Im Abseits

„Mein Sohn (12) tut sich mit sozialen Kontakten sehr schwer. Ich habe das Gefühl, dass er zu Hause und in der Schule ein Außenseiter ist. Wie kann ich ihn unterstützen?“

Das Leben war gerade noch so schön und klar: In der Grundschule hat keiner Kommentare zu der Schleich-Tier-Sammlung gemacht und nun … Kaum ist man zwölf Jahre alt, hat man das Gefühl, alles im Zimmer ist uncool und kindisch. Dieses Beispiel lässt für Eltern erahnen, wie sich die Lebenswelt der Teens verändert. Auch in Beziehungen erleben sie gerade in dieser Zeit eine große Spannung und Unsicherheit. Eine Reaktion auf diese unguten Gefühle ist für einige der Rückzug. In sich selbst oder in eine sichere „Blase“ aus Musik oder digitalen Welten. Eine andere Reaktion kann Angriff sein: im Verhalten oder durch Aussagen andere abzuwerten oder zu ignorieren. Beide Muster sind nicht hilfreich, um aus der Außenseiterrolle herauszukommen. Wer sich mit sozialen Kontakten schwer tut, hat es oft auch schwer mit sich selbst, und das erfordert sehr viel Kraft. Zuallererst ist für Eltern ein Gespräch nötig, in dem der Teenager zu seiner Lebenssituation gehört werden kann – vielleicht ist er ja ganz entspannt mit sich?

SICHERHEIT UND WANDEL
In dieser sensiblen Phase helfen sichere Partner und neue Erlebnisse, die das Bewusstsein schärfen. Damit können ganz körperliche Erfahrungen, wie eine Wanderung mit dem Vater oder ein Segel-Kurs mit einem Freund der Familie, gemeint sein. Natürlich sind diese Aktionen zunächst keine beliebte Ansage und stoßen auf Unwillen, aber eine tiefe Erfahrung mit seinen Grenzen oder ein Gegenüber, das sich einem intensiv zuwendet, kann Mut geben, zu sich selbst zu stehen.

VERBINDLICHKEIT
Im Alter von zwölf Jahren darf der Teen mit den Eltern zusammen überlegen, welche verbindliche Gruppe er besuchen will. Besprochen wird dabei nicht ob, sondern welche passend ist: Pfadfinder, Jugendrotkreuz oder Fußball? Ebenso kann es heilsam sein, Teil einer christlichen Jugendgruppe zu werden. In Gemeinschaft zu sein ist zunächst schmerzhaft, weil es das Gefühl verstärkt, nicht „passend zu sein“ – lösen kann sich diese innere Verkrampfung aber nicht durch Flucht, sondern durch Konfrontation. Dabei fällt den Eltern die schwere Aufgabe zu, die wöchentliche Vermeidungstaktik zu ignorieren und die Verbindlichkeit einzuüben. Ein Gespräch mit Mitarbeitenden und Lehrern ist unbedingt nötig. Auch sie können ihre Sicht schildern und durch Berichte und Fragen der Eltern verstehen lernen, was die Außenseiterrolle festigt.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

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