Regelungen für Familien in Deutschland. Hier ein Überblick:
Mehr Kindergeld
Eine der wichtigsten Leistungen für Familien steigt: Das Kindergeld wurde zum 1. Januar 2017 um 2 Euro angehoben. Es wird einkommensunabhängig gezahlt und erreicht Familien damit direkt.
Das Kindergeld beträgt jetzt
– für das erste und zweite Kind 192 Euro pro Monat,
– für das dritte Kind 198 Euro,
– für das vierte und jedes weitere Kind 223 Euro.
Zum 1. Januar 2018 steigt das Kindergeld nochmals um 2 Euro pro Monat.
Steigender Kinderfreibetrag
Der Kinderfreibetrag hat sich zum 1. Januar 2017 um 108 Euro auf jetzt 4.716 Euro pro Jahr erhöht. Eltern bekommen entweder Kindergeld oder die Freibeträge für Kinder bei der Einkommenssteuer. Das Finanzamt prüft bei der jährlichen Einkommensteuerveranlagung automatisch, ob Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für Eltern günstiger ist. Der Kinder-freibetrag steigt zum 1. Januar 2018 nochmals um weitere 72 Euro auf dann 4.788 Euro pro Jahr.
Höherer Kinderzuschlag
Auch der Kinderzuschlag ist zu Beginn des Jahres 2017 um 10 Euro pro Monat gestiegen. Er beträgt nun maximal 170 Euro pro Kind und Monat. Der Kinderzuschlag ist eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für Eltern mit geringem Einkommen. Haben Eltern nicht genug Einkommen für den Bedarf ihrer Kinder, sichert der Kinderzuschlag diesen zusammen mit dem Kindergeld ab. So lässt sich der Bezug von Arbeitslosengeld II vermeiden.
Mehr Unterhaltsvorschuss
Mit dem Unterhaltsvorschuss unterstützt der Staat Alleinerziehende und Kinder, wenn das andere Elternteil nicht oder unregelmäßig Unterhalt zahlt.
Die Höhe des Unterhaltsvorschusses richtet sich nach dem Alter der Kinder und ist monatlich wie folgt gestiegen:
– für Kinder von 0-5 Jahren von 145 Euro auf 150 Euro,
– für Kinder von 6-11 Jahren von 194 Euro auf 201 Euro.
Das Bundeskabinett hat am 14. Dezember 2016 einen Gesetzentwurf beschlossen, der zum Ziel hat, die Unterhaltsvorschussleistungen auszubauen und für eine unbegrenzte Dauer und bis zur Volljährigkeit von Kindern zu zahlen. Parallel zum Gesetzgebungsverfahren wird mit den Ländern eine Einigung zur Finanzierung des Ausbaus des Unterhaltsvorschusses, zum Zeitpunkt und der Ausgestaltung des Inkrafttretens sowie zu der genauen Ausgestaltung der inhaltlichen Verbesserungen im Hinblick auf effiziente Verwaltungsabläufe herbeigeführt.
Verbesserter Mutterschutz
Noch in der parlamentarischen Beratung befindet sich ein Gesetzesvorhaben, mit dem ab dem geplanten Inkrafttreten im Laufe des Jahres 2017 mehr schwangere und stillende Frauen vom gesetzlichen Mutterschutz profitieren sollen. Dieser schließt dann erstmals auch Schülerinnen und Studentinnen ein und gilt auch für Praktikantinnen, Frauen mit Behinderung in Behindertenwerkstätten und Frauen in betrieblicher Berufsbildung, im Bundesfreiwilligendienst sowie für Entwicklungshelferinnen. Die nachgeburtliche Schutzfrist verlängert sich von 8 auf 12 Wochen bei Frühgeburten, Mehrlingsgeburten und nun auch bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung.
Mutterschutz sichert Frauen vor Kündigungen während der Schwangerschaft und bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubs ab und gewährleistet den besonderen Gesundheitsschutz von schwangeren und stillenden Frauen am Arbeitsplatz. Während der Schutzfristen – 6 Wochen vor und 8 bzw. 12 Wochen nach der Geburt – dürfen Arbeitgeber diese nicht beschäftigen. Das Mutterschaftsgeld sichert Frauen in dieser Zeit finanziell ab.
Quelle: www.familien-wegweiser.de
Reife Entscheidung
„Unsere Tochter (23) ist erst seit einem halben Jahr mit ihrem Freund zusammen. Jetzt sprechen sie schon vom Heiraten. Wir meinen, dass sie sich noch Zeit lassen sollten. Wie können wir es ihr oder ihnen vermitteln?“
Als mein 16-jähriger Neffe im Brustton der Überzeugung verkündete, er habe die Frau seines Lebens gefunden, musste ich innerlich schmunzeln. Wer würde nicht skeptisch reagieren, wenn junge Menschen in der Phase des Verliebtseins ans Heiraten denken? Insofern kann ich Ihre Sorge gut verstehen. Ganz egal, ob die Kinder noch in der Pubertät stecken oder mit 23 Jahren eigentlich im besten Alter sind, einen Partner zu finden. J a, es stimmt: D ie Liebe braucht Zeit und muss sich im Alltag bewähren. Allerdings – in meiner Praxis als Therapeutin erlebe ich es oft genau umgekehrt: Junge Menschen haben große Selbstzweifel, ob sie je in der Lage sein werden, sich zu binden. Sie haben die Ausbildung mit Bravour abgeschlossen, machen Karriere und fragen sich ernsthaft, ob sie mit Mitte dreißig überhaupt schon die nötige Reife besitzen, sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Insofern freue ich mich, wenn junge Menschen damit offensichtlich kein Problem haben und beizeiten mit dem Partner an einer gemeinsamen Zukunft bauen.
UNERFÜLLTE WÜNSCHE?
Natürlich sollte eine Eheschließung gut überlegt sein. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Punkt den Kern Ihrer Zweifel ausmacht. Sie wünschen sich für Ihre Tochter, dass sie in dieser Frage eine reife Entscheidung trifft. Eine Entscheidung, die nicht durch den Filter der rosaroten Brille gefällt wird. Diesen Aspekt können Sie ohne Probleme in einem offenen Gespräch zu bedenken geben. Aber dann sind Sie gut beraten, sich mit Ratschlägen zurückzuhalten. Aber bevor wir als Eltern irgendwelche Bedenken zum Ausdruck bringen, sollten wir uns erst einmal fragen, was uns so skeptisch macht. Sind es die Vorstellungen für das Leben unserer Kinder, die wir in Gefahr sehen? Oder die eigenen unerfüllten Wünsche, die uns umtreiben? Haben wir selbst das Gefühl, uns zu früh oder zu schnell gebunden zu haben? Wie zufrieden sind wir mit der Wahl des Partners? Oder haben wir die Sorge, dass die eigenen Kinder noch nicht die nötige Reife besitzen, eine derart existenzielle Entscheidung zu treffen?
AUF AUGENHÖHE
Gehen Sie offen in das Gespräch und zeigen Sie Interesse. Lassen Sie ihre Tochter erzählen: Was gefällt ihr an ihrem Partner? Wie stellen sie sich die gemeinsame Zukunft vor? Was macht Ihre Tochter so sicher, dass er der Richtige ist? Und auf was müssten beide verzichten, wenn sie sich noch ein bisschen Zeit lassen? Schön, wenn unsere Kinder als Erwachsene, unseren Rat suchen, aber halten Sie sich mit Ratschlägen zurück. Stellen Sie offene Fragen und bleiben Sie mit dem jungen Paar auf Augenhöhe. Und übrigens: Ich war 23 Jahre alt, als ich meinen Mann geheiratet habe. Das war vor 31 Jahren. Der Gedanke, Friedhelm könnte der Mann fürs Leben sein, ist auch bei mir nach kurzer Zeit gereift. Und was soll ich sagen: Es hat funktioniert!
Christina Rosemann ist systemische Familientherapeutin und Supervisorin in eigener Praxis und lebt in Lüdenscheid. www.christina-rosemann.de
Willkommen in der Familie!
„Unser Sohn (17) hat zum ersten Mal eine feste Beziehung. Wir sind etwas unsicher, ob wir seine Freundin eher wie einen Gast oder wie ein neues Familienmitglied behandeln sollen. Diese Frage stellt sich vor allem bezüglich des Urlaubs oder diverser Familienfeiern.“
Sie als Eltern können viel machen, damit Ihre heranwachsenden Kinder den Start in das Beziehungsleben positiv erleben. Vertrauen und Selbstbestimmtheit sind die Voraussetzung, um Verantwortung für sich und den Partner oder die Partnerin zu übernehmen. Das bedeutet aber nicht, dem Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass es den Eltern egal sei, was er tut. Alle Freiräume zuzugestehen, wird häufig als Gleichgültigkeit empfunden und nicht als Vertrauensbeweis verstanden. Sie machen es Ihrem Sohn am leichtesten, wenn Sie seiner Freundin aufgeschlossen gegenübertreten und sie in der Familie willkommen heißen. Sie sollten den Gast als Freundin des eigenen Kindes ernstnehmen und dies auch im Miteinander spüren lassen, ihr jedoch Zeit lassen, in der Familie anzukommen. Jugendliche mögen es nicht, wenn man sie überfällt. Neugierige Fragen sind nicht angebracht und verschrecken eher. Gemeinsames Kochen oder ein „Spieleabend“ laden dazu ein, die neue Freundin zu integrieren. Bei Einladungen zu Familienfeiern und zu gemeinsamen Aktivitäten wie Urlauben ist es gut, sich und der Freundin des Kindes Zeit zu lassen. Am besten ist es, die Einladung frühzeitig mit Ihrem Sohn und seiner Freundin zu themat i s ieren und gemeinsam zu überlegen, ob die neue Partnerin sich wohlfühlen würde. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, das Tempo der Beziehung die Kinder selbst bestimmen zu lassen. Und abgewartet, bis die Beziehung sich so gefestigt hatte, dass dieser Schritt denkbar und machbar war.
Ute Wegend ist verheiratet und Mutter von vier bereits ausgeflogenen und zum Teil verheirateten Kindern. Sie ist Multiplikatorin des Glaubenskurses „Stufen des Lebens“ in Berlin und Brandenburg.
Von guten Vorsätzen und alten Gewohnheiten
Wer kennt sie nicht, die guten Vorsätze fürs neue Jahr, die nach einem kurzen euphorischen Hoch allzu hart auf dem Boden der Realität aufschlagen? Mehr Sport, gesünder leben, mehr Zeit mit der Familie verbringen oder sich beruflich verbessern. Es ist wie beim Ausverkauf, alles muss raus!
„Die einen haben feste Pläne, andere halten es lockerer – aber 30 bis 40 Prozent nehmen sich jedes Jahr vor, etwas zu ändern“, erklärt Dieter Frey, Sozialpsychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Schmerzlich ist eszu erkennen, dass die Realität so ganz anders aussieht als meine Ideale. So lebt mittlerweile auch eine riesige Industrie davon, dass Menschen Jahr für Jahr das Gleiche wollen und es doch nie schaffen.
Auch ich vergesse ziemlich oft, dass ich hier und heute, im alten wie im neuen Jahr schon gut, gewollt und angenommen bin. Gott hat mich toll gemacht – mit Ecken und Kanten. Vielleicht liegt der Fehler also darin, dass ich ständig versuche, mich selbst zu optimieren und vergesse, zuzuhören und zu verstehen, was Gott mit mir vorhat. So habe ich es dieses Jahr mal ganz anders probiert. Keine Vorsätze, nur einen: ein offenes Ohr für Gottes Reden zu haben.
Julia Kallauch
Volontärin bei Family
Quelle oder Quartier?
Moor Jovanovski: durchforscht die Playlist seines Herzens
Es wird wieder Zeit für eine neue Playlist. Mein kleiner Mp3-Player ist gerade an meinem PC angeschlossen, und ich durchforste meine digitalen Musikalben. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, beim Joggen eine besondere Auswahl an geistlichen Liedern zu hören, die mein Herz erreichen. So nutze ich den Sport auch zum Aufbau meiner geistlichen Fitness. Dass es mal wieder Zeit für eine neue Liste war, fiel mir daran auf, dass mich die Lieder anfingen zu langweilen. Das muss ich zugeben: Auch geistliche Aussagen können mich irgendwann langweilen. Aber halb so wild, denn Langeweile ist auch ein Hinweis darauf, dass es weitergehen darf. Es wird einfach Zeit für Neues, damit mein Herz nicht zu einem Quartier für fromme Binsenweisheiten wird. Während ich also eine neue Auswahl von Liedern auf meinen Player verschiebe, kommen mir die Worte aus Sprüche 4,23 in den Sinn: „Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.“ Das ist schon eine große Aufgabe! Ich pflege viele Dinge in meinem Leben, und ich sehe meistens auch, wann es wieder an der Zeit ist, das zu tun. Ich stelle aber fest, dass ich mit meinem Herzen doch etwas zu nachlässig bin. Da kann es schon mal sein, dass sich hier „alte Listen“ wiederfinden, die ich nicht mehr hören will (oder die auch kein anderer hören sollte). Manchmal weiß ich genau, dass es wieder Zeit für etwas Neues wäre oder auch ein neuer Schritt zu wagen wäre. Aber so unbrauchbar die alten Listen manches Mal sind, so sehr habe ich mich auch an sie gewöhnt. Und da liegt die Herausforderung: Zu erkennen, dass nicht alles Vertraute auch Fortschritt oder Fundament bedeutet. Mein Herz bedarf der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Ich stelle mir die Frage, was sich im Laufe der letzten Wochen so alles in meinem Herzen aufgelistet hat. Welche Songs laufen gerade? Klagelieder? Trauerlieder? Freudenlieder? Welche „Alben“ habe ich kreiert? Ärger? Neid? Ängste? Verletzungen? Es wäre schön, wenn sich manches in meinem Herzen so einfach neu aufsetzen ließe wie eine Playlist. Aber ich bin sicher, dass es Gott möglich ist. Wenn ich mit ihm diese Listen und Alben durchgehe, dann kann er das eine oder andere umgehend löschen. Mancher Song muss umbenannt oder behutsam umgeschrieben werden. Auch da bin ich sicher, dass Gott das kann. Ich will ihm die Listen meines Herzens nicht vorenthalten, damit mein Herz eine Quelle ist und bleibt und damit ich meine Fitness bewahre.
Einfach da
Ein Gastbeitrag von Annette Fabinski
Da saß er.
Ganz links am Fenster. Neben ihm drei Stühle frei.
Sein schlanker Körper mit dem feinen Profil erinnerte an einen ägyptischen Prinzen.
In seinen Händen das Gesangbuch. Konzentriert blickte er mit leicht gesenktem Kopf hinein, seine Lippen bewegten sich zur Klaviermusik, die von einer alten Dame bedächtig gespielt wurde. Die Musik durchzog den Raum, sanft und warm. Durch das Milchglasfenster fielen Sonnenstrahlen gebrochen herein.
Und da saß er.
Er, der Schulschwänzer, er, der immer unterwegs war. Nie wusste seine Mutter, wo sie ihn finden konnte. Heimatlos – ja, das Wort passte auf ihn.
Vor unserer Tür stand er oft. Manchmal kam er einfach hereinspaziert, aß mit uns, spielte mit uns und blieb und blieb. Dann verschwand er und tauchte tagelang nicht auf.
An einem Wochenende schlief er bei uns.
Das Haus war von Lachen durchzogen, Fußgetrappel auf der Treppe. Es wurde gespielt, gemeinsam gegessen, geredet und irgendwann auch, später und später, erschöpft geschlafen. Dann kam der Sonntag. Unser Sonntag mit unserem Gang zum Gottesdienst.
Vorsichtig fragte ich ihn, ob er mitkommen wolle.
Er wollte.
Er tauchte ein in eine für ihn vollkommen fremde Welt. Noch nie zuvor hatte er einen Gottesdienst besucht. Noch nie zuvor hatten ihn Menschen auf eine solch freundlich zugewandte Art begrüßt. Wie im Traum lauschte er der Predigt, sang er zum ersten Mal ein Kirchenlied, betete er. Danach gab es Wasser, Saft und Kuchen. Alle standen fröhlich zusammen und er mitten unter ihnen. Er strahlte, aß ein zweites Stück Kuchen, redete, lachte, war einfach da, mitten unter ihnen.
Dann kam die Woche.
Es regnete.
Er schwänzte die Schule.
War unterwegs.
Blieb irgendwo.
Alltag.
Am nächsten Wochenende schlief er nicht bei uns.
War zu Hause, weit draußen auf dem Land.
Es war kalt und wir waren müde. Etwas zu spät setzten wir uns während des Eingangsliedes auf Plätze nahe der Tür.
Griffen das Gesangbuch.
Die Musik wärmte.
Langsam wurde ich wacher.
Mein Blick wanderte nach links.
Ich traute meinen Augen nicht.
Da saß er.
Neben ihm unsere drei freien Plätze.
Und war einfach da.
Sehnsucht nach Sicherheit
„Endlich kann ich in Ruhe und Sicherheit leben.“ Dieser Satz einer iranischen Christin, die vor einem Jahr nach Deutschland kam, hallt in mir nach. Ja, Deutschland ist ein sicheres Land für Christen und auch für Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen. Immer noch! Auch nach dem Anschlag von Berlin.
Aber Sicherheit bedeutet nicht 100-prozentige Sicherheit. Die gab es noch nie. Auch wenn wir sie uns so wünschen! Gerade als Eltern. Wir investieren viel in die Sicherheit unserer Kinder. Kaufen Helme und Kindersitze mit Prüfsiegel. Stehen unter dem Klettergerüst, die Arme zum Ausbreiten bereit. Schließen Versicherungen ab. Kochen mit Biogemüse. Bitten Gott um Bewahrung.
Das ist alles gut und richtig. Aber es darf uns nicht die Augen davor verschließen, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt. Es passieren Unfälle, die wir nicht verhindern können und die auch Gott nicht verhindert – für uns oft kaum zu ertragen. Und es passieren schreckliche Gewalttaten – seien es nun terroristisch motivierte Anschläge oder kriminelle Taten.
Gerade sitzen wir an der Planung des Dossiers der übernächsten Family und FamilyNEXT. „Riskant oder sicher leben?“ lautet unser Arbeitstitel. Eigentlich geht es dabei mehr um die Frage der Lebensgestaltung: Kündige ich den sicheren Job? Kaufen wir ein Haus trotz unsicherer Finanzierung? Wagen wir uns an das Abenteuer „Pflegekind“? Riskieren wir ein zweites Kind, obwohl die erste Schwangerschaft komplikationsreich war? Gehen wir als Missionare ins Ausland?
Wir überlegen noch, ob und wie wir auch die andere Seite des Themas aufgreifen: Wie gehe ich damit um, wenn ich mich in meiner Heimat nicht mehr sicher fühle? Wenn ich Angst habe, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, zum Kirchentag nach Berlin zu fahren oder ein Fußballspiel zu besuchen? Wie halte ich es aus, dass meine Sehnsucht nach Sicherheit für meine Kinder nur begrenzt erfüllt werden kann?
Für mich persönlich ist ein Vers in der Bibel hilfreich angesichts solcher Fragen: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,17). Mit dieser Haltung will ich meiner Angst und Sorge begegnen: mit Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit.
Ich habe die Kraft, diese Gesellschaft mitzugestalten. Wenn auch vieles nicht in meiner Macht steht. Das was ich tun kann, will ich tun.
Ich will anderen Menschen mit Liebe begegnen. Ganz besonders meinen Kindern – denn Liebe ist für Kinder noch wichtiger als Sicherheit.
Und ich will mich bemühen, besonnen zu reagieren auf Ereignisse wie in Berlin. Will die Situation nicht überdramatisieren und trotzdem auf den Weihnachtsmarkt gehen. Und zum Kirchentag fahren. Wenn auch mit einem leicht mulmigen Gefühl …
Bettina Wendland
Redakteurin bei Family und FamilyNEXT
„Romantik“
CAREPAKETE, TEELICHTPFADE UND ADVENTSKALENDER MIT GEHEIMAGENTIN – Katharina und Hauke zeigen sich ihre Liebe gerne auf kreative Weise, auch wenn dazu im Moment wenig Zeit bleibt.
Katharina: Ich rede mit unserer Amelie ( 9) über das Thema des nächsten Family-Artikels: Romantik, Aufmerksamkeit, Kreativität zwischen Mama und Papa. Dass es sich verändert hat, zumindest in dieser Lebensphase, sich inzwischen eher auf Kleinigkeiten reduziert. Amelie meint keck, ich könnte ja erwähnen, dass Papa mir immer so waaahnsinig kreative Geschenke zu Weihnachten macht; ihr fiele da der Zahnputzbecher ein! Ich freue mich, dass unsere Kinder so humorvoll sind! Ansonsten würden sie es bei uns nicht aushalten! Doch die Wahrheit ist: Unsere Ehe hat ein meterdickes Fundament von liebevollen, aufwendigen und kreativen Aufmerksamkeiten. Es fing mit Carepaketen und mich umwerbenden Briefen in meiner Ausbildungs- und Prüfungszeit an, ging weiter mit gegenseitigen Überraschungsbesuchen in den ersten vier Jahren Fernbeziehung und später dann wunderbar geplanten Jahrestagen mit geheimen Ausflugszielen. Ein Höhepunkt war ein aufwendig inszeniertes Adventskalender-Abenteuer mit Geheimagentengeschichte, das viele Rätsel und kleine Aufmerksamkeiten beinhaltete und an einem vollständig geschmückten Weihnachtsbaum mit leiser Musik mitten im Wald endete – das Geschenk: ein Wochenende in Paris! Wie Hauke mir den Heiratsantrag gemacht hat, würde hier den Rahmen sprengen. Die fiktive Agentin aus dem Adventskalender wurde auch später eingesetzt, um Hauke von unseren Schwangerschaften zu berichten; mit aufregender Schnitzeljagd durch die halbe Stadt mit einem Hotel als Zielort, in dem Hauke von mir erwartet wurde. Ein anderes Mal erreichte uns ein Anruf der Agentin in dem Schlossrestaurant, in dem wir gerade saßen. Sie machte ihn auf einen Knicklichterpfad im Burghof aufmerksam, der zu einer Schatzkiste im Burghof führte, in der die Babyschühchen lagen. Zum Geburtstag ein Teelichterpfad durch das verwinkelte Freizeitheim mitten im Wald. Ziel: Sein Zimmer, in dem ich ihn mit seinem Geschenk – einer kleinen Katze – erwartete. Wir wissen wohl, dieser Einsatz ist keinesfalls Standard und nicht ständig aufrechtzuerhalten. Es sind kostbare Schätze! Für Zeiten wie diese, wo im Alltag mit fünf Kindern, der Arbeit, dem Haus und all den Verpflichtungen – wenn überhaupt – nur Zeit bleibt für „mal eben kurz drücken“ oder „heute Abend mal ein Film?“ Nachdem man einen ganzen Tag bemüht war, die Bedürfnisse von fünf nimmersatten Kindern weitestgehend zu erfüllen, ist oft der Akku leer. Dann geht die Romantik über ein Teelicht im Schlafzimmer nicht hinaus. Wenngleich romantische Aktionen seltener stattfinden, freue ich mich doch, wenn ich von Valentina (7) den Satz höre: „Die haben sich dolle lieb – so wie Mama und Papa!”
IN DER RUSH-HOUR DES LEBENS – Hauke ist für kleine romantische Überraschungen sehr offen – Mann hin oder her.
Hauke: Letztens hat mich meine Frau abends vom Bahnhof abgeholt. Mitten im Strom der Vorbeihastenden stand sie auf dem Bahnsteig. Als ich ihr entgegenging, sah ich, dass sie ihre Hände schützend um einen kleinen Gegenstand gelegt hatte. Ich stehe vor ihr und sie öffnet ihre Hände: in einem kleinen Ton-Herz flackert ein Teelicht. „Ein brennendes Herz voller Liebe für dich”, sagt sie, während der raue Herbstwind an der Flamme rüttelt. Ich denke gerne an diese Szene zurück, an der mich nur eine Kleinigkeit stört: Sie ist 18 Jahre her. Wenn Katharina mich heute abholen würde, dann mit fünf lärmenden Kindern im Schlepptau, einem Ikea-Einkaufszettel in der Hand und einer noch längeren To-do-Liste im Kopf. Großfamilien-Alltag eben. Schade eigentlich, denn ich bin trotz männlicher Ratio-Fixierung ein sehr romantischer Mensch, wirklich! Damit meine ich keine kitschigen Sonnenuntergänge, sondern die liebevollen Überraschungen, mit denen man verklärte Erinnerungen schafft und die gemeinsame Geschichte prägt. Ich kenne Leute, die haben beiläufig vor dem Juwelierschaufenster ihre Freundin gefragt, ob sie heiraten sollten, wo sie doch grad schon mal da sind. Andere stellen die Frage aller Fragen beim Ausfüllen der Steuererklärung. Ich fürchte: Wer wegen Ehegattensplitting heiratet, wird genau das später auch erleben. Darum: Bringen wir mehr Glanz in die Welt und in unsere Beziehung! Klar, früher war mehr Zeit und Muße vorhanden, um romantische Ideen zu entfalten. In der Rush-Hour des Lebens, also der Phase von Familiengründung, beruflicher Etablierung und Hausbau, wollen wir uns nicht in Aufgaben und Pflichten verlieren, sondern mehr sein als ein funktionierendes Familienunternehmen! Denn der stupide Trott ist auch das Resultat von Prioritätensetzungen: Als frisch Verliebter war es toll, heimlich in die Stadt zu fahren und ihr einen Blumenstrauß hinter den Scheibenwischer zu klemmen, heute denke ich mir, dass auch Blumen leben möchten. Na gut, das letzte ist eine Schutzbehauptung. Ich tu mich einfach schwer mit dem Gedanken, 20 Euro für etwas auszugeben, was zwei Tage lang duftet und eine Woche lang stinkt, bis sich jemand erbarmt und die toten Tulpen auf dem Kompost beerdigt. Mein Geheimtipp: das Teelicht! Der natürliche Weichzeichner für Haut über 40! Der preiswerte Stimmungsstabilisator, den man im Handumdrehen verschwenderisch verteilen kann! Der offene Kamin des kleinen Mannes! 30 Teelichter verwandeln jeden Reihenmittelhausgarten in eine zauberhafte Landschaft – und versöhnen mich auch mit den leidigen Ikea-Einkäufen. Und da ich an vielen Stellen sicher nicht das Licht der Welt bin, will ich wenigstens eines sein: das Teelicht meiner Ehe.
beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.