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Geschwister als Babysitter: Ist das sinnvoll?

Elternfrage: „Können wir unsere Tochter (14) als Babysitter für unseren Jüngsten (5) einspannen? Mein Mann und ich sind uns uneinig.“

Klare Absprachen

Wir haben als Familie sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jeweils älteren Geschwister bei den Jüngeren babysitten zu lassen. Warum? Ältere Brüder oder Schwestern sind wohlvertraut. Es gibt keine seltsamen Beklommenheitsgefühle oder Ängste, wie sie einem außenstehenden Babysitter manchmal entgegengebracht werden. Umgekehrt ist die Übernahme von Verantwortung in und für die eigene Familie ein großer Zugewinn. Die älteren Geschwister dürfen erfahren, was ihnen von ihren Eltern zugetraut wird. Nicht zuletzt stärkt es die Gemeinschaft unter den Geschwistern. Einen Abend allein zu verbringen, ist ein kleines Abenteuer und schreibt die gemeinsame Geschichte fort, ganz ohne elterliche Argusaugen.

Allerdings müssen für diese Benefits einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das ältere Geschwisterkind diesen Job auch tatsächlich übernehmen wollen. Niemandem ist gedient, wenn die Kleinen den Großen aufs Auge gedrückt werden und diese auf die Rolle überhaupt keine Lust haben. Es muss klar und anerkannt sein, wer in diesen Stunden die Ansagen macht, und dass diese Ansagen ohne Diskussionen gelten. Die Rahmenbedingungen sollten klar gesteckt sein. Was werdet ihr essen, welchen Film werdet ihr schauen, wann ist Zubettgehzeit? Stellt alles bereit, damit es etwas Besonderes wird: leckeres Essen natürlich und ein paar Snacks zum Film. Und abschließend hat ein ordentlicher Babysitter, verwandt oder nicht, einen ordentlichen Lohn und Anerkennung verdient.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein.

Klein anfangen

Als Mama von zwei erwachsenen Kindern und einer lebhaften, fast fünfjährigen Tochter erlebe ich das Betreuen der Kleinen von den Großen als Bereicherung. Voraussetzung für den Babysitter-Job war: Ich muss mich verlassen können, dass der Fokus der Älteren auf der Jüngsten liegt. Ich wünsche mir nicht eine „Nebenbei auf die Kleine schauen“-Mentalität, sondern eine „Ich bin gerade allein verantwortlich“-Einstellung. Ich habe erlebt, dass aus meinem Zutrauen den älteren Geschwistern gegenüber Vertrauen entsteht und das zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt. Das ist eine Fähigkeit, die ihnen im Leben immer wieder zugutekommt.

Natürlich braucht es klare Absprachen und ein Gespür dafür, was jedes Kind leisten kann. Aber unsere Großen können mehr, als man denkt! Am besten fängst du nicht mit einem ganzen Babysitter-Tag an, sondern mit einem kurzen Zeitfenster, in dem du telefonisch erreichbar bist („Mama, mach aber dein Handy mal auf laut!“ Upsi). Nach einer solchen ersten Erfahrung würde ich kurz gemeinsam reflektieren: Wie hast du dich gefühlt? Hättest du irgendetwas mehr gebraucht? Und egal, wie es gelaufen ist, für mich gehört immer ein dickes „Danke, ich bin stolz auf dich“ dazu.

Jenni Terlitzki ist Mutter, Singer und Songwriter als Teil der Band Eli Worship.

„Nicht meine Mama“

Ich war elf Jahre alt und hatte drei jüngere Geschwister, als meine Babysitter-Karriere startete. Ich verbinde gemischte Gefühle damit. Auf der einen Seite habe ich mich geehrt gefühlt, dass ich das in den Augen meiner Eltern schaffen kann. Der Gedanke „die trauen mir das zu“ hat mich groß werden lassen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein. Von meinen jüngeren Geschwistern habe ich oft den Satz „Du bist nicht meine Mama“ gehört. Das stimmte zwar, aber dennoch hatte ich ja die Verantwortung in dem Moment für sie – dieser Spagat war schwer.

Zudem hatte ich Ängste. Was ist, wenn jemand einbricht? Wenn es brennt? Wen werde ich zuerst retten? Ich bin viele Worstcase-Szenarien durchgegangen und konnte deshalb nicht schlafen. Wenn meine Eltern dann vom Hauskreis heimkamen, habe ich mich schnell schlafend gestellt. Meine Eltern haben es gut gemeint, ich habe sehr früh sehr viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt, aber ich habe das nicht immer so gefühlt. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich lasse deshalb meine Teenagertochter nicht auf ihren jüngeren Bruder aufpassen. Sie darf in meinen Augen einfach erst einmal Teenagerin sein und sich selbst entdecken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine regelmäßige Übernahme der Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind möchte ich meinem Kind nicht übertragen.

Die Autorin möchte anonym bleiben.

Erziehungswissenschaftlerin: So können Sie Ihr Kind beruhigt einem Babysitter überlassen

Ein Abend zu zweit, das wünschen sich viele Paare. Erziehungswissenschaftlerin Melanie Schüer erklärt, wie die Wahl des Babysitters funktioniert und was Eltern beachten sollten.

„Mein Mann und ich waren seit der Geburt unseres Kindes vor ein paar Monaten nicht mehr gemeinsam aus, würden es aber gern mal wieder. Ab wann kann ich einen Babysitter engagieren, wie alt muss er/sie sein, was muss er/sie mitbringen und wie viel bezahlt man ihm/ihr?“

Ein Abend zu zweit ist eine sehr gute Idee. Nach der Geburt des Kindes besteht die Gefahr, dass die Eltern zunehmend „nur noch“ Vater und Mutter sind und ihre Identität als Liebespaar vernachlässigen. Um dem vorzubeugen, sind regelmäßige Paar-Zeiten ganz wichtig.

Das Baby sollte seinen Sitter kennen

Wann das wieder möglich ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Grundsätzlich dann, wenn Sie Ihr Baby mit gutem Gefühl eine Weile jemand anderem überlassen können und keine Faktoren wie Füttern, Krankheiten oder Ängste dagegensprechen. Wenn das Baby gestillt wird, stellt sich die Frage, wie lange Pausen es aushält. Wenn es zwei bis drei Stunden recht zuverlässig schafft, ist zum Beispiel ein gemeinsames Abendessen gut umsetzbar. Abpumpen erhöht die Flexibilität.

Wie gut kommt ihr Baby mit Trennungen zurecht? Die meisten Babys fangen mit fünf bis sechs Monaten an, Trennungsangst zu entwickeln, bei manchen kommt es schon früher vor. Man sollte daher dafür sorgen, dass das Baby den Babysitter vorher zumindest zwei- bis dreimal für einige Zeit kennenlernen konnte (im Beisein eines Elternteils) und auch vor dem Verlassen der Wohnung mindestens eine halbe Stunde zusammen mit dem Babysitter zum „Warmwerden“ einplanen, bevor man sich verabschiedet. Auf keinen Fall sollte man sich rausschleichen, sondern kurz und herzlich verabschieden. Wenn das Baby jünger als drei bis vier Monate ist, reicht es oft aus, wenn es den Babysitter ein- oder zweimal vorher kennengelernt hat, da Trennungsangst da meist noch keine Rolle spielt.

Wie alt sollte ein Babysitter sein?

Der Babysitter sollte über alle wichtigen Abläufe, Rituale und Besonderheiten beim Schlafen, Wickeln und Füttern Bescheid wissen. Am besten zeigt man möglichst vieles davon schon einmal vorher: Wo ist der Schnuller, wann gibt es diesen? Wie schläft das Baby am besten ein, wie kann man es gut beruhigen?

Gerade bei Babys ist es meist gut, wenn der Babysitter schon volljährig ist. Es gibt aber auch Jugendliche, die schon viel Erfahrung und ein gutes Händchen haben, dann sollte man diese aber vorher sehr genau einweisen, prüfen, ob sie ausreichend souverän wirken und die vorhandene Erfahrung erfragen. Manche haben ein sogenanntes „Babysitter-Diplom“ über eine Schulung erhalten, das ist ein Pluspunkt.

Was sollte ein Babysitter verdienen?

Man sollte bestimmte Notfallnummern für den Babysitter sichtbar aufhängen und natürlich sicherstellen, dass man selbst erreichbar ist. Für den Anfang bietet es sich an, nicht zu weit wegzufahren, um möglichst rasch wieder zu Hause zu sein. Bei der Bezahlung sollte man sich bei volljährigen Babysittern am gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde orientieren. Jüngere Babysitter erhalten oft zwischen 6 und 8 Euro pro Stunde, je nach Region sind die üblichen Preise auch höher. In der Schweiz erhalten bis 15-Jährige bis 10, ältere bis 18 Franken pro Stunde.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin mit dem Schwerpunkt Schrei- und Schlafprobleme tätig, auf elternleben.de sowie neuewege.me.

Zu früh für einen Babysitter?

„Mein Mann und ich waren seit der Geburt unseres Kindes vor ein paar Monaten nicht mehr gemeinsam aus, würden es aber gern mal wieder. Ab wann kann ich einen Babysitter engagieren, wie alt muss er/sie sein, was muss er/sie mitbringen und wie viel bezahlt man ihm/ihr?“

Ein Abend zu zweit ist eine sehr gute Idee. Nach der Geburt des Kindes besteht die Gefahr, dass die Eltern zunehmend „nur noch“ Vater und Mutter sind und ihre Identität als Liebespaar vernachlässigen. Um dem vorzubeugen, sind regelmäßige Paar-Zeiten ganz wichtig.

Das Baby sollte seinen Sitter kennen

Wann das wieder möglich ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Grundsätzlich dann, wenn Sie Ihr Baby mit gutem Gefühl eine Weile jemand anderem überlassen können und keine Faktoren wie Füttern, Krankheiten oder Ängste dagegensprechen. Wenn das Baby gestillt wird, stellt sich die Frage, wie lange Pausen es aushält. Wenn es zwei bis drei Stunden recht zuverlässig schafft, ist zum Beispiel ein gemeinsames Abendessen gut umsetzbar. Abpumpen erhöht die Flexibilität.

Wie gut kommt ihr Baby mit Trennungen zurecht? Die meisten Babys fangen mit fünf bis sechs Monaten an, Trennungsangst zu entwickeln, bei manchen kommt es schon früher vor. Man sollte daher dafür sorgen, dass das Baby den Babysitter vorher zumindest zwei- bis dreimal für einige Zeit kennenlernen konnte (im Beisein eines Elternteils) und auch vor dem Verlassen der Wohnung mindestens eine halbe Stunde zusammen mit dem Babysitter zum „Warmwerden“ einplanen, bevor man sich verabschiedet. Auf keinen Fall sollte man sich rausschleichen, sondern kurz und herzlich verabschieden. Wenn das Baby jünger als drei bis vier Monate ist, reicht es oft aus, wenn es den Babysitter ein- oder zweimal vorher kennengelernt hat, da Trennungsangst da meist noch keine Rolle spielt.

Babysitter in Rituale und Abläufe einführen

Der Babysitter sollte über alle wichtigen Abläufe, Rituale und Besonderheiten beim Schlafen, Wickeln und Füttern Bescheid wissen. Am besten zeigt man möglichst vieles davon schon einmal vorher: Wo ist der Schnuller, wann gibt es diesen? Wie schläft das Baby am besten ein, wie kann man es gut beruhigen?

Gerade bei Babys ist es meist gut, wenn der Babysitter schon volljährig ist. Es gibt aber auch Jugendliche, die schon viel Erfahrung und ein gutes Händchen haben, dann sollte man diese aber vorher sehr genau einweisen, prüfen, ob sie ausreichend souverän wirken und die vorhandene Erfahrung erfragen. Manche haben ein sogenanntes „Babysitter-Diplom“ über eine Schulung erhalten, das ist ein Pluspunkt.
Man sollte bestimmte Notfallnummern für den Babysitter sichtbar aufhängen und natürlich sicherstellen, dass man selbst erreichbar ist. Für den Anfang bietet es sich an, nicht zu weit wegzufahren, um möglichst rasch wieder zu Hause zu sein. Bei der Bezahlung sollte man sich bei volljährigen Babysittern am gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde orientieren. Jüngere Babysitter erhalten oft zwischen 6 und 8 Euro pro Stunde, je nach Region sind die üblichen Preise auch höher. In der Schweiz erhalten bis 15-Jährige bis 10, ältere bis 18 Franken pro Stunde.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin mit dem Schwerpunkt Schrei- und Schlafprobleme tätig (www.elternleben.de sowie www.neuewege.me).

Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

Immer nur Mama

„Meine 15 Monate alte Tochter fremdelt. Papa darf ihr nicht mal ihren Becher reichen, wenn ich in der Nähe bin. Sie will immer nur zu mir. An Babysitting ist gar nicht zu denken. Was kann ich tun?“

Wenn Kleinkinder fremdeln, ist das ganz natürlich. Nicht jedes Kind zeigt dieses Verhalten, einige sind auch sehr kontaktfreudig. Dennoch ist es völlig normal, dass einige Kleinkinder, häufig solche, die auch sonst eher sensibel sind, sehr auf einen Elternteil bezogen sind. Wichtig ist, dem Kind Zeit zu lassen und es nicht zu drängen, neue Bezugspersonen zu akzeptieren. Das würde Ihrem Kind nur Druck machen und die Angst noch verstärken. Wenn man hingegen das Bedürfnis des Kindes ernst nimmt und sehr behutsam vorgeht, legt sich das Fremdeln oft bis zum Alter von drei oder vier Jahren von selbst.

KLEINSCHRITTIG ÜBEN
Wichtig ist, dass der Papa sich regelmäßig Zeit nimmt, in der er sich ganz seiner Tochter widmet. Anfangs ist es hilfreich, wenn Sie als Mama dabei sind: Sie spielen wie gewohnt mit Ihrer Tochter oder füttern Sie und der Papa macht einfach ein bisschen mit. Dann können Sie nach und nach versuchen, sich etwas mehr im Hintergrund zu halten und dem Papa eine aktivere Rolle zukommen lassen. So sind Sie als wichtigste Bezugsperson weiter in der Nähe, aber das Kind lernt, dass sich auch der Papa gut kümmert. Danach können Sie versuchen, sich noch mehr zurückzuziehen und auch mal den Raum zu verlassen. Dass Kleinkinder einen Elternteil bevorzugen, wenn beide da sind, ist keine Seltenheit. Gerade wenn sie ein bisschen müde oder angestrengt sind, möchten sie alles so gewohnt wie möglich haben. Wichtig ist, dass Ihre Tochter auch mit dem Papa Zeit verbringt und sich von ihm versorgen lässt, wenn Sie als Mama mal Zeit für sich brauchen. Das lässt sich, wie oben beschrieben, üben.

BABYSITTER
Wenn Sie sich einen Babysitter für Ihr Kind wünschen, sollten Sie eine einfühlsame, zuverlässige Person wählen, die Verständnis dafür hat, dass Ihr Kind Zeit braucht. Es sollte keine ständigen Wechsel geben – natürlich können es auf Dauer auch zwei wechselnde Babysitter sein, aber dann sollten Sie für beide eine Eingewöhnungszeit einplanen. Gleiches gilt übrigens für die Betreuung in einer Kita oder bei Tageseltern. Eingewöhnung bedeutet, dass der Babysitter ein paar Mal (mit höchstens einer Woche Abstand, besser nur ein paar Tagen) für eine kurze Zeit zu Besuch kommt und Ihre Tochter ganz entspannt kennenlernt. Die ersten drei Male sollten Sie auf jeden Fall dabei bleiben, damit Ihre Tochter sich sicher fühlt. Die erste Trennung kann man versuchen, wenn Ihre Tochter offen mit dem Babysitter spielt und sich von ihm auch füttern und wickeln lässt. Gehen Sie dann aber nur kurz aus dem Raum und kommen Sie, wenn Ihr Kind weint und sich nicht beruhigt, nach etwa fünf Minuten wieder. Wenn es gut klappt, können Sie auch zehn Minuten wegbleiben und die Zeiten danach steigern. Wenn Sie abends ausgehen wollen, ist es zumindest in der ersten Zeit gut, wenn Ihr Kind vor dem Einschlafen noch etwas Zeit mit Ihnen und dem Babysitter hatte, damit es sich nicht erschreckt, wenn es aufwacht und der Babysitter ins Zimmer kommt. Je älter Ihre Tochter wird und je besser sie den Babysitter kennt, desto unkomplizierter werden diese Situationen werden.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin und Gesundheitsberaterin für Schwangere. Sie bietet Onlineberatung für Eltern von Babys und Kleinkindern mit Schrei- und Schlafproblemen sowie für Schwangere (www.neuewege.me).