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Artikel aus den Heften

Anders als erwartet: Eltern berichten über ihr erstes Baby-Jahr

Zwischen Erwartung und Wirklichkeit: Fünf Mütter und ein Vater erzählen, was sie im ersten Baby-Jahr erlebt haben – ehrlich, herausfordernd und ermutigend.

Lena, 32, Redaktionsleiterin, bekam ihren ersten Sohn im ersten Corona-Lockdown. Die Geburt war traumatisch: Ihr Sohn kam direkt auf die Intensivstation, das gemeinsame Kennenlernen blieb aus. „Statt Kuscheln und Bonding saß ich auf der Station und konnte nur hoffen. Ich war mit der Situation überfordert, zumal mein Mann nicht ins Krankenhaus kommen durfte.“

Corona hat ihre Erwartungen an das erste Baby-Jahr auf den Kopf gestellt. Statt Krabbelgruppen gab es Abstand, statt Familie viel Alleinsein. „Am Ende hat das Zuhause-Sein unserem Sohn sogar gutgetan, um seine Geburt zu verarbeiten, aber es war anders als zunächst geplant.“ Besonders deutlich wurde Lena, dass sich Kinder in ihrem eigenen Tempo entwickeln. Sie machte sich anfangs viele Gedanken, wann ihr Sohn trocken wird oder den Schnuller abgibt. Letztlich meisterte er alles in seinem Tempo und auf seine Art.

Seit anderthalb Jahren ist Lena alleinerziehend. „Ich habe unterschätzt, was ein Kind mit der Paarbeziehung macht. Wir hätten uns mehr um die Ehe kümmern müssen.“ Umso wichtiger wurde ihr das Thema Selbstfürsorge: „Kinder können emotionale Knöpfe drücken. Sie halten uns den Spiegel vor. Das fordert heraus, eröffnet aber auch die Chance, viel über sich selbst zu lernen, persönlich zu wachsen und Generationsmuster zu durchbrechen.“

Lenas Glaube wurde durch das Muttersein nicht erschüttert, sondern vertieft. „Ich habe gelernt, dass ich mein Leben nicht kontrollieren kann. Ich darf es Gott überlassen und seinem Plan vertrauen.“ Anderen Eltern empfiehlt sie: „Stellt euch darauf ein, dass ihr regelmäßig an eure Kapazitätsgrenzen kommt. Das ist normal. Doch wenn ich meine Situation von außen betrachte und mich frage: ‚Was würde ich jetzt meiner besten Freundin raten?‘, dann hilft mir das, Prioritäten richtig zu setzen und mir weniger Druck zu machen.“ Daneben sei es wichtig, der Paarbeziehung und eigenen Interessen, die vor den Kindern gutgetan haben, genügend Raum zu geben, um genug Energie für den Familienalltag zu haben.

Zwischen Erwartung und Erschöpfung

Zoe, 33, typografische Gestalterin, erlebte ihr erstes Baby-Jahr als eine Serie von Herausforderungen: „Ich hatte erst Panik vor der natürlichen Geburt, war dann aber bereit dazu. Und dann musste doch ein Kaiserschnitt her – nach 28 Stunden.“ Auch das Stillen war anders als erwartet: „Das Stillhütchen war Fluch und Segen zugleich. Ohne hätte es nicht geklappt, aber es wieder loszuwerden, war mühsam. Und die Schmerzen – niemand hatte mich auf so etwas vorbereitet. Ich hatte erwartet, Stillen würde ohne Schmerzen klappen, und deshalb das Gefühl, ich mache etwas falsch.“ Die Nächte waren hart: Stillen im Zwei-Stunden-Takt. „Diese ständige Müdigkeit – zum Glück hat mir vor dem Kind keiner gesagt, wie hart das ist.“ Ihr fehlte für alles die Energie – vor allem für Sport, den sie früher gern gemacht hatte. Nach sechs Monaten fing Zoe wieder an zu arbeiten – in der Schweiz gibt es keine Elternzeit. Der Papa brachte ihren gemeinsamen Sohn mittags zum Stillen vorbei, weil er zunächst die Flasche verweigerte. „Diese totale Abhängigkeit und das permanente Gefühl, dass es nicht ohne mich geht, waren belastend.“

Was ihr geholfen hat? Der Austausch mit anderen Müttern: „Echter Real Talk, nicht verklärte Erinnerungen.“ So merkte sie, dass sie nichts falsch macht und nicht allein ist mit ihren Herausforderungen. Die Erfahrungen im ersten Baby-Jahr forderten auch Zoes Glauben heraus. Dennoch: „Ich schaffe das nur mit Gott. Wenn ich denke, ich kann nicht mehr, dann ist er da.“ Trotz allem wünscht sich Zoe ein zweites Kind. „Ja, es ist anstrengend. Aber es gibt einem so viel. Das erste bewusste Lächeln, das fröhliche Lachen – das kann man nicht rational erklären.“

Zwischen Ratgebern und Bauchgefühl

Anders als gedacht war das erste Baby-Jahr auch für Robert, 29, Postzusteller. Der inzwischen zweifache Vater hatte sich mit vielen Ratgebern auf das erste Baby-Jahr vorbereitet. Durch ein übersehenes KiSS-Syndrom trank sein erster Sohn jedoch fast nichts. Roberts Frau litt dadurch an starken Selbstzweifeln und Versagensgefühlen. „Ich musste meine Frau ständig aufbauen. Ich habe in dieser Zeit nur für sie existiert.“ Als das Kind später die Flasche bekam, konnte auch er sich mehr einbringen und die Beziehung zu seinem Sohn vertiefen. Sein Rat: „Wenn das Bauchgefühl bei Aussagen von Ärzten nicht stimmt – holt euch eine zweite Meinung.“

Für Robert war besonders wertvoll, die Kinder als gleichwürdige Persönlichkeiten zu sehen – und sich als Paar gemeinsame Erziehungsziele zu setzen. Auch der Austausch mit anderen Eltern war entscheidend: „Ob Hebamme, PEKiP-Kurs oder Onlinegruppen – das hat uns sehr geholfen.“

Zwischen Grenzerfahrung und Dankbarkeit

Diana, 30, IT-Fachkraft und zweifache Mutter, hat ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Bereits ihre Schwangerschaft war geprägt von Vorfreude und Liebe einerseits sowie Sorge und Angst andererseits. Familiäre Probleme verursachten zusätzlichen Stress. Das Gefühlschaos blieb auch nach der schwierigen Geburt: „Ich war voller Liebe, aber auch voller Angst, das Baby zu verlieren.“ Ihr Kind schrie ununterbrochen. Widersprüchliche Tipps von außen, ständige Erschöpfung, Schlaflosigkeit und Gefühle der Überforderung mündeten in starke Selbstzweifel. „Manchmal dachte ich, ich werde vor Erschöpfung einfach umfallen und sterben. Dennoch wollte ich für mein Kind um jeden Preis überleben.“

Erst nach sechs Monaten konnte Diana die Babyzeit genießen. Eine empathische Nachsorgehebamme, die Unterstützung durch ihren Mann, ehrliche Gespräche und kleine Momente des Lichts – angenehme Besuche, ein Lächeln oder die Nähe beim Tragen – brachten neue Kraft. „Manchmal hilft es schon, wenn jemand sagt: Du bist nicht allein.“ Ihr Tipp für andere Eltern: „Geht gut mit euch selbst um, achtet aufeinander und lasst Fehler zu. Und seid euch sicher: Egal, wie dunkel und schwer es gerade aussieht – irgendwann kommt wieder Licht.“

Zwischen Unverständnis und Gelassenheit

Christin (Name geändert), 33, freie Grafikerin, hat zwei Kinder – und zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen. Ihre erste Tochter litt unter heftigen Schreianfällen, oft stundenlang. „Es hat mich an meine Grenzen gebracht. Wir wussten nicht mehr, was wir tun sollten. Von außen kam oft Unverständnis oder sogar Vorwürfe.“ Die stressige Geburt und ihre eigene Hochsensibilität ließen sie lange zweifeln, ob sie Schuld an der Situation trug. Der Rückbildungskurs musste ausfallen, soziale Isolation verstärkte die Belastung. „Ich hätte gern vorher gewusst, dass so etwas passieren kann – und dass man sich Hilfe holen darf.“

Beim zweiten Kind verlief alles anders: eine ruhige Wassergeburt im Geburtshaus, ein Baby, das deutlich weniger weinte. „Ich durfte eine neue Seite erleben – mit mehr Leichtigkeit, Gelassenheit und Ruhe.“ Die Schreianfälle ihres ersten Kindes forderten ihren Glauben heraus. Doch der Glaube half ihr auch, durchzuhalten – und dankbar zu sein: „Ich schätze umso mehr all die schönen Momente mit meinen Kindern. Und Gott ist gnädig und kann auch wieder Zeiten der Ruhe schenken.“

Christin hat gelernt, Prioritäten anders zu setzen. Beim ersten Kind war sie überfordert mit allem, was neben dem Baby noch zu tun war. Heute lässt sie sich unterbrechen, genießt kleine Momente mit ihren Töchtern: „Ich weiß jetzt, dass ich vieles nicht kontrollieren muss – und dass soziale Teilhabe auch mit Kindern möglich ist, wenn man sich auf ihren Rhythmus einlässt.“ Anderen Eltern rät sie: „Nehmt jede Phase für sich und stellt euch darauf ein, dass sich die Dinge – und auch der Schlafrhythmus – jederzeit wieder ändern können. Meistert Herausforderungen als Team, freut euch an den schönen Momenten und seid gewiss, dass ihr mit Schwierigkeiten nicht allein seid.“

Zwischen Unsicherheit und Verbundenheit

Auch Mandy, 34, medizinische Dokumentations­assistentin in Elternzeit, hatte sich das erste Jahr mit Baby einfacher vorgestellt. „Ich dachte, man weiß als Mutter intuitiv, was zu tun ist, und alles funktioniert automatisch. Stattdessen war ich oft überfordert.“ Ihre Tochter war sensibel, nahm Reize stark wahr. „Ich wusste oft nicht, warum sie schrie. Ich liebte sie sehr, aber ich kannte ihre Persönlichkeit und Bedürfnisse noch nicht. Die Erwartungen meiner Schwiegereltern: ‚Das weiß man doch als Mutter!‘, machten alles schlimmer.“

Ein Schlüsselmoment war eine Babymassage, in der ihre Tochter nur weinte. „Die Hebamme nahm sie hoch, und sie hörte sofort auf. Das war mir peinlich. Aber die Hebamme war verständnisvoll. Sie erklärte mir, dass mein Kind meine Unsicherheit spürt.“ Mandy blieb dran. Trotz Scham, Angst und dem Gefühl, keine gute Mutter zu sein, ging sie in Kurse, suchte den Austausch in Mama-Gruppen und lernte ihre Tochter besser kennen. „Nach und nach wusste ich, was sie brauchte. Die Bindung zu ihr ist gewachsen.“

Ein Schmerzpunkt bleibt der Konflikt mit den Schwiegereltern. „Ich dachte, wir wachsen als Familie enger zusammen. Aber sie hielten an unrealistischen Idealvorstellungen fest. Als unsere Tochter zu fremdeln begann, zeigten sie wenig Verständnis. Das hat das Verhältnis zu ihnen und auch die Beziehung zu meinem Mann belastet.“ Am meisten geholfen hat Mandy ihre Hebamme: „Mein Rat: Sucht euch eine Hebamme, die zu euch passt. Und: Haltet nicht an Idealvorstellungen fest. Plant nicht zu viel, sondern gebt euch Zeit und vertraut darauf, dass ihr in Situationen reinwachst.“

Lisa-Maria Mehrkens ist Psychologin und freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in Chemnitz.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Babyjahr_GettyImages_morrowlight_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1415 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-11-21 13:55:252025-11-21 13:55:25Anders als erwartet: Eltern berichten über ihr erstes Baby-Jahr

Erstes Handy? Digitaltrainer klärt auf, ab wann es sinnvoll ist

Elternfrage: „In der Klasse unseres Kindes (8) bekommen Smartphones immer mehr Bedeutung. Wir fragen uns, ab wann ein Kind überhaupt ein erstes Handy haben sollte und ab wann es einem Klassenchat beitreten darf. Woran können wir uns orientieren?“

Diese Fragen beschäftigen viele Eltern. Allgemeingültige Antworten, die für jede Familie und jedes Kind passen, gibt es zwar nicht, doch einige Orientierungshilfen, wann ein erstes Handy sinnvoll ist, kann ich euch mitgeben.

Ohne Angst vor Bestrafung

Ein Smartphone ist kein Spielzeug, sondern ein komplexes Kommunikationsmittel, das viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb empfehle ich, dass euer Kind schrittweise und begleitet Erfahrungen mit digitalen Medien sammelt. Verwendet dafür anfangs beispielsweise eure eigenen Geräte in gemeinsam genutzten Räumen wie dem Wohnzimmer. So seid ihr nah genug, um bei Fragen rasch zu helfen, ohne ständig direkt daneben sitzen zu müssen. Wichtig ist vor allem der Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses. Euer Kind sollte immer wissen, dass es sich jederzeit mit Fragen oder Problemen an euch wenden kann, ohne Angst vor Strafen zu haben – auch dann nicht, wenn etwas am Handy schiefläuft. Vertrauen entsteht nicht plötzlich, sondern durch viele kleine Gespräche, echtes Interesse und gemeinsam vereinbarte Regeln.

Mediennutzungsvertrag

Grundsätzlich benötigen Kinder in der Grundschule noch kein eigenes digitales Endgerät (wie Smartphone oder Tablet). Fachleute empfehlen oft ein Mindestalter von etwa elf bis zwölf Jahren. Doch die individuelle Reife eures Kindes sowie das soziale Umfeld sind ebenso entscheidend. Der soziale Druck in der Klasse sollte nicht unterschätzt werden, denn völlige Ausgrenzung ist auch nicht sinnvoll. Ein Leihgerät, an dem sich euer Kind für einen gewissen Zeitraum (sechs bis zwölf Monate) ausprobieren darf, kann ein guter Kompromiss sein, um zu testen, ob es schon verantwortungsvoll genug ist. Es dient als eine Art Zwischenlösung, um Kinder selbstständig machen zu lassen, in dem Wissen, dass sie mit den Geräten nicht machen können, was sie wollen. Ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag, den ihr beispielsweise auf www.mediennutzungsvertrag.de erstellen könnt, hilft, klare Regeln zu definieren. Lasst euer Kind unbedingt mitbestimmen, um Verständnis und Akzeptanz für die vereinbarten Regeln zu fördern.

Handyfreies Kinderzimmer

Besonders wichtig ist es, Smartphones oder andere digitale Geräte konsequent aus dem Kinderzimmer und speziell aus dem Bett fernzuhalten. Gerade nachts passieren oft problematische Dinge wie verletzende Nachrichten oder heimliches Scrollen, von denen Eltern wenig mitbekommen. Eine einfache Regel wie „Alle Handys nachts in die Küche“ schafft Klarheit und Sicherheit. Zum Thema Klassenchat: Wenn euer Kind in einer Chatgruppe aktiv ist, schaut regelmäßig gemeinsam hinein und besprecht offen und ohne Vorwurf, was ihr dort findet – immer mit dem Ziel, euer Kind zu schützen. Hilfreich ist es, wenn ihr euch dabei mit anderen Eltern abstimmt, um die Gefahr zu minimieren, dass einzelne Kinder als „Petze“ gelten.

Medienerziehung beginnt nicht erst mit dem ersten Smartphone, sondern viel früher – durch Gespräche über Werbung, gemeinsam genutzte Tablets oder handyfreie Zeiten. Kinder lernen am meisten durch Vorbilder. Wenn ihr euer eigenes Medienverhalten reflektiert und bewusst vorlebt, fällt es eurem Kind leichter, gesunde Mediengewohnheiten zu entwickeln. Ich wünsche euch viel Erfolg und Freude bei der Medienerziehung!

Daniel Dell‘Aquia ist Digitaltrainer und bietet Vorträge, Fortbildungen und Seminare an Schulen zur Medienerziehung an.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Maedchen-mit-Handy.jpg 1008 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-11-18 14:42:292025-11-18 14:42:29Erstes Handy? Digitaltrainer klärt auf, ab wann es sinnvoll ist

Experte klärt auf: Wie viel Hautpflege brauchen Teenager?

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Skincare.jpg 1191 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-11-18 11:27:072025-11-18 11:27:07Experte klärt auf: Wie viel Hautpflege brauchen Teenager?

Das erste Handy: Digitaltrainer erklärt, wann es sinnvoll ist

Elternfrage: „In der Klasse unseres Kindes (8) bekommen Smartphones immer mehr Bedeutung. Wir fragen uns, ab wann ein Kind überhaupt eines haben sollte und ab wann es einem Klassenchat beitreten darf. Woran können wir uns bei diesen Entscheidungen orientieren?“

Diese Fragen beschäftigen viele Eltern. Allgemeingültige Antworten, die für jede Familie und jedes Kind passen, gibt es zwar nicht, doch einige Orientierungshilfen kann ich euch mitgeben.

Ohne Angst vor Bestrafung

Ein Smartphone ist kein Spielzeug, sondern ein komplexes Kommunikationsmittel, das viele Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb empfehle ich, dass euer Kind schrittweise und begleitet Erfahrungen mit digitalen Medien sammelt. Verwendet dafür anfangs beispielsweise eure eigenen Geräte in gemeinsam genutzten Räumen wie dem Wohnzimmer. So seid ihr nah genug, um bei Fragen rasch zu helfen, ohne ständig direkt daneben sitzen zu müssen. Wichtig ist vor allem der Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses. Euer Kind sollte immer wissen, dass es sich jederzeit mit Fragen oder Problemen an euch wenden kann, ohne Angst vor Strafen zu haben – auch dann nicht, wenn etwas am Handy schiefläuft. Vertrauen entsteht nicht plötzlich, sondern durch viele kleine Gespräche, echtes Interesse und gemeinsam vereinbarte Regeln.

Mediennutzungsvertrag

Grundsätzlich benötigen Kinder in der Grundschule noch kein eigenes digitales Endgerät (wie Smartphone oder Tablet). Fachleute empfehlen oft ein Mindestalter von etwa elf bis zwölf Jahren. Doch die individuelle Reife eures Kindes sowie das soziale Umfeld sind ebenso entscheidend. Der soziale Druck in der Klasse sollte nicht unterschätzt werden, denn völlige Ausgrenzung ist auch nicht sinnvoll. Ein Leihgerät, an dem sich euer Kind für einen gewissen Zeitraum (sechs bis zwölf Monate) ausprobieren darf, kann ein guter Kompromiss sein, um zu testen, ob es schon verantwortungsvoll genug ist. Es dient als eine Art Zwischenlösung, um Kinder selbstständig machen zu lassen, in dem Wissen, dass sie mit den Geräten nicht machen können, was sie wollen. Ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag, den ihr beispielsweise auf www.mediennutzungsvertrag.de erstellen könnt, hilft, klare Regeln zu definieren. Lasst euer Kind unbedingt mitbestimmen, um Verständnis und Akzeptanz für die vereinbarten Regeln zu fördern.

Handyfreies Kinderzimmer

Besonders wichtig ist es, Smartphones oder andere digitale Geräte konsequent aus dem Kinderzimmer und speziell aus dem Bett fernzuhalten. Gerade nachts passieren oft problematische Dinge wie verletzende Nachrichten oder heimliches Scrollen, von denen Eltern wenig mitbekommen. Eine einfache Regel wie „Alle Handys nachts in die Küche“ schafft Klarheit und Sicherheit. Zum Thema Klassenchat: Wenn euer Kind in einer Chatgruppe aktiv ist, schaut regelmäßig gemeinsam hinein und besprecht offen und ohne Vorwurf, was ihr dort findet – immer mit dem Ziel, euer Kind zu schützen. Hilfreich ist es, wenn ihr euch dabei mit anderen Eltern abstimmt, um die Gefahr zu minimieren, dass einzelne Kinder als „Petze“ gelten.

Medienerziehung beginnt nicht erst mit dem ersten Smartphone, sondern viel früher – durch Gespräche über Werbung, gemeinsam genutzte Tablets oder handyfreie Zeiten. Kinder lernen am meisten durch Vorbilder. Wenn ihr euer eigenes Medienverhalten reflektiert und bewusst vorlebt, fällt es eurem Kind leichter, gesunde Mediengewohnheiten zu entwickeln. Ich wünsche euch viel Erfolg und Freude bei der Medienerziehung!

Daniel Dell‘Aquia ist Digitaltrainer und bietet Vorträge, Fortbildungen und Seminare an Schulen zur Medienerziehung an.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Maedchen-mit-Handy.jpg 1008 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-11-17 16:22:332025-11-17 16:22:33Das erste Handy: Digitaltrainer erklärt, wann es sinnvoll ist

Täter und Opfer? Paarexpertin verrät, warum es nicht so einfach ist

In Krisensituationen weisen sich Paare gegenseitig die Schuld zu: Wer ist Täter, wer Opfer? Paartherapeutin Piroska Gavallér-Rothe zeigt, wie wir Verantwortung übernehmen und zu tiefer Versöhnung finden können.

Ein Paar kommt zu mir in die Praxis. Er ist tief verletzt und stellt den Fortbestand der Ehe infrage: Auf einer Dienstreise hatte seine Frau ein einmaliges erotisches Intermezzo mit einem Kollegen – entgegen ihrer gemeinsamen Vereinbarung, sich sexuell treu zu sein. Als er davon erfährt, ist er tief enttäuscht, wütend und verzweifelt und hat das Gefühl, von seiner Frau betrogen worden zu sein. Und tatsächlich: Wer diesen Vorfall isoliert betrachtet, findet die Rollen von Opfer und Täter schnell verteilt. Ganz offensichtlich war es die Frau, die den Mann zum Opfer ihrer Untreue machte. Oder anders ausgedrückt: Sie hat gesündigt und Schuld auf sich geladen.

Schuld – schafft Ordnung und klare Verhältnisse

Schuld ist ein tragender Bestandteil unserer Kultur – tief verankert in rechtlichen und sozialen Denkmustern, aber auch als moralisches Konzept in der christlichen Tradition. Sie strukturiert unsere Vorstellung von richtig und falsch, schafft Ordnung, verlangt Ausgleich. Wer Opfer ist, darf Strafe fordern. Wer Täter ist, muss büßen.

In meiner Praxis nutze ich gerne mein 4-Stühle-Modell, um zu veranschaulichen, welche Auswirkungen das Denken in Schuld auf den einzelnen Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen hat:

Stuhl 1: Ich bin schuld. Ich bin falsch. Ich habe versagt. Das ist der Ort der Selbstvorwürfe, der Selbstabwertung und der Scham. Die Folge ist oft der Rückzug ins Schneckenhaus – oder ins Büßerhemd.

Stuhl 2: Du bist schuld. Du bist falsch. Du hast mich verletzt. Wer dort sitzt, ist überzeugt: Mich trifft keine Schuld! Wenn jemand schuld ist, dann bist das du! Menschen auf Stuhl 2 klagen an, zeigen mit dem Finger auf andere – und fühlen sich moralisch im Recht. Die Rollen sind klar verteilt: Der oder die andere ist Täterin oder Täter – man selbst ist fein raus.

Weil sich die Schuldfrage in der Regel auf ein einzelnes moralisch oder rechtlich zu verurteilendes Verhalten fokussiert, ist es einfach, in Schuld zu denken. Doch sie verengt auch den Blick: Wie die Situation entstanden ist, bleibt unerheblich. Die Frage: „Wer ist schuld?“ spaltet zusammengehörendes Beziehungsgeschehen und reduziert das Geschehen auf Opfer und Täter.

Obwohl ich es im Grunde weiß, bin ich doch immer wieder überrascht – und erschrocken zugleich –, wie viele Menschen in den Haltungen von Stuhl 1 und Stuhl 2 verhaftet sind. Das zeigt, wie sehr Schuld- und Täter-Opfer-Narrative unser Denken und unsere Gesellschaft prägen. Und wie sehr ein solch vereinfachtes Denken Versöhnungsprozesse bremst oder sogar verhindert.

Schuld oder Beitrag zum Beziehungsgeschehen?

Zurück zu meinem Paar. Wie so häufig verändert sich der Blick auf die Situation, als es ausführlicher zu erzählen beginnt: Es stellt sich heraus, dass die Sexualität zwischen den beiden seit einigen Jahren nur noch auf Sparflamme läuft. Die drei Kinder, die berufliche Selbstständigkeit der beiden und die zahlreichen sozialen Aktivitäten fordern Kraft, Zeit und körperliche Ressourcen. Während der Mann mit der gegebenen Situation „den Umständen entsprechend zufrieden“ ist, sieht die Frau die Situation nicht so entspannt. Ihre insbesondere in den letzten Monaten zunehmende Unzufriedenheit hatte sie ihrem Mann bereits mehrfach explizit zum Vorwurf gemacht – ohne damit aber wesentliche Veränderungen der Situation bewirkt zu haben.

In der Welt von Stuhl 1 und Stuhl 2 wird es mit diesen neuen Informationen kurzfristig recht ungemütlich, denn hinsichtlich der dort alles entscheidenden Schuldfrage ergibt sich durch die Erzählungen ein neues Bild:

Wenn es tatsächlich so ist, wie die beiden erzählen – ist dann die Frau immer noch schuld? Oder liegt die Schuld nun doch eher beim Mann, der offenbar so geflissentlich die Bedürfnisse seiner Frau ignorierte? Und auch wenn damit die Ahnung von der Mitverantwortung des Mannes „um die Ecke weht“, wird häufig am Ende doch die „moralische Keule“ gezückt. Der finale Schlag klingt in der Welt von Stuhl 1 und Stuhl 2 etwa so: Auch wenn der Mann sich sicherlich im Hinblick auf die sexuellen Bedürfnisse seiner Frau „nicht ganz richtig“ verhalten habe, so könne man ihm ja nicht den „Vorwurf“ machen, dass er jetzt „schuld“ sei, wenn ihn seine Frau am Ende betrüge. Mit diesem Denken in schwarz und weiß kommt schnell wieder Ordnung in die Welt, denn so bleibt es einfach auszumachen, wer letztlich die Schuld an der ganzen Misere trägt.</p>

Verantwortung übernehmen – eine Haltung der Reife

Anders gestaltet sich auf Stuhl 3 und Stuhl 4 der Blick auf die Welt: Während Stuhl 1 und Stuhl 2 den Fokus auf die Schuldfrage legen, eröffnen Stuhl 3 und Stuhl 4 den Raum für neue Perspektiven:

Stuhl 3: Worum geht es mir im Grunde? Statt Rückzug oder Vorwurf richtet sich der Blick auf Stuhl 3 nach innen: Welche Bedürfnisse wurden verletzt? Welche Sehnsucht steht hinter meinem Schmerz? Und nicht zuletzt: Was ist mein Anteil daran, dass sich dieses Bedürfnis nicht erfüllt hat?

Stuhl 4: Worum geht es dir im Grunde? Stuhl 4 ist der Raum, in dem auch das Gegenüber Platz bekommt. Wer hier sitzt, hört zu, fragt nach, lässt sich berühren vom Erleben des oder der anderen – von seiner Not oder ihrer Sehnsucht.

Ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit als Paartherapeutin ist es, Menschen zu sich selbst – und damit auf Stuhl 3 – zu begleiten. Für unser Paar bedeutet das:

Er erkannte, wie wichtig ihm Vertrauen und Ehrlichkeit sind – aber auch Würdigung, Wertschätzung sowie der achtsame Umgang mit der Exklusivität ihrer sexuellen Beziehung. Statt sich weiter auf die Schuld seiner Frau zu fokussieren, begann er zu spüren, wie sehr ihn das Geschehene schmerzt – ohne ins Drama eines Opfer-Narrativs zu fallen.

Sie wiederum begann zu begreifen, wie groß ihre eigene Not eigentlich war und wie sehr sie sich danach sehnt, von ihrem Mann nicht nur als Mutter und Alltagsbewältigerin, sondern auch als Frau gesehen und begehrt zu werden.

Stuhl 4 wiederum ermöglicht es, das Gegenüber einfühlsam aufzunehmen und emotional mit dem Gesagten in Verbindung zu kommen. Wenn Menschen nicht nur Argumente verstehen, sondern innere Beweggründe auf der Gefühls- und Bedürfnisebene nachvollziehen können, kann sich auch die Bedeutung eines ursprünglich verletzenden Verhaltens verändern.

Eine neue Perspektive

Diese einfühlsamen und bedürfnisorientierten Sichten auf sich selbst und das Gegenüber sind wichtig, damit die Beteiligten sich aus Schuldzuweisungen und Vorwürfen lösen und stattdessen nach und nach den Blick auch auf die eigene Verantwortung für das Geschehene richten können. Das eröffnet nicht nur Räume des persönlichen Lernens, sondern ebnet auch den Weg zu einer tiefgreifenden Versöhnung.

Nicht: Wer hat recht?

Sondern: Was ist geschehen – und was lernen wir daraus?

Nicht: Wer ist Täter, wer Opfer?

Sondern: Welche Verantwortung trage ich – und welche trägst du?

Für das Paar bedeutete das:

Auf Seiten der Frau:

  • Wie klar und eindeutig habe ich meine „Bedürfnisse in Not“ an meinen Mann herangetragen?
  • Habe ich mich und meine Bedürfnisse – jenseits meiner Ausbrüche im Streit – wirklich ernst genommen und sie nachhaltig zum Ausdruck gebracht?
  • War ich mir selbst überhaupt bewusst, wie sehr ich mit meinen unerfüllten Bedürfnissen in Not war?

Auf Seiten des Mannes:

  • Wie ernst habe ich die geäußerte Unzufriedenheit meiner Frau genommen?
  • Wie sehr habe ich es mir in unserer Beziehung bequem eingerichtet – und darauf vertraut, dass „es schon passt“, egal, was meine Frau sagt?
  • Was hält mich davon ab, mit meiner Frau regelmäßig und für beide erfüllend intim zu werden?

Erst durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen konnte ein Bewusstsein dafür wachsen, wo jeweils die eigene Verantwortung für das oberflächlich sichtbare Problem („erotisches Intermezzo“) liegt. So entstand ein gemeinsames Lernfeld. Darin konnten beide Seiten miteinander und aneinander wachsen – im Blick auf die Ursachen der Krise ebenso wie auf ihren persönlichen Umgang damit.

So kann Entwicklung entstehen – persönlich wie gemeinsam. Das 4-Stühle-Modell lässt sich auf viele andere Situationen übertragen und ermöglicht Menschen, das zu bewirken, was uns innerlich Frieden schenkt: Versöhnung, die verbindet.

Piroska Gavallér-Rothe ist Paartherapeutin und Autorin von „Wertschätzend Klartext reden“. In Vorträgen und Seminaren vermittelt sie zudem ihr 4-Stühle-Modell als praxisnahes Werkzeug für gelingende Kommunikation und reife Beziehungsgestaltung.

 

Das 4-Stühle-Modell: Wege aus der Schuldspirale

Stuhl 1: Ich bin schuld.

Selbstvorwürfe, Scham, Rückzug – oft verbunden mit Hilflosigkeit.

Stuhl 2: Du bist schuld.

Vorwürfe, Rechthaberei, moralische Überlegenheit – oft mit viel Wut.

Stuhl 3: Was brauche ich?

Selbstverbindung, Klärung der eigenen Bedürfnisse und Anteile.

Stuhl 4: Was brauchst du?

Empathie, Zuhören, Bereitschaft, das Gegenüber wirklich zu sehen.

Wer tiefer einsteigen möchte: In ihrem Buch „Wertschätzend Klartext reden“ beschreibt Piroska Gavallér-Rothe ausführlich, wie der Wechsel von Stuhl 1 und Stuhl 2 in die Welt von Stuhl 3 und Stuhl 4 gelingt – von der inneren Selbst(bewusst)werdung bis zur Kunst des einfühlsamen, bedürfnisorientierten Zuhörens.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Taeter-Opfer_BN_GettyImages_Delmaine-Donson_E.jpg 1341 2236 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-11-13 09:21:372025-11-13 09:21:37Täter und Opfer? Paarexpertin verrät, warum es nicht so einfach ist

Kinder lispeln: Wann Eltern aktiv werden müssen

Elternfrage: „Mein Kind (5) lispelt beim Sprechen. Muss es zur Logopädie? Können wir daheim etwas tun? Oder wächst es sich sowieso mit der Zeit aus?“

Die kleine Lia rennt aufgeregt zu ihrer Mutter und erzählt, dass der drollige Hund Simson gerade an ihrem Eis geschleckt habe. Dabei sieht die Mutter, dass bei jedem S-Laut Lias Zunge entweder an oder sogar durch die Zähne drückt und hört ein Lispeln. Die Mutter lächelt und drückt ihrer Kleinen einen Kuss auf die Wange.

Wenn die Kids klein sind, finden wir es oft niedlich, wenn ihre Zunge zwischen den Zähnen durchguckt und sie lispeln. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr passend finden und uns Sorgen machen, weil gleichaltrige Kinder nicht mehr lispeln. Die Frage steht im Raum, ob das Kind eine logopädische Therapie braucht.

Es entwickelt sich noch

Erst mal möchte ich Sie beruhigen. Wenn ein Kind mit fünf Jahren noch lispelt, ist es in guter Gesellschaft. Etwa 25 bis 35 Prozent der gleichaltrigen Kinder tun das. Ihr Kind hat noch Zeit, um seine motorische Entwicklung weiter reifen zu lassen. Insofern das Kind tatsächlich nur lispelt, hat es die Laute bereits richtig erfasst. Es kann „sch“ und „ch“ von den S-Lauten unterscheiden und wirft die Laute beim Sprechen nicht durcheinander. Dann können Sie durchatmen: Es ist zu erwarten, dass sich Ihr Kind so weiterentwickeln wird, dass es die S-Laute richtig aussprechen kann.

Wenn jedoch nach dem Zahnwechsel der Frontzähne immer noch ein Lispeln vorliegt, ergibt es Sinn, mit einer Therapie zu starten. Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, wie das Kind selbst mit der Situation umgeht. Was meine ich damit? Es gibt Kinder, die sich schon mit vier oder fünf Jahren daran stören, wenn sie lispeln. Vielleicht wurden sie im Kindergarten damit aufgezogen und es hat sie in ihren Sprechfähigkeiten verunsichert. Spätestens dann, wenn ein Kind sehr dadurch entmutigt ist und nicht mehr gern sprechen mag, sollten die Eltern reagieren und logopädische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Is will auch Sokolade haben.“

Es kann auch sein, dass Ihr Kind mit fünf Jahren ein gelispeltes „S“ spricht, obwohl in diesem Wort ein „Sch“ oder ein „Ch“ nötig gewesen wäre. Zum Beispiel: „Is will auch Sokolade haben.“ Das Thema Lispeln darf hier noch getrost außer Acht gelassen werden.

Jedoch wäre es wegen der fehlenden „sch“- und „ch“-Bildung wichtig, eine logopädische Therapie zu beginnen. Das Kind hat dann noch nicht die Unterscheidung der Laute „s“ und „sch“ beziehungsweise „s“ und „ch“ erfasst. Das sollte in diesem Alter schon erlernt worden sein. Der Grund hängt wahrscheinlich mit einer mangelnden Hörverarbeitung zusammen. Was bedeutet das? Das eigentliche Hören ist kein Problem, die Ohren funktionieren. Aber die zentrale Verarbeitung der Laute klappt noch nicht so recht. Logopädie kann in diesem Fall weiterhelfen.

Sollte Ihr Kind lispeln, können Sie es daheim unterstützend beeinflussen. Gerne gebe ich Ihnen einen beliebten Tipp weiter: Nehmen Sie dickflüssigen Joghurt und lassen Sie das Kind diesen mit einem Trinkhalm trinken. So wird die Rückzugsmuskulatur der Zunge aktiviert und die gesamte Mundmuskulatur gestärkt. Intensivieren kann man diese Übung, wenn man nach und nach dünnere Trinkhalme verwendet. Mmh, lecker! Ich schätze, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, Ihr Kind dafür zu begeistern.

Ina Finis ist Logopädin und Individual­psychologische Beraterin sowie Therapeutische Seelsorgerin in eigener Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei jugendlichen Kindern in Paderborn.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/10/Maedchen-laechelt-e1761737229694.jpg 1104 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-11-11 12:40:022025-11-11 12:40:02Kinder lispeln: Wann Eltern aktiv werden müssen

Nicht in Krisen: Wann Fehler wirklich die Beziehung belasten

Schwierigkeiten in der Beziehung? Paarberater Marc Bareth erklärt, warum Krisen nicht das eigentliche Problem sind und wann man am besten Vorsorge trifft.

Bei der letzten Leichtathletik-Weltmeisterschaft habe ich bei einem Tippspiel mitgemacht – aber nicht gewonnen. Oft habe ich den Sieger oder die Siegerin einer Disziplin falsch getippt, weil ich unterschätzt habe, wie schwer es ist, einen Titel zu verteidigen. Dieses Kunststück ist nur relativ wenigen Athleten gelungen, obwohl die letzte Weltmeisterschaft erst ein Jahr zurückliegt. Warum bleiben sie nicht erfolgreich? Vielleicht schleicht sich eine gewisse Nachlässigkeit im Training ein, wenn alles perfekt läuft und man die Beste der Welt ist. Das kann wohl uns allen passieren.

Dann kam der Absturz

Der gleiche Effekt ist auch in anderen Sportarten und außerhalb des Sports zu beobachten. In Zeiten des Erfolgs neigen wir offenbar dazu, nicht ideale Entscheidungen zu treffen.

Wie fast jeder hatte auch ich in den 2000er-Jahren ein Nokia-Handy. Ich hatte ein 3310, was gefühlt jeder hatte. Nokia hatte einen weltweiten Marktanteil von über 50 % (zum Vergleich: iPhones haben heute einen Marktanteil von ca. 16 %). 13 Jahre lang war Nokia unglaublich erfolgreich. Doch dann stürzte der Marktanteil innerhalb von nur fünf Jahren auf 3 % ab. Eine Mischung aus Überheblichkeit, Nachlässigkeit und fehlender Dringlichkeit führte dazu, dass in den guten Zeiten schlechte Entscheidungen getroffen wurden.

An dieser Stelle ließen sich Hunderte von bekannten und weniger bekannten Geschichten von Unternehmen, Sportvereinen, politischen Parteien und Kirchen erzählen, die alle in Zeiten des Erfolgs schwerwiegende Fehlentscheidungen getroffen haben, die später ihren Untergang besiegelten.

Nur nicht nachlassen

Das Gleiche gilt auch für Paarbeziehungen. Auch dort werden die entscheidenden Fehler oft nicht in Krisen, sondern in den guten Zeiten gemacht. Wenn es keine Probleme gibt und man gut miteinander auskommt, ist die Gefahr am größten, schlechte Entscheidungen zu treffen. Wertvolle Gewohnheiten wie regelmäßige ungestörte Austauschzeiten werden dann allzu leicht aufgegeben – sie scheinen ja nicht mehr nötig zu sein. Oder auch wertschätzende Worte oder das ernsthafte Interesse an der Veränderung des Gegenübers verabschieden sich gerade in guten Phasen schnell durch die Hintertür. Es ist ja alles in Ordnung, warum sollte ich mich da noch besonders um die Beziehung kümmern?

Gerade in guten Zeiten bietet sich die Chance, die eigene Beziehung auf ein solides Fundament zu stellen, das auch Stürmen  und Krisen standhält. Natürlich wissen wir, dass das wichtig wäre. Aber weil es fast nie dringend ist, versäumen wir es trotzdem. Denn im Gegensatz zu Kindern schreit eine Paarbeziehung lange nicht so laut, wenn ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Deshalb gilt für frischgebackene Leichtathletik-Weltmeister ebenso wie für Paare, bei denen es „eigentlich ganz gut“ läuft: Angesichts unserer Neigung, in erfolgreichen Phasen weitreichende Fehler zu begehen, lohnt es sich, gerade in diesen guten Zeiten besonders wachsam zu sein und die Weichen so zu stellen, dass wir unsere Ziele auch in Zukunft erreichen.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/07/Empathie_BN_GettyImages_fizkes-1263543065.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-11-06 14:37:542025-11-06 14:37:54Nicht in Krisen: Wann Fehler wirklich die Beziehung belasten

Mit den Eltern über den Tod reden: Tipps für offene Gespräche

Mit den alten Eltern über Sterben und Tod reden – das fällt vielen schwer. Eine Trauerrednerin erklärt, wie man letzte Dinge ansprechen kann.

In meiner freiberuflichen Tätigkeit als Trauerrednerin begegnet mir so einiges. Zum Beispiel die Familie einer Frau, die schon seit Jahren eine Diagnose hatte, die unweigerlich zum Tod führen würde. Während sie immer schwächer wurde und schließlich ins Krankenhaus kam, wussten alle, dass sie sterben würde. Doch die Familie redete nur davon, was sie noch alles vorhatten, wenn die Patientin wieder aus dem Krankenhaus käme: Sie planten Urlaube und Unternehmungen und machten einen großen Bogen darum, über den Tod zu reden.

Als die Frau verstorben war und wir zum Gespräch am Tisch saßen, erzählten sie mir, dass die Verstorbene schon alle Papiere für ihren Tod vorbereitet hatte. Es brauchte nur noch ihr Sterbedatum eingetragen zu werden. Alles war fertig, ausgedruckt und organisiert, jedes einzelne Schreiben für jede Behörde und jede Versicherung. Aber vor ihrem Tod haben sie und ihre Angehörigen kein Wort darüber verloren.

Natürlich ist es legitim, nicht über den Tod zu reden. Aber dieses Schweigen hat seinen Preis. Denn jeder ist auf seiner Seite allein: die Person, die stirbt, und die, die zurückgelassen wird. Beide können von einer offenen Kommunikation profitieren. Aber häufig wird das Reden über Sterben und Tod blockiert, weil es unangenehm ist und verunsichert oder weil man es nicht gewohnt ist, über schwierige Dinge zu sprechen.

Angst und Scham

Es fordert uns heraus, darüber zu reden, dass die Eltern eines Tages nicht mehr da sein werden. Das geht sicher vielen so. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir eines Tages selbst die alternden Eltern sein werden. Das konfrontiert uns mit der Aussicht auf unsere eigene Endlichkeit.

Die Eltern-Kind-Beziehung ist eine der tiefsten Verbindungen, egal wie gut oder schlecht sie sein mag. Die alternden Eltern, die als nächstes dem Tod entgegensehen, müssen mit Schmerzen, Kontrollverlust und körperlichem Versagen rechnen. Auch damit, ihre Kinder und Enkel allein zurückzulassen, loszulassen und alles nicht mehr mitzuerleben. Die Kinder müssen sich damit auseinandersetzen, was ihre Verantwortung sein mag in dem unsicheren Prozess und welche Hilfe sie leisten können. Sie wissen, dass sie eines Tages ohne ihre Eltern leben werden – mit allen Konsequenzen. Das kann man in Gedanken vielleicht üben, aber man kann nicht wissen, wie es ist, bevor man es erlebt. Das macht Angst.

Ängste provoziert auch, dass beide Seiten sich mehr oder weniger bewusst sind, dass die letzte Lebensphase der Eltern die jahrelang vertieften Rollenbilder umkehren kann. Nun ist es an den Kindern, Verantwortung für die Eltern zu übernehmen. Das kann Scham auf beiden Seiten auslösen. Und es ist zu vermuten, dass sie mit einem intensiven Gefühl von Verletzlichkeit einhergeht. Schutzbedürftigkeit und Stärke wechseln die Lager. Wie wird man damit zurechtkommen? Wird die Beziehung das aushalten?

Dazu kommt, dass in unserer Gesellschaft der Tod ein Tabuthema ist. Man flüstert nur darüber, verschweigt es den Kindern, wo es geht, und arbeitet daran, den eigenen Tod möglichst weit nach hinten zu schieben. Im Alltag über den Tod zu reden, steht meist im Gegensatz zu dem, was wir gelernt und weitergegeben haben. Kein Wunder also, dass es Irritationen auslösen kann. Sollte ich mich trotzdem dem Thema stellen und mit meinen Eltern über den Tod reden? Macht es Sinn, sie damit zu konfrontieren? Und wie stelle ich es an?

Offener Austausch

Als meine Kinder in der Grundschule waren, machten mir andere Eltern Angst vor den Teenagerjahren: „Warte nur ab, dann wird es euch nicht mehr so gut gehen“, schien die Botschaft zu sein. Ein Erziehungsvortrag bot eine andere Perspektive: „Wenn ihr jetzt als Eltern mit den Kindern in gutem Kontakt seid und daran arbeitet, dass es so bleibt, habt ihr eine gute Grundlage für die Teenagerzeit,“ beantwortete der Referent meine sorgenvoll gestellte Frage.

Ähnlich kann man auch auf die Phase zugehen, wenn die Eltern alt werden. Wir können rechtzeitig die Beziehung zu unseren Eltern pflegen und vertiefen. Gelegenheiten zum besseren Kennenlernen und Austauschen kann man mit einem Kaffeetrinken oder Abendessen schaffen. Einstiegsfragen können sein:

  • Gab es einen Moment, der euer Leben besonders geprägt hat?
  • Was hättest du gern über das Leben gewusst, als du so alt warst wie ich jetzt?
  • Wie habt ihr schwierige Zeiten gemeistert?
  • Welche Träume habt ihr aufgegeben?
  • Welche Wünsche habt ihr für die nächsten Jahre?

Wenn wir uns selbst unseren Eltern gegenüber offen und verletzlich zeigen, fördert das den Austausch und vertieft die Beziehung. Es kann auch hilfreich sein, den Eltern Lob und Anerkennung für ihr Engagement und ihre Erziehungsarbeit zu zollen. Vielleicht hadern sie genau wie wir mit ihrem Elternsein. So ein offenes Gespräch kann eine Grundlage bilden, weiter in Kontakt zu bleiben und auch die Themen der Zukunft anzusprechen, zum Beispiel so:

„Meine lieben Eltern, auf der Family-Webseite habe ich einen Artikel gelesen, der mich nachdenklich gemacht hat. Es ging um das Älterwerden der eigenen Eltern. Ich bin oft so mit meinen Kindern beschäftigt, dass ich nicht so sehr an euch denke. Beim Lesen des Artikels wurde mir bewusst, wie wichtig ihr mir seid. Und auch, dass ich gar nicht weiß, was euch wesentlich ist, wenn ihr alt werdet und etwas so kommt, dass ihr es vielleicht nicht mehr ausdrücken könnt. Es macht mir auch ein mulmiges Gefühl, dass ich mich vielleicht eines Tages um euch kümmere und unsere Rollen vertauscht werden. Aber ich möchte euch dann gern zur Seite stehen und wünsche mir, dass wir über ein paar Dinge reden.“

Oder: „Ich würde euch gern ein paar Fragen stellen. Die demente Mutter meiner Arbeitskollegin ist ins Pflegeheim gekommen. Ihr Vater hatte sich bisher um alles gekümmert, aber er ist vor vier Wochen plötzlich verstorben. Jetzt steht meine Kollegin allein mit der Verantwortung da und hat viele Fragen, die ihr keiner mehr beantworten kann. Ich merke, wie schwer es für sie ist. Das wünsche ich mir mit euch anders. Können wir uns mal Zeit dafür nehmen und darüber reden, welche Vorstellungen und Wünsche ihr habt?“

In diesem Kontext kann man auch auf Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu sprechen kommen. Oder man kann besprechen, ob eine 24-Stunden-Pflegekraft für zu Hause eine Möglichkeit ist oder ein Pflegeheim, in dem noch andere Menschen wohnen.

Über Essenzielles reden

Nun haben wir aber immer noch nicht über Tod und Sterben geredet, nur übers Älterwerden. Als meine Mutter im Hospiz war, sagten uns die Pflegerinnen dort, dass sterben so individuell ist wie geboren werden. Es kann länger dauern und ein Kampf sein. Es kann friedlich sein und schnell. Es kann erwartet sein oder plötzlich. Jeder stirbt anders. Jeder hat seine eigene Geschichte, oder sein eigenes Ende der Geschichte, wenn man so will. Worüber kann man da vorher reden?

Auf der einen Seite ist es sicher gut, Chancen zu nutzen, um über Essenzielles zu reden. Fragen könnten sein: Was soll dein Vermächtnis sein? Was sollen wir über dich erzählen? Was soll von dir bleiben? Gibt es etwas, das du noch erreichen oder erleben möchtest? Was möchtest du mir oder deinen Enkeln noch sagen? Wie siehst du mich? Was wünschst du dir für mich, wenn du nicht mehr da bist? Hier kann auch ein Brief oder ein Audio wertvoll sein.

Vielleicht gibt es auch wunde Stellen im Herzen, die Vergebung brauchen. Eine Bekannte hat von ihrer Mutter auf dem Sterbebett zum ersten Mal den Satz gehört: „Man hätte auch manches anders machen können.“ Es war das erste Eingeständnis, dass sie als Mutter nicht über allem gestanden und sich selbst hinterfragt hat. Diese paar Worte waren ein enormer Trost für meine Bekannte. Wenn über Sterben und Tod geredet wird, ist es ein guter Zeitpunkt, sich zu fragen, was emotional noch zu klären ist, bevor jemand geht. Vielleicht ist auch eine kritische Rückmeldung möglich oder nötig: „Ich hätte mir gewünscht …“ Oder: „Diese Entscheidung habe ich nicht verstanden …“

Um über den Sterbeprozess selbst zu reden, können diese Fragen wertvoll sein:

  • Denkst du, du möchtest eher allein sein, wenn du im Sterben bist? Oder wünschst du dir, dass jemand bei dir ist?
  • Gibt es Lieder, die wir singen oder abspielen können, die dir guttun? Oder sollen wir etwas vorlesen oder mit dir beten?
  • Gibt es etwas, das dir Trost und Geborgenheit spenden würde?

Gleichzeitig ist es auch ein gemeinsamer Weg, den wir mit unseren Eltern gehen. Und es ist gut, darüber im Gespräch zu sein. Nach einer Diagnose kann die bisherige Zuversicht unerwartet schnell umschlagen. Schmerzen können Gottvertrauen in Frage stellen. Es ist ein Weg, bei dem wir oft nur bis zur nächsten Biegung schauen können – danach kann alles passieren. Jeder Abschnitt mag sich anders anfühlen. Aber wenn wir gelernt haben, im Kontakt zu sein und Gefühle und Ängste auszusprechen, ist keiner allein.

Aufeinander zugehen

Ich bin fest davon überzeugt, dass beide Seiten emotional profitieren und sich gegenseitig stützen können, wenn der Austausch früh angefangen hat und in herausfordernden Zeiten weitergehen darf. Dieser Weg, der unterschiedlich endet, kann lange gemeinsam gegangen werden.

Mit den Eltern über Sterben und Tod zu reden, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Da darf jeder und jede einen eigenen Weg finden, auf dem es kein richtig oder falsch gibt. Manches, was eine Seite sich wünscht, kann die andere nicht ertragen. Aber es ist gut, mutig zu sein, aufeinander zuzugehen und damit zu rechnen, dass Nähe wachsen kann. Mit offenen Augen und einem offenen Herzen lassen sich Möglichkeiten finden, um über praktische und persönliche Dinge zu sprechen und sich gegenseitig zu tragen.

PS: Vergesst nicht, nach dem Rezept vom leckeren Kartoffelsalat zu fragen!

Debora Güting lebt in Linsengericht. Sie hat vier Kinder, zwei davon erwachsen. Sie arbeitet derzeit mit psychisch kranken Menschen und als Trauerrednerin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/11/Vater-Tochter-e1762256255583.jpg 1037 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-11-04 12:38:102025-11-04 12:38:10Mit den Eltern über den Tod reden: Tipps für offene Gespräche

Kind lispelt: Logopädin erklärt, wann Eltern aktiv werden müssen

Elternfrage: „Mein Kind (5) lispelt beim Sprechen. Muss es zur Logopädie? Können wir daheim etwas tun? Oder wächst es sich sowieso mit der Zeit aus?“

Die kleine Lia rennt aufgeregt zu ihrer Mutter und erzählt, dass der drollige Hund Simson gerade an ihrem Eis geschleckt habe. Dabei sieht die Mutter, dass bei jedem S-Laut Lias Zunge entweder an oder sogar durch die Zähne drückt. Die Mutter lächelt und drückt ihrer Kleinen einen Kuss auf die Wange.

Wenn die Kids klein sind, finden wir es oft niedlich, wenn ihre Zunge zwischen den Zähnen durchguckt und sie lispeln. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr passend finden und uns Sorgen machen, weil gleichaltrige Kinder nicht mehr lispeln. Die Frage steht im Raum, ob das Kind eine logopädische Therapie braucht.

Es entwickelt sich noch

Erst mal möchte ich Sie beruhigen. Wenn ein Kind mit fünf Jahren noch lispelt, ist es in guter Gesellschaft. Etwa 25 bis 35 Prozent der gleichaltrigen Kinder tun das. Ihr Kind hat noch Zeit, um seine motorische Entwicklung weiter reifen zu lassen. Insofern das Kind tatsächlich nur lispelt, hat es die Laute bereits richtig erfasst. Es kann „sch“ und „ch“ von den S-Lauten unterscheiden und wirft die Laute beim Sprechen nicht durcheinander. Dann können Sie durchatmen: Es ist zu erwarten, dass sich Ihr Kind so weiterentwickeln wird, dass es die S-Laute richtig aussprechen kann.

Wenn jedoch nach dem Zahnwechsel der Frontzähne immer noch ein Lispeln vorliegt, ergibt es Sinn, mit einer Therapie zu starten. Es ist außerdem wichtig, darauf zu achten, wie das Kind selbst mit der Situation umgeht. Was meine ich damit? Es gibt Kinder, die sich schon mit vier oder fünf Jahren daran stören, wenn sie lispeln. Vielleicht wurden sie im Kindergarten damit aufgezogen und es hat sie in ihren Sprechfähigkeiten verunsichert. Spätestens dann, wenn ein Kind sehr dadurch entmutigt ist und nicht mehr gern sprechen mag, sollten die Eltern reagieren und logopädische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Is will auch Sokolade haben.“

Es kann auch sein, dass Ihr Kind mit fünf Jahren ein gelispeltes „S“ spricht, obwohl in diesem Wort ein „Sch“ oder ein „Ch“ nötig gewesen wäre. Zum Beispiel: „Is will auch Sokolade haben.“ Das Thema Lispeln darf hier noch getrost außer Acht gelassen werden.

Jedoch wäre es wegen der fehlenden „sch“- und „ch“-Bildung wichtig, eine logopädische Therapie zu beginnen. Das Kind hat dann noch nicht die Unterscheidung der Laute „s“ und „sch“ beziehungsweise „s“ und „ch“ erfasst. Das sollte in diesem Alter schon erlernt worden sein. Der Grund hängt wahrscheinlich mit einer mangelnden Hörverarbeitung zusammen. Was bedeutet das? Das eigentliche Hören ist kein Problem, die Ohren funktionieren. Aber die zentrale Verarbeitung der Laute klappt noch nicht so recht. Logopädie kann in diesem Fall weiterhelfen.

Sollte Ihr Kind lispeln, können Sie es daheim unterstützend beeinflussen. Gerne gebe ich Ihnen einen beliebten Tipp weiter: Nehmen Sie dickflüssigen Joghurt und lassen Sie das Kind diesen mit einem Trinkhalm trinken. So wird die Rückzugsmuskulatur der Zunge aktiviert und die gesamte Mundmuskulatur gestärkt. Intensivieren kann man diese Übung, wenn man nach und nach dünnere Trinkhalme verwendet. Mmh, lecker! Ich schätze, Sie werden keine Schwierigkeiten haben, Ihr Kind dafür zu begeistern.

Ina Finis ist Logopädin und Individual­psychologische Beraterin sowie Therapeutische Seelsorgerin in eigener Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei jugendlichen Kindern in Paderborn.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/10/Maedchen-laechelt-e1761737229694.jpg 1104 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-11-03 12:27:232025-10-29 12:27:47Kind lispelt: Logopädin erklärt, wann Eltern aktiv werden müssen

Beruflicher Neustart: Praktische Tipps für deine Bewerbung

Wer sich für einen beruflichen Neustart entschieden hat, steht vor praktischen Herausforderungen. Wie du eine Stelle findest und wie die Bewerbung funktioniert, erklärt Businesscoach Carmen Gladhofer.

Auf der Suche nach der passenden Arbeitsstelle kann man erst einmal die einschlägigen großen Online-Jobportale sichten. Hier sind aufgrund der Anzeigenkosten tendenziell eher mittelständische und größere Unternehmen zu finden. Die Portale bieten viele Filtermöglichkeiten wie Umkreissuche, Pendelzeit, Arbeitszeitmodell, Berufsfelder, (Sprach-)Fähigkeiten, gewünschte Anstellungsart, bevorzugte Bewerbungsart …

Wenn es eher um eine Stelle bei kleineren und lokalen Arbeitgebern geht: Bitte andere, die Augen und Ohren offen zu halten. Frage auch selbst bei interessanten Firmen nach. Dies gilt insbesondere, wenn das Unternehmen keine eigene Website hat. Oft vernachlässigt, aber dennoch bei der lokalen Suche hilfreich: Die Angebote bei der Bundesagentur für Arbeit. Diese sind ebenfalls online verfügbar und mit etlichen Filtermöglichkeiten ausgestattet. Auch Anzeigen in der lokalen Presse, in Fachzeitschriften oder spezifische Kongresse bieten die Möglichkeit, themen- oder branchenspezifisch von möglichen offenen Stellen zu erfahren.

Was für große und kleine Arbeitgeber gilt: Hast du ein bestimmtes Unternehmen im Auge, bei dem du dich bewerben willst, dann schau zunächst (sofern vorhanden) einmal auf der Website vorbei. Du hast dich bisher gegen einen Social-Media-Account entschieden? Überlege dir dennoch, dir zeitweise einen Account anzulegen. Das heißt nicht, dass du dort aktiv posten oder kommentieren musst. Zu den Social-Media-Portalen gehören längst nicht nur Instagram, Facebook oder TikTok. Über spezifische Portale mit einem starken Fokus auf Business-Themen wie LinkedIn und (in gewissen Teilen) XING kann man zukünftige Arbeitgeber finden oder zumindest weitere Informationen generieren.

Die richtige Stelle?

Gerade in der Lebensmitte sind viele unsicher, wie denn ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt aussehen. Überspitzt gesagt: Es sollte sich von selbst verstehen, dass man sich als Einsteiger ohne Berufserfahrung eher nicht auf eine Stelle als Geschäftsführer mit entsprechender Berufserfahrung bewerben sollte. Gleichzeitig ist mangelnde Erfahrung für eine Aufgabe auf der nächsten Hierarchiestufe nicht gleich ein No-Go.

Denn aktuell gibt es im Vergleich zu früheren Krisen einen Vorteil für Bewerberinnen und Bewerber: die schrumpfende Gesamtmenge an Arbeitnehmern. So müssen die Unternehmen im Hinblick auf erwartete Qualifikationen und Erfahrungen zwangsweise durchlässiger werden.
Mit der Analyse deiner Situation, die ich dir in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie vorgestellt habe, sollte eine Entscheidung, ob du dich auf eine Stelle bewerben willst, deutlich einfacher für dich sein. Beim Lesen der Ausschreibung kannst du folgendes identifizieren:

  1. Welcher Ausbildungsgrad durch eine Ausbildung/Studium/Weiterbildung oder erste/mehrjährige Berufserfahrung ist gefordert?
  2. Was erwartet dich inhaltlich?
  3. Nach welcher Persönlichkeit wird gesucht?
  4. Welche Kompetenzen werden benötigt? Achte dabei besonders auf die Formulierung derjenigen Aufgaben, die mit deiner Persönlichkeit einhergehen. Zum Beispiel:
    „Mit Ihrer offenen Art gewinnen Sie schnell das Vertrauen der Kunden.“
    „Das Finden von pragmatischen Lösungen motiviert Sie.“
    „Die sorgfältige Erstellung der täglich anfallenden Dokumentation.“
    „Erste Führungserfahrung ist wünschenswert.“

Sollte die Stellenbeschreibung sehr kurz gehalten sein, wie zum Beispiel: „Sie erstellen die täglich anfallende Dokumentation“, dann überlege, welche (deiner) Kompetenzen für diese Anforderung hilfreich sind.

Die Bewerbung

Wie das Bewerben genau funktioniert, hängt vom Unternehmen ab. Inzwischen bevorzugen nur noch wenige und eher kleinere Unternehmen die Unterlagen schriftlich als Mappe oder per Mail. Der Grund: Es gibt dort keinen Personaler oder gar ein webbasiertes Bewerbermanagementsystem. Gibt es ein solches aber, sollte dir das keine Sorgen bereiten. Diese Systeme sind recht benutzerfreundlich.

Zum Teil findest du dort Quick-Bewerbungsformulare mit extrem wenigen Fragen. Manchmal sind zu Beginn noch stellenspezifische Fragen vorgeschaltet. Am Ende erhältst du aber in den allermeisten Fällen die Möglichkeit, entweder ein Anschreiben und die individuellen Dokumente wie Lebenslauf (CV) und passende Zeugnisse hochzuladen oder die Informationen in entsprechende Masken einzutragen. Bei allen technischen Möglichkeiten: Arbeite sorgfältig und mache es dem Leser möglichst leicht durch verständliche Dateinamen, Seitensortierung etc.

Du fragst dich vielleicht: Kann ich die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, um ein passendes Anschreiben für meine Bewerbung zu erstellen? KI kann hilfreich sein, die wesentlichen Aspekte einer Stelle herauszufiltern und mit dir und deiner Vita zu verknüpfen. Das Ergebnis „einfach abzusenden“ empfehle ich aber nicht. Denn der im Hintergrund arbeitende Algorithmus nimmt darauf maßgeblich Einfluss und kann wichtige Aspekte anders werten.

Die Vorteile, wenn du selbst schreibst:

  • Du bereitest dich gleichzeitig auf ein potenzielles Bewerbungsgespräch vor.
  • Du lieferst eine passgenaue Bewerbung, mit der du auffällst. Denn ein Personaler merkt, ob jemand sich mit einer konkret formulierten Stellenanzeige auseinandergesetzt hat.

Deshalb:

  1. Pick dir die aus deiner Sicht wesentlichen Aspekte einer Aufgabe heraus und begründe über deine Ausbildung/Studium/Weiterbildung, deine (ggf. auch fachfremden) Erfahrungen, deine Persönlichkeit und damit einhergehenden Kompetenzen, warum genau du mit viel Freude zum (nicht nur monetären) Erfolg des Unternehmens beitragen kannst.
  2. Benenne, warum du genau bei diesem Arbeitgeber arbeiten möchtest (und nicht bei der Konkurrenz). Hier hilft ein Blick auf die Website, um etwas über das Selbstverständnis, die Vision und Werte eines Unternehmens zu erfahren. Mit der in Teil 1 und 2 beschriebenen Analyse deiner Werte kannst du einen Bezug zwischen dir und dem Unternehmen herstellen. Du findest dazu nichts? Überlege, was mögliche Werte eines Arbeitgebers in dieser Branche sein könnten.
  3. Der Lebenslauf ist noch immer ein wichtiger Bestandteil einer Bewerbung. Er sollte die von dir im Anschreiben gemachten Angaben (auch Ehrenamt oder Hobbys) aufgreifen und sich selbstverständlich mit den Angaben aus den Zeugnissen decken. Vorherige Stationen mit Aufgaben oder Kompetenzen, die auch für den zukünftigen Job nützlich sind, können dabei ein wenig umfangreicher dargestellt werden.

Die Zeit des Abwartens

Ist die Bewerbung abgeschickt, heißt es Abwarten. Dies kann leider dauern. Wie die Auswertung von Bewerbungen abläuft, unterscheidet sich zum Teil auch innerhalb eines Unternehmens erheblich. Eine häufige Frage lautet: „Soll ich den Personaler anrufen und den Stand der Dinge erfragen?“ Die Antwort heißt: „Es kommt darauf an – auf die einstellende Person, die aktuelle Situation im Unternehmen und die konkrete Frage.“ Anders ausgedrückt: In der Regel sind die Personaler mit ihrer täglichen Arbeit gut ausgelastet. Wichtige Fragen werden aber, auch im Sinne der Arbeitgeberattraktivität, immer gern beantwortet. Was sind nun wichtige Fragen?

  • Rückfragen, um herauszufinden, ob die zu erfüllenden Aufgaben oder erwarteten Anforderungen zueinander passen könnten
    Organisatorische Details abklären (zum Beispiel zur Vakanz einer Stelle)
  • Rückfragen zum Stand der Bewerbung mehrere Wochen nach dem Ende der Bewerbungsfrist

Von Anrufen, um sich „ins Gespräch zu bringen“ oder Überzeugungsreden in eigener Sache würde ich absehen. Sie sind meist leicht zu enttarnen und hinterlassen schlimmstenfalls einen schalen Beigeschmack.

Die Zeit des Wartens ist anstrengend und nervenaufreibend – gerade, wenn du auf deine vermeintliche Traumstelle gestoßen bist. Ich rate dennoch davon ab, den Bewerbungsprozess jetzt einzustellen. Denn: Bis es zu einer Einstellung kommt, sind noch einige Hürden zu nehmen. Schlimmstenfalls ist viel Zeit verloren, wenn du abwartest, ob diese eine Bewerbung wirklich zum Erfolg führt. Also nutze die Zeit! Du kannst nur gewinnen.

Hier geht es zum nächsten Teil der Serie von Carmen Gladhofer: Wie der Bewerbungsprozess gelingt

Hier geht es zu Teil 1: Wie du entscheidest, ob eine berufliche Veränderung ansteht

Hier geht es zu Teil 2: Wie du eine gute berufliche Entscheidung triffst

Carmen Gladhofer ist Ökonomin, Trainerin und arbeitet in Dortmund als Systemischer (Online-)Coach. Sie bietet Businesscoachings mit dem Schwerpunkt „berufliche Zufriedenheit“ an.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/10/Frau-am-Laptop.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-10-29 09:59:252026-01-16 16:52:32Beruflicher Neustart: Praktische Tipps für deine Bewerbung
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