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Artikel aus den Heften

Auf eigenen Füßen – Ehe mit Nichtchristen

Elternfrage: „Unsere Tochter (22) und ihr Verlobter planen zu heiraten. Er teilt unseren christlichen Glauben nicht. Wie können wir als Eltern, die sich einen gläubigen Schwiegersohn gewünscht hätten, weise mit dieser Situation umgehen?“

Die Hoffnung auf eine Ehe des eigenen Kindes, die auf Gott ausgerichtet ist, kann ein starkes Motiv für das elterliche Handeln gegenüber dem Fast-Schwiegersohn und der Tochter sein. Um die Beziehung zur Tochter zu stabilisieren und gleichzeitig die Beziehung zum Schwiegersohn aufzubauen, ist daher Feingefühl vonnöten. Auch, weil Christen von Menschen, die Gott nicht kennen, manchmal als bewertend, kontrollierend oder sogar ausgrenzend empfunden werden. Eine Triebfeder für das Miteinander kann der Bibelvers aus Johannes 13,35 sein: „Eure Liebe zueinander wird der Welt zeigen, dass ihr meine Jünger seid.“

Keine Distanz aufbauen

Fragen, mit denen Sie sich beschäftigen können, um gut mit der Situation umzugehen, sind: Was hilft dem jungen Mann, das persönliche Christsein zu entdecken und zu verstehen? Gibt es Rituale, die Ihre Tochter als einengend wahrgenommen hat oder sogar als sinnentleert empfindet? Gibt es Momente des christlichen Glaubens, die sie auch in ihrer Ehe mit einem Nichtchristen weiterverfolgen möchte? Durch einen inneren Schritt zurück auf einen Beobachtungsposten können Sie als Eltern sogar etwas über Ihren eigenen Glauben lernen. Wo sind die persönlichen Werte tatsächlich auf Jesus Christus ausgerichtet? Wo geht es um Rituale und Traditionen? Gemeinsam können Sie überlegen, welche Geschenke Sie im christlichen Glauben sehen, um diese dann weiterzugeben: Beispielsweise ein ausgesprochener Segen für die Ehe, ein bewusst gewählter Bibelvers für die Tochter oder ein Brief mit Wünschen für die Ehe …

Dabei geht es nicht darum, zu jedem Geburtstag oder möglichen Anlass ein frommes Buch oder einen Bibelverskalender zu schenken. Es geht auch nicht darum, alle Entscheidungen und alle Wochenendaktionen durch Kommentare zu bewerten und stetig zu fragen, ob das junge Paar schon eine Gemeinde für sich ausprobiert hat. Diese Punkte führen zu Distanz. Es führt womöglich auch dazu, dass sich Ihre Tochter falsch fühlt. Es geht darum, etwas mit wirklichem Wert aus Ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus an Ihre Tochter und gegebenenfalls auch an das Paar zu schenken.

Die Kraft des Segens

Es beweist dienende Liebe, wenn Sie als Eltern mit den Grenzen und Abgrenzungen des jungen Paares gelassen umgehen. Die Beziehung wird stärker durch die Bereitschaft, Ihrer Tochter den Freiraum für eigene Entscheidungen zu lassen. Sie haben auf Ihrer Seite etwas, was unschlagbar ist: die Kraft des Gebetes und des Segens. Mit Ihrem engagierten Einsatz als Betende können Sie persönlich, aber auch im Leben Ihrer Tochter mit spannenden Entwicklungsschritten rechnen.

Stefanie Diekmann ist Gemeindereferentin in Göttingen, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/04/Ehe-mit-Nichtchristen.png 960 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-06-10 08:50:452025-06-16 08:58:11Auf eigenen Füßen – Ehe mit Nichtchristen

Zur Konfliktfähigkeit erziehen

Um in Familien Frieden zu leben, brauchen wir eine gesunde Konfliktkultur. Für Dorothea Beier liegt der Schlüssel dazu in einer zugewandten Art der Kommunikation.

Von Kindern höre ich oft Sätze wie: „Am schönsten fände ich es, wenn immer Frieden wäre!“ „Ich mag keinen Streit!“ „Wenn Mama und Papa sich streiten, bin ich traurig!“ Auch Eltern bekunden immer wieder, dass sie sich so sehr ein harmonisches Miteinander in ihrer Familie ohne Konflikte wünschen. Doch dies im Alltag umzusetzen, fällt oft schwer. Nicht selten fühlen sich Eltern überfordert mit Geschwistereifersucht, Trotzanfällen, Streitigkeiten am Esstisch, dem Kampf um die Hausaufgaben, Machtkämpfen und anderem.

Perspektive eines Beobachters

Eltern und Kinder handeln nach ihrer besten Option! Kinder sind nicht bewusst böswillig und auch Eltern wollen für ihre Kinder das Beste. Woran liegt es aber, dass es im Zusammenleben häufig zu Konflikten kommt? Und wie können wir unseren Kindern helfen, Konfliktfähigkeit zu erlangen? Dazu ist eine Frage wesentlich: Was wünschen sich eigentlich Kinder und was brauchen Eltern?

Gehen wir einmal in eine Beobachterrolle: Ein Kind zerbricht versehentlich einen Teller. Nicht selten kann man erleben, wie es dann ausgeschimpft wird, wie ihm Befehle erteilt und Vorwürfe gemacht werden. Passiert dieses Missgeschick einem Freund oder einer Freundin, wird dies entschuldigt. Erwachsenen gegenüber sind wir häufig loyal, wir vermeiden kritische Bemerkungen, die ihren Stolz treffen könnten. Kinder werden oft vor anderen kritisiert und herabgesetzt, weil man glaubt, dass sie schließlich erzogen werden müssen. Kinder und Erwachsene haben gleichermaßen das Bedürfnis nach Respekt. Das bedeutet: Wir möchten gesehen, verstanden, geliebt und anerkannt werden. Konflikte entstehen, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt und frustriert werden. Wir tun gut daran, wenn wir unseren Kommunikationsstil einmal überprüfen und nachspüren: Wie haben wir uns als Kind gefühlt, wenn Erwachsene uns so behandelt haben?

Wie ging es uns, wenn wir beschimpft wurden, wenn wir Befehle erhielten, etwa: „Geh sofort in dein Zimmer!“? Was haben wir gespürt, wenn man uns gedroht hat, wenn wir uns Moralpredigten anhören mussten? Wie fühlten sich Vorwürfe oder Verhöre an? Die Palette von gut gemeinten Methoden in der Kindererziehung ist endlos. Die Reaktionen darauf sind oft sehr unerfreulich und forcieren die Konflikte eher.

Bedürfnisse erspüren

Die häufigste Ursache für Konflikte können wir immer wieder in Kommunikationsformen finden, die wir unreflektiert und automatisiert anwenden. Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ohne Widerrede auf sie hören und tun, was sie ihnen sagen. Kinder haben aber häufig in solch einem Moment andere Wünsche oder Bedürfnisse und fühlen sich nicht verstanden, wenn sie Befehle erhalten und Dinge tun sollen, die gerade nicht mit ihren Bedürfnissen übereinstimmen. Das erzeugt Unmut, den sie dann auch ausdrücken. Eltern fühlen in solch einer Situation häufig Ärger und reagieren entsprechend. Das führt dann wiederum beim Kind zu Unwillen und manchmal sogar zu Aggression. Konditionieren sich diese Verhaltensmuster, gehören Konflikte mit Machtkämpfen, Geschrei und Beschimpfungen zur Tagesordnung.

Eltern können aus solchen Mustern aussteigen und damit auch ihren Kindern helfen, konfliktfähig zu werden. Zunächst ist es mühsam, den Autopiloten auszuschalten, aber es lohnt sich.

Gefühle erklären, Verhalten verstehen

Um neue Muster der Kommunikation zu erlernen, ist es wichtig, dass Eltern sich erst einmal selbst verstehen und anfangen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu erspüren. Dies kann man z.B. herausfinden, indem man anfängt, anstelle einer Du-Botschaft, die wir häufig in der Kindererziehung verwenden, nun eine Ich-Botschaft an das Kind auszusenden. Anstelle von „Du störst mich gerade sehr, hör endlich auf mit dem Lärm!“, könnte man in der Ich-Botschaft dem Kind erklären: „Es ist hier gerade sehr laut. Ich bin darüber verärgert, weil ich noch etwas arbeiten muss.“ In einer Ich-Botschaft nennen wir das Gefühl, welches wir gerade durch das Verhalten des Kindes haben.

Wir zeigen dem Kind, was ihr Verhalten bei uns auslösen kann. Benennen wir unser Gefühl, so wird das Kind nicht verurteilt oder beschuldigt. Auf diese Weise helfen wir auch unseren Kindern, einen Zugang zu ihren Gefühlen zu bekommen. Wichtig ist, dem Kind erst einmal zuzuhören, um ihm dann das Bedürfnis hinter seinem Verhalten spiegeln zu können. Das Kind erkennt dadurch, dass man bereit ist, es zu verstehen und zu akzeptieren. Das kann Wunder wirken! Wir können hinter jedem Verhalten eines Kindes Signale erkennen, die es aussendet, um verstanden zu werden.

Gemeinsam Lösungen für Konflikte finden

Häufig entsteht zum Beispiel Geschwisterstreit, weil ein Kind in seinem Bedürfnis durch das andere Kind frustriert ist. Ein Beispiel: Zwei Kinder, Lucas und Till, haben einen heftigen Konflikt. Lucas hat Till sein Lieblingsspielzeug weggenommen und möchte es ihm nicht wiedergeben. Als seine Mutter ihm sagt: „Till ist traurig und wütend darüber“, gibt er zur Antwort: „Er ist doch selbst schuld daran!“ Die Mutter versucht sich empathisch mit ihm zu verbinden und antwortet: „Kann es sein, dass es sich für dich gut anfühlt, wenn du deinem Bruder das Spielzeug wegnimmst? Möchtest du vielleicht Till für etwas bestrafen?“ Daraufhin antwortet er: „Till spielt nur noch mit seinem Freund und ich muss allein spielen.“

Jetzt wusste die Mutter, was sein Bedürfnis war, und antwortet ihm: „Du wünschst dir, dass Till dich beachtet, mit dir spielt und dich sieht. Du ärgerst ihn, damit du von ihm Aufmerksamkeit bekommst, stimmt das?“ Gemeinsam sucht sie mit ihm nach einer besseren Lösung für das Problem, was ihm wiederum Wertschätzung und Anerkennung gibt und damit gute Gefühle auslöst.

Kinder lernen Konfliktfähigkeit, wenn sie sich verstanden und akzeptiert fühlen. Sie lernen es, sich in andere Menschen einzufühlen, indem wir es ihnen vorleben.

Dorothea Beier ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin sowie Spiel- und Bewegungstrainerin mit eigener Praxis. Sie lebt und arbeitet in Uelzen.
praxis-dbeier.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/05/Familie_GettyImages_AleksandarNakic.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-06-02 08:45:522025-06-10 08:48:02Zur Konfliktfähigkeit erziehen

11 bis 15 – So findet ihr die passende Nachhilfe

Elternfrage: „Unsere Tochter (14) braucht Unterstützung in zwei Schulfächern. Wir finden es schwer zu entscheiden, welche Nachhilfe am besten ist. Wie können wir eine gute Entscheidung treffen?“

Fragen zur Schule haben etwas gemeinsam mit Fragen an den Arzt: Es geht immer um einen speziellen Fall. Allgemeine Antworten helfen oft zu wenig weiter, erst recht aus der Ferne. In Japan ist es zum Beispiel beinahe selbstverständlich, dass Jugendliche nach der Schule in privaten Lerninstituten am Lernstoff arbeiten; hierzulande gilt Nachhilfe vielen indes als etwas Lästiges, gar Diskriminierendes. Zwischen diesen Extremen gilt es, einen Mittelweg zu finden.

Privatlehrer oder Institut?

Beide Varianten der Nachhilfe, privater Coach wie Lerninstitut, haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Privatlehrer kann auf die Probleme Ihrer Tochter genauer eingehen, erklärt aber vielleicht auch zu viel – wenn es eigentlich darum ginge, dass sie zu mehr Aktivität verlockt werden müsste. Auch ältere Schüler mit ihrem Peer-Bonus könnten durchaus geeignete Helfer sein. Lerninstitute gehen eher schematisch vor, sind dafür in der Regel finanziell günstiger; dort ist man mit seinen Schwächen auch nicht allein und kann mit anderen Schülern zusammenarbeiten – sich aber auch in der Gruppe verstecken. Bei beiden Wegen stellt sich immer die Frage der Qualität. „Auf dem Markt“ kann man sich umhören, welche Erfahrungen andere Eltern bereits gemacht haben. Letztlich steht im Mittelpunkt die Frage: Wie geht es denn Ihrer Tochter mit dem Lernen, wo liegen ihre Probleme, welche Unterstützung braucht sie genau?

Ein Ziel für die Mühen abstecken

Mit 14 stecken Jugendliche in der Pubertät. Es ist eine Zeit voller innerer wie äußerer Turbulenzen, da kann vieles eine Rolle spielen: Ist sie insgesamt lernmotiviert, hat aber in zwei Fächern Probleme mitzuhalten, trotz eigenen Bemühens? Ist das schon länger der Fall oder erst nach eigener Krankheit oder einem Lehrerwechsel – und um welche Fächer handelt es sich? Oder hat sie aktuell – vielleicht schon seit Längerem – insgesamt einfach „keinen Bock“ auf Schule und ist deshalb ins Minus geraten? Welche Schulform besucht sie eigentlich – und falls es sich um ein Gymnasium handelt: Ist sie dort möglicherweise anhaltend überfordert, würde sich auf einer anderen Schulform der Sekundarstufe wohler fühlen und besser entwickeln? Wo sieht sie sich in 10 und in 25 Jahren? An welcher Stelle der Gesellschaft möchte sie als Erwachsene ihre Frau stehen, welche berufliche Vision hat sie? Denn ein Ziel zu haben, das macht die Mühen des Weges dorthin um vieles erträglicher.

Vielleicht gibt es auch noch einen dritten Weg: Manche Jugendliche haben mit ihren Eltern derart wenig Kontakt, dass sie es als eine wichtige Zuwendung und Unterstützung erleben, wenn diese selbst sich ihrer fachlichen Defizite annehmen. Solches Home-Coaching funktioniert natürlich nur mit Eltern, die bei Fehlern der Kinder nicht nervös werden, die sich echt interessieren und die subtil ermutigen können. Wo das gelingt, hat man einiges gespart – und kann sich ab und zu gemeinsam etwas leisten.

Michael Felten ist Lehrer im Ruhestand, Autor und Referent.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/04/Nachhilfe.png 960 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-06-02 08:02:472025-06-02 08:02:4711 bis 15 – So findet ihr die passende Nachhilfe

Ich handle mich glücklich: Experte verrät, wie das geht

Gefühle beeinflussen unser Handeln. Das gilt auch in der Partnerschaft. Aber funktioniert es auch andersherumg? Ja, sagt Paarexperte Marc Bareth!

Lisa hat verschlafen und ist zu spät zur Teamsitzung gekommen. Sie ist frustriert. An der Kaffeetheke drängelt sich ihr Kollege Max versehentlich vor. Normalerweise würde Lisa nichts sagen, aber heute gehen die negativen Gefühle mit ihr durch und sie fährt ihn gereizt an: „Hast du nicht gesehen, dass ich hier stehe?“ Max entschuldigt sich verdutzt.

Dass unsere Gefühle unser Verhalten beeinflussen, ist allen klar. Lisa hätte nicht so unfreundlich reagiert, wenn sie sich besser gefühlt hätte. Doch es funktioniert auch umgekehrt: Unser Verhalten beeinflusst unsere Gefühle. Tom ist nach einem langen Tag gestresst und schlecht gelaunt. Obwohl er keine Lust hat, geht er mit ein paar Freunden essen. Die Stimmung ist gut und im Laufe des Abends merkt er, wie seine Laune sich hebt und der Stress langsam verschwindet. Unsere Gefühle und unser Handeln beeinflussen sich also gegenseitig. Das kann auch hilfreich für die Partnerschaft sein.

Keine schnelle Lösung

Es ist schwierig, unsere Gefühle gegenüber dem Partner auf die Schnelle zu ändern. Wenn er den Abwasch nicht gemacht hat oder sie vor anderen eine abfällige Bemerkung über dich macht, fühlst du dich alleingelassen oder nicht wertgeschätzt. Da nützt es herzlich wenig, wenn du versuchst, dich jetzt anders zu fühlen.

In der Regel lassen wir in einem solchen Fall unsere Emotionen unser Handeln bestimmen. Unsere negativen Gefühle führen zu einer angriffigen oder schmollenden Reaktion, die uns direkt in einen Konflikt schlittern lässt.

Zum Glück ist es kein Naturgesetz, dass wir uns unseren Gefühlen entsprechend verhalten müssen. Im Gegenteil: Wir können unser Verhalten einsetzen, um unsere negativen Gefühle zu verändern. Wenn wir uns so verhalten, als ob wir ein bestimmtes Gefühl für unseren Partner oder unsere Partnerin hätten, wird sich dieses Gefühl oft auch einstellen. Wenn wir unseren Partner zum Beispiel freundlich behandeln, werden wir uns bald auch so fühlen, auch wenn wir vorher vielleicht wütend waren.

Wohlwollend und versöhnlich

Ich plädiere auf keinen Fall dafür, Gefühle zu übergehen und immer so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Das ist ungesund und vor allem nicht nachhaltig. Negative Gefühle sollen wahrgenommen und als Signale anerkannt werden, dass etwas nicht stimmt. Die Kunst besteht darin, sich dann nicht von ihnen leiten zu lassen, sondern sich trotzdem liebevoll, wohlwollend oder versöhnlich zu verhalten. Das wiederum wird dazu führen, dass unsere Gefühle nachziehen. Mit etwas Abstand können wir dann die Situation nochmals anschauen, die die negativen Gefühle ausgelöst hat.

Konkret könnte das so aussehen: Julia ist wütend auf ihren Partner Ben, weil er einen wichtigen Termin vergessen hat. Sie würde am liebsten distanziert bleiben und ihn ignorieren. Doch bewusst entscheidet sie sich, freundlich mit ihm zu reden und ihm von ihrem Tag zu erzählen. Während sie spricht und er ihr aufmerksam zuhört, merkt sie, wie ihr Ärger langsam abklingt und sie sich ihm wieder näher fühlt. Weil sich ihre Gefühle durch ihr Handeln verändert haben, kann sie nun auf eine konstruktive Art mit Ben ins Gespräch über die vergessene Verabredung kommen.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/05/Verhalten-und-Gefuehle_BN_GettyImages_Vuk-Saric.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-05-27 16:38:482025-05-27 16:38:48Ich handle mich glücklich: Experte verrät, wie das geht

6 bis 10 – So gelingt der Schulstart ohne Druck

Elternfrage: „Im Sommer ist der Schulstart unseres Sohnes. Wie können wir ihn darauf vorbereiten, dass es bald viel mehr um Leistung und Bewertungen geht, als er es aus der Kindergartenzeit gewohnt ist?“

Das Magengrummeln beim Gedanken an den Schulstart ist nicht unberechtigt, weil Schule einiges im Gepäck hat, was Kinder vorher noch nicht kannten: mehr Fremdbestimmung, weniger Begleitung, wechselnde Bezugspersonen, mehr geforderte Selbstständigkeit und ja, definitiv auch mehr Bewertungen. Um ein Kind darauf vorzubereiten, sollte man aber gar nicht so sehr von den Leistungsthemen selbst ausgehen. Es benötigt kein Rechen- oder Lesetraining und keine Disziplinierungen, wenn Ordnung nicht klappt. Ein Kind wird am besten schul-, lern- und damit auch lebensfit, wenn der Fokus auf Beziehungsstärke und Bewältigungskraft liegt.

Beziehungsstärke

Bis zur Einschulung haben viele Eltern die Frage im Kopf: „Geht es meinem Kind gut?“ Das darf auch nach der Einschulung so bleiben. Ein Wechsel auf den Blick „Passt mein Kind sich an? Oder fällt es nicht auf?“ ist fehl am Platz. Denn diese Perspektive erzeugt zum einen unguten Druck, der die Beziehung gefährden kann. Zum anderen übersieht sie, dass unter schulischen Kompetenzen ein Gerüst aus emotionalen Kompetenzen liegen sollte, um den Schulalltag und andere Herausforderungen meistern zu können.

Das heißt, bei jeder Problematik, die nach dem Schulstart ansteht, sollte die erste Frage immer sein: „Wie geht es uns miteinander, und sind wir gut in Beziehung?“ Dann könnt ihr weiterschauen, was jeder von euch braucht und wie ein Problem zu lösen ist. Das Kind ist auf diese Weise verlässlich eingebettet und kann mit Urvertrauen ins Leben gehen. Es weiß, dass ihr hinter ihm steht, egal, was es leistet, egal, wie es bewertet wird. Starke Beziehungen geben Kraft. Und sehr wahrscheinlich wird es sich mit allen Sorgen an euch wenden.

Bewältigungskraft

Spürt ein Kind in einer solchen starken Eltern-Kind-Beziehung Zutrauen, Rückhalt und bekommt außerdem zu Hause Hilfe zur Selbsthilfe, sodass es selbst Probleme lösen kann und darf, ist es super vorbereitet für die Schule. Es wird sich äußern, wenn es ihm nicht gutgeht oder es etwas nicht kann. Es wird bei Herausforderungen nicht sofort in Panik verfallen, sondern sich Lösungen ausdenken können oder wissen, mit wem es gemeinsam nach einer Lösung suchen kann. So benötigt ein Kind keine Patentlösungen und kein Superheldentum von Anfang an: Stifthaltung kann sich entwickeln, statt Schnürsenkel dürfen es auch Klettverschlüsse sein. Der erste Misserfolg in Mathe oder Deutsch darf betrauert werden, aber regt auch zum Weiterlernen an.

Ein weiterer wichtiger Impuls für den Alltag mit Leistungsbewertungen: dem Kind beizubringen, sich immer mit sich selbst über die Zeit zu vergleichen, nicht mit anderen: „Wo hast du Fortschritte gemacht? Was ist anders als vor drei Wochen oder drei Monaten?“ Auch das trägt zur Bewältigungskraft rund um Schule bei.

Inke Hummel, Pädagogin M.A., bietet Eltern als Familienbegleiterin, Erziehungsberaterin und pädagogischer Coach Beratung an.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/04/Schulstart-ohne-Druck.png 960 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-05-26 13:37:142025-05-26 13:37:146 bis 10 – So gelingt der Schulstart ohne Druck

Konflikte mit Kindern: Worauf es in der Erziehung ankommt

In Familien gehören Konflikte zur Tagesordnung. Da braucht es eine gesunde Konfliktkultur. Für Erziehungscoach Dorothea Beier liegt der Schlüssel dazu in einer zugewandten Art der Kommunikation.

Von Kindern höre ich oft Sätze wie: „Am schönsten fände ich es, wenn immer Frieden wäre!“ „Ich mag keinen Streit!“ „Wenn Mama und Papa sich streiten, bin ich traurig!“ Auch Eltern bekunden immer wieder, dass sie sich so sehr ein harmonisches Miteinander in ihrer Familie ohne Konflikte wünschen. Doch dies im Alltag umzusetzen, fällt oft schwer. Nicht selten fühlen sich Eltern überfordert mit Geschwistereifersucht, Trotzanfällen, Streitigkeiten am Esstisch, dem Kampf um die Hausaufgaben, Machtkämpfen und anderem.

Perspektive eines Beobachters

Eltern und Kinder handeln nach ihrer besten Option! Kinder sind nicht bewusst böswillig und auch Eltern wollen für ihre Kinder das Beste. Woran liegt es aber, dass es im Zusammenleben häufig zu Konflikten kommt? Und wie können wir unseren Kindern helfen, Konfliktfähigkeit zu erlangen? Dazu ist eine Frage wesentlich: Was wünschen sich eigentlich Kinder und was brauchen Eltern?

Gehen wir einmal in eine Beobachterrolle: Ein Kind zerbricht versehentlich einen Teller. Nicht selten kann man erleben, wie es dann ausgeschimpft wird, wie ihm Befehle erteilt und Vorwürfe gemacht werden. Passiert dieses Missgeschick einem Freund oder einer Freundin, wird dies entschuldigt. Erwachsenen gegenüber sind wir häufig loyal, wir vermeiden kritische Bemerkungen, die ihren Stolz treffen könnten. Kinder werden oft vor anderen kritisiert und herabgesetzt, weil man glaubt, dass sie schließlich erzogen werden müssen. Kinder und Erwachsene haben gleichermaßen das Bedürfnis nach Respekt. Das bedeutet: Wir möchten gesehen, verstanden, geliebt und anerkannt werden. Konflikte entstehen, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt und frustriert werden. Wir tun gut daran, wenn wir unseren Kommunikationsstil einmal überprüfen und nachspüren: Wie haben wir uns als Kind gefühlt, wenn Erwachsene uns so behandelt haben?

Wie ging es uns, wenn wir beschimpft wurden, wenn wir Befehle erhielten, etwa: „Geh sofort in dein Zimmer!“? Was haben wir gespürt, wenn man uns gedroht hat, wenn wir uns Moralpredigten anhören mussten? Wie fühlten sich Vorwürfe oder Verhöre an? Die Palette von gut gemeinten Methoden in der Kindererziehung ist endlos. Die Reaktionen darauf sind oft sehr unerfreulich und forcieren die Konflikte eher.

Bedürfnisse erspüren

Die häufigste Ursache für Konflikte können wir immer wieder in Kommunikationsformen finden, die wir unreflektiert und automatisiert anwenden. Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ohne Widerrede auf sie hören und tun, was sie ihnen sagen. Kinder haben aber häufig in solch einem Moment andere Wünsche oder Bedürfnisse und fühlen sich nicht verstanden, wenn sie Befehle erhalten und Dinge tun sollen, die gerade nicht mit ihren Bedürfnissen übereinstimmen. Das erzeugt Unmut, den sie dann auch ausdrücken. Eltern fühlen in solch einer Situation häufig Ärger und reagieren entsprechend. Das führt dann wiederum beim Kind zu Unwillen und manchmal sogar zu Aggression. Konditionieren sich diese Verhaltensmuster, gehören Konflikte mit Machtkämpfen, Geschrei und Beschimpfungen zur Tagesordnung.

Eltern können aus solchen Mustern aussteigen und damit auch ihren Kindern helfen, konfliktfähig zu werden. Zunächst ist es mühsam, den Autopiloten auszuschalten, aber es lohnt sich.

Gefühle erklären, Verhalten verstehen

Um neue Muster der Kommunikation zu erlernen, ist es wichtig, dass Eltern sich erst einmal selbst verstehen und anfangen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu erspüren. Dies kann man z.B. herausfinden, indem man anfängt, anstelle einer Du-Botschaft, die wir häufig in der Kindererziehung verwenden, nun eine Ich-Botschaft an das Kind auszusenden. Anstelle von „Du störst mich gerade sehr, hör endlich auf mit dem Lärm!“, könnte man in der Ich-Botschaft dem Kind erklären: „Es ist hier gerade sehr laut. Ich bin darüber verärgert, weil ich noch etwas arbeiten muss.“ In einer Ich-Botschaft nennen wir das Gefühl, welches wir gerade durch das Verhalten des Kindes haben.

Wir zeigen dem Kind, was ihr Verhalten bei uns auslösen kann. Benennen wir unser Gefühl, so wird das Kind nicht verurteilt oder beschuldigt. Auf diese Weise helfen wir auch unseren Kindern, einen Zugang zu ihren Gefühlen zu bekommen. Wichtig ist, dem Kind erst einmal zuzuhören, um ihm dann das Bedürfnis hinter seinem Verhalten spiegeln zu können. Das Kind erkennt dadurch, dass man bereit ist, es zu verstehen und zu akzeptieren. Das kann Wunder wirken! Wir können hinter jedem Verhalten eines Kindes Signale erkennen, die es aussendet, um verstanden zu werden.

Gemeinsam Lösungen für Konflikte finden

Häufig entsteht zum Beispiel Geschwisterstreit, weil ein Kind in seinem Bedürfnis durch das andere Kind frustriert ist. Ein Beispiel: Zwei Kinder, Lucas und Till, haben einen heftigen Konflikt. Lucas hat Till sein Lieblingsspielzeug weggenommen und möchte es ihm nicht wiedergeben. Als seine Mutter ihm sagt: „Till ist traurig und wütend darüber“, gibt er zur Antwort: „Er ist doch selbst schuld daran!“ Die Mutter versucht sich empathisch mit ihm zu verbinden und antwortet: „Kann es sein, dass es sich für dich gut anfühlt, wenn du deinem Bruder das Spielzeug wegnimmst? Möchtest du vielleicht Till für etwas bestrafen?“ Daraufhin antwortet er: „Till spielt nur noch mit seinem Freund und ich muss allein spielen.“

Jetzt wusste die Mutter, was sein Bedürfnis war, und antwortet ihm: „Du wünschst dir, dass Till dich beachtet, mit dir spielt und dich sieht. Du ärgerst ihn, damit du von ihm Aufmerksamkeit bekommst, stimmt das?“ Gemeinsam sucht sie mit ihm nach einer besseren Lösung für das Problem, was ihm wiederum Wertschätzung und Anerkennung gibt und damit gute Gefühle auslöst.

Kinder lernen Konfliktfähigkeit, wenn sie sich verstanden und akzeptiert fühlen. Sie lernen es, sich in andere Menschen einzufühlen, indem wir es ihnen vorleben.

Dorothea Beier ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin sowie Spiel- und Bewegungstrainerin mit eigener Praxis. Sie lebt und arbeitet in Uelzen.
praxis-dbeier.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/05/Familie_GettyImages_AleksandarNakic.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-05-23 12:29:582025-05-23 12:29:58Konflikte mit Kindern: Worauf es in der Erziehung ankommt

Schüchternes Kind findet keine Freunde? Das können Eltern tun!

Wenn schüchterne Kinder Schwierigkeiten haben, Freunde zu finden, können Eltern helfen. Bestseller-Autorin Nicola Schmidt gibt vier Tipps.

Es ist gut, sich die Frage zu stellen, wie wir in die Freundschaften unserer Kinder investieren können: Freunde sind extrem wichtig und können einen sehr positiven Einfluss auf Kinder haben. Schon ein einziger enger Freund kann dafür sorgen, dass sie besser mit schwierigen Zeiten klarkommen, herausfordernde Situationen in der Schule leichter bewältigen oder weniger Stress bei Tests haben. Dennoch haben Kinder unterschiedliche Wege, Freunde zu finden, und nicht jedes Kind braucht viele Freunde – manchmal reicht ein einziger. Als Erstes müssen wir also unterscheiden, ob wir ein schüchternes Kind haben, das eigentlich gern mit anderen spielen möchte und dabei Hilfe braucht oder ob wir ein Kind haben, das allein lesen, malen und für sich sein möchte. Wenn unser Kind sich – mehr – Freunde wünscht, können wir es gut mit den folgenden Tipps unterstützen.

1. Berührungspunkte aufspüren

Freundschaft zwischen Menschen beruht auf Gemeinsamkeiten – gemeinsamen Interessen, Erfahrungen oder Tätigkeiten. Wir fragen also unser schüchternes Kind: Wer teilt die gleichen Interessen? Wer wohnt in der Nähe? Wer ist nett?

2. Zueinander finden

Wenn wir das wissen, geht es mit dem zweiten Schritt weiter: Wie geht man auf Menschen zu? Wir können unser Schulkind ermuntern, die anderen Kinder zu fragen: Was spielen sie gern? Welche Musik interessiert sie? Welche Tiere? Welcher Sport? Wir wissen aus Studien, dass Kinder, die anderen Kindern gezielt zweimal am Tag helfen, mehr Freunde haben. Wem könntest du deine Stifte leihen? Wer würde gern einen von deinen Keksen probieren?

3. Unvollkommenheit normalisieren

Als Nächstes können wir unserem Kind beibringen, dass Freunde nicht perfekt sein müssen: „Aber niemand interessiert sich für Schach!“, schimpft unser Schulkind vielleicht. Okay, das können wir nicht ändern, aber was wäre für dich auch okay? Gehst du gern in die Natur? Interessierst du dich für Mathematik? Sogar: Findet noch jemand den Kunstunterricht langweilig? All das können Gemeinsamkeiten sein, auf denen wir Kontakt aufbauen können.

4. Treffen planen

Anschließend machen wir eine Spielverabredung in unserem Zuhause aus, weil sich schüchterne Kinder hier oft wohler und sicherer fühlen. Das kann auch heißen, auf „unserem“ Spielplatz, in „unserem“ Wald, in „unserem“ Zoo. Manchmal haben Kinder das Gefühl, dass sie „nichts zu bieten“ haben. Da kann es sehr hilfreich sein, an einen Ort zu gehen, den sie mögen, den sie kennen und den sie dem anderen Kind „zeigen“ können. Wenn sich unser schüchternes Kind jetzt windet: „Vielleicht langweilt sie sich aber dann doch!“ und nicht weiterweiß, können wir Situationen durchsprechen: Was könnte passieren? Wie möchtest du reagieren? Was könntest du sagen oder tun? Wie könnte ich dir helfen?
Auf diese Weise kann unser schüchternes Kind „Freundschaft“ üben und lernen – eine Fähigkeit, die ihm ein Leben lang helfen wird.

Nicola Schmidt ist Bestseller-Autorin und Gründerin des artgerecht-Projektes. Mehr Infos zum Thema bietet ihr Buch „artgerecht – das andere Schulkinderbuch“ (Kösel).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/05/Schuechternes-Kind_GettyImages_Wavebreakmedia.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-05-20 14:48:092025-05-20 14:48:09Schüchternes Kind findet keine Freunde? Das können Eltern tun!

3 bis 5 – So wird der Sonntag mit Kindern entspannter

Elternfrage: „Sonntage sind bei uns oft die anstrengendsten Tage in der Woche. Wir möchten das ändern. Habt ihr Anregungen, wie der Sonntag mit Kindern im Kita-Alter auch ein Ruhetag werden kann?“

Oh ja, Sonntage mit Kindern in diesem Alter können echt herausfordernd sein! Mir haben ein paar Punkte dabei geholfen, mehr Ruhe am letzten Tag der Woche zu erfahren. Vielleicht sind auch Anregungen für euch dabei:

1. Vorbereitung

Manche Dinge, die mich am Sonntag stressen, lassen sich gut vorbereiten und dadurch vermeiden. Zum Beispiel kann ich unter der Woche ein Mittagessen vorkochen und einfrieren oder samstags die Wäsche durchwaschen und Ordnung schaffen. Wenn es zeitlich knapp ist, darf das auch heißen, die Wäsche und Unordnung hinters Sofa zu schieben und Tiefkühlpizzen zu kaufen. Außerdem kann ich samstagabends eine Dose Apfelschnitze, die Toniebox und Kopfhörer hinlegen: Wenn die Kinder morgens früh aufstehen und man selbst noch ein bisschen liegenbleiben will, lässt sich so die Zeit im Bett noch etwas verlängern, bis es für alle Frühstück gibt.

2. Rituale zum Tagesstart

Kleine, wiederkehrende Rituale machen auch den Kindern sichtbar, dass heute ein besonderer Tag ist. Das können zum Beispiel Zutaten zum Frühstück sein, die es nur sonntags gibt oder eine Kerze, die die Kinder anzünden dürfen. Oder eben die Apfelschnitze im Bett.

3. „Wunschzeiten“

In der Familie kommen viele unterschiedliche Vorstellungen zusammen, wie ein Ruhetag aussehen sollte. Eine Freundin von mir hat deshalb „Wunschzeiten“ eingeführt, und wir haben damit auch gute Erfahrungen gemacht. Dazu sprechen wir darüber, welche Idee jeder von einem Ruhetag hat. Zuerst unter uns Eltern und dann auch mit den Kindern. Mit Kindergartenkindern lassen sich die Wünsche auf Bildkärtchen festhalten. Darauf könnte zum Beispiel „Spielplatz“, „Lego bauen“, „Lesen“ oder „Allein spazieren gehen“ stehen. Fangt bei der Umsetzung der Wünsche klein an: 20 Minuten reichen für den Anfang. Eine Sanduhr kann dabei helfen, die Zeit für die Kinder zu visualisieren. Dann heißt es: Bis die Sanduhr abgelaufen ist, liest Mama allein draußen ein Buch und Papa ist zuständig. Oder wir spielen alle zusammen Feuerwehr. Wenn die Kinder wissen, dass sich in ihrer Zeit alles auf sie konzentriert, ist es für sie auch leichter, uns Erwachsenen unsere Zeit zu geben, wenn wir dran sind.

4. Verabredungen

Für mich sind die entspanntesten Zeiten oft die, wenn wir mit Freunden zusammen sind, die Kinder im ähnlichen Alter haben. Dann sind die Kinder miteinander beschäftigt und wir haben Zeit für Austausch. Der Besuch von einer befreundeten Familie kann ein schönes Sonntagsritual sein, das allen Bedürfnissen gerecht wird.

5. Erwartungen loslassen

Ganz ehrlich: Der Sonntag mit kleinen Kindern wird nicht mehr so ruhig sein wie in der Zeit vor den Kindern. Manchmal machen uns die eigenen Erwartungen den größten Stress. Den Sonntag, an dem wir so richtig zur Ruhe kommen, die Wohnung ordentlich bleibt und das Essen drei Gänge hat, wird es womöglich erst wieder geben, wenn alle ausgezogen sind. Bis dahin gehen wir kleine Schritte. Manchmal auch zwei vor und einen wieder zurück. Wir fangen damit an, samstagabends die Wäsche hinters Sofa zu schieben, Tiefkühlpizza einzukaufen und uns mit Hilfe einer Sanduhr Lesezeit zu gönnen. Wir arbeiten uns langsam vor und feiern die kleinen Erfolge.

Sarah Franke ist Erzieherin und Gemeinde­pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie im Schwarzwald und bloggt.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/04/Sonntag-mit-Kindern.png 960 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-05-20 06:14:092025-06-10 08:48:563 bis 5 – So wird der Sonntag mit Kindern entspannter

Überall Spielzeug? Nein Danke!

Spielzeug türmt sich, es ist ständig unaufgeräumt und chaotisch. Madeleine Ramstein hat einen kreativen Weg gefunden, die Spielzeugberge abzubauen.

Meine Kinder lieben es, zu spielen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Doch trotz des vielfältigen Angebots an Spielzeugen in unserem Zuhause greifen sie oft zu Dingen, die sie in unserem Haushalt finden: Töpfe, Decken, Stühle … Wenn ein neues Spielzeug seinen Weg zu uns findet, geht es bald in dem Berg an vorhandenen Spielsachen unter. Es ist ein Phänomen, das wohl viele Eltern kennen: Das Interesse an einem Geburtstagsgeschenk verblasst schnell. Und wenige Wochen später findet sich das Spielzeug in einer verstaubten Schublade wieder.

Ich erinnere mich noch lebhaft an die fesselnden Werbespots in meiner Kindheit, welche die neuesten Spielsachen präsentierten: Flugzeuge, bei denen man das Gefühl hatte, wirklich fliegen zu können. Kleine Puppen, die zur Musik tanzten und mich in fremde Welten voller Abenteuer eintauchen ließen. Die Werbung suggerierte, dass ich mich mit genau diesem Spielzeug in eine wunderbare Welt voller Möglichkeiten begeben konnte. Doch die Realität sah oft anders aus: Das Spielzeug konnte dieses Versprechen nicht halten.

Kein Spielzeug und ein schlechtes Gewissen

Ähnliches beobachtete ich bei meinen Kindern: Ihre Spielsachen dienten in erster Linie dazu, den Fußboden zu bevölkern. Meine Kinder schafften es in kürzester Zeit, ein riesiges Chaos zu verursachen. Das anschließende Aufräumen dauerte oft länger als das Spielen selbst. Manchmal herrschte tagelang Unordnung und meine Nerven lagen blank. Als ich schließlich mit unserem dritten Kind schwanger und überfordert von der Spielzeugflut war, entschied ich mich für eine Challenge: Ich packte alle Spielsachen in Schachteln und Kisten und verstaute sie oben in unseren Schränken. Nur ihre Lieblingsstofftiere durften sie behalten. Falls sie gern mit einem bestimmten Spielzeug spielen wollten, würde ich es aus der Kiste hervorholen und ihnen geben. Mir war wichtig, dass sie nur mit den Spielsachen spielten, die sie bewusst verlangten und an die sie sich erinnern konnten. Mein Plan war, nach drei Monaten alles Spielzeug, das nicht zurückverlangt worden war, zu verkaufen oder zu verschenken.

Weshalb meine Kinder bei dieser Aktion mitmachten? Mein Mann und ich versprachen ihnen, dass wir nach Ablauf der drei Monate für zwei Tage in den Europapark fahren würden. Den Erlös der verkauften Spielsachen dürften sie im Park ausgeben. Mit dieser Challenge hoffte ich, ein für alle Mal Ruhe in unser Chaos zu bringen. Die Umstellung war für mich allerdings schwerer als gedacht. Zwar war ich das Chaos los, nicht aber das schlechte Gewissen: „Die armen Kinder! Sie haben keine Spielsachen mehr!“ Solche und ähnliche Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum. Im Chaos zu leben, war nicht einfach gewesen. Nun aber die Leere auszuhalten, war zu Beginn sehr herausfordernd.

Freiheit und Leichtigkeit

Der erste Tag ohne Spielsachen brachte überraschend wenig Beschwerden. Ich erwartete insgeheim, ständig zu den Kisten rennen zu müssen, um gewünschte Spielsachen hervorzuholen. Doch es kam anders: Der leere Raum fiel meinen Kindern auf, aber sie störten sich nicht daran. Im Gegenteil: Sie stellten Musik an und tanzten voller Freude. Sie bewegten sich unbeschwert, ohne Gefahr zu laufen, über Bausteine und anderes zu stolpern. Danach widmeten sie sich ihrem Lieblingsspiel: Sie bauten Hütten mit Vorhängen, Stühlen und Tüchern. In meinem Vorratsschrank „kauften“ sie für ihre Hütte ein. Sie spielten ungezwungen und waren sehr zufrieden. Nach einer Weile bat die Jüngste mich um eine Geschichte, woraufhin ich sie Bücher aus dem Schrank auswählen ließ und sie ihr erzählte. Der erste Tag ging vorüber. Die Kinder schienen nichts zu vermissen.

Zu Weihnachten erhielten sie Bastelsachen, ein Xylophon, einen Zählrahmen, Plüschhunde und Spielfahrzeuge. Die Geschenke hielten sich in Grenzen. Wir hatten unseren Eltern im Vorfeld mitgeteilt, dass wir mit weniger Spielsachen leben und mehr Wert auf Erfahrungen legen möchten. Deshalb waren Eintrittskarten in den Zoo ein beliebtes Geschenk. Die Kinder waren zufrieden – und ich auch. Gelegentlich wurde nach einem bestimmten Spielzeug verlangt. Die Aufräumarbeiten waren nun im Vergleich zu den Zeiten mit vielen Spielsachen deutlich einfacher. Ich genoss die neu gewonnene Freiheit und Leichtigkeit im Alltag. Gleichzeitig lernte ich meine Kinder besser kennen. Ihr Spielverhalten erschien mir nun deutlicher. Puppen waren ihnen wichtig, und sie kümmerten sich sehr gut um sie: Täglich pflegten und versorgten sie ihre Puppen, gingen mit ihnen spazieren und wechselten ihre Windeln. Nebenbei wurde viel zur Musik getanzt, gebastelt und Hütten gebaut.

Strahlende Augen

Ich verkaufte einige Spielsachen, die ich in unseren Schränken gestapelt hatte. Und schließlich war der ersehnte Tag für unseren Ausflug in den Europapark gekommen. Die strahlenden Augen unserer Kinder und ihre überbordende Begeisterung waren nicht zu übersehen. Wir genossen zwei Tage mit neuen Eindrücken, leckeren Snacks und vielen Achterbahnfahrten. In einem der Shops sagte ich zu den Kindern: „Ihr habt euer eigenes Geld dabei, sucht euch etwas aus und bezahlt es.“ Das hatten sie noch nie zuvor gemacht. Begeistert suchten sie sich jeweils ein kleines Spielzeug aus. Das restliche Geld investierten sie in Schokolade und andere Süßigkeiten.

Dieses Experiment und die Zeit im Europapark waren für unsere Familie ein voller Erfolg. Die Kinder lernten die Freude daran, ihr eigenes Geld zu verdienen und auszugeben. Bei uns zu Hause ist es wesentlich ruhiger und entspannter geworden. Wir besitzen noch etwa ein Drittel aller Spielsachen, die die Kinder zuvor zur Verfügung hatten. Dadurch hat sich unsere Lebensqualität deutlich verbessert. Auf keinen Fall möchte ich zu den Spielzeugbergen zurückkehren. Deshalb haben wir unserem Umfeld mitgeteilt, dass wir uns von nun an lieber Gutscheine und Ausflüge für die Kinder wünschen oder etwas Bestimmtes, das sie gerade gebrauchen können. Gemeinsame Erlebnisse und die Zeit zusammen als Familie sind für uns viel kostbarer als ein Haufen Spielsachen.

Madeleine Ramstein ist Theologin und Seelsorgerin. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der Schweiz.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/05/Kinder-im-Spielzeugchaos_GettyImages_LPETTET.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-05-13 12:38:112025-05-13 12:38:11Überall Spielzeug? Nein Danke!

0 bis 2 – Alleinerziehend mit Baby

Elternfrage: „In meinem Freundeskreis gibt es eine Mama, die ein Baby hat und alleinerziehend ist. Wie kann ich sie unterstützen?“

Einfach machen!

Ich habe in meiner Trennungsphase mehr überlebt als gelebt. Oft bin ich nur für mein Kind aufgestanden. Mir taten damals Menschen gut, die einfach gemacht haben. Eine Freundin hat mir damals zum Beispiel eine Tüte mit Brötchen vor die Haustür gestellt, weil sie wusste, dass ich zu wenig esse. Einfach machen! Auch, wenn die Person „Geht schon“ sagt – klar geht es immer irgendwie, aber auch nur, weil es muss. Solltest du dich mit der angebotenen Hilfe getäuscht haben, kannst du dich hinterher immer noch entschuldigen. Es lohnt sich, die Liebessprache der betroffenen Mutter herauszufinden. Dann fällt es nämlich nicht so schwer, die passende Art der Unterstützung anzubieten. Außerdem hilft es, dich in die Situation deiner Freundin einzufühlen. Nicht nur kurz für zwei Minuten, sondern ernsthaft, mit Zeit und Empathie. Wenn du jetzt in ihrer Situation wärst, wie würdest du dich fühlen? Wie wäre es für dich, alleinerziehend zu sein? Was würdest du dir wünschen? Womöglich geben dir die Antworten darauf bereits einen Hinweis, wie du deiner Freundin helfen kannst.

Vera K. studiert, arbeitet und lebt mit ihrer Tochter in Franken. In ihrer freien Zeit reisen die beiden am liebsten in die Sonne.

Keine Erwartungen

Mir ist es als alleinerziehende Mama mit einem Baby sehr schwergefallen, Hilfe anzunehmen. Deshalb war es am besten für mich, wenn Leute spontan vorbeigekommen sind, um mir zum Beispiel Essen vorbeizubringen. Es war auch gut, wenn die Person klar formuliert hat, dass sie mich unterstützen möchte und keine Erwartungen an mich hat. Zwei meiner Geschwister haben mir monatlich Geld überwiesen. Sie haben nicht gefragt, ob ich finanzielle Unterstützung brauche, sondern haben das einfach getan. Das war eine riesengroße Hilfe. Denn mit einem Baby allein zu sein, bringt häufig finanzielle Sorgen mit sich. Ein Erlebnis aus dieser Zeit werde ich nie vergessen: Vor meiner Tür lag ein Geschenk. Einfach so! Das war wertvoll für mich, weil es mir gezeigt hat, dass mich jemand sieht. Im Nachhinein denke ich, ich hätte öfters meine Muttermilch abpumpen und ohne schlechtes Gewissen meine Tochter abgeben sollen. Das wäre gut für mich gewesen – vielleicht ist das etwas, zu dem man die Mutter ermutigen kann, wenn sie das möchte.

Lea K. lebt mit ihrer Tochter (5) in Frankfurt und studiert Soziale Arbeit.

Ein Gegenüber sein

Als mein Mann unsere Ehe verlassen hat, stand ich sehr plötzlich mit zwei kleinen Kindern (0,5 und 3 Jahre alt) da und war alleinerziehend. Mir war sofort klar, dass ich das, was jetzt auf mich zukommen würde, nicht alleine schaffe. Ich wusste, dass ich Hilfe in Anspruch nehmen muss – ganz praktisch im Alltag, finanziell und in Form von Lebensberatung. Ich empfand es als hilfreich, wenn mir nicht nur ein „Wenn du was brauchst, melde dich!“ angeboten, sondern ich vor „vollendete Tatsachen“ gestellt wurde. Eine Freundin hat mir zum Beispiel Massageöl mitgebracht und meine Verspannungen bearbeitet. Eine andere Freundin hat Mann und Sohn zu Hause gelassen, um mit mir Silvester zu feiern. Wenn meine Energie am Ende war, haben Oma und Opa die Kinder abgeholt und ihnen stundenlang uneingeschränkte Aufmerksamkeit geschenkt. Bis heute kommen meine Eltern wöchentlich vorbei und unterstützen mich im Haushalt.

Für mich ist es sehr wichtig geworden, dass ich für alltägliche Themen, die ich normalerweise mit einem Partner besprechen würde, ein Gegenüber zum Austausch habe. Welche Versicherung soll ich wählen? Wie soll ich die Geburtstage planen? Neue Winterreifen? Einen unschätzbaren Wert haben solche Freunde, die mir zuhören und Themen mit mir reflektieren. Manche sind auch mal wütend über meine Situation – das bin ich selbst viel zu wenig. Gemeinsam sind schon einige Tränen geflossen, manchmal auch vor Lachen.

Lena Knaack lebt mit ihren Kindern im schönen Sauerland und arbeitet für den christlichen Seminaranbieter team-f.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/04/Alleinerziehend-mit-Baby.png 960 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-04-17 11:19:532025-04-17 11:19:530 bis 2 – Alleinerziehend mit Baby
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