Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, verändert sich auch der Familienalltag. Herausforderungen und Chancen schildert Roswitha Wurm.
Die Haustürglocke surrt. Mein Mann öffnet. Ich höre die Stimme unseres ältesten Sohnes. Ein Blumenstrauß verdeckt sein Gesicht. Er überreicht mir feierlich meine Lieblingsblumen, weiße Rosen. Dann umarmt er mich, Küsschen rechts, Küsschen links auf die Wange. In diesem Moment begreife ich: Unser Großer ist jetzt nicht mehr hier zu Hause. Oder wie es unsere Jüngste so treffend formulierte: Wir sind jetzt die „Little Family Wurm“. Einige Wochen nach dem Auszug unseres Ältesten setzten wir uns mit unseren beiden bei uns verbliebenen Kindern zusammen und planten das Projekt „Wohngemeinschaft Wurm“. Es war tatsächlich so: Wir mussten uns neu sortieren. Eine neue Zeitrechnung war angebrochen: die „Kinder gehen aus dem Haus“-Phase. Gott sei Dank nicht alle auf einmal! Die Worte des weisen Königs Salomos wurden uns neu verständlich: „Alles hat seine von Gott bestimmte Stunde. Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit“ (Prediger 3). Frei übersetzt können wir bestätigen: Kinder großziehen hat seine Zeit, und Kinder loslassen hat seine Zeit. Und: Kinder betreuen, behüten und bekochen hat seine Zeit. Kinder sich selbst versorgen lassen, hat auch seine Zeit.
VERANTWORTUNG ABGEBEN
Letzteres wurde bei mir als Mutter mit dem Flüggewerden unserer Drei zur Herausforderung. Zeitgleich mit dem Auszug unseres älteren Sohnes schloss die Jüngste die Schule ab und begann ihr Studium. Von heute auf morgen fiel nicht nur ein Esser aus, es war plötzlich gar nicht mehr gefragt, dass pünktlich um 14 Uhr ein frisch gekochtes Mittagessen auf dem Tisch stand. Jedenfalls nicht täglich. Da unsere Kinder sehr gastfreundlich sind und über einen großen Freundeskreis verfügen, kann es sein, dass an manchen Tagen kein Essen benötigt wird und ein anderes Mal fünf oder mehr hungrige junge Erwachsene verköstigt werden wollen. Da unsere Kinder auch sehr spontan und aktiv sind, hatte ich stets entweder viel zu viel oder viel zu wenig gekocht. Da bekam ich von meiner Freundin Klaudia einen guten Tipp. Bei ihr gelten folgende Regeln, die wir übernommen haben: Verantwortlich für den Gast ist immer derjenige, der ihn eingeladen hat. Wer spontan jemanden mitbringt, fragt zu Hause nach, ob für den Tag ein Essen geplant ist. Wenn zu wenig Essen vorbereitet ist, nimmt derjenige von einem Laden noch eine Kleinigkeit mit. Klaudia hat zudem immer ein paar Fertiggerichte vorrätig, um spontan das Essen zu verlängern. Letzteres fiel mir als Verfechterin gesunder, frisch gekochter Speisen anfangs schwer. Mittlerweile sehe ich das entspannter. Noch wichtiger als gesundes Essen sind gesunde Beziehungen!
TRADITIONEN UND RITUALE
Jede gut funktionierende WG hat einen Dienstplan. So weit sind wir als Familie nicht gegangen, einige Arbeitsbereiche haben wir jedoch eher zwanglos neu definiert: Unser Zweitgeborener kristallisiert sich immer mehr als begabter, kreativer Koch heraus. So kommen wir immer öfters in den Genuss leckerer Currys und Salatkreationen. Unsere Tochter dekoriert sehr gern und ist für die musikalische Untermalung in unserem Zuhause zuständig. Außerdem gilt die Regel: Jeder ist aufgerufen, für ein ordentliches, sauberes und gemütliches Zuhause zu sorgen. Zudem haben wir begonnen, gemeinsame Traditionen und Rituale zu pflegen. Unsere Kinder äußerten den Wunsch, auch zukünftig eine Woche gemeinsam Urlaub mit uns zu verbringen und regelmäßig einen Koch- und Spieleabend sowie eine Zeit des gemeinsamen Singens christlicher Lieder einzuplanen. Diese familiären Fixzeiten machen die neue Situation entspannter, und wir haben viel Spaß und Freude mit- und aneinander.
UNGEWOHNTE FREIHEIT
Ich finde die „Kinder gehen aus dem Haus“- Zeit sehr spannend, aber auch herausfordernd. Plötzlich entstehen Freiräume, von denen ich vor ein paar Jahren nicht einmal zu träumen gewagt habe. Durch eine längere, schwere Krankheit eines unserer Kinder, meine Tätigkeit als Lerntrainerin von zu Hause aus und die häufige beruflich bedingte Abwesenheit meines Mannes sowie die fehlende Verwandtschaft in der Nähe, war ich lange Jahre mehrheitlich an unsere vier Wände gebunden. Es gab Tage, an denen ich nicht einmal für ein paar Minuten das Haus verlassen konnte. Wie tief dieses Schema in mir verankert ist, bemerkte ich, als ich vor einiger Zeit zu einem beruflichen Event ins Ausland eingeladen wurde. Ich antwortete: „Leider kann ich nicht kommen. Schade. Aber die Kinder …!“ Mein Mann erinnerte mich vorsichtig daran, dass unsere Kinder bereits erwachsen wären. Tatsächlich: Eine neue Ära ist in meinem Leben angebrochen! Ich bin frei, einfach in den Zug zu steigen und irgendwo hinzufahren! Davon hatte ich jahrelang geträumt, als ich meinte, zwischen Schulaufgaben, Wäschebergen und Pausenbroten unterzugehen. Doch nun kam keine Begeisterung bei mir hoch. Ich verfiel in Panik! Was sollte ich nur mit all der Freiheit anfangen? Plötzlich war ich wieder als eigenständige Person gefragt und nicht nur als Ehefrau und Mutter. Beschämt musste ich zugeben, dass ich mich in den letzten Jahren so manches Mal hinter meiner Mutterrolle versteckt hatte, um nicht eigenständig Dinge durchziehen zu müssen. Ich war jahrelang eher die „Frau von …“ und die „Mutter von …“ als ich selbst.
FOTOALBEN WEGGEPACKT
Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die jetzt vor uns stehen, bringen mich dazu zu überlegen, womit ich mich beschäftigt habe, bevor ich Mutter wurde. Was war mir wichtig? Gibt es Bereiche, die ich all die Jahre vernachlässigt habe und in denen ich gern wieder aktiv würde? Hat Gott andere Aufgaben für mich? Gibt es Projekte in der Gemeinde, in die ich mich mehr einbringen könnte, jetzt wo unsere Familie im Alltag kleiner wird? Die Hochzeit unseres Ältesten vor einigen Wochen hat mich daran erinnert, dass genau jetzt die Zeit ist, lange Geplantes und Aufgeschobenes zu tun. Bevor dann die nächste Generation wieder vermehrt meine Aufmerksamkeit fordern wird. Natürlich überfällt auch mich manchmal Wehmut, wenn ich daran denke, dass die Kinder- und Jugendjahre unserer Drei und unsere Familienzeit nun unwiederbringlich vorüber sind. Eine gute Bekannte vergießt seit Jahren Tränen, während sie in Fotoalben die Familienzeit Revue passieren lässt. Die Wände ihrer Wohnung sind mit Erinnerungen an ihre Kinder tapeziert. Sie kommt aus ihrer Verlusttrauer nicht heraus. Obwohl ich ihre Gefühle verstehen kann, ist sie mir zum Mahnmal geworden. Daher habe ich erst einmal alle Fotoalben in einer großen Kiste verstaut. Später einmal möchte ich sie gemeinsam mit meinen Enkelkindern anschauen. Ich habe mich dafür entschieden, das Neue zu leben und nicht dem Alten nachzutrauern. Jetzt ist Zeit für etwas anderes.
NEUE ZWEISAMKEIT
Mein Mann und ich sind von der Zweisamkeit als junges Ehepaar über die Familienphase wieder vermehrt in die Zweisamkeit mit zeitweiliger Beteiligung unserer erwachsenen Kinder zurückgekehrt. Unsere neue Herausforderung ist, uns wieder ganz als Paar zu entdecken. Möglichkeiten gibt es zahlreiche: Vielleicht besuchen wir ja wie unsere Freunde Lisa und Martin einen Tanzkurs. Gut gefällt mir auch die Idee von Richard und Susanne, die für Ehepaare regelmäßig Wanderwochenenden organisieren. Nele und Marija sind in ihr Heimatland zurückgegangen, um dort Kindern in der Nachbarschaft von Jesus zu erzählen. Ganz tief in uns schlummert noch immer der vorelterliche Wunsch eines Missionseinsatzes. Bis sich dafür ein Weg öffnet, genießen und nutzen wir unseren erweiterten Aktionsradius in unserer Heimat. Durch den Auszug unseres Sohnes sind wir stolze Besitzer eines Gästezimmers. Seither kommen unsere Freunde und Verwandte, die über das ganze Land verstreut leben, häufig für ein paar Tage zu Besuch. Ich liebe es, Gäste zu bewirten, am Abend lange beisammen zu sitzen und morgens gemütlich zu frühstücken. Wenn der Sohn zum Gast wird, ist wieder mehr Raum für andere. Besonders schön ist es, wenn er mit seiner Frau auch hier und da Teil unseres Alltags ist.
FREUNDE UND GÄSTE
Was auch immer unsere Zukunft bringt: Ich lebe in keiner Phase des Verlustes, sondern des Gewinns. Neue Möglichkeiten stehen mir offen, ich kann freier über meine Zeit verfügen, muss mich mittags und abends nicht nach Hause hetzen und kann spontan Menschen helfen, die mich gerade brauchen. Meine Kinder kommen zu Besuch und benehmen sich so höflich, wie Gäste das eben tun. Sie vereinbaren einen Termin, freuen sich, ihre Eltern zu sehen, bringen Blumen, Eis oder Kuchen mit, bleiben bei Tisch sitzen, loben das gute Essen, reden endlos mit uns, ohne auf ihr Smartphone zu blicken und schicken vom Urlaub Ansichtskarten. Wir haben Freunde gewonnen – unsere erwachsenen Kinder. Unsere Rolle als Erzieher ist der Rolle als gelegentliche Ratgeber gewichen. Ich freue mich jedes Mal, Zeit gemeinsam mit unseren erwachsenen Kindern zu verbringen, aber bis dahin wird mir auch nicht langweilig. Alles hat seine von Gott bestimmte Zeit. Und das ist gut so.

Roswitha Wurm arbeitet als Lerntrainerin und freie Redakteurin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien.
Berufliche Sackgasse
„Unser Sohn (22) wird nach der Ausbildung nicht übernommen. In seinem Bereich sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht, er ist nun am Boden zerstört. Wie können wir ihm helfen?“
Das Begleiten der erwachsenen Kinder ist für uns Eltern gerade in einer Krise eine Herausforderung. Die Spannung zwischen Einmischung, Bevormundung und Alleinlassen schwebt wie zäher Nebel in den unausgesprochenen Gedanken nach solch einer schlechten Nachricht über die berufliche Zukunft des jungen Erwachsenen. Dass ein Kind kein „Projekt“ ist, das man als Eltern „am besten“ bewältigt, sollte schon in den ersten Lebensjahren klar werden, wenn Eltern üben, sich zurückzunehmen. Nicht die Eltern haben ein Projekt, sondern das Kind und später der Jugendliche hat sein Leben zu gestalten. Deshalb sollten Sie das Recherchieren über berufliche Alternativen unbedingt Ihrem Sohn überlassen. Auch Geschichten von anderen, denen Ähnliches passiert ist, sind nicht unbedingt hilfreich … Wenn Sie als Eltern das Heraussuchen von Stellen übernehmen oder ihm das Komplettpaket „Zuhause“ wieder anbieten, kann es im Selbstwert Ihres Sohnes deutliche Risse geben. Sie als Mutter und Vater sind aber Heimatgeber für die Seele und dürfen fragen: „Was kann ich für dich tun?“. Dabei dürfen Sie sich aber auch abgrenzen und deutlich machen, wenn Sie eine Bitte um Unterstützung als unpassend empfinden.
DEN U-TURN VERSUCHEN
Sie müssen aber nicht untätig bleiben. Nach der schlechten Nachricht vom Arbeitgeber ist es Ihre Aufgabe, den Blick zu weiten und Fragen zu stellen. Das Stopp-Schild zu fokussieren lähmt sowohl Sie als auch Ihren Sohn. Besser ist es, eine Art U-Turn zu versuchen: Wenn dieser Weg nicht gelingt, welcher ganz andere Weg kann denkbar sein? Sie könnten Ihrem Sohn folgende Fragen stellen: Ist die Ausbildung vielleicht eine Grundlage, um einen weiteren Beruf zu erlernen? Ist vielleicht eine Art Pause denkbar, wie sie zum Beispiel der Bundesfreiwilligendienst ermöglicht? Das würde den Freiraum geben, sich in Ruhe beraten zu lassen und Bewerbungen zu schreiben oder sich komplett neu zu orientieren.
GELASSENHEIT AUSSTRAHLEN
Wichtig ist dabei, dass Sie Ihren Sohn bewusst neu freigeben. Eine Veränderung der Planung kann auch bedeuten, dass er zum Beispiel nicht in einem Betrieb in Ihrer Nähe bleibt, sondern weiter weg zieht. Planungen freizugeben und offen zu sein, klingt ganz leicht, ist aber kraftaufwändig. Versuchen Sie, Gelassenheit auszustrahlen. Wenn Sie selbst die Bereitschaft zeigen, sich immer wieder neu auszurichten und Veränderungen als Chance sehen, wird Ihr Sohn sich daran orientieren können. Mit diesen Erfahrungen wird das nächste Stopp-Schild mit noch mehr Eigenverantwortung bearbeitet werden – zur Freude der Eltern.
Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.
HPV-Impfung: Ja oder Nein?
„Der Kinderarzt hat unserer Tochter (12) kürzlich die Impfung gegen Humane Papillomviren empfohlen. Nun bin ich unsicher, ob ich sie wirklich impfen lassen soll.“
Jede Impfung kann potenziell Nebenwirkungen haben, die in seltenen Fällen auch sehr schwerwiegend sein können. Deshalb sollten Nutzen und Risiko einer Impfung immer gut abgewogen werden. HPV (Humane Papillomviren) werden hauptsächlich sexuell übertragen. Die frühe Aufnahme von Geschlechtsverkehr sowie häufig wechselnde Sexualpartner führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Infektion mit dem Virus. Deshalb lautet die Empfehlung der ständigen Impfkommission in Deutschland, dass jedes Mädchen von 9-14 Jahren geimpft werden soll, da die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein sollte (in der Schweiz gibt es eine ähnliche Empfehlung). Bis zum 18. Lebensjahr ist eine Nachholimpfung empfohlen und wird auch von den Krankenkassen bezahlt, allerdings sind dann drei Impfdosen statt zwei erforderlich.
SCHUTZ
Man kann nicht direkt gegen Gebärmutterhalskrebs impfen, sondern gegen zwei bis neun HPV-Typen. Diese sind in 70 bis 90 Prozent der Fälle für die Entwicklung unter anderem des Gebärmutterhalskrebses und dessen Vorstufen verantwortlich. Auch seltene Krebsarten wie Vaginal-, Vulva- und Analkrebs sowie unangenehme Genitalwarzen können durch HPV entstehen. Das Virus kann durch kleine Verletzungen in die Haut eindringen und dort Zellen infizieren. Oft heilt die Infektion spontan aus, infizierte Zellen können jedoch auch langsam zu krankhaften Veränderungen wachsen. Diese sind zu Beginn noch nicht sichtbar, können aber durch den PAP-Abstrich bei der Frauenärztin erkannt werden. Solche Veränderungen können sich auch von selbst zurückbilden oder entfernt werden. Wenn nicht, können hochgradige Veränderungen und invasiver Krebs entstehen. Jährlich erkranken daran in Deutschland ca. 4.600 Frauen, Todesfälle gibt es etwa 1.400 (wobei die Statistik nicht zeigt, wie viele durch Vorsorge vermeidbar gewesen wären).
KRITISCHE STIMMEN
Es gibt Kritik an der Impfung, unter anderem die noch viel zu kurze Nachbeobachtungszeit. Die Hersteller gehen zwar von einem anhaltenden Schutz aus, Studien umfassten bisher jedoch nur einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren und können nicht abschließend beantworten, ob nach längerer Zeit wirklich noch ein Schutz besteht. Auch die Impfung kann nicht mit Sicherheit vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Deshalb besprechen Sie neben Pro und Contra der Impfung unbedingt mit Ihrer Tochter, wie Gebärmutterhalskrebs entsteht und wie sie selbst Verantwortung für ihren Körper und ihre Gesundheit übernehmen kann. Dazu gehört:
Dr. med. Katrin Kämmerzell ist Ärztin in Weiterbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe und arbeitet zurzeit in einer gynäkologischen Praxis. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Ein Hoch auf unseren Verein
Stefan Gerber erlebt, dass seine Mitspieler da sind, wenn das Eis zu brechen droht.
Eine Eskimo-Weisheit sagt, dass man echte Freunde erst dann erkennt, wenn das Eis bricht. Genau das durfte ich erleben, als mein Eis gerade ziemlich dünn war. Der Terminkalender sah im Voraus eigentlich noch ganz okay aus, aber dann kam eine unvorhergesehene Sache nach der anderen rein: Komplikationen während des Krankenhausaufenthalts eines Familienmitglieds, Zusatzsitzungen, Anfrage zur Gestaltung einer Trauerfeier, kurzfristiger Coachingauftrag sowie massiver Zeitdruck bei der Organisation und Vermarktung einer Konferenz – und natürlich sollten alle Herausforderung noch vor dem Urlaub gemeistert werden. Es gibt ein paar Dinge, die genau in solchen Situationen kommen, aber nie so unpassend sind wie dann: Quengelnde und/oder kranke Kinder Schlaflose Nächte PC-Probleme Jetzt raten Sie mal, welche Schwierigkeiten sich bei mir zu den oben genannten Herausforderungen gesellt haben! Richtig – alle drei! Das Eis drohte zu brechen, denn Problem Nr. 3 verhinderte, dass ich die Herausforderungen überhaupt in Angriff nehmen konnte. Auch nachdem ich mich stundenlang durch einschlägige Foren gegoogelt hatte, öffnete keiner der vorgeschlagenen Tricks ein Fensterchen zu Windows. Mir wurde klar, dass ich nun fremde Hilfe in Anspruch nehmen musste. Aber woher kriege ich einen fachkundigen Spezialisten, der mir nicht nur irgendwelche Tipps gibt, sondern mein Problem innerhalb kürzester Zeit auch wirklich lösen kann und dann noch in Reichweite meines Budgets liegt? Ich setzte einen Hilferuf im Chat der „freestylers“ ab. Die „freestylers“, das sind meine Kumpels aus dem freien Unihockey-Training des Vereins „freestylers“ in unserem Dorf. Unihockey ist eine Hockeyvariante, die mit Hallenhockey verwandt ist. Was folgte, hatte mich nicht wirklich überrascht, aber mehr als gefreut und sogar berührt: Einer genoss gerade seine Ferien – und trotzdem meldete er sich schneller auf meinen Hilfeschrei, als jede Hotline meinen Anruf entgegengenommen hätte. Ein anderer war beruflich im Einsatz und hätte wohl genug damit zu tun gehabt. Doch er rief mich umgehend an und erkundigte sich nach meinen PC-Problemen. Die Erlösung schließlich sollte ein weiterer freestylers- Freund bringen. Sein telefonischer Support half mir zwar noch nicht, doch als Iwan dann mein Gerät persönlich unter die Lupe nahm, fand er nach ein paar Handgriffen den richtigen Befehl. Und siehe da: Der PC begann seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren – ohne Datenverlust, ohne mühsames Neuaufsetzen. Ich konnte wieder arbeiten! Mir tut das Hockeyteam gut! Wann immer möglich, bin ich mittwochs dabei, schwitze, treffe meistens über das Tor, aber es macht Spaß und hilft gerade in schwierigen Zeiten. Und dass ich jetzt noch erleben durfte, wie selbstverständlich mir bei meinen PC-Problemen geholfen wurde, macht meine „Liebe“ zu den freestylers gleich noch größer! Solche Unterstützung lässt mich auftanken – gerade, wenn das Eis dünn ist.
Stefan Gerber, Geschäftsführer Willow Creek Schweiz, ist Leiter der Netzwerk- Kirche „gms – gospel movement seeland“ und freiberuflich als Autor („Glück finden – hier und jetzt“), Referent und Coach tätig. Er ist verheiratet mit Brigitte Gerber-Urfer und Vater von Joy Nina (14) und Janosch Noah (11).
Urlaub ohne Eltern
„Unsere Tochter (16) möchte zusammen mit ihrer Freundin nach Italien fahren. Sollen wir das erlauben?“
Zum Erwachsenwerden gehören auch Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuerlust und Urlaubsträume. Eigentlich toll, dass Ihre Tochter schon eigene Reisepläne hat und es sich zutraut, allein mit einer Freundin nach Italien zu fahren. Andererseits sollten Sie sehr sorgfältig abwägen, ob Sie Ihrer Tochter das erlauben möchten. Es gibt keine gesetzliche Regelung, ab wann Jugendliche allein in Urlaub fahren dürfen. Sie als Eltern tragen bis zum 18. Geburtstag die Verantwortung und haben die Aufsichtspflicht für Ihre Tochter. So sollte Ihre Entscheidung nicht allein vom Alter, sondern vor allem von der individuellen Reife Ihrer Tochter und deren Freundin abhängen. Wie selbstständig sind die Jugendlichen, zum Beispiel bei Planungen, Telefonaten und Einkäufen? Können Sie ihnen vertrauen, was den Umgang mit Alkohol angeht? Lassen sich die beiden leicht beeinflussen oder in gefährliche Situationen bringen? Wie gehen sie mit ungewohnten Situationen um? Sie dürfen sich bei der Entscheidung Zeit lassen. Beraten Sie sich auch mit den Eltern der Freundin. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, brauchen Sie Ihre Zustimmung zu der Reise nicht zu geben.
KLEIN ANFANGEN
Überlegen Sie gemeinsam, was es für Alternativen geben könnte. Das Angebot an Jugendfreizeiten ist riesig. Wer mehr Freiheit möchte, könnte an eine begleitete Jugendreise denken. Seriöse Anbieter finden Sie auf der Internetseite des Bundesforums für Kinder- und Jugendreisen (www.bundesforum.de). Eine gute Möglichkeit ist auch eine Kombination aus Familienurlaub und eigener Reise: Die Familie mietet sich eine Ferienwohnung, und die Jugendlichen zelten in der Umgebung. Wenn es dann doch eine Reise auf eigene Faust sein soll, dann lassen Sie die Jugendlichen klein anfangen. Wie wäre es mit einem Städtetrip innerhalb Deutschlands für ein verlängertes Wochenende? So machen die Jugendlichen wertvolle Erfahrungen für den nächsten Urlaub. Wenn alles gut klappt, können Sie auch über eine Auslandsreise nachdenken. Dafür brauchen Jugendliche übrigens außer dem eigenen Personalausweis auch Ausweiskopien der Eltern sowie eine schriftliche Einverständniserklärung. Ein Handy sowie ein extra Zettel mit wichtigen Telefonnummern sind ebenso selbstverständlich wie genug Geld und eine vorgebuchte und möglichst auch schon bezahlte Unterkunft.
RIESENSCHRITT
Selbstständige Planungen und Reisen bedeuten einen Riesenschritt in Richtung Erwachsenwerden. Teilen Sie bei allen Vor sicht smaßnahmen und Überlegungen die Vorfreude Ihrer Tochter und vertrauen Sie darauf, dass alles gut geht, sie einen schönen Urlaub hat und viel Neues lernt. Reisen bildet … In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Gespräche und Entscheidungen! Übrigens: Mit sechzehn wollte ich mit einer Freundin die holländische Nordseeküste entlangradeln, von Jugendherberge zu Jugendherberge. Zu meinem eigenen Erstaunen erlaubten es meine Eltern. Es wurde eine tolle und unvergessliche Reise …
Astrid Zuche ist Apothekerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Sie lebt mit ihrem Mann in Saarburg.
Warten mit Mehrwert
Warum gerade die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Elternseins segensreich sein können.
Ein Zahnarztbesuch steht an. Im Wartezimmer blättere ich in einem bunten Magazin und lese mich in einer Reportage fest. Diese Lebensgeschichte fasziniert mich. Eine Frau erzählt: Früher sei sie zurückhaltend und schüchtern gewesen, habe sich wenig zugetraut. Dann wurde ihr Sohn geboren. Er war ein besonderes Kind mit einer geistigen und körperlichen Behinderung. Und sie spürte, dass dieses Kind es brauchen würde, dass sie Rückgrat beweist, dass sie sich in den Gegenwind stellt und für seine Bedürfnisse kämpft. So kam es auch. Sie setzte sich für ihren Sohn ein und erreichte viel mehr, als sie erwartet hätte. Sie lernte, den Mund aufzumachen, sie wurde mutig und schaffte es, aus sich heraus zu gehen. Als ihr Kind mit 16 Jahren starb, war sie nicht mehr dieselbe Frau wie vorher. Nach einer Zeit der Trauer begann sie, ihre neu gewonnenen Fähigkeiten für andere einzusetzen. Inzwischen engagiert sie sich in einem Kinderhospiz. Sie begleitet Kinder und Eltern durch leidvolle Zeiten. Sie tritt als Clownin für kranke Kinder auf, um sie zum Lachen zu bringen und ihnen zu Lebensmut zu verhelfen. Heute, so fasst sie es zusammen, ist ihr Leben erfüllter, und sie ist viel mehr sie selbst als vor der Geburt ihres Sohnes. Ich finde dieses Beispiel tief berührend. Und ich denke, es kann allen Eltern Mut machen. „Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ Diese Erkenntnis von John Rushkin gilt besonders für alle Mühe und Liebe, die Eltern in ihre Kinder investieren. Nicht alle Familien haben eine so große Hürde wie die Behinderung eines Kindes zu bewältigen. Aber jedes Kind bringt individuelle Herausforderungen für seine Eltern mit. Und gerade sie sind es, die uns herausfordern, das zu entfalten, was in uns steckt. Wir Mütter und Väter haben zum Beispiel Geduld zu lernen, Gelassenheit, Verständnis. Wir sind gefordert, uns gegen Widerstände durchzusetzen, für unsere Ziele und Werte zu kämpfen. Vielleicht müssen wir lernen, Grenzen zu ziehen oder Grenzen zu akzeptieren, die uns und unseren Kindern gesetzt sind. Nicht selten sind es gerade die Charakterzüge an unserem Kind, die wir uns nicht ausgesucht hätten, oder Probleme, denen wir lieber ausgewichen wären, die das Potenzial haben, unser Leben reicher zu machen. Gerade sie können dazu beitragen, dass wir als Eltern am inneren Menschen wachsen. Sie tun es nicht automatisch. Ob es gelingt, hat damit zu tun, wie wir uns ihnen stellen. Und mit dem heilsamen und herausfordernden Wirken Gottes in unserem Leben. Dieses Geheimnis bringt Paulus in der Bibel einmal so auf den Punkt: „Wir wissen ja, dass für die, die Gott lieb haben, alle Lebensumstände am Ende zum Guten zusammenwirken“ (Römer 8,28). Wenn wir im Vertrauen auf Gott durch Nöte und Leidenspunkte in unserer Familiengeschichte nicht hart und bitter werden, sondern in Lebensweisheit wachsen und zu reifen, liebesfähigen Persönlichkeiten werden, dann ist das ein Wunder im Alltag, in dem wir den Segen Gottes spüren.
Ingrid Jope ist Theologin und Sozialpädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wetter/Ruhr.
Seuchenalarm
ALLES JUCKT
Durch eine beiläufig gestellte Diagnose gerät Familie Hullen in einen Ausnahmezustand, den Katharina eigentlich nicht gebraucht hätte.
Katharina: Es ist Freitagnachmittag. Heute gab es einen Elternbrief, in dem über einen Krätzmilbenbefall bei einem Kind der Schule berichtet wird. Dazu eine To-do-Liste, sollte man selbst jemals davon betroffen sein. Da unser Jüngster heute noch geimpft werden soll, kommt unsere Kinderärztin, die in der Nachbarschaft wohnt, netterweise bei uns vorbei. Wir kommen ins Gespräch über diesen Krätzebrief und unsere Zwillinge zeigen ihr der Form halber die seit Tagen juckenden Stellen unter dem Arm und am Rücken. Die Ärztin schaut kurz auf die Stellen, dann mitleidig zu mir und sagt: „Ja, das sieht nach Krätzmilbe aus! Aber ist noch nicht viel.“ Worte sind mächtig! Denn was diese zwei Sätze auslösen, wünsche ich niemandem. Ich flitze in die nächste Apotheke, um die Großfamilienpackung Krätzecreme zu kaufen. Zu Hause stellt sich heraus, dass die Hälfte der Familie diese Creme überhaupt nicht benutzen darf, weil zu jung, stillend oder zu Krampfanfällen neigend. Inzwischen sind bereits alle Betten abgezogen, alle Kissen, Decken, Kuscheltiere in einem Plastiksäcke-Gebirge im Keller aufgetürmt, alle Böden und Polster abgesaugt. Sämtliche Wäsche muss bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, Betten täglich zwei Wochen lang frisch bezogen und Handtücher zweimal täglich gewechselt werden. Es ist nicht so, als wäre ein 7-Personen-Haushalt nicht ohnehin schon wäschereich. Mir stehen buchstäblich die Haare zu Berge. Alles juckt plötzlich. So wie bei Ihnen gerade in diesem Moment. Aber es gibt ja auch noch dieses Creme-Problem. Die Kinderärztin können wir an dem Abend nicht mehr erreichen. So rufen wir eine Freundin an, die ebenfalls Kinderärztin im Duisburger Norden ist, und sich bestens mit Krätze auskennt. Sie empfiehlt uns sofort ein Mittel, das für uns alle geeignet und schneller wirksam ist. Die Notfallapotheke hat sogar genug vorrätig und so vercremen wir noch am späten Abend die ganze Herde. Derweil laufen unsere Waschmaschine und der Trockner auf Hochtouren. Insgesamt jagen wir 30 (!) Ladungen an diesem Wochenende durch die Maschine. Die Kinder sind nun Profis im Bettenbeziehen und somit zu 100% klassenfahrttauglich. Es kommt aber noch schlimmer. Eine Woche zuvor habe ich meinen 40. Geburtstag mit 50 Leuten gefeiert, davon knapp 30 Kinder. Bei Krätzebefall muss man alle informieren, die in den letzten vier Wochen engeren Kontakt zu dir hatten. Also erst mal eine Infomail an alle Gäste. Vorsichtshalber. Arrrgh! Montags gehen wir alle zur Notfallsprechstunde beim Hautarzt, der uns entseucht-schreiben sollte, damit alle wieder in Schule und Kiga gehen können. Ein kurzer Blick auf die betroffenen Hautstellen, und sein Urteil steht: Das ist und war auf keinen Fall Krätze. Allenfalls Neurodermitis. Wir gehen leicht verstört, aber erleichtert nach Hause. Immerhin können wir unsere Freunde entwarnen und genießen ein paar Tage lang den Zustand einer völlig entwesten Wohnung. Jemandem die Krätze an den Hals zu wünschen, ist echt gemein!
Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.
GHOSTBUSTER
Hauke Hullen stürzt sich mit viel Leidenschaft in die Schädlingsbekämpfung.
Hauke: Schnee-Chaos, Überschwemmung, Stromausfall – herrlich! Wer kennt nicht dieses wohlige Gefühl, das einen mitten in der Katastrophe befällt? So produziert der Wintereinbruch stets eine warme Welle von Solidarität: Beim Scheibenkratzen nickt man dem Nachbarn nicht nur beiläufig zu, sondern tauscht mit dem Leidensgenossen ein paar freundliche Worte; nebenan helfen wildfremde Passanten bereitwillig, entsaftete Autos anzuschieben, und im Büro hat jeder eine spannende Geschichte zu erzählen, wie er der Winterhölle entkommen konnte. Und alle, wirkliche alle fühlen sich verbunden im Überlebenskampf der Spezies Mensch gegen die Naturgewalt! Die letzte Naturgewalt, die durch unsere Wohnung stob, war die Diagnose der Kinderärztin am Freitag: „Ja, das ist Krätze!“ Krätze! Dieses Wort kannte ich bislang nur aus historischen Romanen über das Mittelalter. Schnell steht fest, dass im Gegensatz zu anderen Katastrophen keine echte Bedrohung für Leib, Leben oder Konto besteht. Es ist nicht wirklich gefährlich, sondern nur ein bisschen gruselig, so wie ein Kinofilm, wo man sich im Schutz der Sessel gerne auf fiktive Monster, Mörder und Meteore einlässt. Daher verspüre ich eine tatendurstige Packen-wir-es-an-Stimmung: Krätze? Kleinigkeit! Meine Frau hat hingegen so überhaupt gar keine Lust auf diese Art von – Achtung, Wortwitz! – Nervenkitzel und fährt erst mal shoppen. In die Apotheke. Inzwischen streife ich mit den Kindern durch die Wohnung. Das Hullensche Ghostbuster-Team macht kurzen Prozess mit allem, was auch nur entfernt nach Textilien aussieht. Der Wäscheberg im Flur erreicht beachtliche Höhen. Eine Wohnung schön einzurichten ist sicherlich eine befriedigende Angelegenheit, alles wieder auseinanderzureißen aber auch! Vandalismus für einen guten Zweck – was für ein Spaß! Auch das weitere Krisenmanagement ist spannend wie ein Thriller: Die Salbe aus der Apotheke ist riskant, es folgen Telefonate mit der Giftnotrufzentrale, eine andere befreundete Kinderärztin wird angerufen, anschließend die Notfallapotheke, ob das alternative Mittel in ausreichenden Mengen vorrätig ist. Im Netz mache ich mich derweil über die zwei Zentimeter langen Fressgänge der Milben schlau und wie man sie unter der Haut erkennen kann. Dann wird die ganze Meute duschen geschickt. Aus der Apotheke kommt ein Sammelsurium von Tuben. Die Knobelaufgabe besteht nun darin, aus diversen Packungsgrößen exakt die Grammzahlen zusammenzustellen, die jeder von uns je nach Alter auftragen muss. Danach ist der Krieg zwar noch nicht gewonnen, aber die erste Schlacht erfolgreich geschlagen. Am Sonntag regen sich bei mir die ersten Zweifel, ob das ständige Waschen auf Dauer vielleicht doch nicht so aufregend sein könnte, die Moral der Truppe sinkt. Als der Hautarzt uns dann am Montag für porentief rein befindet, bin ich dann doch ein wenig erleichtert. Katastrophen machen nur Spaß, wenn sie maximal zwei Tage dauern!
Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.
Was Kinder und Eltern brauchen – Bericht von der FEBuB
Am Wochenende fand in Bochum die FEBuB statt – die Familienkonferenz für Elternschaft, Bindung und Beziehung. Hier trafen sich Fachleute und Eltern, denen das Konzept einer bindungsorientierten Elternschaft am Herzen liegt. Zu den Referent/innen gehörten unter anderem der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster, Nicola Schmidt (artgerecht-Projekt), Susanne Mierau (geborgen wachsen), die Autorin Nora Imlau und familylab-Gründer Mathias Voelchert.
Bei einer bindungsorientierten Elternschaft steht die Bindung und Beziehung zwischen Eltern und Kindern im Mittelpunkt. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass vor allem bei Babys und kleinen Kindern möglichst prompt und einfühlsam auf ihre Bedürfnisse reagiert wird. Tragen, (langes) Stillen und Familienbett spielt für die meisten bindungsorientierten Eltern eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren wurde auf den entsprechenden Blogs und in Büchern oft sehr stark die Betonung darauf gelegt, dass Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder erkennen und erfüllen. Auffällig bei der FEBuB war, dass inzwischen auch die Bedürfnisse der Eltern stärker in den Fokus gerückt sind. So sprach Nicola Schmidt vom „artgerecht-Projekt“ in ihrem Vortrag darüber, wie Eltern den Stress aus dem Familienalltag nehmen können. Und dass es nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern dringend notwendig sei, Geborgenheit zu erfahren.
Auch Susanne Mierau, die für das Konzept „geborgen wachsen“ steht, ging intensiv auf die Elternbedürfnisse ein und gab Anregungen, wie die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern in ein Gleichgewicht kommen können. Lienhard Valentin, der den Verein „Mit Kindern wachsen“ gegründet hat, beschrieb, wie Eltern zu mehr Gelassenheit kommen können.
Auch bei Nora Imlaus Vortrag über die Geburt ging es nicht nur darum, wie Kinder gut geboren werden, sondern auch wie Mütter gut gebären können. Und dass Mütter ein Recht auf eine gute Geburt haben.
Am stärksten die Eltern im Blick hatte allerdings Mathias Voelchert, der betonte, dass es Kindern nur so gut gehe, wie es den Eltern geht. Er plädierte dafür, dass nicht die Kinder im Aufmerksamkeitszentrum der Familie stehen sollten, sondern die Eltern.
Insgesamt stand bei allen Referent/innen das Thema Bindung im Mittelpunkt. Und dass immer mehr Eltern sich mit diesem Thema auseinandersetzen, ist eine gute Entwicklung. Letztlich kommt es darauf an – wie die Psychotherapeutin Stefanie Stahl in ihrem Vortrag betonte –, dass sowohl die Bindungsbedürfnisse als auch die Autonomiebedürfnisse eines Kindes erfüllt werden. Sie zeigte Wege auf, wie Eltern, die diese Balance als Kind selbst nicht erlebt haben, dies aufarbeiten und damit viele ihrer Probleme angehen können.
Was auffiel: Es waren zwar auch Väter vertreten, insgesamt aber scheint die bindungsorientierte Elternschaft vor allem ein Thema für die Mütter zu sein. Wie sagte eine Mutter so schön: „Mein Mann lässt mir freie Hand.“ Es wäre zu wünschen, dass mehr Männer sich mit Familien- und Erziehungsthemen auseinandersetzen und nicht einfach die Frauen machen lassen. Eine Chance dazu bietet sich spätestens 2019: Dann geht die FEBub in die zweite Runde.
Bettina Wendland
Redakteurin Family und FamilyNEXT
PS: In der nächsten Ausgabe von Family veröffentlichen wir ein Interview mit Susanne Mierau, in dem es unter anderem darum geht, wie bindungsorientierte Elternschaft aussieht.
Weihnachtsbücher für die Kleinen
Alle Jahre wieder ist es wunderschön, bei Keksen und Kerzen den Kindern Weihnachtsgeschichten vorzulesen. Wir haben für euch ein paar besonders schöne Bilderbücher zum Vorlesen ausgesucht:
Ein Fuchs erzählt von Weihnachten
Von Nick Butterworth und Mick Inkpen
Ein Fuchs berichtet von der Nacht, die alles verändert. Seine Suche nach einer leckeren Mahlzeit entwickelt sich schon bald zur Suche nach dem geheimnisvollen Königskind, das in der Stadt Bethlehem geboren sein soll. In kindgerechter, großer Schrift erzählt das Buch die Weihnachtsgeschichte aus einer anderen Perspektive.
Besuch im Stall
Von Juliet David und Jo Parry
Die Kuh Miriam genießt in ihrem warmen Stall die abendliche Ruhe. Doch diese ist schlagartig vorbei, als die ersten unerwarteten Gäste vor der Türe stehen – Hanna und Henri mit allen ihren Hasenkindern. Aber damit nicht genug! Im Laufe der Nacht wird es im Stall immer voller und etwas Unvergessliches geschieht: Ein besonderes Baby wird dort geboren!
Die Weihnachtsgeschichte
Von Sabine Zett und Susanne Göhlich
Sabine Zett erzählt die klassische Weihnachtsgeschichte ausführlich und in leicht verständlichen Worten. Maria und Josef, die Hirten und die drei Sterndeuter werden zu lebendigen Figuren. Große bunte Bilder laden Kinder dazu ein, in die Geschichte einzutauchen und herauszufinden, warum wir eigentlich Weihnachten feiern.
Matthias und die Geschichten von Bethlehem
Von Natanja und Sigrid Mischnick
Matthias aus Bethlehem will die Vergangenheit seines Volkes Israel kennenlernen. In Gesprächen mit seinem Großvater erfährt er außerdem von einer Verheißung Gottes, die sich vor gar nicht langer Zeit in seiner Heimatstadt erfüllt haben soll. Die 26 Geschichten für die Advents- und Weihnachtszeit machen so die großen Zusammenhänge der Bibel deutlich und geben einen Überblick über die jüdische Kultur und Geschichte bis zur Zeit Jesu.
Das kleine Weihnachtsglück
Von Antonia Woodward
Mit liebevollen Illustrationen erzählt Antonia Woodward nach biblischem Vorbild, was vor mehr als 2000 Jahren in Israel geschah: Ganz unterschiedliche Menschen machen sich auf den Weg nach Betlehem – ein Ehepaar, drei weise Männer und ein paar einfache Schafhirten. Ihr Ziel ist der Stall, in dem Jesus, der Sohn Gottes, zur Welt kommt.
Drei Könige
Von Erich Jooß und Maren Briswalter
In dieser modernen Interpretation reisen die Heiligen Drei Könige weder aus dem fernen Morgenland an, noch tragen sie kostbare Gaben bei sich. Drei Brüder sind es, die von Haus zu Haus ziehen, um Geschenke zu erbitten. Diese sind für ein neugeborenes Kind bestimmt, ein Flüchtlingskind, das noch viel ärmer ist als sie selbst.
Der kleine Dachs im Weihnachtswald
Von Suzy Senior und James Newman Gray
Der kleine Dachs ist noch ganz neu im Weihnachtswald, darum möchte er unbedingt Freunde finden. Aber das ist schwieriger als gedacht, denn alle Tiere scheinen Angst vor ihm zu haben … Die zusammenhängenden Geschichten erzählen von Mut, Freundschaft und Versöhnung und stimmen mit den ansprechenden Bildern auf Weihnachten ein.
Drei Könige – Eine Weihnachtsgeschichte
Von Heinz Janisch und Birgitta Heiskel
Jeder kann ein König sein – das beweist diese Weihnachtsgeschichte. Allerdings wird klar, dass es hier nicht um Macht oder Reichtum geht. Im Gegenteil: Durch eine kleine Geste des Schenkens kommen drei wunderliche Männer einem großen Geheimnis auf die Spur. Und nicht nur in der Geschichte gibt es viel zu entdecken, sondern auch auf den detailreichen Bildern.
Gans vergessen
Von Stephanie Schneider und Ingrid Sissung
Klaus, das Kamel, reist aus der fernen Wüste an, um endlich seine Brieffreundin, die Kuh Tilda, zu treffen und mit ihr richtig Weihnachten zu feiern. Doch kurz vor dem Essen fällt dieser ein, dass sie vollkommen vergessen hat, eine Gans einzuladen! Und was ist Weihnachten ohne Weihnachtsgans? Also machen die beiden sich sofort auf zu Gänsebauer Bernd …
Jesus feiert Geburtstag im Stall
Von Swantje Kammerecker und Moritz Knacke
Der ganz besondere Adventskalender: Ein kleiner Engel lädt Menschen und Tiere zum Geburtstagsfest des Jesuskinds ein – in 24 kurzen Geschichten. Diese wurden in Schweizer Mundart für die beiliegende Doppel-CD vertont und mit Musik unterlegt. Ebenso sind Stifte und Ausmalkärtchen für jeden Tag enthalten.
Viel zu viel gekocht – oder viel zu wenig…
Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, verändert sich auch der Familienalltag. Herausforderungen und Chancen schildert Roswitha Wurm.
Die Haustürglocke surrt. Mein Mann öffnet. Ich höre die Stimme unseres ältesten Sohnes. Ein Blumenstrauß verdeckt sein Gesicht. Er überreicht mir feierlich meine Lieblingsblumen, weiße Rosen. Dann umarmt er mich, Küsschen rechts, Küsschen links auf die Wange. In diesem Moment begreife ich: Unser Großer ist jetzt nicht mehr hier zu Hause. Oder wie es unsere Jüngste so treffend formulierte: Wir sind jetzt die „Little Family Wurm“. Einige Wochen nach dem Auszug unseres Ältesten setzten wir uns mit unseren beiden bei uns verbliebenen Kindern zusammen und planten das Projekt „Wohngemeinschaft Wurm“. Es war tatsächlich so: Wir mussten uns neu sortieren. Eine neue Zeitrechnung war angebrochen: die „Kinder gehen aus dem Haus“-Phase. Gott sei Dank nicht alle auf einmal! Die Worte des weisen Königs Salomos wurden uns neu verständlich: „Alles hat seine von Gott bestimmte Stunde. Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit“ (Prediger 3). Frei übersetzt können wir bestätigen: Kinder großziehen hat seine Zeit, und Kinder loslassen hat seine Zeit. Und: Kinder betreuen, behüten und bekochen hat seine Zeit. Kinder sich selbst versorgen lassen, hat auch seine Zeit.
VERANTWORTUNG ABGEBEN
Letzteres wurde bei mir als Mutter mit dem Flüggewerden unserer Drei zur Herausforderung. Zeitgleich mit dem Auszug unseres älteren Sohnes schloss die Jüngste die Schule ab und begann ihr Studium. Von heute auf morgen fiel nicht nur ein Esser aus, es war plötzlich gar nicht mehr gefragt, dass pünktlich um 14 Uhr ein frisch gekochtes Mittagessen auf dem Tisch stand. Jedenfalls nicht täglich. Da unsere Kinder sehr gastfreundlich sind und über einen großen Freundeskreis verfügen, kann es sein, dass an manchen Tagen kein Essen benötigt wird und ein anderes Mal fünf oder mehr hungrige junge Erwachsene verköstigt werden wollen. Da unsere Kinder auch sehr spontan und aktiv sind, hatte ich stets entweder viel zu viel oder viel zu wenig gekocht. Da bekam ich von meiner Freundin Klaudia einen guten Tipp. Bei ihr gelten folgende Regeln, die wir übernommen haben: Verantwortlich für den Gast ist immer derjenige, der ihn eingeladen hat. Wer spontan jemanden mitbringt, fragt zu Hause nach, ob für den Tag ein Essen geplant ist. Wenn zu wenig Essen vorbereitet ist, nimmt derjenige von einem Laden noch eine Kleinigkeit mit. Klaudia hat zudem immer ein paar Fertiggerichte vorrätig, um spontan das Essen zu verlängern. Letzteres fiel mir als Verfechterin gesunder, frisch gekochter Speisen anfangs schwer. Mittlerweile sehe ich das entspannter. Noch wichtiger als gesundes Essen sind gesunde Beziehungen!
TRADITIONEN UND RITUALE
Jede gut funktionierende WG hat einen Dienstplan. So weit sind wir als Familie nicht gegangen, einige Arbeitsbereiche haben wir jedoch eher zwanglos neu definiert: Unser Zweitgeborener kristallisiert sich immer mehr als begabter, kreativer Koch heraus. So kommen wir immer öfters in den Genuss leckerer Currys und Salatkreationen. Unsere Tochter dekoriert sehr gern und ist für die musikalische Untermalung in unserem Zuhause zuständig. Außerdem gilt die Regel: Jeder ist aufgerufen, für ein ordentliches, sauberes und gemütliches Zuhause zu sorgen. Zudem haben wir begonnen, gemeinsame Traditionen und Rituale zu pflegen. Unsere Kinder äußerten den Wunsch, auch zukünftig eine Woche gemeinsam Urlaub mit uns zu verbringen und regelmäßig einen Koch- und Spieleabend sowie eine Zeit des gemeinsamen Singens christlicher Lieder einzuplanen. Diese familiären Fixzeiten machen die neue Situation entspannter, und wir haben viel Spaß und Freude mit- und aneinander.
UNGEWOHNTE FREIHEIT
Ich finde die „Kinder gehen aus dem Haus“- Zeit sehr spannend, aber auch herausfordernd. Plötzlich entstehen Freiräume, von denen ich vor ein paar Jahren nicht einmal zu träumen gewagt habe. Durch eine längere, schwere Krankheit eines unserer Kinder, meine Tätigkeit als Lerntrainerin von zu Hause aus und die häufige beruflich bedingte Abwesenheit meines Mannes sowie die fehlende Verwandtschaft in der Nähe, war ich lange Jahre mehrheitlich an unsere vier Wände gebunden. Es gab Tage, an denen ich nicht einmal für ein paar Minuten das Haus verlassen konnte. Wie tief dieses Schema in mir verankert ist, bemerkte ich, als ich vor einiger Zeit zu einem beruflichen Event ins Ausland eingeladen wurde. Ich antwortete: „Leider kann ich nicht kommen. Schade. Aber die Kinder …!“ Mein Mann erinnerte mich vorsichtig daran, dass unsere Kinder bereits erwachsen wären. Tatsächlich: Eine neue Ära ist in meinem Leben angebrochen! Ich bin frei, einfach in den Zug zu steigen und irgendwo hinzufahren! Davon hatte ich jahrelang geträumt, als ich meinte, zwischen Schulaufgaben, Wäschebergen und Pausenbroten unterzugehen. Doch nun kam keine Begeisterung bei mir hoch. Ich verfiel in Panik! Was sollte ich nur mit all der Freiheit anfangen? Plötzlich war ich wieder als eigenständige Person gefragt und nicht nur als Ehefrau und Mutter. Beschämt musste ich zugeben, dass ich mich in den letzten Jahren so manches Mal hinter meiner Mutterrolle versteckt hatte, um nicht eigenständig Dinge durchziehen zu müssen. Ich war jahrelang eher die „Frau von …“ und die „Mutter von …“ als ich selbst.
FOTOALBEN WEGGEPACKT
Die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die jetzt vor uns stehen, bringen mich dazu zu überlegen, womit ich mich beschäftigt habe, bevor ich Mutter wurde. Was war mir wichtig? Gibt es Bereiche, die ich all die Jahre vernachlässigt habe und in denen ich gern wieder aktiv würde? Hat Gott andere Aufgaben für mich? Gibt es Projekte in der Gemeinde, in die ich mich mehr einbringen könnte, jetzt wo unsere Familie im Alltag kleiner wird? Die Hochzeit unseres Ältesten vor einigen Wochen hat mich daran erinnert, dass genau jetzt die Zeit ist, lange Geplantes und Aufgeschobenes zu tun. Bevor dann die nächste Generation wieder vermehrt meine Aufmerksamkeit fordern wird. Natürlich überfällt auch mich manchmal Wehmut, wenn ich daran denke, dass die Kinder- und Jugendjahre unserer Drei und unsere Familienzeit nun unwiederbringlich vorüber sind. Eine gute Bekannte vergießt seit Jahren Tränen, während sie in Fotoalben die Familienzeit Revue passieren lässt. Die Wände ihrer Wohnung sind mit Erinnerungen an ihre Kinder tapeziert. Sie kommt aus ihrer Verlusttrauer nicht heraus. Obwohl ich ihre Gefühle verstehen kann, ist sie mir zum Mahnmal geworden. Daher habe ich erst einmal alle Fotoalben in einer großen Kiste verstaut. Später einmal möchte ich sie gemeinsam mit meinen Enkelkindern anschauen. Ich habe mich dafür entschieden, das Neue zu leben und nicht dem Alten nachzutrauern. Jetzt ist Zeit für etwas anderes.
NEUE ZWEISAMKEIT
Mein Mann und ich sind von der Zweisamkeit als junges Ehepaar über die Familienphase wieder vermehrt in die Zweisamkeit mit zeitweiliger Beteiligung unserer erwachsenen Kinder zurückgekehrt. Unsere neue Herausforderung ist, uns wieder ganz als Paar zu entdecken. Möglichkeiten gibt es zahlreiche: Vielleicht besuchen wir ja wie unsere Freunde Lisa und Martin einen Tanzkurs. Gut gefällt mir auch die Idee von Richard und Susanne, die für Ehepaare regelmäßig Wanderwochenenden organisieren. Nele und Marija sind in ihr Heimatland zurückgegangen, um dort Kindern in der Nachbarschaft von Jesus zu erzählen. Ganz tief in uns schlummert noch immer der vorelterliche Wunsch eines Missionseinsatzes. Bis sich dafür ein Weg öffnet, genießen und nutzen wir unseren erweiterten Aktionsradius in unserer Heimat. Durch den Auszug unseres Sohnes sind wir stolze Besitzer eines Gästezimmers. Seither kommen unsere Freunde und Verwandte, die über das ganze Land verstreut leben, häufig für ein paar Tage zu Besuch. Ich liebe es, Gäste zu bewirten, am Abend lange beisammen zu sitzen und morgens gemütlich zu frühstücken. Wenn der Sohn zum Gast wird, ist wieder mehr Raum für andere. Besonders schön ist es, wenn er mit seiner Frau auch hier und da Teil unseres Alltags ist.
FREUNDE UND GÄSTE
Was auch immer unsere Zukunft bringt: Ich lebe in keiner Phase des Verlustes, sondern des Gewinns. Neue Möglichkeiten stehen mir offen, ich kann freier über meine Zeit verfügen, muss mich mittags und abends nicht nach Hause hetzen und kann spontan Menschen helfen, die mich gerade brauchen. Meine Kinder kommen zu Besuch und benehmen sich so höflich, wie Gäste das eben tun. Sie vereinbaren einen Termin, freuen sich, ihre Eltern zu sehen, bringen Blumen, Eis oder Kuchen mit, bleiben bei Tisch sitzen, loben das gute Essen, reden endlos mit uns, ohne auf ihr Smartphone zu blicken und schicken vom Urlaub Ansichtskarten. Wir haben Freunde gewonnen – unsere erwachsenen Kinder. Unsere Rolle als Erzieher ist der Rolle als gelegentliche Ratgeber gewichen. Ich freue mich jedes Mal, Zeit gemeinsam mit unseren erwachsenen Kindern zu verbringen, aber bis dahin wird mir auch nicht langweilig. Alles hat seine von Gott bestimmte Zeit. Und das ist gut so.
Roswitha Wurm arbeitet als Lerntrainerin und freie Redakteurin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien.
Hoch, runter, drüber, drunter
„Wie kann ich in meiner kleinen Wohnung dem Bewegungsdrang meines Kindes gerecht werden?“
Das Kinderzimmer ist der perfekte Ort, da es das eigene Reich der Kinder ist. Das Kind soll sich darin wohlfühlen und seine Bedürfnisse nach Bewegung, Spiel, Rückzug und Selbsttätigkeit stillen können. Um dem gerecht zu werden, bietet es sich an, den zur Verfügung stehenden Raum auf die kindlichen Bedürfnisse anzupassen.
UMRÄUMEN
Wie bei jeder Neugestaltung wird erstmal gemeinsam „Inventur“ gemacht. Womit spielt/lernt das Kind noch, womit nicht? Für was ist es zu alt? Ist etwas kaputt? Kann Spielzeug ausgelagert werden? Sind diese Fragen geklärt, empfehle ich, das Zimmer komplett leer zu räumen und dann neu einzurichten. In kleinen Räumen ist es wichtig, jeden Quadratzentimeter ideal zu nutzten. Hochbetten sind eine gute Lösung, denn sie sind Multifunktionsmöbel. Unter ihnen kann eine Spiel- oder Kuschelecke, der Schreibtisch oder der Kleiderschrank eingerichtet werden. Die Seitenteile können als Regale oder Ablagen genutzt werden. Um dem Bewegungsdrang der Kinder Freiräume zu schaffen, sollte möglichst viel Bodenfläche frei sein. Regale sollten entweder an der Wand hängen oder so stabil sein, dass sie bestiegen und bespielt werden können. Es ist nicht sinnvoll, einen Spieletisch mitten ins Zimmer zu stellen. Verwenden Sie lieber robuste Hängeregale in verschiedensten Ausführungen, um Ihrem Kind das Spielen im ganzen Zimmer zu ermöglichen. Somit fördern Sie Kreativität, Orientierungsvermögen und Raum-Lage- Kompetenz, wenn zum Beispiel das Spielzeugauto in der Hand durch das ganze Zimmer, hoch, runter, drüber und drunter fährt. Wenn der Kleiderschrank nicht unter dem Hochbett eingerichtet wird, können Hängeregale einen Meter unter der Decke angebracht werden und dienen als Kleiderablage. Mit Treppenregalen können die Kinder leicht selbst an die Kleider kommen und haben gleichzeitig Bewegung! Mit Schmirgelpapierstreifen macht man die Stufen rutschfest. Die Treppenregale sind ihrerseits wiederum Stauraum für Spielzeug oder Kleidung.
WENIGER REGELN, MEHR SPASS
Bei kleinen Zimmern ist es wichtig, dass die Kinder nicht noch durch zu viele Regeln eingeschränkt sind, das frustriert unnötig. Überlegen Sie genau, welche Regeln sein müssen und stellen Sie auch nur diese auf! Im Kinderzimmer sind empfindliche Oberflächen fehl am Platz. Sie müssen widerstandsfähig sein. So ermöglichen Sie dem Kind, sein ganzes Zimmer zum Spielen zu nutzen. Die Autos können auf dem Regal fahren, aufgebautes Spielzeug darf dort stehenbleiben! Und der Boden ist zum Toben immer noch frei! Dieser sollte mit einem Teppich ausgelegt sein, als Wohlfühlfaktor, als Fallschutz und als Schallschutz. Er ist rutschsicher und ermöglicht es den Kindern, auf Strümpfen im Kinderzimmer zu spielen, was wiederum förderlich für die Fußgesundheit und die Sinneswahrnehmung ist. Es nimmt etwas Zeit, Arbeit und vielleicht auch Geld in Anspruch, aber es steigert die Ausgeglichenheit Ihres Kindes!
Anika Sohn ist Erzieherin und bietet Bewegungs-Kurse für Eltern und Kinder an: familiebewegt. de. Sie lebt in Neuhofen (Pfalz).