Kaiserschnitt: Nicht jeder ist notwendig

Der Kaiserschnitt kann das Leben von Mutter und Kind retten. Mittlerweile wird aber viel zu häufig operiert. Bettina Wendland über Ursachen und Gefahren

Weinend liegt Julia im Bett. So sehr hatte sie sich eine natürliche Geburt gewünscht. Aber wie schon ihr dreijähriger Sohn ist nun auch ihre Tochter per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Wieder hat es nicht geklappt: Die Geburt wurde eingeleitet, irgendwann gab es einen Geburtsstillstand und schließlich einen ungeplanten Kaiserschnitt. Nur kurz konnte Julia ihre Tochter nach der Geburt sehen, dann wurde sie erst mal in einen Aufwachraum geschoben. Als sie zwei Stunden nach der Geburt ihr Baby endlich in den Arm nehmen kann, bricht sie in Tränen aus.

Nach einem Kaiserschnitt sind viele Frauen traurig und enttäuscht, manche sogar traumatisiert. Das gibt es auch nach natürlichen Geburten, vor allem, wenn nicht alles glatt gegangen ist. Eine Studie der Uni Bonn hat folglich festgestellt, dass Frauen, die mit Hilfe von Saugglocke, Zange oder durch einen Kaiserschnitt entbunden haben, in der ersten Woche nach der Geburt häufiger an depressiven Symptomen leiden als Frauen, die auf natürlichem Weg geboren haben.

In ihrem Umfeld stoßen sie allerdings nicht immer auf Verständnis. „Sei doch froh, dass dein Kind gesund ist!“ – Sprüche wie diesen muss Julia sich anhören. Dass die gewünschte natürliche Geburt ihres Sohnes doch mit einem Kaiserschnitt endete, ist kein Zufall. Drei von vier Frauen werden wieder mit Kaiserschnitt entbunden, wenn sie bereits einen Kaiserschnitt hatten. Und Interventionen wie Einleitung, Wehentropf oder PDA führen ebenfalls häufig zum Kaiserschnitt. Das beobachtet auch die Hebamme Christine von Frankenberg, die seit über zwanzig Jahren in der Geburtshilfe tätig ist. „Eine Ursache für die vielen Kaiserschnitte sind auch zu viele Interventionen“, ist ihre Erfahrung.

In der Tat ist die Zahl der Kaiserschnitte in den letzten Jahren stark angestiegen.

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