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Artikel aus den Heften

Ein Platz zum Schlafen

„Ich feiere demnächst Geburtstag und möchte dazu meine drei erwachsenen Kinder mit ihren Partnern einladen. Allerdings habe ich nicht die Möglichkeit, alle in meiner Wohnung übernachten zu lassen. Was wäre eine gute Lösung?“

Wenn die Kinder flügge werden, fliegen sie auch mal weiter weg und lassen sich an anderen Orten nieder. Durch Partner wird die Familie größer. Das macht sich bei Ihren Familienfest stark bemerkbar: Plötzlich reicht der Platz nicht mehr aus, vor allem, wenn die erwachsenen Kinder Übernachtungsmöglichkeiten brauchen. Jetzt sind kreative Lösungsmöglichkeiten gefragt. Aber Sie sind nicht alleine verantwortlich für eine Lösung. Denn Ihre Kinder wissen ja, wie viel Platz Sie haben. Gehen Sie im Vorfeld mit allen Kindern offen ins Gespräch.

ÜBERNACHTUNGSIDEEN

Schlafsofa kaufen: Schon weit im Vorfeld können Sie bei der Umgestaltung der alten Kinderzimmer oder beim Neukauf von Möbeln solche Situationen mit in den Blick nehmen und deshalb zum Beispiel nicht nur ein Sofa, sondern ein Schlafsofa kaufen.

Übernachtung gegen Bezahlung: Eine bequeme, allerdings mit zusätzlichen Kosten verbundene Möglichkeit ist es, einfach mal Tourist in der eigenen Stadt zu sein und ein Hotel, eine Pension oder Ferienwohnung zu buchen. Achten Sie auf räumliche Nähe, damit nicht noch lange Strecken bewältigt werden müssen. Der Vorteil: Jeder hat einen Rückzugsraum. Vielleicht werden Ihre Kinder auch mit einem Frühstück versorgt, dies minimiert Ihren Aufwand als Gastgeber. Wer trägt die Kosten? Solche Fragen klärt man am besten, wenn man offen miteinander ins Gespräch kommt.

Couchsurfing: Über die Internetplattform couchsurfing.com bieten Menschen einen (Sofa-)Platz kostenfrei zum Übernachten an. Freunde: Wenn Ihre Kinder noch Freunde am Ort haben, können sie vielleicht dort unterkommen. Vor allem, wenn Kinder weiter weg wohnen, ist es ja oft so, dass sie gerne ein paar Tage länger bleiben, um auch die Freunde von früher zu besuchen.

Nachbarschaft und Gemeinde: Vielleicht haben Sie in der Nachbarschaft oder in der Gemeinde gastfreundliche Menschen, die gerne bereit sind, ihren Kindern Obdach zu geben. Haben Sie den Mut zu fragen.

Doch zu Hause: Vielleicht ist bei Ihnen doch mehr Platz, als man auf den ersten Blick meint. Im Sommer kann vielleicht im Garten gezeltet werden. Oder man leiht für ein paar Tage einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil aus.

Ganz woanders: Und wenn das alles nicht funktioniert, können Sie als Familie überlegen, Familientreffen woanders stattfinden zu lassen. Bei Familienfeiern geht es nicht nur um das Feiern eines Jubiläums, sondern immer auch um gemeinsam und unbeschwert verbrachte Zeit. So könnten Sie zum Beispiel gemeinsam ein Wochenende in einer Ferienanlage oder einem Freizeitheim verbringen.

Michaela Schnabel ist Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Sie arbeitet als Sozialpädagogin und lebt in Witten.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Übernachten2.jpg 700 1135 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-07-12 10:00:242017-07-14 10:26:55Ein Platz zum Schlafen

Diabetes in den Griff bekommen

Das Leben mit Diabetes hat seine Tücken. Diabetikern, die schlecht mit ihrer Erkrankung umgehen, drohen Langzeitschäden. Deshalb lernt der 18-jährige Sören in einem Diabetes-Camp, wie er seine chronische Krankheit besser in den Griff bekommt.

„Mein Blutzuckerwert schwankt stark und ist oft zu hoch“, Sören Schlosser kennt die Probleme. Sie zu lösen, ist aber eine andere Sache. Bei einem 10-tägigen Camp im Diabeteszentrum des CJD Berchtesgaden verbessert der Diabetiker aus der Nähe von Düsseldorf sein Know-how im Umgang mit dem Diabetes. „Ich weiß jetzt besser Bescheid, wie ich meine Werte einstellen kann“, erklärt Sören, „zum Beispiel indem ich besser auf den Abstand zwischen Insulinspritzen und Essen achte.“ Um keine Folgeschäden zu bekommen, muss er seinen Blutzucker möglichst gleichmäßig im normalen Bereich halten. Ein Maß, wie gut das gelingt, ist der so genannte HbA1c-Wert. Bei Sören ist er zu hoch.

Begonnen hat bei ihm alles vor 12 Jahren. Kurz nach der Einschulung wurde bei dem damals sechsjährigen Diabetes festgestellt. „Das war schon ziemlich schwer für mich mit dem Spritzen und der Schule. Ich hatte Schwierigkeiten, in der Schule zurechtzukommen.“ Mit Hilfe seiner Mutter ging es anfangs mit dem Spritzen noch gut. „Mit 10 Jahren wollte ich aber vom Diabetes gar nichts mehr wissen. Ich habe mit dem Messen nachgelassen, teilweise vor dem Essen gar nicht gemessen“, erzählt Sören.

Zusammen mit anderen jungen Diabetikern aus ganz Deutschland absolviert Sören bei dem Camp Schulungseinheiten und praktische Übungen. Sie sollen den Teilnehmern vermitteln, wie sie im Alltag ein besseres Krankheitsmanagement schaffen. „Mit verschiedenen Sportangeboten wie E-Biken oder Raften trainieren wir die Therapieanpassung bei körperlicher Belastung“, erklärt Torsten Vetters, Diabetesberater in dem Diabeteszentrum des CJD Berchtesgaden, einer Einrichtung, die auf die Betreuung von chronisch kranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen spezialisiert ist. Bei den Teilnehmern kommt das Konzept gut an, auch bei Sören: „Das Camp hat mir gut gefallen. Ich denke, meinen Blutzuckerwert habe ich ab jetzt besser im Griff.“

Weitere Infos: CJD Berchtesgaden

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/07/Diabetescamp-2.jpg 2029 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-07-11 08:54:322020-05-22 08:44:26Diabetes in den Griff bekommen

Rauchverbot?

„Unser Sohn (17) raucht seit einiger Zeit. Wir könnten es ihm ja verbieten, aber ist das sinnvoll? Er würde es dann doch wahrscheinlich heimlich machen.“

Bei einem 17-Jährigen mit erzieherischen Maßnahmen eine Verhaltensänderung herbeiführen zu wollen, ist in der Regel wenig zielführend. Im späten Jugendalter sollte der größte Teil der Erziehungsarbeit abgeschlossen sein und die Entscheidungsfreiheit des jungen Menschen im Vordergrund stehen. Verbote sind jetzt einfach nur noch sehr bedingt möglich und treiben meistens in die Heimlichkeit.

NICHT WEGSEHEN!
Das heißt aber nicht, dass Sie als Eltern hier einfach nur wegsehen und ihren Sohn sich selbst überlassen sollten. Es ist durchaus angemessen, wenn Sie Ihre Bedenken zum Thema Rauchen äußern. Fakt ist, dass laut Jugendschutzgesetz Jugendliche unter 18 Jahren weder Zigaretten kaufen, noch in der Öffentlichkeit rauchen dürfen. Das gilt auch für EZigaretten und E-Shishas. Darauf können Sie sich als Eltern berufen und klar aussprechen, dass Sie nicht möchten, dass Ihr Kind raucht. Reden Sie mit Ihrem Sohn sachlich und ruhig über dieses Thema und fragen Sie ihn nach seinen Beweggründen, ohne dabei Druck aufzubauen. Natürlich kann es dann trotzdem sein, dass Ihr Sohn weiterraucht. Aber es macht einen Unterschied, ob er das mit Ihrem Wohlwollen tut oder nicht. Sicherlich ist Ihre Sorge darin begründet, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist und ein Suchtpotential mitbringt. Und diese Sorge ist nachvollziehbar. Aber wie bei so vielen Themen liegt die Verantwortung mehr und mehr bei Ihrem Sohn selbst. Es ist sein Körper und sein Leben. Diese Spannung müssen Eltern aushalten.

KLARE REGELN
Auch wenn es keinen Sinn macht, Ihrem Sohn das Rauchen an sich zu verbieten, ist es trotzdem absolut angemessen, dass es in Ihrem Haus Regeln gibt, die Sie bestimmen und an die er sich halten muss. Sogar dann, wenn Ihr Sohn schon 18 ist. Wenn Sie nicht möchten, dass er im Haus oder in seinem Zimmer raucht, sollten Sie darauf bestehen und dies klar kommunizieren. Gerade wenn jüngere Geschwister mit im Haus leben, ist das wichtig, damit diese erleben, dass Regeln nicht willkürlich sind. Hält sich Ihr Sohn nicht an die Absprache, können auch Konsequenzen angemessen sein. Das ist auch im realen Leben nicht anders. Am Arbeitsplatz oder im Restaurant darf zum Beispiel auch nicht geraucht werden. Und hält sich ein Arbeitnehmer nicht an das Rauchverbot, kann es zu einer Abmahnung kommen. Genauso brauchen sich Eltern nicht zu scheuen, klar zu sein und Konsequenzen einzusetzen. Wen sich ihr Sohn nicht an die Regeln hält, muss er damit rechnen, dass er das eine oder andere Privileg verliert. Das kann aber nur funktionieren, wenn grundsätzlich eine gute Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Sohn besteht. Je besser die Beziehung zu Ihrem Sohn ist, desto leichter wird er auch diese Regel akzeptieren können. Ist die Beziehung allerdings grundlegend belastet, kann das Thema Rauchen zum zentralen Kampfthema werden. Dann ist es ratsam, in erster Linie in die Beziehung zu investieren, vielleicht sogar mit professioneller Hilfe.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin, arbeitet in der Redaktion von SevenEleven und ist Mitarbeiterin von Team.F. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid. www.sonja-brocksieper.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Rauchen.jpg 634 908 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-07-05 10:00:152017-06-20 16:37:17Rauchverbot?

Good-bye, Plastiktüte!

Wenn ich vom Einkaufen zurückkomme und alles aufgeräumt habe, ist der Behälter für Plastikmüll fast voll. Das ärgert mich. Vor allem, dass bei Obst und Gemüse so viel Müll anfällt. Dass gerade Bio-Produkte immer noch extra in Plastik verpackt werden, ist unglaublich. Aber angeblich geht das ja nicht anders, weil sonst an der Kasse Verwirrung herrscht. So ein Blödsinn! Die Supermarktketten sind so kreativ im Erfinden neuer Werbebotschaften, da wird ihnen doch da auch eine Lösung einfallen.

Genervt bin ich auch von den kleinen Plastiktütchen, die man angeblich zum Verpacken von losen Früchten, Tomaten etc. braucht. Ich bin schon lange dazu übergegangen, darauf zu verzichten,wo es möglich ist. Mit dem Ergebnis, dass meine Äpfel und Pfirsiche an der Kasse lustig herumkullern und dadurch auch nicht besser werden. Also habe ich mich auf die Suche nach wiederverwertbaren Säckchen gemacht. Schnell fand ich die Anleitung zum Selbernähen: Gemüsebeutel selber nähen

„Hier erfährst du, wie du sie ganz einfach selbst nähen kannst: Aus Materialien, die du bestimmt schon zu Hause hast.“ Die Autorin kennt mich schlecht. Ich habe weder Zugband oder Kordelstopper noch einen „durchscheinenden, leichten Stoff“ zu Hause. Und nähen kann ich auch nicht. Also suchte ich weiter und stieß auf Fregie, einen etwa DIN A 4-großen Beutel aus reißfestem und leichtem Material. Was mir wichtig ist: Die Beutel sind waschbar, lebensmittelecht und in Deutschland bzw. der EU gefertigt. Ich hatte ja erst Sorge, was die Kassiererin dazu sagen würde (hatte in unserem Lieblingssupermarkt noch nie jemanden mit solchen Beuteln gesehen, wir wohnen halt nicht im Prenzlberg). Aber es gab null Kommentar.

Für die nächste Ausgabe von Family und FamilyNEXT haben wir einen Artikel zum Thema „Zero Waste“ bekommen. Für mich sehr herausfordernd. Kompletten oder weitgehenden Müll- und vor allem Plastikverzicht finde ich schon schwierig. Aber ich will wenigstens an einer Stelle anfangen. Oder an zwei. Denn eine faltbare Stofftasche für Klamotten-Käufe habe ich schon länger in der Tasche.

Und wo fängst du an?

Bettina Wendland

Redakteurin Family/FamilyNEXT

 

PS: Bin von mehreren mitdenkenden Menschen darauf hingewiesen worden, dass es natürlich noch besser wäre, ganz auf Plastik zu verzichten. Ein lieber Kollege hat mir auch direkt ein paar Links zu noch ökologischeren Alternativen geschickt, auf die ich bei meiner Suche nicht gestoßen bin. Hier also der Vollständigkeit halber noch zwei plastikfreie Obsttüten-Alternativen:

Greenderella

Waschbär

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Fregie.jpg 2448 3264 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-06-30 10:34:232017-06-30 12:33:32Good-bye, Plastiktüte!

Eine dicke Mauer zwischen meinem Prinzen und mir

Auch in einer eigentlich glücklichen Ehe kann es Einsamkeitsgefühle geben. Von Manuela Rein-Ziegler

Mein größter Wunsch als junges Mädchen war es, eines Tages zu heiraten. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits meine Traumhochzeit mit dem passenden Prinzen an meiner Seite, der mir alle Wünsche von meinen Augen ablesen würde. Und tatsächlich: Mit 26 Jahren bekam ich einen Heiratsantrag. Bei der Verlobung dachte ich erleichtert: „Mein Traum wird endlich wahr. Ich werde mich nie mehr einsam fühlen, und ich werde rundum glücklich sein.“ Ein Jahr später heirateten Daniel und ich mit Schloss und weißer Kutsche. So wurde meine Traumhochzeit samt „Prinz Charming“ Wirklichkeit.

ROTER FADEN Das Gefühl „Ich bin allein“ zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Kann oder muss eine Ehe dieses Gefühl der Einsamkeit wettmachen? Jeder bringt sein Päckchen an Vergangenheit mit in die Ehe. Mein Päckchen war eher ein Paket: Verletzungen, alte Wunden und ein recht ausgelassenes Jugendleben wirkten sich nicht positiv auf unsere Beziehung aus. Auch die Vorstellungen über unser neues gemeinsames Leben variierten bei uns am Anfang sehr stark. Mein Mann liegt neben mir, für ihn ist die Welt in Ordnung. Aber für mich ist nichts in Ordnung. Ich fühle mich nicht beachtet und ungeliebt. Ein flüchtiger Kuss oder eine Umarmung ab und zu nehmen mir nicht das Gefühl von Einsamkeit. Was mir fehlt, sind Hingabe für unsere Ehe, Initiative seitens meines Mannes und das Wissen, das Daniel mich von Herzen begehrt und wertschätzt. Ich kämpfe gegen Gefühle wie Kälte, Passivität und Distanz an. Konkret empfinde ich, dass ich allein gelassen werde. Ich sehe eine hohe, dicke Mauer zwischen meinem Prinzen und mir. So sieht es manchmal in meinem Herzen aus: Es ist ein tiefes, schwarzes Loch. Ich fühle mich zurückgelassen mit unerfüllten Wünschen und unbefriedigten Bedürfnissen. Mein Mann liebt mich, und in meinem Kopf weiß ich das auch. Aber mein Herz macht mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wenn Alltag und Pflichten überhandnehmen und die Zweisamkeit fehlt, überkommt mich diese Leere. Ich fühle mich wie gelähmt und funktioniere nur noch.

NICHT VOM EHEMANN ABHÄNGIG Es war ein langer und steiniger Weg, zu erkennen, dass ich mein Glück samt all meinen Gefühlen nicht von meiner Ehe und noch weniger von meinem Ehemann abhängig machen darf. Doch immer wieder tappe ich in diese Falle. Sind alle Umstände gut, dann fühle ich mich geliebt. Ein fataler Fehler! Denn meine Umstände werden nie ganz perfekt sein. Ich sage gerne zu meinem Mann: „Und wenn du 24 Stunden mit mir zusammen wärst, würde es mir nicht ausreichen.“ Warum fühle ich mich überhaupt immer so einsam im Herzen? Wie kann ich mich trotz dieser verzwickten Lage geliebt und angenommen fühlen? Diese Fragen muss ich mir immer wieder selbst stellen, um aus diesem Teufelskreis der Lügen über Alleinsein und Ungeliebtsein ausbrechen zu können. Ich habe einen Ausweg aus diesem gedanklichen Teufelskreis gefunden, indem ich mich auf Gott fokussiere. Ich bin überzeugt: Gott liebt mich so, wie ich bin. Er kann das Riesenloch in meinem Herzen mit seiner Liebe füllen. Hier ein paar Gedanken, die mir helfen, das im Alltag immer wieder neu zu verstehen:

1. BEDINGUNGSLOSE LIEBE Ich darf wissen, dass ich in Gottes Augen wertvoll bin und er mich bedingungslos liebt.
Umsetzung: Es ist ein täglicher Prozess zu erkennen, dass Gott mich liebt und ich bei keinem anderen diese Bestätigung suchen muss. Dabei hilft es mir, in der Bibel zu lesen. Dadurch wird mir vor Augen geführt, wer Gott wirklich ist und wie unsagbar groß seine Liebe zu mir ist.

2. GESCHENKE UND ANSPRÜCHE Ich muss erkennen, dass alles, was ich bin und habe, ein Geschenk Gottes ist. Außerdem muss ich leider oft bitter erkennen, dass ich keine Ansprüche in dieser Welt habe.
Umsetzung: Dies ist vielleicht die härteste Lektion, die ich jeden Tag neu lernen muss. Früher dachte ich, es sei mein Recht zu heiraten, glücklich zu sein oder ein schönes Haus zu haben. Schließlich bin ich ein ziemlich guter Mensch! Ich hatte hier eine völlig falsche Perspektive und musste diese drastisch verändern. Eine dieser Lektionen war zu erkennen, dass es ein Geschenk Gottes ist, dass ich heiraten durfte und dass es nicht selbstverständlich ist. Durch diese Erkenntnis kann ich viel dankbarer sein für meine Ehe. Das hilft mir wiederum, meinen Ehemann und meine Familie viel mehr zu schätzen.

3. KOMMUNIKATION Der Schlüssel zum Frieden ist die Kommunikation. Umsetzung: Wir haben schon einige gute Eheseminare besucht und eines der Themen, die jedes dieser Seminare beinhaltete, war die Kommunikation. Viele Missverständnisse zwischen uns sind aufgrund von schlechter oder gar keiner Kommunikation entstanden. Es ist so ein einfacher Tipp: „Redet doch offen und ehrlich miteinander!“ Doch das ist oft schwierig umzusetzen. Wir müssen lernen zu sagen, was wir wirklich fühlen. Wir beide haben uns auf einem Schiff kennengelernt und ich verwende gern folgendes Bild: zwei Boote, die nebeneinander segeln, statt immer mehr auseinanderzudriften. Mut und Demut sind nötig, um auf seinen Partner zuzugehen. Wichtig sind auch Ich-Botschaften, damit Liebe und Respekt im Zentrum unserer Ehe bleiben.

4. SICH HELFEN LASSEN Es ist keine Schande, wenn man sich (professionelle) Hilfe sucht. Umsetzung: Ob man sich ein Ehepaar sucht, mit dem man sich ab und zu gemeinsam zum Austausch und Gebet trifft oder ob man sich ganz professionell Eheberatung sucht, ist egal. Hauptsache, man bleibt am Ball und lässt sich helfen. Ein Dritter sieht die Dinge oft ganz anders. Uns haben diese Eheberatungsgespräche schon oft sehr geholfen und gestärkt.

5. ZWEISAMKEIT UND LACHEN Wir als Ehepaar haben für uns herausgefunden, dass Wochenenden ohne Kinder sehr hilfreich für unsere Beziehung sind. Umsetzung: Wir dürfen die Kinder bei Oma und Opa lassen. Ob zu zweit zu Hause oder mit Tapetenwechsel, wir wollen uns Zeit als Paar nehmen. Zusammen lachen tut so gut und ist so wichtig. Neben den vielen Pflichten vergisst man schnell, dass es auch Zeiten braucht, in denen man sich fallen lassen darf. Auch die Intimität, das Eingehen aufeinander kann das Gefühl des Alleinseins zum Schmelzen bringen. Wir schreiben uns fixe Termine in den Kalender, wo Zweisamkeit stattfinden kann.

6. BETEN Unser Verlobungsvers steht in Prediger 4: „Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell.“ Das durften wir in unseren neun Ehejahren schon oft erleben. Wenn Gott in unserer Mitte ist, dann ist unsere Ehe stark, und jeder fühlt sich geliebt und respektiert. Gott als unsere dritte Schnur, die uns beide zusammenhält und vor allem mir hilft, mich nicht alleine zu fühlen. Umsetzung: Wir suchen uns ganz konkrete Zeiten, um füreinander zu beten. Wir nennen Gott unsere Wünsche und Träume und lassen Gott an unserem Partner arbeiten. Dies hilft mir, nicht andauernd Forderungen zu stellen und meinen Mann selbst ändern zu wollen. Mein Gebet fängt so an: „Lieber Herr Jesus, mach mich zu einer Ehefrau, die ihrem Ehemann gut tut, bei der er sich wohl fühlt und angenommen weiß. Hilf mir, meinen Ehemann so zu lieben und zu respektieren, wie du es vorgesehen hast. Fülle du meine Leere mit deiner Liebe aus, damit ich dankbar und zufrieden sein darf …“ Diese Liste ist bestimmt noch nicht ausgeschöpft und bei dem einen oder anderen kann sie ganz unterschiedlich aussehen. Doch eine Zuversicht will ich hier noch weitergeben: „Wir alle sind gewollt, geliebt und wertvoll in den Augen Gottes!“ Diese Gewissheit der Liebe Gottes wünsche ich mir und allen, die sich auch immer einmal allein in der Ehe fühlen.

Manuela Rein-Ziegler lebt mit ihrer Familie in Hessen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Einsamkeit.jpg 912 1291 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-06-28 09:00:572017-06-20 17:09:44Eine dicke Mauer zwischen meinem Prinzen und mir

Die „Mein-Kind-bedeutet-mir-alles“-Falle

Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Wenn sie allerdings zu viel davon bekommen, geraten sie in eine Rolle, die weder ihnen noch der Familie gut tut. Von Clara Evers-Zimmer

Maxi ist fast acht Jahre alt, als ich ihn in der Tagesklinik kennenlerne. Ein hübscher Junge mit braunem Igelhaar und großen Augen. Er ist hier, weil er in der Schule nicht klarkam. Er stand regelmäßig im Unterricht auf, um zu tun, wonach ihm gerade zumute war. Er forderte fast die gesamte Aufmerksamkeit der Lehrerin für sich ein. In der zweiten Klasse sagte die Lehrerin, sie könne ihn nicht länger unterrichten. Nun ist er in der Tagesklinik der Kinderpsychiatrie. Ich mag Maxi gern. Wir machen Unterricht in der Natur, pflücken Blumen für seine Mutter, und im Zusammensein wird mir klar, unter welch schwerer Last Maxi leidet. Er ist das Familienoberhaupt einer siebenköpfigen Patchworkfamilie, der erstgeborene Sohn nach vier Schwestern. Während wir uns auf den Weg vom Unterrichtsplatz im Grünen zurück zur Tagesklinik machen, sehe ich hinter den Bäumen eine hellgekleidete Frau umherhuschen. Maxis Mutter. Sie beobachtet uns. Sie ist wie Maxis Schatten. Immer denkt sie über ihn nach, immer ist sie in seiner Nähe. Immer unter Druck. Die Familie sitzt fest in der „Kind-auf-dem- Thron“-Falle. Maxi ist etwas Besonderes, so wie Josef es für seine Eltern war – seine Geschichte kann man in der Bibel im 1. Buch Mose, Kapitel 37 nachlesen: Josef war der Liebling seines Vaters, bekam von ihm ein besonderes Gewand und gab damit an, dass er was Besseres sei als seine Brüder. Auch Maxi macht jedem klar, dass er auf dem Thron sitzt. Weil er von seinen Eltern gelernt hat, dass er etwas ganz Besonderes ist, versteht er in der Schule die Welt nicht mehr. Wie sollte er sitzen und lernen können wie die anderen Kinder? Und Rechnen fällt ihm ganz schwer. Na, das macht er dann erst mal gar nicht mehr. Seine Seele kann es nicht ertragen, dass er sich anstrengen muss, dass er nicht nur großartig ist, sondern ein Mensch mit Fehlern und Schwächen.

EINE ZU GROSSE ROLLE
Ich möchte damit nicht sagen, es sei falsch, wenn unser Kind uns sehr viel bedeutet. Kinder sind uns von Gott gegeben. Die Fähigkeit, bedingungslos zu lieben, lässt sich durch Kinder wunderbar erfahren. In den ersten Jahren und in besonderen Notzeiten ist es richtig, wenn unser Kind uns alles bedeutet. Schwierig wird es aber, wenn ein Kind eine zu große Rolle in der Familie spielt. Wenn es als so besonders wahrgenommen wird, dass es immer eine Sonderbehandlung bekommt. Die Zahl dieser „Josefskinder“ hat zugenommen: „Mein Kind ist etwas Besonderes.“ „Ohne mein Kind wäre es in seiner Schulklasse viel langweiliger“. Der Anteil der Eltern, die dies in Untersuchungen so oder ähnlich angeben, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Darin spiegeln sich die narzisstischen Tendenzen unserer Zeit. Über „Josefskinder“ wird sehr viel gesprochen. Bei jedem Hinbringen oder Abholen dringen die Wortfetzen der Eltern unvermeidlich an mein Ohr: vorzeitige Einschulung, mehr geistiges Futter, hervorragend, IQ, Testung, Beratung, mehr Förderung und auf jeden Fall Sport und Englisch! Als mein Ältester 2006 in den Kindergarten kam, gab es in seiner Gruppe offiziell weder ein hochbegabtes noch ein hochsensibles, hyperaktives oder autistisches Kind. Neun Jahre später weiß ich in der Kindergartengruppe unserer Zwillinge von mindestens fünf Hochbegabten und zehn Hochsensiblen. Diese Zahlen liegen weit über denen, die statistisch zu erwarten wären (Hochbegabung: ein Kind von 50 bis 60 Kindern, Hochsensibilität: ein bis zwei Kinder pro Klasse). Schwedischen Wissenschaftlern ist der Nachweis gelungen, dass zu viele Kinder eine Diagnose haben, die nicht auf sie zutrifft. Ich erlebe Eltern, die von Arzt zu Arzt laufen, weil sie eine Diagnose für den Kindergarten oder die Schule brauchen. Könnte es sein, dass es sich in manchen Fällen um Josefskinder handelt?

GEWÜNSCHTESTE WUNSCHKINDER
Kinder zu haben, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Eltern haben die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, in der Regel selbst getroffen. Sie haben die Anzahl der Kinder und den Zeitpunkt für die Geburt geplant. Kinder haben ihren Preis. Wer diesen Preis bezahlt, möchte dann auch alles richtig machen. In unserer Gesellschaft gibt es wenig Anerkennung für diejenigen, die Kinder großziehen. Da Anerkennung und Aufmerksamkeit die gefragteste Währung in einer von Medien dominierten Welt sind, müssen die Kinder den Aufwand rechtfertigen, den sie verursachen. Sie müssen gelingen und etwas Besonderes sein. Deshalb bedeuten sie ihren Eltern alles und werden zu Josefskindern gemacht. Neugeborene und Kleinkinder brauchen Eltern, die rund um die Uhr verfügbar sind. Aber wer braucht es, dass Kindergarten- und Schulkinder der Lebensinhalt ihrer Eltern sind, dass es keine anderen Gesprächsthemen mehr gibt, dass die Ehe zur Versorgergemeinschaft für die gewünschtesten Wunschkinder wird, dass ein Kindergeburtstag zu vollständiger Erschöpfung führt, dass Kinder entscheiden, mit wem die Familie sich trifft und dass die Gedanken fast pausenlos um die Bedürfnisse und Förderangebote für diese Kinder kreisen?

DEN MANGEL WIEDERGUTMACHEN
Die „Mein-Kind-bedeutet-mir alles“-Falle ist typisch für eine Welt, in der Bedürfnisbefriedigung per „Wisch und Klick“ im Sekundentakt zur Gewohnheit wird. Selbstoptimierung erscheint nicht nur machbar, sondern notwendig. Als Eltern sind wir davor ein Stück weit geschützt. Wir können nicht ständig um unsere Bedürfnisse kreisen. Aber dann wird eben nicht das Selbst optimiert, sondern das Kind. Ich geriet mit meinem ältesten Kind in den ersten Jahren immer wieder in die „Mein-Kind-bedeutet-mir-alles“- Falle. Daher weiß ich, dass jede und jeder, der in dieser Falle steckt, seine eigene Geschichte hat. Meine Geschichte, die mir erst nach und nach bewusst wurde, ging so: Als Kind hockte ich morgens um 5:50 Uhr vor einem noch geschlossenen Kindergarten und zehn Stunden später hing ich mit schmerzenden Armen am Zaun, um endlich einen Blick auf die heraneilende Mama zu ergattern. Als ich selbst Mutter wurde, fehlte mir völlig das Maß. So versuchte ich unbewusst durch mein übergroßes Engagement den erlittenen Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit stellvertretend an meinem Kind wiedergutzumachen. Dies führte in die völlige Erschöpfung. Gott arbeitete mit mir an diesem Thema und half mir die Falle, in der ich saß, zu erkennen.

DAS LOCH IN DER SEELE STOPFEN
Für Kinder, denen in ihrer Familie eine Position eingeräumt worden ist, die ihnen nicht zusteht, ist dies ein großes Entwicklungsrisiko. Manche spüren, dass die Eltern ein schlechtes Gewissen haben. Dieses schlechte Gewissen bezieht sich häufig auf Ereignisse aus der Schwangerschaft, auf die Geburt oder die Säuglingszeit. Den meisten Eltern ist es nicht wirklich bewusst, woher ihre Motivation kommt, diesem Kind alles unterzuordnen. Besonders schmerzlich ist es für Eltern, die vor die Aufgabe gestellt werden, ein Kind großzuziehen, wenn nicht alles nach Plan lief: ungeplante Kinder, frühgeborene Kinder, Kinder, die nach langer ungewollter Kinderlosigkeit oder vielen Fehlgeburten geboren werden, Kinder mit Behinderungen oder Krankheiten, Mehrlinge, Kinder in materiell schwierigen Verhältnissen, Scheidungskinder … Hier droht die Falle besonders häufig zuzuschnappen. Die Eltern versuchen alles, um die Not oder den Mangel zu kompensieren. Gefühle von Schuld, Scham oder Angst regieren im Hintergrund und führen dazu, dass ein Kind auf den Familienthron gerät. Häufig ist den Familien nicht klar, dass sie ein Josefskind heranziehen. Dieses Unbewusste raubt den Familienfrieden, bis es ans Licht kommt. Kinder bieten für viele Menschen das, wonach unser menschliches Wesen sich ursprünglich sehnt: Liebe und Sinn. Kinder sind mit beidem völlig überfordert. Sie können nicht das Loch in unserer Seele stopfen. Kinder sind auch keine Sinnstifter.

DER WEG AUS DER FALLE
Was in der Säuglings- und teilweise in der Kleinkindzeit gut für die Entwicklung ist, weil es die Bindung und das Vertrauen fördert, wird später zu einem Teufelskreis. Josefskinder werden immer schwieriger zufriedenzustellen. Ihr Belohnungszentrum im Gehirn ist durch die vielen Erfahrungen von Sonderbehandlung größer ausgeprägt. Häufig spielen sie eine so herausragende Rolle in der Familie, dass ihre Allmachtsphantasien auch lange nach dem Ende dieser Entwicklungsphase (mit etwa sechs Jahren) bestehen bleiben. Josefskinder fordern ihren Eltern immer mehr ab und drängen in die Führungsrolle. Aber hinter dem kleinen Chef der Familie versteckt sich ein Kind, das nach Führung sucht und nach der Erfahrung menschlicher Begrenztheit. Genau diese Erfahrung verweigern die Eltern, um sich selbst nicht den damit verbundenen Gefühlen von Ohnmacht, Trauer, Wut und eigener Unzulänglichkeit stellen zu müssen. Die zugrundeliegenden Mechanismen können betroffene Eltern aufgrund der hohen Anforderungen, die sie an sich und ihr Kind stellen, oft nicht reflektieren. Gerade hier liegt aber der Weg aus der Falle: sich Zeit nehmen und reflektieren. Gute Freunde oder Seelsorger können dabei helfen. Wir brauchen Vertrauen in Gott und Demut, um Kinder als das zu sehen, was sie sind: Geschenke Gottes, die für eine Zeit lang in unsere Obhut gegeben sind, mit einem eigenen Weg und einer eigenen Geschichte.

 

Clara Evers-Zimmer lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Sie studiert im Master Psychologie, ist ehrenamtliche Seelsorgerin und arbeitet als Fachautorin für Frauen,- Kinder- und Familienthemen: www.psycho-logisch.hamburg

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Falle.jpg 911 1289 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-06-21 10:00:192017-06-21 08:36:02Die „Mein-Kind-bedeutet-mir-alles“-Falle

Zahnpflege leicht gemacht

„Meine 1 ½ -jährige Tochter möchte nicht die Zähne putzen. Jedes Mal ist es ein Kampf. Was kann ich tun?“

Für uns Erwachsene ist Zähneputzen ganz normal, denn wir wissen um den Wert gesunder Zähne. Ihr Kind weiß das noch nicht. Stellen Sie sich für einen Moment vor, noch nie etwas von Zahnpflege gehört zu haben. Nun empfiehlt Ihnen jemand, einen „geschmacksintensiven Stiel mit piekenden Borsten“ in den Mund zu nehmen. Verstehen Sie das Unbehagen Ihres Kindes? Vermutlich haben Sie bereits in allen Tonlagen versucht, mit Ihrem Kind zu sprechen. Konnten Sie in ihren Erklärungen bei der Wahrheit bleiben? Mal ganz ehrlich: Machen „Karius und Baktus“ das Zähneputzen im ersten Moment nicht noch abstruser?

EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
Wenn Sie schon früh Zahnarztbesuche wahrnehmen, gewöhnt sich Ihr Kind an das Thema „Zahnpflege“. Eine zu erlernende, emotionale Wichtigkeit in Bezug auf das Zähneputzen wird so unterstützt. Zahnpflege soll im Alltag selbstverständlich werden. Auch der Zahnarzt bespricht Wichtiges mit Ihrem Kind. Es ist gut, wenn Ihr knapp Zweijähriges merkt, dass nicht nur Mama und Papa, sondern auch andere Menschen dieselbe Meinung vertreten. Auch andere Bezugspersonen des Kindes könnten erzählen, dass sie ebenso die Zähne putzen. Im Alltag kann es helfen, wenn Sie Ihr Kind beim eigenen Zähneputzen zusehen lassen. Das muss gar nicht kommentiert werden. Putzen Sie entspannt und genussvoll und lassen Sie sich beobachten. Selbstverständlichkeiten muss man nicht überbetonen und etliche Male bereden.

„ERST ICH, DANN DU“
Geraten Sie dennoch jeden Morgen neu in Zeitnot? Planen Sie das Zähneputzen so, dass es nicht wichtig ist, ob jetzt oder in fünf Minuten geputzt wird. So entzerren Sie den Moment und geben Ihrem Kind die Chance, sich auseinanderzusetzen. Freuen Sie sich auf die Bad-Session. Ihr Kind merkt genau, wenn Sie angespannt sind oder wenn Sie übertrieben agieren. Bei der Durchführung des Putzens könnte eine Regel werden, „Erst Mama, dann du alleine“. Halten Sie eine Woche an der Regel fest, damit Ihr Kind sich daran gewöhnt. Sollten Sie erklären wollen, wie Zähneputzen funktioniert, führen Sie das bei sich selbst oder in Papas Mund vor. Das ist viel verständlicher, als wenn das Kind mit der Bürste im Rachen zuhören soll. Wenn Sie konsequent morgens und abends die Zähne putzen und grundsätzlich auf zucker- und fruchtsäurearme Ernährung achten, ist es kein Weltuntergang, wenn das Kind in der Anfangszeit mal nicht so gut putzt. Hören Sie auf Ihren Bauch und setzen Sie sich nicht unter Druck. Das „Nein“ eines Kindes sollte zwar durchaus gehört werden. Oft verwandelt es sich aber ohne Zutun nach fünf Minuten in ein „Ja“ oder verliert an Vehemenz. Wenn die Nerven „blank“ liegen, zelebrieren Sie mit Ihrem Kind eine neue Zahnbürste. Die weckt Stolz und möchte dann auch benutzt werden. Manches Mal hilft ein Wechsel von elektrischer Zahnbürste zu manueller oder andersrum, eine andere Zahnpasta oder eine Tubenquetschhilfe, die für den Moment spannend und anders ist. Verbinden Sie den Gedanken an Zahnpflege mit Genuss und Wohlbefinden. Und trösten Sie sich: Nur ein Jahr später ist zumindest rund um Zahnpflege schon alles Alltag.

Irina Kostic ist Kinderkrankenschwester, Mutter von vier Kindern und Buchautorin. www.irinakostic.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/Zahnpflege.jpg 909 1364 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-06-20 12:16:432017-06-20 14:05:23Zahnpflege leicht gemacht

Plötzlich Papa

Vater zu werden, ist ein ganz besonderer Schritt im Leben eines Mannes. Vor allem, wenn es etwas ungewöhnlich zugeht, wie bei den Männern, die Priska Lachmann getroffen hat.

 

„Ich musste gleich seine Hand halten.“

Michael* ist ganz plötzlich Papa eines zweijährigen Sohnes geworden. Er verliebte sich in eine Frau, die ein Kind mit in die Beziehung brachte. „Mein erstes Zusammentreffen mit Hannes war sehr leicht, weil der Kleine mich sofort in das aktuelle Spiel mit einbezogen hat“, erinnert er sich. „Hannes* hat mir alle seine Spielsachen gezeigt, jedes Spielzeugauto und sogar die Badeente. Am ersten Tag haben wir einen Spaziergang zum See gemacht und ich musste gleich seine Hand halten. Das war ein tolles Gefühl“, schwärmt Michael. Anfangs war er aufgeregt ob seiner neuen Verantwortung. Er war lange Single gewesen und musste innerhalb kürzester Zeit nicht nur Hannes, sondern direkt auch die neuen Schwiegereltern kennen lernen. Da Michael aber von Anfang an wusste, dass seine Freundin ein Kind hat, konnte er sich ganz bewusst darauf einlassen und auch darauf, Hannes wie sein leibliches Kind zu lieben. Die erste Zeit des Zusammenlebens war dann aber doch ungewohnt. Michael merkte schnell, dass ein Kind 100 Prozent des Tages einnimmt und man wenig Zeit für andere Dinge hat. „Ich hatte manchmal Angst, Fehler zu machen. Gerade in Situationen, in denen ich mit Hannes allein war und er Trotzanfälle bekam“, gibt Michael zu. Doch schnell war er in die Papa-Rolle vollends reingewachsen. Er wurde zum Trostspender Nummer eins, zum „Superhelden“ und schließlich zum „echten“ Papa. Zu Beginn hatte Michael Angst, der Rolle als Papa nicht gerecht zu werden, inzwischen erfüllt es ihn mit Stolz, Papa zu sein. Das war und ist für ihn allerdings ein Wachstumsprozess. Die Liebe, die schönen Momente, das Vertrauen, das ihm von Hannes entgegengebracht wird – das alles macht ihn glücklich und dankbar.

* Namen geändert

 

Priska Lachmann ist verheiratet, zweifache Mama, Theologin, freie Redakteurin und Bloggerin von www.mamalismus.com

 

Mehr Beiträge zum Thema „Plötzlich Papa“ gibt es in der Family-Ausgabe 3/17

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/04/Plötzlich-Papa.jpg 605 874 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2017-06-16 10:00:562017-04-19 14:07:45Plötzlich Papa

Kinder finden oft keine Hilfe

Kinder, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind, erfahren oft erst spät oder auch keine Hilfe, weil Familienangehörige zwar von dem Missbrauch wissen, aber nicht handeln. Das ist eins der Ergebnisse des ersten Zwischenberichts der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Seit Mai 2016 haben sich bei der Kommission rund 1.000 Betroffene  für eine vertrauliche Anhörung gemeldet. Davon konnten bisher etwa 200 Personen angehört werden. Zusätzlich sind 170 schriftliche Berichte eingegangen. Bei rund 70 Prozent der Betroffenen, die sich bisher an die Kommission gewandt haben, fand der Missbrauch in der Familie oder im sozialen Nahfeld statt.

In ihrem Bericht stellt die Kommission die besondere Rolle von Müttern fest: Sie treten auch als Täterinnen auf, vorwiegend aber als Mitwissende. Warum sie in vielen Fällen nichts gegen den Missbrauch ihres Kindes unternehmen, hat unterschiedliche Gründe: Abhängigkeiten, erlebte Rechtelosigkeit, Ohnmachtserfahrungen und Gewalt in der Partnerschaft, die Angst vor dem Verlust des Partners oder der gesamten Familie sowie eigene Missbrauchserfahrungen.

Auf die Problematik, dass Kinder, die anderen von ihrem Missbrauch erzählen, häufig keine Hilfe finden, weist auch Family-Autor Christian Rommert hin. Im September erscheint sein Buch „Trügerische Sicherheit. Wie wir Kinder vor sexueller Gewalt in Gemeinden schützen“ (SCM R.Brockhaus). Darin schreibt er: „Ein Kind, das in der Situation des Missbrauchs den Mut findet, sich einem Erwachsenen oder seinem Umfeld gegenüber zu offenbaren, erfährt häufig negative Reaktionen. Einige Experten sagen, dass eine betroffene Person im Durchschnitt bis zu sieben Personen anspricht, bevor jemand hilfreich reagiert. Vorher erleben die Betroffenen häufig Unglauben, Unverständnis und nicht selten sogar Schuldzuweisungen. Junge Mädchen, die ihren Müttern erzählten, dass der Stiefvater sie missbrauchte, erlebten, dass die Mütter ihnen nicht glaubten oder sagten: ‚Jetzt weißt du, wie es ist.'“

Rommerts Buch beschäftigt sich zwar schwerpunktmäßig mit sexuellem Missbrauch in Gemeinden, geht aber auch auf familiäre Situationen ein. Und er gibt Anregungen, was Eltern tun können, wenn das Kind sich ihnen anvertraut: „Wenn Ihr Kind sich Ihnen öffnet, achten Sie darauf, dass Sie nicht überstürzt reagieren. Handeln Sie bedacht, suchen Sie sich selbst Hilfe bei einer geschulten Vertrauensperson der Stadt, des Kinderschutzbundes, der Familienstellen der Caritas oder der Diakonie oder im Internet. Unterbinden Sie jeglichen Kontakt zu den Tatverdächtigen. Wenn Sie davon ausgehen, dass Ihr Kind von Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner oder von großen Geschwistern missbraucht wird, dann ist dies besonders schwer. Überlegen Sie sorgsam, wie Sie weiter vorgehen können, und besprechen Sie dies mit den Fachkräften.“ Den Täter oder die Täterin selbst direkt mit dem Vorwurf zu konfrontieren, davon rät Christian Rommert ab.

Und was kann man tun, um Kinder davor zu schützen, überhaupt Opfer zu werden? „Der wirksamste Schutz gegen sexuelle Gewalt ist ein starkes Kind“, erklärt Christian Rommert. „Kinder, die Unangenehmes äußern, sich zur Wehr setzen, Grenzen setzen können, stehen weniger in der Gefahr, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Außerdem sind Kinder eher in der Lage, Nein zu sagen, wenn ihnen vermittelt wurde, dass Erwachsene nicht immer recht haben und dass auch Erwachsene nicht alles dürfen. Diese Kinder können den Aufbau von missbräuchlichen Systemen, in denen sexuelle Gewalt ermöglicht wird, eher unterbrechen, als Kinder, denen vermittelt wurde, dass Erwachsene immer das letzte Wort haben.“

Bettina Wendland

Redakteurin Family/FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/estherm_photocasen4u8h18pcuey2.jpg 2003 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-06-14 15:05:592017-06-14 15:05:59Kinder finden oft keine Hilfe

Mobile Familie

Ob die Fahrt zum Kindergeburtstag, Training oder Einkaufen – gerade für Familien ist Mobilität wichtig. Aber nicht jede Familie kann oder will sich ein oder gar zwei Autos leisten. Eine gute Alternative sind Carsharing-Angebote. Neben kommerziellen Anbietern wie Stadtmobil oder Greenwheels in Deutschland oder Mobility in der Schweiz gibt es inzwischen auch mehrere Apps oder Webistes, über die man Autos von Privatleuten mieten kann.

Über Drivy (gibt es u.a. in Deutschland und Österreich) bieten Autobesitzer ihren Wagen anderen zur Nutzung an. Der Vorteil: Häufig sind die Autos mit Zubehör ausgestattet, das gerade für Familien relevant ist, zum Beispiel Kindersitze, Dachbox oder Fahrradträger. Wichtig: Jedes Auto ist für die Mietdauer umfassend versichert. In der Schweiz bietet Sharoo einen ähnlichen Service an. Weiterer Vorteil dieser Portale: Autobesitzer, die ihren Wagen nicht ständig brauchen, können ihn vermieten und dadurch refinanzieren.

Aber es muss ja nicht immer das Auto sein. In immer mehr Städten gibt es auch Bikesharing-Angebote. Meist sind hier aber nur „normale“ Fahrräder zu mieten. Gerade für Familien sind Lastenräder eine gute Alternative zum Auto. Aber leider sind sie nicht ganz billig. Das Portal listnride versteht sich als eine Art Airbnb für Fahrräder und hat sich zur Aufgabe gemacht, Fahrradbesitzer und potenzielle Fahrradleiher zusammenzubringen. Neben „normalen“ Rädern sind hier auch Spezialräder wie Tandems oder Lastenräder zu finden. Bisher ist listnride vor allem in Großstädten wie München, Berlin, Amsterdam und Wien gut aufgestellt, sie wollen ihren Service aber in immer mehr Städten und Regionen anbieten. Deshalb suchen sie Radbesitzer, die mit ihrem Rad noch ein bisschen was verdienen wollen. Bei listnride bieten aber nicht nur Privatleute ihre Räder an, auch Fahrradhändler nutzen diese Möglichkeit, ihren Service zu erweitern.

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/06/listnride_Cargo_Family_5.jpg 3482 5223 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-06-12 12:05:142020-05-22 08:44:26Mobile Familie
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