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Artikel aus den Heften

Flohmarkt

GENERVTE VÄTER GESUCHT

Katharina Hullen verhökert jede Menge Kindersachen, doch der Keller ist immer noch voll.

Katharina: Nach zehn Jahren Großfamilie sind Keller und Garage deckenhoch vollgestopft mit Kinderkleidung, Schuhen und Spielzeug. Und da die Kinder unaufhörlich wachsen, produzieren ihre Schränke nahezu wöchentlich eine neue Keller-Kiste. Es muss etwas geschehen. Wir melden uns also Anfang des Jahres bei einem Flohmarkt an. Ich nehme 17 Kisten in Angriff, um sie in drei Haufen zu zerlegen: den Sommerflohmarkt-, Winterflohmarkt- und Kleiderspendehaufen. Eigentlich gibt es da noch einen vierten, „Ichkann- mich-nicht-trennen-Korb“. Ich bemühe mich aber, ihn klein zu halten. Es gelingt mir fast. Der erste Markt, ein Late-Night-Shopping für Mütter, ist ernüchternd. Nicht nur die finanzielle Ausbeute: gerade mal etwas mehr als die Standmiete und Fahrtkosten erziele ich. Nein, es wird auch klar, nur die perfekt organisierten Stände machen hier Geschäft. Unser Tisch ist viel zu klein für all die Wäscheberge. Das ist nicht übersichtlich genug. Wo war nochmal der Schlafanzug in Größe 80? Bis ich ihn gefunden habe, ist die Kundin nicht mehr kaufwillig. Insgesamt fehlen diesem Mütter-Markt die Kinder und Väter. Fröhliche, gierige Kinder, die all die tollen Spielsachen kaufen möchten, und genervte Väter, die jede unschlüssige Kaufentscheidung der Frau beschleunigen, nur damit dieser Markt endlich für sie endet. Also rüsten wir für die nächsten zwei Märkte auf. Alle Teile werden mit Größe und Preis etikettiert. Die Kleiderstange bekommt aufwendig laminierte Größenringe verpasst. Wir laden vier statt einem Tisch als Ausstellfläche ein. Hinweisschilder werden gebastelt. Und wirklich, es funktioniert. Bestimmt zehn Prozent der Dinge sind verkauft – das heißt aber auch, neunzig Prozent des Plunders nehmen wir wieder mit nach Hause. Ganz zu schweigen von dem Kram, den unsere Kinder fröhlich und gierig erworben haben und den Dingen, die ich wiederum für die Kinder gekauft habe. Es ist zum Haare raufen. Es wird nicht weniger. Der dritte Markt läuft wie von selbst. Alles ist ja schon bestens vorbereitet. Wir lernen: Je weniger Kram auf den Tischen liegt, umso mehr kaufen die Leute einem ab. Eine ganze Kiste weniger tragen wir diesmal nach Hause. Nur noch 5 statt 7 Sommerflohmarktkisten stehen nun im Keller. Sieben Winterkisten warten noch auf die Vorbereitung. Ich stehe vor den Bergen und denke mir: Im letzten Haufen, dem Kleiderspendehaufen, liegt viel Leichtigkeit. Ich beginne zu verstehen, warum so viele Menschen lieber alles verschenken, als diesen Aufwand zu betreiben. Lebe leichter! Weniger ist mehr! Vielleicht probieren wir das dann im nächsten Jahr mal aus.

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

HOCHREGALLAGER FÜR KINDERAUSSTATTUNG

Hauke Hullen bewundert die großartige Auswahl an Babysachen im Partykeller.

Hauke: Das erste, was der Besucher beim Betreten des Areals erblickt, sind Plüschtiere. Von A wie Affe bis Z wie Zebra – hier findet jedes Kind sein Lieblingskuscheltier! Direkt daneben gibt es Kinderschuhe in allen Größen und Farben, so dass man locker einen ganzen Kindergarten einkleiden könnte. Gegenüber: Hosen. Und Kleidchen. Und Bodys soweit das Auge reicht … Nein, das ist nicht der Kinderflohmarkt der benachbarten KiTa, sondern unser Partykeller, der sich inzwischen zu einem Hochregallager für Kinderausstattung entwickelt hat. Der Bestand ist immens! Wenn ich in der Kinderabteilung eines Kaufhauses stehe, ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich verächtlich lächle angesichts der mickrigen Auswahl. „Selbst schuld!“, denken Sie vielleicht, „warum entsorgen die Hullens den ganzen Kram nicht beizeiten!?!“ Ich gebe Ihnen Recht. Doch das entscheidende Wort ist „beizeiten“. Bislang war es nämlich so: Kaum war unser jüngstes Kind aus einer Kleidergröße herausgewachsen, kündigte sich bereits der nächste Nachwuchs an. Also hoben wir alles auf, damit es nochmal getragen werden kann, und verwandelten unseren Keller in ein Warenverteilzentrum. Dazu kommen große Tüten aus dem Bekanntenkreis, wo Freunde von Freunden von Freunden uns zentnerweise Kinderkleidung überlassen. Verstehen Sie mich nicht miss, die Tüten sind großartig! Die Haushaltskasse hätte eine derartige Ausstattung niemals hergegeben – nur muss eben alles erst einmal verstaut werden. Nicht ganz so praktisch ist das Säuglingszubehör. Jede Geburt spülte eine Lawine neuer Plüschtiere, Rasseln und pädagogisch hochwertigen Holzspielzeugs ins Haus. Vieles ist derart robust, dass man spätestens beim 3. Kind mehr als genug davon hat. Ich würde das Zeug ja gerne bei nächstbester Gelegenheit im Freundes- und Bekanntenkreis weiterschenken, aber leider haben wir uns nicht gemerkt, von wem wir was erhalten haben … Bleibt also der Flohmarkt, wo wir mit abgeschlossener Familienplanung und mehreren Campingtischen aufschlagen. Neben uns der Stand einer befreundeten Familie, wo die Mutter mühsam hier ein T-Shirt und da ein Mützchen verkauft, während ihr Göttergatte derweil mit einem riesigen Playmobilschiff („20 Euro, da kann man nichts falsch machen!“) durch das Menschenmeer zu seinem Familien-Van segelt. Wir bleiben tapfer und kaufen nichts. Haben eh schon alles. Die meisten Besucher leider auch. Erkenntnisse des Tages? Etliche. Zum Beispiel, dass man nicht auf nennenswerte Einnahmen hoffen sollte. Dass die Freude am Feilschen auch bei eingeschweißter Neuware keine Grenze nach unten kennt. Dass schwangere Frauen alles kaufen, wenn es das erste Kind ist. Dass man lernt, sich über Kleinigkeiten zu freuen, wenn man ein Paar Schuhe für zwei Euro verkauft hat. Dass dieser ganze Spaß es eigentlich wert wäre, noch Geld obendrauf zu legen.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/09/Hullens.jpg 911 1288 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-09-06 11:02:112018-06-05 14:20:05Flohmarkt

„Meine Beine tun so weh“

Bis zu einem Drittel aller Kinder zwischen 2 und 12 Jahren leidet hin und wieder unter Wachstumsschmerzen. Klagt ein Vorschul- oder Schulkind nachts über brennende, ziehende oder klopfende Schmerzen in beiden Beinen oder Armen, können wachsende Knochen die Ursache sein. Üblicherweise treten die Beschwerden am Tag nicht auf. „Wachstumsschmerzen sind keine Gelenkschmerzen“, betont Professor Dr. Alexander Beck, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Juliusspital in Würzburg. „Der Schmerz tritt typischerweise in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel auf.“

Wachstumsschmerzen sind in der Orthopädie ein häufiges Erscheinungsbild, doch bislang nur unzureichend erforscht. Es gibt auch keine diagnostischen Tests, mit denen sich Wachstumsschmerzen zweifelsfrei belegen lassen. „Wichtig ist daher, bei wiederkehrenden Schmerzsymptomen einen Orthopäden oder Unfallchirurgen aufzusuchen, um ernsthafte Erkrankungen des Bewegungs- und Halteapparates auszuschließen“, erklärt Professor Beck.

Warum viele Kinder beim Wachsen Schmerzen haben, ist unklar. Eine Vermutung ist, dass die Weichteile langsamer wachsen als die Knochen. So gerät die Knochenhaut bei einem Wachstumsschub unter Spannung und verursacht Schmerzen. Eine andere Theorie besagt, dass der junge Knochen beim Wachstum ermüdet und der Schmerz Ausdruck dieser Ermüdung ist. Auch psychosoziale Faktoren könnten eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Kinder über den Schmerz Konflikte mit den Eltern verarbeiten.

„Eine Therapie gibt es leider nicht“, bedauert Beck. „Eltern können den Schmerz mit Massagen oder einer Wärmflasche lindern. Manchen Kindern helfen auch Kühlpads. Wenn die Beschwerden sehr stark sind, kann auch ein leichtes Schmerzmittel verabreicht werden – aber nur in enger Absprache mit dem behandelnden Kinderorthopäden.“

Symptome des Wachstumsschmerzes im Überblick:

  • Der Schmerz tritt erstmals im Vor- oder Grundschulalter auf.
  • Die Beschwerden machen sich abends oder nachts bemerkbar, hauptsächlich in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel, nicht in den Gelenken.
  • Morgens sind die nächtlichen Beschwerden wie weggeblasen und das Kind kann sich uneingeschränkt schmerzfrei bewegen.
  • Der Schmerz tritt in beiden Extremitäten gleichzeitig auf.
  • Die Schmerzen treten nicht regelmäßig auf.
  • Wachstumsschmerzen sind keine Belastungsschmerzen, sondern Ruheschmerzen.

Wachstumsschmerzen sind auch ein Thema beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 24. bis 27. Oktober in Berlin stattfindet. http://dkou.org/

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/09/ThinkstockPhotos-667486874_AGrigorjeva_iStock.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-09-05 11:23:252018-06-05 14:20:05„Meine Beine tun so weh“

Streit um die Zeit

„Wie viel Familienleben kann man als Eltern von Teenagern einfordern? Ist eine gemeinsame Mahlzeit am Tag zu viel verlangt? Oder kann man gar nichts fordern, sondern sich nur wünschen?“

Teens streben zunehmend nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Dies kann sich im Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug äußern oder im häufigen Zusammensein mit Gleichaltrigen. Welche Form Ihr Kind bevorzugt, kann im Temperament oder in der aktuellen Stimmungslage begründet sein. In der Pubertät ist vieles im Umbruch. Der Körper und das Gehirn verändern sich, die Stimmung schwankt und neue Herausforderungen stürmen auf die Teens ein. Sich in dieser Zeit verstanden zu fühlen, eine Meinung zu bilden und seine Zeit selbstbestimmt zu füllen, ist reizvoll und natürlich. Rückzug oder Aktionen mit Freunden werden immer wichtiger. Dies steht oft im Widerspruch zum Familienleben und wird häufig zu einem Kampf um die gemeinsame Zeit. Ein jahrelanges Ritual, wie eine gemeinsame Mahlzeit, kann da schon mal zur Nervenprobe für die Eltern werden, ein schöner Familienausflug mit schlechter Laune oder gar Verweigerung enden.

SICH SELBST HINTERFRAGEN
Es gilt den Fragen nachzugehen: Wann bestehe ich auf gemeinsame Zeiten und warum? Bin ich zu neuen Sichtweisen oder Kompromissen bereit, und wie könnten diese aussehen? Auf solche Fragen sollten Sie eine Antwort finden, um überzeugender, klarer und gestärkt in Ihren Aussagen zu sein. Aussprüche wie „Das ist einfach so und du kommst jetzt gefälligst mit“ sind nicht so überzeugend wie „Wir verbringen gerne Zeit mit dir.“ So erhöht sich die Chance, dass sich Ihr Kind ernstgenommen fühlt. Auch Bedenken können und dürfen dann Platz finden. Kurze Aussagen wie „Ach, ich bin froh, einfach mal zu Hause sein zu können, in der Schule war so viel los diese Woche …“, können ein Türöffner für gegenseitiges Interesse und weiteren Austausch sein.

EIGENVERANTWORTUNG ÜBEN
Die hohe Kunst ist, aufmerksam zu sein, Bedürfnisse nicht zu ignorieren und auch den wachsenden Raum für Selbstbestimmung und Eigenverantwortung wahrzunehmen und anzuerkennen. Das kann z.B. bedeuten, das Kind klinkt sich aus und darf mal alleine zu Hause bleiben oder sich mit einem Freund verabreden, während die Familie eine Runde wandert. Es gilt, offen zu sein für neue Ideen und kreative Lösungen, um gewinnbringende Gemeinsamkeiten zu finden. Auch neue Konstellationen für die Freizeitgestaltung sind denkbar. Es könnte z.B. ein Freund mitkommen, Vater und Sohn planen eine Aktivität für „Männer“, oder der Teen verreist mit einer Jugendgruppe. Bei Themen, die Ihnen wichtig und auch wiederkehrend sind, bleiben Sie bei sich und seien Sie transparent in Ihren Wünschen und Erwartungen. Sie sind nach wie vor verantwortlich für Ihr Kind, wohlwissend, dass seine Eigenverantwortung zunimmt und eingeübt werden sollte. Vielleicht hilft das Bild eines Leuchtturms: Geben Sie regelmäßig Lichtsignale zur Orientierung in stürmischen oder nebligen Zeiten. Die größte Herausforderung ist, eine gewisse Nähe beizubehalten und zugleich im Vertrauen immer mehr loszulassen.

Sonja Krebs ist Erzieherin und Heilpädagogin, verheiratet und Mutter von zwei Jungs (14 und 5 Jahre alt). Sie wohnt in Königswinter.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Zeit.jpg 618 903 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-08-30 10:00:192018-06-05 14:20:05Streit um die Zeit

„Ich werde YouTube-Star“

Immer mehr Teens nennen als Traumberuf „YouTube-Star“. Das Video-Portal und mit ihm andere soziale Netzwerke wie Instagram spielen eine zentrale Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen. Was macht die Faszination aus? Family-Redakteurin Bettina Wendland hat sich auf den Videos Days in Köln, einem Festival der YouTube-Stars, umgeschaut und umgehört.

Noch ist die Halle der Lanxess Arena leer. Die Techniker checken die Light-Show. Im Pressebereich spricht „YouTube-Dino“ Christoph Krachten über die Geschichte und die Entwicklung der Video Days. Gestartet als Treffen einiger weniger YouTuber und ihrer Fans 2010 im Rahmen der Spielemesse Gamescom haben sich die VideoDays zum eigenständigen Event und zu Europas größtem YouTuber-Festival entwickelt. Das hängt natürlich mit der wachsenden Bedeutung zusammen, die YouTube hat – vor allem für Teens.

Und so bevölkern bei den VideoDays überwiegend Teenager die Halle. Ein paar jüngere Kids sind auch dabei, damit auch nicht wenige Eltern. Aber sonst ist kaum jemand über 20. Auch auf der Bühne nicht. Wenn doch, meint er, sich dafür entschuldigen und selbst als „YouTube-Opa“ bezeichnen zu müssen.

Die Vielfalt von YouTube kommt bei den VideoDays nicht wirklich zum Tragen. So ist das Bühnenprogramm am Donnerstag geprägt von Music-Acts. Dabei ist bei der künstlerischen Qualität eine größere Bandbreite zu verzeichnen als beim Musikstil. Vieles klingt mainstreamig, nur weniges unverwechselbar. Und die Begeisterung der überwiegend weiblichen Fans hängt kaum mit der Qualität der Performance zusammen. Sänger, die durch eine starke Stimme auffallen, bekommen weniger Bühnenzeit und Jubel als so mancher Headliner, dessen Stimme durch Hall und sonstige Effekte so unterstützt wird, das gewisse Schwächen nicht so ins Gewicht fallen.

Aber in welcher Generation spielte die musikalische Qualität schon eine Rolle für Fans im Teenager-Alter? Manche YouTuber haben es immerhin auch schon ins klassische Musikbusiness geschafft, haben Plattenverträge und machen Konzerte. Sie inszenieren sich aber immer noch gern als YouTube-Stars.

Warum ist das Konzept YouTube so erfolgreich? Ich denke, es liegt an der gefühlten Nähe zu den Fans. Viele YouTuber sind eigentlich der Junge oder das Mädchen von nebenan, das durch kreative Videos, geschicktes Marketing und sicher auch so manchen Zufall erfolgreich wurde. Auf YouTube und andere sozialen Kanälen kann man direkt mit den Stars in Kontakt treten. Sie retweeten oder teilen die Posts und Fotos ihrer Fans und geben ihnen damit eine stärkere Bedeutung als das im klassischen Musikgeschäft möglich ist. Der Übergang vom „normalen“ Teenie, der seine laienhaften Videos hochlädt, zum bekannten und gefeierten YouTube-Star ist fließend. Und damit in scheinbar greifbarer Nähe.

Das stellt manche Eltern vor die Frage, was sie erlauben sollen. Keine Mutter, kein Vater möchte die Kreativität seines Kindes beschränken. Aber kann man erlauben, dass eine 12-Jährige Videos aus ihrem Kinderzimmer in den unergründlichen Weiten des Internet veröffentlicht? Hut ab vor allen Eltern, die sich hier mit ihren Kindern produktiv und mit viel Interesse auseinandersetzen.

Überhaupt muss ich ein fettes Lob an die Mamas und Papas aussprechen, die ihre zumeist jüngeren Teens und Kids zu den VideoDays begleitet haben. Mal abgesehen von den Kosten fürs Ticket haben sie sich nicht gescheut, sich unter kreischende Teens zu mischen, allzeit bereit, ein Foto ihres Kindes mit einem YouTube-Star zu machen, dessen Namen sie möglicherweise noch nie gehört haben. Sie haben manchen mittelmäßigen Auftritt ertragen, aber immerhin auch ein paar musikalische Highlights erlebt. Und sie haben vor allem etwas gemeinsam mit ihren Kids oder Teens erlebt! Und auch wenn die das nicht immer so deutlich ausdrücken – ich bin sicher, dass sie dafür dankbar sind.

Bettina Wendland, Redakteurin Family/FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/08/P1060286.jpg 2250 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-08-25 13:13:292018-06-05 14:20:05„Ich werde YouTube-Star“

Familienurlaub

DER MÜHSAME WEG ZUM START
Katharina Hullen wird zum Kontrollfreak, wenn der Familienurlaub beginnen soll.

Katharina: Als Kind fühlte ich diese grenzenlose Vorfreude. Da wir immer an den selben Ort im Bayrischen Wald fuhren, wusste ich auch genau, worauf ich mich freute: die Bäuerin, die Tiere, die Abenteuer. Nicht einen Gedanken verschwendete ich daran, was ich wohl alles einpacken müsste. Wozu auch? Meine Mutter hatte das alles fest im Griff. Sie wirbelte durchs Haus, innerlich eine sehr lange To-do- und Packliste abhakend, und je näher die Abfahrt rückte, umso nervöser und hysterischer wurde sie. Während mein Vater schweigend und schwitzend versuchte, das von ihr aufgetürmte Gepäckgebirge optimal im Kofferraum zu verstauen, platzte es stets irgendwann vor lauter Frust aus ihr heraus: „Du kannst meine Sachen direkt wieder auspacken! Ich bleibe hier! Ihr könnt ohne mich fahren!“ Sie fuhr natürlich trotzdem immer mit, aber als Kind konnte ich diese Ausbrüche überhaupt nicht nachvollziehen. Inzwischen ahne ich, was in meiner Mutter vorging. Auch wenn bei uns die großen Kinder ihre eigene Packliste bekommen, um eigenverantwortlich dafür zu sorgen, dass diese Dinge auch mitgenommen werden, bleibt bei sieben Personen so vieles auf meiner Liste stehen, dass der Gedanke „Zuhause ist doch eigentlich auch schön! Warum tun wir uns das immer an?“ nicht total abwegig ist. Hauke denkt natürlich ganz anders. Er ist stets der Auffassung, dass für unseren Urlaub in Deutschland sieben Zahnbürsten, Handtücher, Badesachen und sein Portemonnaie als Gepäck völlig ausreichen! Ich hingegen hätte gern die meisten Eventualitäten abgedeckt, von jedweder Wetterlaune bis zu Erkrankungen aller Art, die uns auf unserer langen Reise begegnen könnten. Naja, abgesehen davon sind für Baby und Kleinkind ja wohl doch mehr Dinge notwendig als nur die Badebuchse! Sie merken: Ich habe, im Gegensatz zu meinem Mann, Packstress. Außerdem verspüre ich ein tiefes Bedürfnis, die Wohnung sicher, aufgeräumt und sauber zu verlassen. Schließlich freut man sich darüber, wenn man wiederkommt. Das führt bei den Hullens zum eigentlichen Streit, denn Hauke hat inzwischen den Wagen gepackt, die Kinder ins Auto getrieben, die Route eingegeben und möchte endlich losfahren, da beginne ich im Haus nochmal schnell zu fegen, die Flächen abzuwischen und geradezu zwanghaft mehrere Sicherheits-Kontrollgänge durch die Wohnung zu unternehmen. Ich fürchte, es vergeht auch keine Fahrt, wo mir nicht noch irgendetwas Wichtiges einfällt, sobald ich dann im Wagen sitze. Also nochmal ins Haus, durch alle Sicherheitsschleusen durch, das vergessene Objekt einpacken und dann nur ganz kurz zur Kontrolle in jedem Raum nochmal nachsehen, ob wirklich alle Lichter aus, Stecker raus, Rollläden zu, Mülleimer leer sind. Ich hoffe, Hauke fährt nicht eines Tages los – ohne die Mama!

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

RISSE IM ZEIT-RAUMKONTINUUM
Hauke Hullen erlebt kosmische Phänomene im gepackten Auto.

Hauke: Kosmische Zusammenhänge versteht man erst so richtig, wenn man Familie hat. Sie erinnern sich vielleicht – vor Kurzem ging es hier um die Urknall-Theorie und den Zustand unserer Kinderzimmer. Ein anderes Phänomen, das sowohl Star-Trek-Fans als auch Ehemänner kennen, sind die Risse im Zeit-Raum-Kontinuum, die sich zuverlässig einstellen, wenn man mit der besten Ehefrau von allen in den Urlaub fahren will: Sack und Pack ist verstaut, die Kinder sitzen erwartungsfroh auf der Rückbank, der Papa hat das Navi programmiert – jetzt könnte es eigentlich losgehen. Eigentlich. Mama fehlt noch. Ich gehe nochmal die Packliste durch – haben wir noch etwas im Haus vergessen? Nein, alles an Bord. Außer Mama. Nun beginnt sie, die gefürchtete Dehnung der Zeit. Ich grüble: Warum kommt Kathi nicht raus? Was macht sie noch? Jacke anziehen und Tür abschließen kann doch nicht so lange dauern! Die Zeit im Auto steht inzwischen fast still. Die Kinder nutzen die Situation konstruktiv, indem sie sich schon mal anfangen zu streiten. Und statt „Wann sind wir endlich da?“ echot „Wann fahren wir endlich los?“ durch den Wagen. Irgendwann höre ich auf mit dem Rufen. Bringt ja nichts. Ich überlege, mit den Kindern eine Pippi-Pause zu machen oder, falls es länger dauert, schon mal die Winterreifen aufzuziehen. Man weiß ja nie, wann man aus dieser Zeitblase herauskommt. Irgendwann schaffe ich es, mich aus meiner Erstarrung zu lösen. Ich stemme die Autotür auf und kämpfe mich gegen die Zeit-Raum-Krümmung zurück ins Haus. Dort huscht meine Frau schemenhaft von Raum zu Raum. Während bei mir die Zeit stillstand, ist sie oder ihr Nervenkostüm um Jahre gealtert. Jeden Fenstergriff hat sie inzwischen mehrfach kontrolliert und sich wiederholt davon überzeugt, dass Kaffeemaschine, Herd und Küchenuhr tatsächlich ausgeschaltet sind. Trotz seitenlanger Packliste und übervollem Kofferraum hat sie noch weitere Dinge gefunden, die sicherheitshalber mitmüssen. Ich gehe also zurück zum Auto und verstaue zwei weitere Klappboxen, wohlwissend, dass ich sie am Ende des Urlaubes gänzlich unangetastet wieder ins Haus zurücktragen werde. Wir warten weiter. Während ich darüber nachdenke, wann wohl der Vermieter die Ferienwohnung anderweitig vergeben wird, feiert derweil auf der Rückbank eines der Kinder seinen Geburtstag. Das Leben muss ja weitergehen. Ich beschließe, noch mal im Haus nach meiner Frau zu suchen. Ich finde sie beim Frühjahrsputz. Ergibt ja auch Sinn, jetzt, wo die ganze Familie und der halbe Hausstand weg ist, die leeren Räume noch mal durchzuwischen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Hochzeitsreise, wo ich mir irgendwann tatsächlich und ernsthaft gewünscht habe, dass wir unseren Flieger nun wirklich auch verpassen sollten! Inzwischen bin ich gelassener und putze einfach die Wohnzimmerfenster. Ich kann ja schlecht ohne meine Frau losfahren. Später klingeln die Kinder an der Tür. Sie hatten einen schönen Urlaub im Auto.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Familienurlaub.jpg 912 1290 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-08-23 10:00:242018-06-05 14:20:06Familienurlaub

Computerspiele: 5 Tipps für Eltern

In dieser Woche treffen sich in Köln tausende Fans und Unternehmen zu einer der wichtigsten Computer- und Videospielmessen der Welt – der Gamescom. „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“, der Medienratgeber für Familien, hat zur Messe fünf wichtige Tipps für Eltern und Erziehungsberechtigte zusammengestellt.

1. Informieren – und mitspielen!
Am besten lassen sich Eltern die Spiele von ihrem Kind zeigen. Damit bezeugen sie nicht nur Interesse, dies schafft gemeinsame Erlebnisse. Viele Spiele lassen sich auch von mehreren Personen gleichzeitig spielen – auch Eltern können den Controller in die Hand nehmen. Das ist sogar sinnvoll, weil Eltern so ein Verständnis für die Sache bekommen und von den Kindern als Gesprächspartner ernst genommen werden.

2. Passende Spiele finden.
Orientierung bieten die Altersangabe der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Eltern und Erziehende sollten darauf achten, dass sich ihre Kinder nur mit solchen Spielen beschäftigen, die für ihr Alter freigegeben sind. Es gibt fünf Prüfsiegel (ab 0, ab 6, ab 12, ab 16, ab 18 Jahre).

3. Tragbar oder stationär?
Games lassen sich am Computer, auf Konsolen und mobilen Geräten spielen. Wichtig ist, dass Eltern sich vor der Anschaffung über diese Geräte informieren und sie vorher testen, etwa beim Händler oder auch indem sie diese von Freunden ausleihen, um zu sehen, welchen Einfluss diese auf den Familienalltag haben. Tragbare Geräte lassen sich gut im Urlaub verwenden. Allerdings lässt sich auch schwerer nachvollziehen, wie oft sie genutzt werden. Der Vorteil stationärer Konsolen: Die Eltern können besser sehen, was auf dem Bildschirm geschieht.

4. In Maßen nutzen.
Viele Eltern sind sich unsicher, wie lang, lang genug ist. Als eine grobe Richtschnur gilt: Kinder bis fünf Jahre sollten nicht täglich digitale Spiele spielen und nicht länger als eine halbe Stunde am Tag vor einem Bildschirm verbringen, Kinder von sechs bis neun Jahren eine Stunde. Kinder ab etwa zehn Jahren können sich zunehmend selbstständig ihre Medienzeit pro Woche einteilen.

5. Hilfe holen, wenn es zu viel wird.
Manche Kinder und Jugendliche verlieren sich regelrecht in den digitalen Welten – sie vergessen die Zeit, vernachlässigen Schule und Freunde. Oft wird schnell von „Mediensucht“ gesprochen. Richtig ist, dass die Realitätsflucht auf Dauer gefährlich ist. Eltern sollten mit ihren Kindern reden, sich aber auch Hilfe holen, wenn Games zu einem Familienproblem werden.

Zu den verschiedenen Themen – und vielen weiteren – bietet der Medienratgeber „SCHAU HIN!“ nicht nur umfangreiche Hintergrundinformationen. Auf www.schau-hin.info werden im Bereich „Medien“ unter dem Stichwort „Games“ viele Aspekte behandelt.

 

Tipps der Family-Redaktion: Manche Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind oder Teenager spiel- oder internetsüchtig sein könnte. Eine erste Einschätzung bietet der Test der Onlinesucht-Ambulanz OASIS: www.onlinesucht-ambulanz.de

Welche Spiele sind sinnvoll und vertretbar? Infos finden Eltern hier: www.spieleratgeber-nrw.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/08/ThinkstockPhotos-657427798_LightFieldStudios_iStock1.jpg 534 800 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-08-21 14:35:512018-06-05 14:20:06Computerspiele: 5 Tipps für Eltern

Ohne Rückenschmerzen in die Schule

Mit der Einschulung beginnt für Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Viele blicken voller Spannung ihrem ersten Schultag entgegen. Neben Spielen und Toben gehören nun auch Lesen, Schreiben und Rechnen zum Alltag der Erstklässler. „Mit dem Schulstart verändert sich auch das Bewegungsverhalten der Kinder. Während in der Kindergartenzeit viel Bewegung ihren Tag prägte, verbringen sie in der Schule mehr Zeit im Sitzen. Dies kann zu Rückenschmerzen führen, die sich allerdings mit ein paar Tricks vermeiden lassen“, weiß Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin.

Typische Schreibtischhaltung
Sitzen beansprucht die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur stärker als Gehen oder Stehen. In der Schule oder beim Anfertigen der Hausaufgaben am eigenen Schreibtisch sitzen Kinder aber nicht nur lange Zeit, sondern nehmen häufig auch die schädigende Körperhaltung mit vorgebeugtem Kopf und rundem Rücken ein. Besonders diese typische Schreibtischhaltung erzeugt jedoch nicht nur Rücken-, sondern auch Nackenschmerzen. Um Verspannungen zu verhindern, helfen eine gerade Haltung sowie abwechslungsreiche Sitzpositionen. Kinder sollten den Kopf also ruhig auch einmal mit der Hand abstützen, mit den Füßen auf den Boden unter dem Tisch tippen oder sich an den Stuhl lehnen dürfen – Hauptsache die Wirbelsäule bleibt in Bewegung. „Zudem gilt es, besonders in den Pausen und an freien Nachmittagen sowie Wochenenden auf ausreichend Bewegung zu achten“, berichtet Dr. Sabarini und ergänzt: „Kleine spielerische Übungen lassen sich leicht in den Familienalltag integrieren. Beim ‚Äpfelpflücken‛ dehnen Kinder und ihre Eltern beispielsweise ihren Rücken, wodurch sich die Muskulatur lockert. Dafür einfach abwechselnd mit der linken und rechten Hand jeweils zwanzig imaginär am Baum hängende Äpfel pflücken und bei jedem Mal versuchen, etwas weiter zu gelangen.“

Schwere Schulranzen
Doch auch zu schwere oder falsch eingestellte Schulranzen belasten junge Wirbelsäulen. Es gibt einige Trolley-Schulranzen mit integrierten Rollen, die Schüler hinter sich herziehen können und so die Taschen nicht mehr auf dem Rücken tragen müssen. Generell sollten Eltern jedoch darauf achten, dass Kinder keinen unnötigen Ballast transportieren. Bücher von nicht unterrichteten Fächern gehören an den jeweiligen Tagen nicht in die Schultasche. Manche Schulen bieten deshalb auch Schließfächer an, in denen Schüler ihre Unterrichtsmaterialien lagern können. Beim Transport zur Schule schwere Gegenstände am besten dicht am Rücken unterbringen und das Gewicht zu den Seiten hin gleichmäßig verteilen. „Viele Kinder tendieren auch dazu, den Tornister locker über eine Schulter zu hängen. Dies belastet den Rücken jedoch einseitig und führt auf lange Sicht zu Fehlhaltungen und Verspannungen. Um diese zu vermeiden, sollte die Oberkante des Ranzens bei festgezogenen Riemen waagerecht an den Schulterblättern anliegen“, erklärt der Facharzt abschließend.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/08/ThinkstockPhotos-487085486_dolgachov_iStock.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-08-17 08:27:572018-06-05 14:20:06Ohne Rückenschmerzen in die Schule

Lebe kreativ!

Moor Jovanovski erlebt glückliche Stunden beim Bau eines Vogelhäuschens.

Ich bin kein Künstler oder Poet. Aber irgendwie finde ich kreative Dinge auch ansprechend. Grundsätzlich gefällt mir der Gedanke, mich einfach auszuklinken und etwas zu tun, was nicht zwingend effizient ist. Doch häufig kommt es nicht so weit, weil ich mich dann frage: „Wer hat schon Zeit für sowas?“ Oder vielleicht auch: „Was würde es denn ändern?“ Umso überraschter war ich über mich selbst, als mir aus heiterem Himmel die Idee kam, etwas zu bauen. Gerade waren mein Sohn und ich im Begriff, vom Garten zurück ins Haus zu gehen, als ich zu ihm sagte: „Lass uns ein Vogelhaus bauen!“ Er schaute mich so verwundert an, wie ich mich selbst fühlte. Dann flammte die Begeisterung in seinen Augen auf und schon machten wir uns auf den Weg. Und zwar nicht in den Baumarkt, sondern in den Wald – ausgerüstet mit einer Säge. Und fürs Protokoll: Wir haben nichts Illegales gemacht! Wir haben nur umgefallene Stämme und Äste zurechtgesägt und eingepackt. Und dann kam der große Moment: Wir haben ohne Vorlage, ohne Bauanleitung, ohne Youtube-Tutorial einfach drauflos gebaut. So wie das Vogelhaus in unserem Herzen war, haben wir es in die Realität gebaut. Alles in allem verbrachten wir drei Stunden und sind nun stolze Besitzer eines „Dreibein-Vogelhaus“. So haben wir unsere Schöpfung benannt. Es ist 1,50 hoch und hat ein Spitzdach mit Tannengrün. Und schon bald zog ein Rotkehlchen ein, das wir Robin tauften. Erst im Nachhinein wurde mir deutlich, wie sehr mich diese Aktion erfüllte. Ich konnte mich einfach ausklinken. Ich hatte Zeit mit einem Menschen, den ich sehr liebe. Es gab keine Deadline für die Fertigstellung. Wir haben etwas mit unseren Händen gemacht (analog, nicht digital). Wir konnten ein inneres Bild Wirklichkeit werden lassen! Ja, wir haben etwas erschaffen, was es noch nicht gab. Ich spürte die Kraft der Kreativität in mir und plötzlich fühlte ich mich Gott sehr nahe. Ich bin seine Schöpfung und wenn ich kreiere, dann bin ich in seiner Nähe. Ohne Gebete. Ohne Gesang. Ohne Andacht. Nur in dieser Erinnerung, dass ich sein Geschöpf bin und mit ihm verbunden bin, wenn ich etwas erschaffe. Kreatives Leben ist eine Gottesbegegnung. „Was würde es ändern?“ hatte ich mich bisher gefragt. „Mich“ habe ich mir dann gedacht.

 

 

Moor Jovanovski hat zwei Kinder und ist verheiratet mit Monica. Er arbeitet als Pastor und Gemeindegründer in Frankfurt und Wiesbaden.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Tankstelle_Männer.jpg 585 903 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-08-16 10:00:422018-06-05 14:20:06Lebe kreativ!

So macht Lesenlernen Spaß!

Nun starten wieder viele Erstklässler in das Abenteuer „Lesenlernen“. Wie Eltern sie dabei unterstützen können, erklärt Margret Schaaf, 1. Vorsitzende des Bundesverbandes von MENTOR – Die Leselernhelfer.

Lesen lernen die Kleinen ja nicht von heute auf morgen. Anfangs hört es sich immer etwas holprig an. Wie können Eltern und Lehrer überhaupt feststellen, dass ein Grundschulkind Leseprobleme hat?

Lesen, Vorlesen und Zuhören sind die Basis für die Sprachentwicklung der Kinder und dieser Prozess fängt lange vor der Schule an. Leider liest gut ein Drittel der Eltern zu selten vor. Für die Kinder hat das gravierende Folgen: Sie kommen mit großen sprachlichen Lücken in die Schulen. Die Eltern können das z.B. daran merken, dass ihren Kindern der Schulunterricht nicht gefällt. Sie können ihm oft einfach nicht folgen, denn vielen Kindern ‚fehlen’ die Worte. Sie kennen sie nicht und können Texte nicht verstehen. Betroffen sind deutsche Kinder genauso wie Kinder mit Migrationshintergrund. Sie brauchen dringend Unterstützung, denn Lesen und Sprache sind die Basis für alle anderen Fächer und den Schulabschluss.

Was raten Sie Eltern, deren Kinder sich mit dem Lesen schwer tun?

Der Rat an die Eltern kann nur sein, mit ihrem Kind gemeinsam zu lesen, über die Bücher zu sprechen und dabei viel Freude zu haben. Lesevorbild sein und ihren Kindern durch das Lesen Zeit und Zuwendung schenken, am besten jeden Tag. So entdecken viele Kinder das Lesen als beglückend, spannend und entspannend und erweitern dabei automatisch ihren Wortschatz, entwickeln Fantasie und Empathie. Das ist viel besser, als das Kind zum regelmäßigen Üben aufzufordern. Dabei wird Lesen nämlich schnell zur Strafe, die dem Kind vor allem zeigt, was es nicht gut kann. Bei Leseproblemen Ihrer Kinder sollten Sie aber auch den Rat der Lehrer und Kinderärzte einholen. Manchmal reicht es, die Sehstärke zu überprüfen, in anderen Fällen, wie z.B. Legasthenie, brauchen die Eltern und das Kind fachmännische Unterstützung.

Gibt es bestimmte Techniken oder Bücher zur Leseförderung, die Sie Eltern empfehlen?

Es gibt gute, wissenschaftlich fundierte Förderansätze und ganz tolle Kinderbücher. Es geht aber auch ganz einfach: Nehmen Sie sich Zeit für das Kind, gehen Sie auf seine Interessen ein und sorgen Sie für kleine Erfolge. Lesen Sie abwechselnd und unterstützen Sie ihr Kind bei seinen Wörtern oder Passagen. Schafft ein Kind es, ein ganzes Buch vom Anfang bis zum Ende zu lesen, ist es stolz. Egal, wie einfach oder kurz die Geschichte ist. Suchen Sie Themen aus, die das Kind packen. Auch Comics oder Star Wars sind geeignet. Wenn das Kind aufmerksam folgt, lernt es zu lesen und erweitert seinen Wortschatz, versetzt sich in andere Personen und Welten. Man kann wirklich jedes Kind für’s Lesen begeistern. Bauen Sie niemals Druck auf. Das Kind soll sich wohl und sicher fühlen, es ist kein Schulunterricht mit Noten.

Wo können sich Eltern Hilfe holen?

Sie können die Lehrer fragen, ob die Schule mit einem Verein von MENTOR – Die Leselernhelfer kooperiert oder mit einer anderen Leseinitiative und Ihr Kind dadurch in der Schule Lesestunden mit einer ehrenamtlichen Mentorin oder einem Mentor bekommen kann. Die beiden treffen sich dann einmal pro Woche mindestens ein Jahr lang zur Lesestunde. Lesezeit ist dann besonders wertvoll, wenn das Lesen in einer 1:1-Situation in einer entspannten Atmosphäre stattfindet, bei der sich ein Vertrauensverhältnis einstellt. Dabei können die Erwachsenen gezielt auf die Fragen des Kindes eingehen und ihm den Sinn der Worte und Texte erklären. Kinder können dadurch ihre Sprache aufbauen. Sie können Texte selbst erfassen und sich eine Meinung darüber bilden. Andere Angebote, bei denen mehreren Kindern gleichzeitig vorgelesen wird, sind gut, um den Weg zu Sprache und Literatur für Ihr Kind überhaupt erstmal zu öffnen.

Tipp der Family-Redaktion: Die Erstlese-Bücher der Reihe „Lies mit mir!“ eignen sich sehr gut, um mit Kindern zu Hause das Lesen zu üben. Die Eltern lesen einen Großteil der Geschichte vor, einzelne, hervorgehobene Sätze kann das Kind schon selbst lesen. Und sobald das Kind ein bisschen Übung hat, kann es auch das ganze Buch allein lesen. Bei diesen Geschichten, die immer auch christliche Inhalte haben, wird besonders auf eine einfache, kindgerechte Sprache geachtet. Mehr Infos: Lies mit mir!

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/08/behrchen_photocasekn49dv4rv95o2.jpg 2000 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-08-15 09:10:152018-06-05 14:20:06So macht Lesenlernen Spaß!

„Ich habe einiges falsch gemacht“

Eltern machen Fehler. Kleine und große. Eine Auseinandersetzung damit ist unverzichtbar. Von Kathrin Koch

Neulich saß ich mit einer jungen Mutter im Gespräch zusammen. Sie offenbarte mir ihre Sorge: „Ich habe solche Angst, dass ich meinem Sohn keine gute Mutter bin. Und dass ich durch meine schwierige Vergangenheit Fehler an ihm mache.“ – „Herzlichen Glückwunsch“, war meine spontane Reaktion. „Du wirst definitiv Fehler machen, weil du und ich nicht perfekt sind. Willkommen im Club!“ Wir Eltern leben in großen, inneren Spannungsfeldern. Mit den eigenen Kindheitserlebnissen im Rücken wollen wir es bei den eigenen Kindern richtiger machen, als es geht. Für mich war es eine ernüchternde Feststellung, dass ich meine Kinder nur bedingt vor meinen Schwächen und Fehlern behüten kann. Ich bin nun mal ein Mensch und nicht Gott. Gott macht keine Fehler – ich schon.

AUS PUREM GEHORSAM
Unsere Kinder sind volljährig. Ich erlebe jetzt, wie sie als junge Erwachsene Entscheidungen treffen und in Situationen reagieren. In manchen Situationen hat mich das nachdenklich gemacht. Warum handeln sie so und nicht anders? Bei diesen Fragen kam ich nicht umhin, den Bogen auch zu mir und meinen erzieherischen Überzeugungen und Praktiken zu schlagen. Es war hart, mir einzugestehen, dass ich Fehler an meinen Kindern begangen habe, und obendrein auch noch die Auswirkungen davon in ihrem Verhalten sehe. Von meiner Ältesten habe ich im Teenageralter erwartet, dass sie an all unseren Gemeinde-Veranstaltungen teilnimmt, obwohl sie das nicht immer wollte. Sie saß also öfter aus purem Gehorsam in unseren Events. Einige der Prediger schenkten gerade den Teenagern ihre Aufmerksamkeit. Meine Tochter stand mehrmals ungewollt im Mittelpunkt. Das verletzte sie und veranlasste sie zu bestimmten Entscheidungen. Ich war in den jeweiligen Situationen nicht in der Lage, sie zu schützen. Ich war überzeugt, dass „ein bisschen Herausforderung“ gut täte. Erst Jahre später erkannte ich, dass die Verpflichtung meiner Tochter zu diesen Veranstaltungen keine guten Früchte trug. Noch schlimmer: Ich realisierte meinerseits ein Misstrauen ihr gegenüber. Ich traute ihr nicht zu, bezüglich des Glaubens gute Entscheidungen zu treffen. Und genau da begann mein Herz zu bluten. Ich war bestürzt und beschämt über meine Denk- und Handlungsweise. Es kostete eine ordentliche Portion Mut, mich dem eigenen Versagen zu stellen, der Wahrheit ins Auge zu sehen und mich für mein Verhalten angemessen zu entschuldigen.

ENTSCHULDIGUNG!
Wer meint, in Autoritätsverhältnissen – als Mutter gegenüber meinem Kind – diese demütigenden Prozesse nicht durchlaufen zu müssen, hat sich meiner Meinung nach geirrt. Gerade hier zeigt sich charakterliche Reife, die im Heilungsprozess für mein Kind sehr wichtig sein kann. Für mich wurde es auf zwei Ebenen praktisch:

1. Selbsterkenntnis ist die beste Erkenntnis: Ich hatte versagt! Trotzdem war jetzt wichtig zu differenzieren und nicht die ganze Erziehung an meiner Tochter als miserabel zu betrachten.

2. Es galt, ein Gespräch in angemessenem Rahmen zu suchen, mich vor ihr zu erklären und sie um Verzeihung zu bitten. Ganz nebenbei war nicht ganz unwichtig, wie ich meine Entschuldigung vorgetragen habe. Hier muss ich erwähnen, dass ich über Jahre Teil einer Elterninitiative in unserer Realschule war. Mit dem Gewaltpräventionsprojekt f.ü.r. (Freunde üben Rücksicht) haben wir Schüler im Umgang mit Wut und Ärger trainiert. Ein kleiner Teil des Programms zielt darauf ab, wie man sich richtig entschuldigt. Diese Vorgehensweise setze ich – weil es so hilfreich ist – in persönlichen Konfliktklärungen um:

Aufrichtig sein: Meine Entschuldigung soll von Herzen kommen. Mir ist klar, was ich falsch gemacht habe, ohne Wenn und Aber. Außerdem ist es wichtig, dass ich fähig bin, mich in die Lage des anderen zu versetzen. Das hilft zu verstehen, was ich verursacht habe. Konkret kommunizieren: Ich muss klar ausdrücken, für was ich mich entschuldige. Das zeigt auch, dass ich mich innerlich damit auseinandergesetzt habe und Verantwortung übernehme. Von Angesicht zu Angesicht: Zeit und eine persönliche Begegnung sind unerlässlich, um respektvoll eine Entschuldigung vorzubringen. Augenkontakt und mindestens ein fester Händedruck zur Versöhnung sind Standard. Schadensersatz/Wiedergutmachung leisten: Ich muss mich in irgendeiner Form für den Schaden praktisch verantwortlich machen. Das ist nicht immer möglich. Spätestens bei seelisch zugeführten Verletzungen kommt bei uns Christen das Kreuz ins Spiel. Das Kreuz, an dem Jesus für unsere Schuld gestorben ist. Das Kreuz als der Ort, wo wir Vergebung empfangen und auch vergebungsbereit unseren Nächsten entlasten können.

DIE VERANTWORTUNG ENDET HIER
Eine wichtige Feststellung ist, dass die gebräuchliche Formulierung „Ich entschuldige mich für …“ nicht korrekt ist. Wir können uns nicht selbst entschuldigen, sondern nur um Entschuldigung bitten. Unsere Bitte um Entschuldigung annehmen, akzeptieren und vergeben, also ENTschuldigen, kann nur der Geschädigte. Und genau hier habe ich die Geschicke im Gespräch mit meiner Tochter nicht mehr in der Hand. Hier endet die elterliche Verantwortung. Wie sie mit meiner Offenbarung umgeht, kann ich nicht beeinflussen. Wird sie mich aus der Schuld entlassen? Kann sie mir vergeben? Für meine Tochter war es befreiend zu erleben, dass ihre Mutter nicht perfekt ist und Fehlverhalten einsieht. Sie hat mir von Herzen verziehen. Doch es hätte auch anders ausgehen können. Wir Eltern können dann lediglich darauf vertrauen, dass unsere Kinder sich zur Entlastung der Schuld entscheiden. Und wir können darauf vertrauen, dass die Kraft des Kreuzes auch in der nächsten Generation keine Kraft verloren hat.

 

 

Kathrin Koch leitet die Arbeit von YWAM Altensteig. Sie ist verheiratet, hat drei volljährige Kinder und liebt es, zusammen mit ihrem Mann das Tanzbein zu schwingen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Fehler.jpg 910 1290 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-08-09 10:00:512018-06-05 14:20:07„Ich habe einiges falsch gemacht“
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