Eine Mama schimpft mit ihrer Tochter, während diese mit den Augen rollt.

„So redest du nicht mit mir!“ – Wie Kinder respektvolle Kommunikation lernen

Elternfrage: „Ich finde es oft nicht in Ordnung, wie meine Tochter (7) mit mir spricht. Was kann ich tun, um wertschätzende Kommunikation zu fördern?“

Hierzu ist es wichtig, erst einmal zu verstehen, dass Kinder oft im Eifer des Gefechts handeln. Wenn sie uns patzig, zu laut oder zu fordernd antworten, dann nicht, weil sie uns nicht respektieren oder wertschätzen, sondern weil ihre Emotionen mit ihnen durchgehen und dafür sorgen, dass sie ungefiltert auf eine Situation reagieren. Deswegen bringt es nicht viel, eine wertschätzende Kommunikation einfach nur einzufordern. Vielmehr liegt es in unserer Verantwortung, Kinder da hinzuführen.

Raus aus der „Schimpfschleife“

Das Gesagte und die Tonlage sind häufig keine Rückmeldung über uns als Eltern, sondern darüber, wie ein Kind sich gerade fühlt. Ein erster Schritt zu einer wertschätzenden Kommunikation wäre es daher, genau dies zu benennen. „Oh, ich merke gerade, dass dich das ganz schön aufregt.“ „Das ist dir enorm wichtig, oder?“ „Kann es sein, dass du das Gefühl hast, dass ich dir nicht zuhöre?“

Solche Nachfragen bringen Ihre Tochter aus ihrer eigenen „Schimpfschleife“ heraus und sorgen dafür, dass Sie selbst gar nicht erst mit einsteigen. Stattdessen kann die Kommunikation auf eine andere Ebene gehoben werden. Außerdem bekommen Kinder so praktische Vorbilder für einen respektvollen Umgang miteinander, und das ist ja bekanntlich besser als jede theoretische Aufforderung.

Erst abkühlen lassen

Aber machen wir uns nichts vor: Obwohl wir vielleicht theoretisch wissen, dass das Kind es nicht so meint, und eine Ahnung davon haben, wie wir reagieren könnten, kann einen solch ein Verhalten auch mal ordentlich antriggern. Es gibt Tonlagen, Aussagen oder Verhalten, das wir einfach nicht hinnehmen wollen. Das ist völlig legitim, und unsere Kinder dürfen spüren, dass sie an diesen Stellen Grenzen überschreiten.

Ich habe allerdings gelernt, dass es besser ist, so etwas zu kommunizieren, wenn die Situation sich abgekühlt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Kinder verstehen, warum wir dieses oder jenes nicht wollen, ist höher, wenn wir es in Ruhe mit ihnen besprechen. „Ich habe verstanden, dass du vorhin wütend warst, aber dass du XY zu mir gesagt hast, hat mir wehgetan/hat mich geärgert/stört mich.“ Sie können dann auch mit Ihrem Kind einüben, was es stattdessen in ähnlichen Situationen sagen könnte. Aber erwarten Sie hier bitte keine schnellen Wunder. Es braucht viel Zeit und viele, viele Wiederholungen, bis Impulskontrolle und respektvolle Kommunikation funktionieren.

Zu guter Letzt noch ein anderer Gedanke: Ich finde, dass es manchmal auch was Gutes hat, wenn wir uns am Verhalten unserer Kinder reiben – oft können wir dadurch nämlich viel über uns selbst, unsere Grenzen und unsere wunden Punkte lernen.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin, Eltern- und Familienberaterin und Bloggerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel.