Kraftvoll

Stefanie Diekmann über Kraftquellen und Krafträuber

Scheinbar sind alle möglichen Hormone heute im Einklang und auch sonst alles im Lot, denn es gibt Kraft heute. Viel Kraft. Flugs Kinder angelächelt, Äpfelchen geschnippelt, Wunschbrote geschmiert. Sogar schon Milchreis am Start, Küche fast sauber, eine Waschmaschine gefüllt.

Ein mutiger Tag. Eine Gelegenheit, Gottes Kraft in meiner Begrenzung zu glauben. Heute ist die Chance, eine Frau zu sein, an der Gottes Wesen deutlich wird. Yeah! Im Titusbrief der Bibel wartet eine Herausforderung: Hier geht es um die Frauen. Sie werden ermutigt, ihren Mann und ihre Kinder zu lieben. Ja, das will ich! Meinen Mann lieben, anlächeln, ihm Gutes zutrauen, mich bremsen, ihn dirigieren zu wollen, Manipulation durch Jammern und Kommentare aufgeben, Gottes Idee in ihm zum Strahlen bringen.

Ich weiß auch, Frauen können anders: voller Sarkasmus, Trauer oder verdeckter Wut über ihren Partner reden. Ich fühle mich ertappt. Frauen sind darin Meisterinnen. Ich hätte damit unsere Ehepflanze in der Kleinkindzeit fast vergiftet. Als unsere Kinder klein waren, habe ich erwartet, dass mein Mann nachts mit wach ist und gleichzeitig seinen Job macht – denn ich mache als Mutter schließlich auch einen. Irgendwann hab ich gespürt, wie hart und lieblos ich werde. Aufrechne. Faul werde. Wie sehr ich mich auf die Fehler konzentriere. Ehe zu Grunde nörgeln – das geht!

Und Frauen, die fröhlich, stolz, dankbar von ihrem Mann berichten? Ist das an einem kraftvollen Tag möglich? Eine Frau, die ihren Mann als Ratgeber schätzt? Die anerkennt, was er kann und was sie lernen darf. Ist das so peinlich? Ist diese Gefühlspalette verschüttet?

Heute ist ein Tag, wo Kraft ist für den Versuch von Gottes Idee von Gemeinschaft: sich fordern und fördern. Wie kraftvoll Gott dann wirken kann, wenn nicht nur das eigene Denken Wahrheit ist. Wenn ich mich investiere und Gebende werde – ohne aufzurechnen. Wenn ich mich hinterfragen lasse – ohne meinen Boden zu verlieren. Wenn ich mein Herz von Gott weich lieben lasse und neu Liebende sein kann.

Vielleicht gelingt es heute, einmal mehr vorzulesen als üblich? Über Staub in der Wohnung hinwegzusehen? Mit mir selbst gnädiger zu sein? Das Tempo des anderen zu akzeptieren, auch wenn eine Socke anzuziehen eeeewig dauert. Jeder Mensch darf kraftvoll und hoffend, liebevoll und ermutigend durchs Leben gehen, denn Gott ist als Begleiter kraftvoll, liebevoll und ermutigend.

Und was, wenn der Tag nicht kraftvoll startet? Die Nacht aus mehr Unterbrechungen als Ruhe bestand? Der Mann grummelig und die Kinder krank sind? Das Mittagessen anbrennt und das Telefon ständig schellt?

Gott bleibt kraftvoll. Ihn als Kraftquelle anzuzapfen, ist an jedem Tag möglich. Hier ist das „Yeah!“ vielleicht noch zaghaft, aber es ist real: Heute hab ich Kraft – egal, wie ich mich fühle.

Stefanie Diekmann ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Landesamt für Jugend und Soziales in Rheinland- Pfalz. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ingelheim am Rhein.

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