Ein Gastbeitrag von Priska Lachmann
Schwangere, Babys und Kinder sind ein unglaublich großer Werbemarkt. Wir werden beinah jede Minute unseres Tages darauf hingewiesen, dass wir irgendetwas noch nicht für unsere Kinder haben, dass sie noch etwas brauchen, damit es ihnen wirklich richtig gut geht, sie optimal ins Leben starten und eine glückliche, perfekte Kindheit haben.
Inzwischen sind wir schon so verblendet von so unendlich vielen Möglichkeiten, dass wir vergessen, was wirklich zählt, was wirklich wichtig ist für unsere Kinder. Was braucht ein Baby wirklich, wenn es auf die Welt kommt?
Als ich meine erste Tochter bekam, war ich gerade mal knapp 23 Jahre jung, kurz nach dem Studium und mit wenig bis gar keinem Eigenkapital. Ich war jung, energievoll und hatte wenig Sorgen. Mit Hilfe unserer damaligen Gemeinde haben wir alles, was wir brauchten, geschenkt oder geliehen bekommen. Nichts habe ich kaufen müssen. Das war eine unendlich große Erleichterung. Ich habe alles dankend angenommen, und unsere Tochter ist gesund, klug und stark herangewachsen. Heute schmunzel ich darüber. In Zeiten von „Öko Warentest“ und „Stiftung Warentest“ wäre unser Babyautositz sicher durchgefallen. Meine Kinder lagen beide in einem Kinderwagen aus den 90ern, in dem meine Brüder noch gelegen hatten, und zwischen Familienbett oder Beistellbett konnte ich nicht wählen: Wir hatten ein tolles Gitterbett geschenkt bekommen. Es war eben, wie es war und es war gut.
Wir haben die Verantwortung, für das uns gegebene Geschenk zu sorgen, es gesund heranwachsen zu lassen. Es ist unsere von Gott gegebene Verantwortung. Doch wie nehmen wir diese Verantwortung war? Wir wollen als Eltern alles richtig machen, so gut wie möglich. Obwohl wir natürlich wissen, dass nichts perfekt sein kann, versuchen wir inständig, dem Kind alles zu geben, was es braucht, es soll ihm an nichts fehlen, es soll keinen Mangel haben und es soll den bestmöglichen Start ins Leben haben. Oftmals machen wir dann doch den Fehler und überhäufen das Kind mit materiellen Gütern. Wir meinen, es gehe dem Baby dann gut, wenn wir nur alle Dinge haben, die es für ein Baby zu kaufen gibt.
Ich hab eine gute Freundin, die gerade ihr drittes Kind bekommen hat. Sie meinte zu mir, dass ihr Nestbautrieb nie begonnen habe. Sie hatten vor der Geburt gerade mal das Kinderbett aufgestellt. Sind sie deswegen schlechtere Eltern? Im Gegenteil. Es sind wundervolle Eltern, die ihre beiden anderen Kinder zu großartigen Kindern herangezogen haben, die eine musische Ausbildung besitzen, die liebevoll, aufmerksam und voller guter Werte aufgezogen werden. Beide Eltern haben gute Jobs, es liegt also nicht daran, dass sie sich etwa nichts leisten könnten. Die Mama hatte Beschäftigungsverbot, es lag also auch nicht an der mangelnden Zeit, dass sie etwas nicht besorgen konnte. Nein, sie hat beim dritten Kind gewusst, dass man gar nicht so viel braucht, wie man meint. Um gesund und liebevoll groß zu werden, braucht es keine materiellen Güter.
In Finnland gibt es die so genannte Erstlingsbox. Alle Eltern bekommen vom Staat zur Geburt ihres Kindes diese Box geschenkt. So starten alle Kinder, egal in welcher Familie sie geboren werden, gleichwertig. Ohne soziale Unterschiede. Es ist eine Box, die alles enthält, was das Kind für die Anfangszeit benötigt. Sogar eine Matratze ist dabei, die Kinder schlafen also, wenn man möchte, in dieser Box. Klingt für uns befremdlich, ist aber normal in Finnland.
Susanne Mierau wollte dieses Konzept nach Deutschland bringen: Eine Erstlingsbox, die alles enthält, was das Baby braucht. Die hochwertige und biologisch feine Stoffe aufweist. So dass man sein Kind gut und gern damit versorgen kann.
Was braucht ein Baby? Liebe und Geborgenheit und einen Ort zum Schlafen. Das kann, theoretisch, auch in einer Box sein. Es braucht einen Ort, um gewickelt zu werden. Dafür braucht es nicht unbedingt eine Wickelkommode. Es braucht einen Ort, um gebadet zu werden. Das kann auch mit Papa in der Badewanne sein. Es braucht gesunde Milch, die gibt es im besten Fall von Mama. Mehr braucht ein Baby nicht für die ersten Wochen. Es braucht eigentlich keine Seife, kein Shampoo, keinen Kinderwagen … Babys können getragen werden und lieben es, getragen zu werden. Es fördert die Bindung zwischen Eltern und Kind. Seife und Shampoo zerstören den natürlichen Hautfilm des Babys. Es braucht kein eigenes Bett. Es schläft gern bei den Eltern in einem Familienbett oder vielleicht auch, wie in Finnland, in einer Box.
Egal, ob ihr euer erstes, zweites, drittes oder viertes Kind bekommt – schaut euch genau an, was ihr braucht. Und wenn ihr etwas braucht, stöbert doch erst einmal in der wunderschönen Erstlingsbox von Susanne Mierau: http://geborgen-wachsen.de/erstlingsbox/. Vielleicht enthält die schon alles, was ihr braucht.
Priska Lachmann ist verheiratet, Mama von zwei Kindern, Theologiestudentin und freie Autorin.
Susanne Mierau hat einige Inhalte einer Erstlingsbox zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Die gibt es auf dem Blog von Priska Lachmann zu gewinnen: www.leipzigmama.com
„Kinder müssen ermutigt werden, die Familie zu verlassen“
In Family und nun besonders in FamilyNEXT beschäftigen wir uns regelmäßig mit dem Thema „Ablösung“. Für viele Eltern ein schwieriger Prozess, der sie ihr ganzes Elternsein begleitet: vom Abstillen über den ersten Tag im Kindergarten bis zum Auszug aus dem Elternhaus gibt es viele kleine und große Abschiede. Oder andersherum: Viele Schritte des Kindes in Richtung Selbstständigkeit. Das fordert Eltern einiges ab.
Der Soziologe Dirk Baecker spricht in diesem Zusammenhang von einer Paradoxie: „Die Familie muss ihre Kinder unglücklich genug machen, um die Familie verlassen zu wollen, und glücklich genug, um selbst eine Familie gründen zu wollen.“ Im Interview mit dem Philosophie Magazin, das sein Dossier der aktuellen Ausgabe dem Thema „Die Familie – Zuflucht oder Zumutung?“ widmet, erläutert Baecker die komplexen Herausforderungen, denen sich Eltern gegenüber sehen:
„Familie ist ja zunächst nichts anderes als Sorge für den Nachwuchs. Dieser Nachwuchs darf aber nicht auf alle Zeiten an die Eltern gebunden werden, sondern muss irgendwann selbst Nachwuchs zeugen und beim Aufwachsen begleiten. Dazu muss die Herkunftsfamilie verlassen und eine eigene Familie gegründet werden. In die Familie ist somit zwangsläufig der Keim ihrer Selbstauflösung zugunsten ihrer Neugründung miteingebaut.“ Eine Perspektive, die viele Eltern im Alltag wahrscheinlich nicht so sehr im Blick haben. Oder erst dann, wenn die Kinder so langsam erwachsen werden. Dabei fängt die Erziehung zur Selbstständigkeit ja schon viel früher an.
Dirk Baecker erklärt: „Eltern denken oft, ihre Kinder müssten sich ganz natürlich für ähnliche Dinge wie sie selber interessieren. Doch dann stellen sie bereits beim Sandkastenspiel, auf dem Basketballfeld oder in der Schule fest, dass ihre Kinder andere Kategorien und Präferenzen entwickeln und sich von anderen gesellschaftlichen Möglichkeiten anziehen lassen. Besteht zwischen Eltern und Kindern nun keine Gesprächsebene, auf der solche Eindrücke ausgetauscht werden können, entsteht zunehmend ein Gefühl der Irritation.“
Damit Ablösung gut gelingen kann, ist eine gewisse Balance gefragt: „Die Kinder müssen dazu
ermutigt werden, ihr eigenes Leben zu führen und ihre Familie verlassen zu wollen. Doch zusammen mit dieser Ermutigung muss das Bedauern mitgeteilt werden, dass man sich auseinanderlebt – um eben im Gegenzug die Kinder darin zu unterstützen, selbst wieder eine Familie gründen zu wollen.“
Im Dossier des aktuellen Philosophie Magazins sind neben dem Interview mit Dirk Baecker viele weitere Einblicke in die Zusammenhänge und Herausforderungen von Familie zu lesen: Wie kann es sein, dass Familie gleichzeitig als Zuflucht und Zumutung empfunden wird? Ist Zorn auf die eigenen Eltern normal? Wie können Kinder ihren eigenen Weg finden? Was schulden sie ihren Eltern? Ist das klassische Modell der Kleinfamilie überholt? Weitere Infos: http://philomag.de/
Die grosse Party
„Unser Sohn möchte seinen 18. Geburtstag gern mit einer großen Party in unserm Haus feiern. Was sollten wir vorher mit ihm absprechen, damit es keine bösen Überraschungen gibt?“
Zunächst erst einmal herzlichen Glückwunsch – Sie haben gemeinsam mit Ihrem Sohn eine wichtige Wegstrecke gemeistert und können zu Recht sagen: Das muss gefeiert werden! Ihr Sohn wird jetzt mehr und mehr Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen und will damit sofort anfangen. Das sei ihm zugestanden. 18 werden bedeutet, neue Freiheiten zu genießen und das Leben zu feiern. Dass Ihr Sohn „sein Fest“ in Ihren vier Wänden feiern möchte, ehrt Sie.
VERHANDLUNGSSACHE
Nach allem Positiven, das hinter dieser Party-Idee steckt, müssen nun aber auch ein paar klare Gedanken folgen. Also heißt es aushandeln und nachfragen:
Solch ein Gespräch sollte in einer möglichst ruhigen und entspannten Atmosphäre stattfinden. Beide Seiten nutzen die Chance, ihre Fragen und Sorgen ehrlich loszuwerden und zu einer konstruktiven Lösung beizutragen. Niemand hat etwas davon, wenn es um so einen großartigen Tag Stress miteinander gibt.
Antje Rein ist Mutter von drei inzwischen erwachsenen über 18-Jährigen, die keine Lust auf große Partys im eigenen Haus hatten. Glück gehabt, oder? Unter www.lebens-nah.de findet man alles, was die Autorin sonst noch macht.
Quarter Life Crisis
Als Tim Allgaier sein Studium abgeschlossen hatte, stellte er fest: Dieser Beruf ist nicht sein Ding. Eine Erfahrung, die auch andere junge Erwachsene teilen.
Meine Eltern hatten gutes Geld in meine gute Ausbildung gesteckt – und trotzdem warf ich hin. Dabei war ich gerade in den Gehaltsregionen angekommen, in denen meine Eltern ihre Sorgen um mein Auskommen getrost vergessen konnten. Schöne Bescherung! Immer mehr jungen Menschen geht es wie mir: Wir sind fertig mit dem Studium oder der Ausbildung und fragen uns, ob das überhaupt das Richtige war. In meinem Fall fühlte ich mich wie ein Pinguin, der auf einmal merkt, dass er an Land ist. Dort kann sich der Pinguin zwar auch passabel bewegen und überleben – die Stärken des Pinguins zeigen sich jedoch im Wasser. Im Wasser wirkt der Pinguin wie ein komplett anderes Tier. Und das ist auch der Grund, weshalb meine Eltern damit leben können, viel eckiges Geld in eine Berufsausbildung investiert zu haben, deren Berufsabschluss nun völlig unnütz für mich ist. Ich habe gelernt: Eltern geht es um viel mehr als nur die materielle Sicherheit des Kindes. Beruf ist nur eine Seite des Erwachsenwerdens.
BETAVERSION
In den Wissenschaften, die sich mit dem Menschen beschäftigen und wie er das wird, was er ist, wird „erwachsen“ sowieso anders definiert als vom Gesetzgeber. Dort wird eine Grenze bei 25 bis 27 Jahren gezogen, alles vorher ist „Erwachsen sein – Betaversion“ (also eine Testversion). Mittlerweile kann ich das aus persönlicher Erfahrung unterstreichen, auch wenn es dazu gehört, beim Übergang von der Betaversion in das „richtige“ Erwachsenenalter vielleicht Wachstumsschmerzen zu spüren. Oder bei der Test-Version festzustellen, dass man das gewählte Produkt gar nicht haben möchte. Dafür hat sich ein Begriff eingebürgert: Quarter Life Crisis. Er bedeutet, sich nach einem Viertel des Lebens die Sinnfrage zu stellen. Weil die Entscheidungen mit 19, 20 vielleicht doch nicht das waren, was man damals glaubte, das sie sind: optimal.
WATSCHELN UND SCHWIMMEN
Immer mehr Menschen meiner Generation scheinen sich mit Mitte zwanzig diese Frage zu stellen – und den Mut zu haben, aus der Antwort Konsequenzen abzuleiten. Für mich persönlich bedeutete dies, mich als Pinguin gewissermaßen vom Land an das Wasser vorzukämpfen. Ich trat also auf einmal in Konkurrenz mit jüngeren Menschen, die zwar scheinbar früher den richtigen Job gefunden hatten, aber auch bereit waren, monatelang für ein Taschengeld zu arbeiten. Und plötzlich merkt man, wie man selbst bei einer Art elterlicher Sicht angekommen ist und lehnt solche Jobs ab. Manchmal brauchen Kinder einfach Zeit, bis sie Entscheidungen treffen, die die besten für sie sind. Würde ich mich heute anders entscheiden, wenn ich wieder Anfang 20 wäre? Nein! Denn meine Entscheidung war damals gut und richtig, ich brauchte nur etwas Zeit, um zu erkennen, was noch „richtiger“ für mich ist. Auf dem Weg dorthin habe ich zudem viele wichtige und schöne Sachen mitgenommen, die ich heute nicht missen möchte. Und nur das Watscheln an Land macht dem Pinguin klar, wie schön Schwimmen ist.
Wie viel Zeug braucht ein Baby wirklich?
Ein Gastbeitrag von Priska Lachmann
Schwangere, Babys und Kinder sind ein unglaublich großer Werbemarkt. Wir werden beinah jede Minute unseres Tages darauf hingewiesen, dass wir irgendetwas noch nicht für unsere Kinder haben, dass sie noch etwas brauchen, damit es ihnen wirklich richtig gut geht, sie optimal ins Leben starten und eine glückliche, perfekte Kindheit haben.
Inzwischen sind wir schon so verblendet von so unendlich vielen Möglichkeiten, dass wir vergessen, was wirklich zählt, was wirklich wichtig ist für unsere Kinder. Was braucht ein Baby wirklich, wenn es auf die Welt kommt?
Als ich meine erste Tochter bekam, war ich gerade mal knapp 23 Jahre jung, kurz nach dem Studium und mit wenig bis gar keinem Eigenkapital. Ich war jung, energievoll und hatte wenig Sorgen. Mit Hilfe unserer damaligen Gemeinde haben wir alles, was wir brauchten, geschenkt oder geliehen bekommen. Nichts habe ich kaufen müssen. Das war eine unendlich große Erleichterung. Ich habe alles dankend angenommen, und unsere Tochter ist gesund, klug und stark herangewachsen. Heute schmunzel ich darüber. In Zeiten von „Öko Warentest“ und „Stiftung Warentest“ wäre unser Babyautositz sicher durchgefallen. Meine Kinder lagen beide in einem Kinderwagen aus den 90ern, in dem meine Brüder noch gelegen hatten, und zwischen Familienbett oder Beistellbett konnte ich nicht wählen: Wir hatten ein tolles Gitterbett geschenkt bekommen. Es war eben, wie es war und es war gut.
Wir haben die Verantwortung, für das uns gegebene Geschenk zu sorgen, es gesund heranwachsen zu lassen. Es ist unsere von Gott gegebene Verantwortung. Doch wie nehmen wir diese Verantwortung war? Wir wollen als Eltern alles richtig machen, so gut wie möglich. Obwohl wir natürlich wissen, dass nichts perfekt sein kann, versuchen wir inständig, dem Kind alles zu geben, was es braucht, es soll ihm an nichts fehlen, es soll keinen Mangel haben und es soll den bestmöglichen Start ins Leben haben. Oftmals machen wir dann doch den Fehler und überhäufen das Kind mit materiellen Gütern. Wir meinen, es gehe dem Baby dann gut, wenn wir nur alle Dinge haben, die es für ein Baby zu kaufen gibt.
Ich hab eine gute Freundin, die gerade ihr drittes Kind bekommen hat. Sie meinte zu mir, dass ihr Nestbautrieb nie begonnen habe. Sie hatten vor der Geburt gerade mal das Kinderbett aufgestellt. Sind sie deswegen schlechtere Eltern? Im Gegenteil. Es sind wundervolle Eltern, die ihre beiden anderen Kinder zu großartigen Kindern herangezogen haben, die eine musische Ausbildung besitzen, die liebevoll, aufmerksam und voller guter Werte aufgezogen werden. Beide Eltern haben gute Jobs, es liegt also nicht daran, dass sie sich etwa nichts leisten könnten. Die Mama hatte Beschäftigungsverbot, es lag also auch nicht an der mangelnden Zeit, dass sie etwas nicht besorgen konnte. Nein, sie hat beim dritten Kind gewusst, dass man gar nicht so viel braucht, wie man meint. Um gesund und liebevoll groß zu werden, braucht es keine materiellen Güter.
In Finnland gibt es die so genannte Erstlingsbox. Alle Eltern bekommen vom Staat zur Geburt ihres Kindes diese Box geschenkt. So starten alle Kinder, egal in welcher Familie sie geboren werden, gleichwertig. Ohne soziale Unterschiede. Es ist eine Box, die alles enthält, was das Kind für die Anfangszeit benötigt. Sogar eine Matratze ist dabei, die Kinder schlafen also, wenn man möchte, in dieser Box. Klingt für uns befremdlich, ist aber normal in Finnland.
Susanne Mierau wollte dieses Konzept nach Deutschland bringen: Eine Erstlingsbox, die alles enthält, was das Baby braucht. Die hochwertige und biologisch feine Stoffe aufweist. So dass man sein Kind gut und gern damit versorgen kann.
Was braucht ein Baby? Liebe und Geborgenheit und einen Ort zum Schlafen. Das kann, theoretisch, auch in einer Box sein. Es braucht einen Ort, um gewickelt zu werden. Dafür braucht es nicht unbedingt eine Wickelkommode. Es braucht einen Ort, um gebadet zu werden. Das kann auch mit Papa in der Badewanne sein. Es braucht gesunde Milch, die gibt es im besten Fall von Mama. Mehr braucht ein Baby nicht für die ersten Wochen. Es braucht eigentlich keine Seife, kein Shampoo, keinen Kinderwagen … Babys können getragen werden und lieben es, getragen zu werden. Es fördert die Bindung zwischen Eltern und Kind. Seife und Shampoo zerstören den natürlichen Hautfilm des Babys. Es braucht kein eigenes Bett. Es schläft gern bei den Eltern in einem Familienbett oder vielleicht auch, wie in Finnland, in einer Box.
Egal, ob ihr euer erstes, zweites, drittes oder viertes Kind bekommt – schaut euch genau an, was ihr braucht. Und wenn ihr etwas braucht, stöbert doch erst einmal in der wunderschönen Erstlingsbox von Susanne Mierau: http://geborgen-wachsen.de/erstlingsbox/. Vielleicht enthält die schon alles, was ihr braucht.
Priska Lachmann ist verheiratet, Mama von zwei Kindern, Theologiestudentin und freie Autorin.
Susanne Mierau hat einige Inhalte einer Erstlingsbox zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Die gibt es auf dem Blog von Priska Lachmann zu gewinnen: www.leipzigmama.com
Aber es ist doch mein Geld
„Eigentlich darf unser Sohn (9) frei entscheiden, was er sich von seinem Taschengeld kauft. Nun ist beim Geburtstag aber eine größere Geldsumme zusammengekommen, und er möchte sich davon ein Handy kaufen. Das wollen wir aber nicht. Können wir es ihm verbieten?“
Ich kann Sie gut verstehen. Sie wünschen sich, dass Ihr Sohn sein Geld sinnvoll investiert, sehen ein Handy als (noch) nicht altersgerecht an und erkennen auch die Gefahren, die mit diesem Gerät verbunden sind.
DER SINN DES TASCHENGELDES
Grundsätzlich ist die Idee, dem Kind Taschengeld zur Verfügung zu stellen, eine gute Sache: Das Kind hat die Möglichkeit, im kleinen Rahmen zu üben, wie es sein Geld ausgeben und verwalten möchte. Das Taschengeld ist vor allem dazu gedacht, das Kind im Kleinen erproben zu lassen, wie es zum Beispiel mit dem Thema Selbstbeherrschung aussieht, und das wird das Kind vermutlich nur durch Fehlkäufe lernen. Keine Lektion ist für das Kind so bitter, wie am Ende des Monats nicht mehr genug Geld übrig zu haben für ein begehrtes Spielzeug oder Comic-Heft.
RECHTLICHE REGELUNGEN
Paragraf 110 BGB, der sogenannte „Taschengeldparagraf“, regelt, dass ein Kind das ihm zur Verfügung gestellte Geld ausgeben darf, wie es möchte. Dabei ist zu beachten, dass ein Kind unter sieben Jahren als noch nicht geschäftsfähig gilt und deswegen auch noch nichts alleine kaufen darf. Im Alter zwischen sieben und achtzehn Jahren ist das Kind beschränkt geschäftsfähig. Das Taschengeld darf selbstständig ausgegeben werden, es dürfen aber zum Beispiel noch keine Handy-Verträge abgeschlossen werden. Auch für Ihren Fall, dass das Kind eine größere Geldsumme zur Verfügung hat, gibt es eine rechtliche Regelung: Gibt das Kind eine höhere Geldsumme ohne Zustimmung der Eltern aus, sind die Eltern berechtigt, das Kaufobjekt dem Händler unter Erstattung des Kaufbetrages zurückzubringen. Dabei ist die übliche Rückgabefrist zu beachten.
BEZIEHUNGSSACHE
Im Fall eines Kaufverbots liegt die Herausforderung darin, sich nicht auf einen Machtkampf einzulassen. Denn das Kind wird Ihnen wahrscheinlich übel nehmen, dass der Kauf verboten wird. Deshalb ist es ein guter Schritt, sich mit dem Kind zusammenzusetzen und es zu fragen, warum es gerne ein Handy hätte. Ist es Gruppendruck? Neugier? Danach können Sie Ihre Argumente gegen einen Kauf vorbringen. Im Gespräch können Sie dem Kind in Aussicht stellen, wann ein guter Zeitpunkt für den Kauf eines Handys wäre, zum Beispiel beim Übertritt in die weiterführende Schule oder wenn es 12 Jahre alt wird. Dies nimmt etwas Druck heraus. Es ist in Ordnung, auf den eigenen Argumenten gegen den jetzigen Kauf zu bestehen. Dabei sollten Sie aber auch die Gefühle des Kindes wahrnehmen und nachvollziehen. Teilen Sie ihrem Sohn mit, dass Sie verstehen, dass er wegen des Verbots ärgerlich oder wütend auf Sie ist. Er wird zwar erst einmal rebellieren, aber sich dennoch in den Grenzen, die Sie gesetzt haben, sicher fühlen.
Stefanie Siemens lebt mit Ihrer Familie nahe Augsburg. Sie ist Fachreferentin für Familie und Erziehung und bietet Seminare und Vorträge für Eltern im Raum Bayern an: familienbildung@ web.de.
Zahlenspiele
„Mit dem Zählen hat es mein Sohn (4) nicht so. Wie kann ich ihn spielerisch an die Zahlen heranführen?“
Zahlen und Mengen sind nicht jedermanns Sache, und trotzdem müssen wir uns täglich mit ihnen beschäftigen. In der Schule wird es für die Kinder zum ersten Mal ernst, und es entsteht Druck in Verbindung mit den Zahlen. Wenn die Kinder gut gefestigte, pränumerische Kenntnisse mitbringen, können sie damit gut umgehen. Und das geht ganz spielerisch:
ZAHLENSUCHE ZU HAUSE
Die Kinder gehen auf Zahlen- beziehungsweise Ziffernsuche. Besonders schön ist es für die Kinder, wenn sie dafür einen schöne Karte haben, am besten selbst gebastelt! Aus festem Fotokarton (DinA4) wird eine Karte für jede Zahl von 1 bis 5 hergestellt. Ihr Kind darf die jeweilige Ziffer oben auf die Karte schreiben. Neben die Ziffer malt es ein Viereck, da hinein wird die passende Augenzahl des Würfels gemalt. Im Anschluss daran zeigt das Kind die Zahl mit den Fingern an, und diese werden fotografiert, ausgedruckt und auch oben auf die Karten geklebt. Nun darf Ihr Kind Fotos von der jeweiligen Menge machen. Diese Fotos werden ausgedruckt und auf die Karte für jede Ziffer geklebt. Am besten fangen Sie bei 1 an. Ihr Kind fotografiert einzelne Gegenstände für die 1er-Karte: eine Blume, eine Lampe, eine Puppe … Danach jeweils zwei Gegenstände für die 2er-Karte: ein Paar Schuhe, das Salatbesteck, zwei Kuscheltiere … Diese Karten werden dann an einem Ort aufgehängt, an dem sich Ihr Kind oft aufhält. Darüber hinaus können Sie mit Ihrem Kind eine Strichliste machen, wie viele Einsen, Zweien, Dreien etc. Sie zu Hause finden. Mit der jeweiligen Karte oder einer Tabelle, mit der man die Zahlen 1 bis 5 im Überblick hat, und einem Stift begibt sich Ihr Kind nun auf die Suche. Für jede Ziffer macht es einen Strich auf die jeweilige Karte oder in die Spalte der Tabelle.
LECKERE ZAHLEN
Wenn wir mit allen Sinnen lernen, festigt es sich am besten. Besorgen Sie sich Kekse in Zahlenform (oder backen Sie sie selbst) und ein Päckchen Schokolinsen. Dann können Sie die Kinder die Schokolinsen den Zahlen zuordnen lassen. Dieses Spiel kann man gut als „Nachtisch-Spiel“ anbieten. Später kann hiermit auch gerechnet werden. Ein weiteres „Nachtisch-Spiel“ nennt sich „Blitzblick“. Hier verwenden Sie am besten Gummibärchen: Beim ersten Mal sollten die Eltern miteinander spielen, damit das Kind versteht, wie das Spiel funktioniert. Papa nimmt drei verschiedenfarbige Gummibären in die Hand, ohne dass Mama sieht, welche, und schließt seine Hand. Mama muss jetzt gut hinschauen. Papa öffnet die Hand für ein bis zwei Sekunden und Mama sagt, wie viele Bären sie gesehen hat. Wenn sie es richtig gesehen hat, darf Mama sie essen. Jetzt ist Ihr Kind an der Reihe. Sie nehmen erst einmal nur ein Bärchen in die Hand, schließen sie und fragen Ihr Kind: „Bist du bereit?“ Dann konzentriert es sich, und Sie öffnen die Hand für etwa drei Sekunden. Wenn die Hand wieder geschlossen ist, fragen Sie Ihr Kind, wie viele Bärchen es gesehen hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es das eine benennen können. Somit hat es ein Erfolgserlebnis und freut sich auf die nächste Runde. Gehen Sie hierbei nicht über die Anzahl von drei Bären hinaus, und achten Sie darauf, dass das Spiel für das Kind erfolgreich endet. Wenn Ihr Kind die Anzahl 3 sicher erkennt, geht es weiter mit der 4. Wenn es diese sicher erkennt, geht es weiter mit der 5.
Anika Sohn ist Erzieherin und bietet Bewegungs-Kurse für Eltern und Kinder an: familie-bewegt.de. Sie lebt in Neuhofen (Pfalz).
Purer Luxus
Auftanken ohne schlechtes Gewissen – darf man das?
Gut möglich, dass es den regelmäßigen Lesern meiner Tankstelle schon aufgefallen ist: Ich bin eher so der Genießer-Typ. Kürzlich habe ich irgendwo gelesen: „Meine Liebessprache ist Essen.“ Das könnte ich durchaus auch unterschreiben. Nur, manchmal ist das mit dem Genuss so eine Sache: Wie kann man bewusst genießen, während die To-Do- Liste immer länger und länger wird? Oder: Wie kann ich auf Genießer-Modus schalten, während der Rest der Familie in hektischer Betriebsamkeit feststeckt? Ich kann das tatsächlich. Da ich ja für mein persönliches Auftanken selbst verantwortlich bin, muss ich mir Genießer-Inseln schaffen, ganz unabhängig von der Hektik rund um mich herum. Ich darf mir auch mal Zeitung lesend ein Vollbad gönnen, während Frau und Kinder mit Haushaltsaufgaben beschäftigt sind. Versteht sich von selbst: Natürlich nur, wenn ich auch meinen Teil der Haushaltspflichten beigetragen habe. Auf der anderen Seite darf ich mein Auftanken nicht vom Auftanken meiner Frau abhängig machen. Die tankt nämlich ganz anders auf als ich. Gerade neulich habe ich beobachtet, wie es ihr schon nach zehn Minuten Vollbad langweilig wurde. Während ich im Entspannungsmodus passiv auftanke (zum Beispiel mit einem einstündigen Vollbad), ist für sie das Auftanken etwas Aktives (beispielsweise Nähen). Für uns war es ein Schlüsselmoment, zu entdecken und uns auch einzugestehen, dass wir unterschiedlich auftanken. Durch die Wochenend-Auszeiten, die wir für andere Paare organisieren, haben wir festgestellt, dass es vielen anderen auch so geht. Immer wieder tanken wir aber auch gemeinsam auf: Ein gutes Essen in einem schicken Restaurant bedeutet uns beiden viel. Mindestens einmal im Jahr verreisen wir auch in einen Kurzurlaub. Hoch im Kurs ist dabei die gemeinsame Auszeit in einem Wellnesshotel. Wenn wir etwas besonders zu feiern haben, darf es auch einmal ein Luxushotel sein. Wie dieses Jahr, als wir vier Tage im Lenkerhof, einem 5-Sterne-Haus im Berner Oberland, verbrachten. Man muss wissen: Der Lenkerhof ist nicht einfach ein gutes Hotel unter vielen. Der Lenkerhof ist die Adresse und wurde als beste Genusslocation der Schweiz auserkoren. Mit anderen Worten: Luxus pur, wie wir ihn nicht jeden Tag erleben – eigentlich vorher noch nie erlebt hatten. Ein 15-Gang-Abendessen ist ja wahrlich nichts Alltägliches … Die Wellness-Oase, die gemeinsamen Spaziergänge, das Essen, die sympathischen Leute – wir haben unsere Auszeit sehr genossen. Darf man ohne schlechtes Gewissen solchen Luxus genießen und dann sogar noch andere davon erzählen? Vor allem: Darf man das, wenn man von Spenden lebt wie wir? Fürs Auftanken sollte man sich nicht schämen müssen, darum erzähle ich auch davon.
Stefan Gerber, Theologe im Bundes- Verlag (Schweiz), ist Leiter der Netzwerk- Kirche „gms – gospel movement seeland“ und freiberuflich als Autor („Glück finden – hier und jetzt“), Seminarleiter und Coach tätig. Er ist verheiratet mit Brigitte Gerber- Urfer und Vater von Joy Nina (13 J.) und Janosch Noah (11 J.).
Länger, weiter, teurer? Warum ich als Lehrerin den Klassenfahrts-Irrsinn nicht mehr mitmache
Ein Gastbeitrag von Martina Hagemann
„Frau Hagemann, können wir heute mal über die Klassenfahrt sprechen?“
Es dauert keine fünf Sekunden und meine 11.-Klässler sind hellwach! Urlaubsplanung statt Nullstellenberechnung? Das weckt die letzten Kräfte. Und meien Schüler haben auch schon sehr konkrete Vorstellungen, wo es hingehen soll:
„Die c fliegt nach Sorrent, zehn Tage lang.“ – „Der Biokurs aus dem letzten Jahr ist nach Spanien geflogen, und da gab es sogar einen Tauchkurs. Können wir das auch machen?“ – „Nee, ich will lieber auf eine Insel, Teneriffa vielleicht!“
Früher wanderte man an Wandertagen
Als ich Schülerin war, gab es so etwas wie „Wir sprechen über die Klassenfahrt“ gar nicht. Da bestimmten die Lehrer Ziel, Begleitperson, Programmpunkte und Zeitraum einer Fahrt. Oder es hieß – berechtigt oder nicht – gleich zu Beginn des Schuljahres: „Mit euch fahre ich nicht, ihr seid zu undiszipliniert.“ Aber das war auch zu der Zeit, als an Wandertagen noch gewandert wurde. Mittlerweile erwarten die Schüler an Wandertagen Events. Unter „Geocaching“, „Teambuilding“ oder „Adventurecamp“ läuft da gar nichts. Unter 30 Euro pro Kind im Übrigen auch nicht.
Bei einer Klassenfahrt wünschen sich Schüler solche Events sieben Tage am Stück. Reiseveranstalter haben sich darauf schon lange eingestellt und bieten Reisen ins In- und Ausland. Die Themenschwerpunkte reichen von „Abenteuer“ über „Klettern“ und „Skifahren“ bis hin zu „Surfen und Tauchen“. Die Lehrer, ach nein, falsch, die Schüler natürlich, können sich unter einer Vielzahl von Bausteinen ihre Wunschreise zusammenstellen. Der Lehrer übernimmt dabei vor allem das Marketing auf dem Elternabend.
Geht’s vielleicht auch eine Nummer kleiner?
Nach einigen solchen Klassenreisen habe ich keine Lust mehr, den Eltern teure Fahrten schmackhaft zu machen, die mehr und mehr Urlaubs- statt Bildungsreisen entsprechen. Dabei sind Sinn und Zweck der Klassenfahrten in den Richtlinien der Länder festgelegt: Schulfahrten sollen der Begegnung mit Kultur, Natur und Umwelt dienen und das Zusammenleben und gegenseitige Verständnis aller am Schulleben Beteiligten fördern. Mir leuchtet nicht ein, warum diese Ziele nur weit weg und mit viel Geld erreicht werden können. Einige Schulklassen verkaufen jahrelang im Voraus auf dem Schulhof Kuchen, weil das von der Schule festgelegte Budget nicht reicht. Grundsätzlich freue ich mich immer, wenn ich mir meine Pausenaufsichten versüßen kann, aber welchen Sinn macht dann noch der Finanzrahmen?
St. Peter Ording statt Teneriffa
„Frau Hagemann, was ist denn jetzt, stimmen wir nun ab?“
Ich habe gar nicht bemerkt, dass meine Schüler bereits ihre Wunschziele an die Tafel geschrieben haben (bei solchen Dingen können meine 11.-Klässler ungemein selbstständig sein). Ich wische die Liste wieder weg und male stattdessen zwei winzige Punkte an die Tafel:
„Ich habe mir bereits einige Gedanken über eure Kursfahrt gemacht. Und ihr dürft auch auswählen zwischen zwei Zielen.“
Neugierige Stille. Nun schreibe ich an die beiden Punkte „St. Peter Ording“ und „Westerhever“.
„Wo ist das denn?“ – „Das sind irgendwelche Orte an der Nordsee.“ – „Och nö, ich war schon als Kind immer in Büsum.“
Ich stelle der Klasse kurz die beiden Ziele vor, Hauptunterschied: Die eine Unterkunft ist abgelegen, die andere Unterkunft ist ganz abgelegen. Zunächst muss ich den Schülern unser Programm noch schmackhaft machen: Wattwanderung, Vögel beobachten, Exkursion in die Salzwiese, am Deich sitzen … Doch dann scheint bei den ersten ein wenig Interesse aufzukeimen. Sie überlegen, was sie kochen wollen (es ist eine Selbstversorgerunterkunft), ob man im September noch in der Nordsee schwimmen kann und nur wenige reden noch von Tauchkursen im Mittelmeer.
Und siehe da: Vor der Tür ist es auch ganz erlebnisreich!
Im Rückblick erinnere ich mich noch gut an die Fahrt, auch wenn sie inzwischen Jahre her ist. Tagsüber sind wir durch Priele gewandert, haben Fritz aus dem Matsch gezogen und gewettet, ob Jana, Michel und Jakob wirklich bei 12 °C Außentemperatur in der Nordsee schwimmen (ja!). Dass ein Schüler auch einen Wattwurm gegessen hat, hielt ich so lange für eine Legende, bis mir ein Schüler ein Video als Beleg zeigte. Abends haben wir gemeinsam gekocht (irgendwie habe ich mich bei der Einteilung der Gruppen wohl übersehen, aber einer muss ja auch den Überblick haben), gegessen, versucht, den Kamin in Gang zu kriegen, Tee statt heimlich Alkohol getrunken und gespielt.
Die pädagogischen und inhaltlichen Ziele einer Klassenfahrt haben wir im heimatlichen Bundesland für wenig Geld mehr als erreicht. Und ich hatte noch nie ein solches Urlaubsgefühl und so viel Spaß wie auf dieser Studienreise (mal abgesehen davon, dass ich fast jede Spielerunde verloren habe). Die fünf Tage fühlten sich, nicht nur aufgrund der kurzen Anreise, sondern auch aufgrund der Intensität der Erlebnisse, an wie zehn Tage.
Bald steht mal wieder eine Planung mit der 10. Klasse an. Wie wär’s mit Halligen Hooge und Langeness?
Martina Hagemann ist Lehrerin und Mutter von zwei Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in Lübeck.
Zu Hause geboren
Lina Soboll* wollte sich sicher fühlen. Deshalb hat sie sich für eine Hausgeburt entschieden.
Die Geburt unseres zweiten Sohnes begann um kurz nach zwei Uhr in der Nacht. Obwohl ich aus der Erfahrung mit unserem ersten Kind mit einer schnellen Geburt rechnete, wollte ich meinen Mann noch nicht wecken und schlich in die Küche. Die Wehen kamen nur alle zehn Minuten und waren gut auszuhalten. Also rief ich die Hebamme an und wir vereinbarten, dass sie kommen solle, sich aber erst mal ins Gästezimmer zurückziehen würde. Unsere Hebamme Nicole* hatten wir nach langem Suchen kennengelernt. Sie hatte außer den drei Ultraschall- Terminen alle Vorsorgen übernommen. Sie bestimmte die Herztöne und Lage des Kindes und meinen Blutdruck, führte Urin- und Bluttests sowie notwendige Abstriche durch. Von Beginn an hatten wir ein sehr gutes Verhältnis zu Nicole. Einer der Gründe für eine Hausgeburt war: Ich brauchte, um mich sicher zu fühlen, eine Hebamme, die unser Kind, mich und meine Schwangerschaft seit Monaten kennt und die gesamte Geburtszeit anwesend sein würde. Die Tatsache, dass wir die ganze Zeit in unserem Zuhause sein würden, uns frei bewegen könnten und die Geburt völlig selbstbestimmt verlaufen könnte, waren für mich weitere Beweggründe, eine Hausgeburt zu planen.
AUF DEM WEG
Ich legte mich in die Badewanne, „wehte“ Stunde um Stunde vor mich hin und döste in den Wehenpausen immer wieder ein. Gegen sechs Uhr rief ich das erste Mal Nicole per Handy zu mir, damit sie nach den Herztönen hören konnte. Sie legte den Schallkopf des wasserfesten Herztongerätes auf meinen Bauch, und wir lauschten gemeinsam dem regelmäßigen Herzpochen meines Babys. Es war alles in bester Ordnung! Nicole lächelte, drückte meine Hand und ging in unser Gästezimmer, um noch ein wenig Schlaf zu finden. Meine Männer wachten um kurz vor sieben auf und kamen ins Badezimmer. Unser zweijähriger Sohn fragte erstaunt, was ich da in der Wanne mache und ob das Baby jetzt raus wolle? „Ja, es hat sich auf den Weg gemacht“, antwortete ich. Während der Wehen veratmete ich leise auf „ha-oa-oa“ und Luca* machte vergnügt mit. In diesem Moment begriff ich, dass mein kleiner Junge nun bald der Große sein würde. Und mein Herz schmerzte ein wenig bei dem Gedanken. Nach einer Weile gingen meine beiden Männer zum Frühstücken in die Küche. Ich hörte, wie sie Nicole begrüßten und fragte mich, warum ich alleine in der Badewanne rumdümpelte, wenn das ganze Leben in unserer Wohnküche stattfand. Also raus aus der Wanne, angezogen und hoppla: Die Wehen ließen sich im Stehen ja viel besser veratmen als im warmen Wasser liegend. Als ich in die Küche kam, musste ich mich schon für die nächste Wehe auf einen unserer Küchenstühle stützen. Jetzt ging es doch schneller voran, als mir lieb war. Ich verzog mich ins Wohnzimmer. Nicole folgte unauffällig und hielt mir während der Wehen ein heißes Kirschkernkissen ans Kreuzbein.
NOCH NICHT BEREIT
Um halb zehn klingelte es an der Tür. Meine Schwägerin kam, um unseren Sohn abzuholen. Ich begrüßte sie kurz, verabschiedete mich von Luca und hieß gleich die nächste kräftige Wehe willkommen. Doch dann wehrte sich etwas in mir. Ich hatte keine Lust auf Geburt. Nicole versuchte, mich zu ermutigen, doch ich war trotzig wie eine Dreijährige: Wie sollte sie mir denn helfen? Dieses Kind musste ich auf die Welt bringen. Ich ganz alleine. Und ich wusste: Der Geburtsschmerz wird mich an meine Grenzen bringen. Angst vor möglichen Komplikationen hatte ich dagegen nicht. Ich war überzeugt, dass keine Hebamme ein erhöhtes Risiko tragen wollte, falls es dieses bei Hausgeburten gäbe. Nachdem ich mich ausführlich informiert hatte, war mir klar, dass alle Zahlen für eine Hausgeburt sprachen: Die Anzahl der Komplikationen, die Kinder- und Müttersterblichkeit sowie andere Notfälle sind verschwindend gering und auch bedeutend niedriger als bei klinischen Geburten. Sicherlich liegt das auch daran, dass Hausgeburten nur bei einer unauffälligen Schwangerschaft und mit fitten Kindern durchgeführt werden. Für mich persönlich waren die möglichen äußeren Eingriffe durch das Klinikpersonal wie Wehentropf, Medikamente oder Dammschnitt beunruhigender. Mit einer gut begonnenen Hausgeburt, die im Zweifels- oder Notfall immer noch ins Krankenhaus verlegt werden konnte, fühlte ich mich wohler. Nach wenigen weiteren Wehen ließ ich mich vor unserem Sofa nieder. Rollte eine Wehe heran, stützte ich mich auf unser Sofa; in den Pausen legte ich mich auf einen Kissenberg ab, den Nicole und mein Mann neben mir aufgetürmt hatten. In einer dieser ersten Wehenpausen, die ich dort am Boden verbrachte, wurde mir plötzlich fühlbar klar, dass unser Kind nun wirklich auf die Welt kommen würde. Jetzt musste ich es loslassen. Endlich war ich bereit für die Geburt. Den Trotz legte ich beiseite und konzentrierte mich nun auf die Wehenarbeit. Nicole hörte immer wieder nach den Herztönen, die gleichbleibend super waren. Nach einer längeren Wehenpause überfiel mich schon die erste Presswehe. Ich fühlte diese unheimliche Kraft meines Körpers und die Angst davor, welche ich in den vergangenen Wehen erfolgreich verdrängt hatte, flammte nun noch größer in mir auf. Ich flehte Gott an: „Bitte nur noch drei Wehen – sonst schaffe ich das nicht!“
„ALLES GUT!“
Mit der nächsten Wehe gab es einen hörbaren „Plopp“ und das Fruchtwasser ergoss sich zu meinen Füßen. Nicole informierte mich: „Es ist ganz klar. Alles gut!“ Ich atmete noch einmal tief durch. Eine weitere Wehe baute sich auf und schob unser Baby durch mein Becken. Mit der dritten, sehr langen und letzten Wehe wurde es komplett geboren. Es war 10:56 Uhr. Nicole fing unser Baby auf und legte es mir zwischen die Beine. Ich brauchte zwei Atemzüge, um mich von der Geburtskraft zu erholen, und mein Mann sagte freudig aufgeregt: „Hebst du ihn auf?“ „Ihn?“, fragte ich und nahm unseren quakenden, nass-warmen Sohn zu mir hoch: „Bist du unser Noah?“ Unser kleiner Junge beruhigte sich in meinen Armen sofort, und wir kletterten aufs Sofa, um die erste Kennenlern- und Kuschelzeit zu genießen. Ich konnte es kaum glauben: Unser Baby war da! Wir hatten es geschafft. Wie gut, dass ich ihn losgelassen hatte und er mich nun mit seinen großen Augen anblicken konnte. Was für ein Wunder!
Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Süddeutschland.
* Alle Namen wurden auf Wunsch der Autorinnen geändert.
In der Family 6/16 finden Sie weitere Informationen zum Thema und den Erfahrungsberichte „Meine 90-Prozent-Hausgeburt“.
Schimmer im Scherbenhaufen
Eine Mutter stirbt bei der Geburt. Solche Schicksale hinterlassen oft große Fragezeichen – auch im Umfeld der Betroffenen. Stefanie Diekmann erzählt vom Zerbrechen, Verarbeiten und einer neuen Hoffnung.
Zu meiner Arbeit als Pädagogin gehört auch die Gestaltung einer Eltern-Kind-Oase in unserer Gemeinde. Es ist ein wilder, fröhlicher Haufen von Kindern zwischen null und sechs Jahren, ihren Geschwistern und Eltern. Diese Nachmittage sind Zeiten, in denen die Eltern mit unserer Fürsorge und einem guten Kaffee verwöhnt werden, während die Kinder beim Toben, Singen und Basteln auf ihre Kosten kommen. In der letzten Zeit haben wir als Oase immer wieder Kinder und ihre Mütter in die nächste Lebensphase verabschiedet. Besonders aber haben wir neue Schwangerschaften gefeiert und mit den Eltern mitgefiebert. Ein Geburtstermin nach dem anderen stand an. Inzwischen schleppten sich nur noch zwei Mütter in die Oase. Eine davon war Anett*. An einem Nachmittag wirkte sie angeschlagen und ich überredete sie, mit mir an den Büchertisch der Gemeinde zu gehen. Zu Beginn ihrer Zeit in der Oase hatte Anett nicht viel mit dem „Religiösen“ anfangen können. Für ihren Sohn Tom hatte sie nach Abendgebeten gefragt, da ihr hierfür die Worte fehlten. Nun, zwei Jahre später, stöberte sie durch das Angebot des Büchertisches: „So wie ihr kann ich es nicht. So viele Worte um meinen Glauben finden. Das ist mehr etwas für mich persönlich.“ Mit dem Bauch voller Hoffnungen stand sie vor mir. Ich verabschiedete sie an diesem Tag mit einem Gebet.
VOM SCHICKSAL ÜBERRANNT
Dann hörten mein Team und ich nichts mehr von Anett. Gar nichts. Ich konnte die aufkeimenden Sorgen nicht wegscheuchen und wurde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich versuchte, mich selbst zu ermutigen: Wie gut, dass sie als Heilerzieherin ein Profi ist! Sie wird sicher klarkommen. Doch meine Sorgen wollten sich nicht vertreiben lassen. Ist etwas mit dem Baby? Dann bekam ich einen Anruf von Anetts Mann: „Hallo … Ist da die Steffi von der Spiel-Oase? Ich wollte Bescheid sagen, dass Ida geboren ist.“ Wie aus der Pistole geschossen fragte ich: „Und … ihr habt Sorgen?“ „Ja. Ich muss dir sagen … Anett ist gestorben.“ Vor meinem inneren Auge erschien in diesem Moment ein schreiend großes „SIEHST DU!“ Mein Bauchgefühl hatte mich nicht betrogen. Es stimmte etwas nicht. Alles stimmte nicht. Obwohl mein Kreislauf wegzusacken drohte, schaffte ich es, dem Vater zuzuhören. Er beschrieb mir, dass Anett zu viel Blut verloren hatte und operiert werden musste. Nach einem Herzstillstand konnte sie nicht wiederbelebt werden. Trotzdem schaffte es der Vater, von seiner kleinen Ida zu schwärmen und begeisterte mich mit.
GEMEINSAM DEM SCHMERZ BEGEGNEN
In den nächsten Wochen rangen alle Mütter aus der Spiel- Oase darum, einen Weg des Trauerns zu finden. Nach der ersten Welle voller Fragen kamen wir in der bitteren Realität an. Einer Realität ohne Anett. Wenn der klassische Lebensverlauf unterbrochen wird und vor unseren Augen das Bild einer heilen Welt zerfällt, löst das in uns Schmerz und Trauer aus. Wir Mütter reagierten in dieser Situation sehr verschieden: Einige bezogen Anetts Schicksal auf das eigene Leben und wollten auf keinen Fall noch einmal schwanger werden. Andere suchten die Schuld beim Arzt. Die Mütter mit den Neugeborenen konnten es kaum aushalten, ihren Säugling zu wiegen und zu stillen, ohne an Ida zu denken und Anett zu vermissen. Wir versuchten gemeinsam, für die großen Geschwisterkinder der Gruppe, die zwischen fünf und elf Jahre alt sind, Worte zu finden. In einer der Familien war der Family- Kalender eine Hilfe. Im Monat Dezember ist dort ein Zitat von Friedrich von Bodelschwingh zu finden: „Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.“ Dieses Bild half dabei, der kleinen Frida zu erklären, dass Anett Heimat gefunden hat. Das Mädchen konnte das Bild gut aufnehmen, stellte viele Fragen und konnte trotz aller Trauer verstehen, dass es gut ist, bei Jesus zu sein. Ein anderes Mädchen wollte gerne mit zur Trauerfeier, um Anett zu verabschieden.
WO IST GOTT?
Und Gott? Wie gestaltet sich Nähe zu Gott in diesem Scherbenhaufen? Am Tag ihres Sterbens hatten wir unsere Oasen- Gruppenstunde gehabt, und ich hatte einen Impuls vorbereitet. Dabei ging es um das perfekte Bild, das wir so oft vom Leben haben. So rund und makellos wie eine schöne Glaskugel. Unsere Hoffnungen sind dann vielleicht: Mein Mann könnte und sollte … Ich wünsche mir von meinen Kindern mehr dies und das … Wenn es Sommer wird, dann renovieren wir erst hier, dann dort … Doch manchmal wird aus dem rundherum Perfekten ein Scherbenhaufen. Vorstellungen zerplatzen und ich erkenne, dass mein Mann als Vater doch nicht so entspannt ist, wie ich dachte. Mein Kind braucht vielleicht mehr Nähe, als ich geben kann. Oder mein Gehalt reicht nur zu einem Topf Farbe. Gott ist dabei kein Spaßverderber. Er will uns nicht innerlich zerbröseln. Er kann aus den Scherben meiner Vorstellungen Glimmer machen, indem er die Scherben so fein zerreibt, dass sie dem Leben einen neuen glitzernden Schimmer geben. Diese Gedanken gelten auch im Abschiednehmen von dieser fröhlichen jungen Frau: Gott bleibt gleich, auch wenn der Schmerz groß ist. Die Mütter in unserer Oase formulierten ihren Schmerz und kamen sich auf diese Weise näher. Sie forderten sich in einer WhatsApp-Gruppe gegenseitig auf zu beten, sich bewusst über den Tag zu freuen und den Glimmer Gottes wahrzunehmen. Wir alle sind gewiss und sehr neugierig darauf, wie dieser Segensglitter im Leben von Tom und Ida deutlich wird. Noch fällt es schwer, sich das auszumalen. Doch Gottes Geheimnisse sind sehr oft unvorstellbar für uns.
*Alle Namen wurden geändert.