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Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

Einsamkeit betrifft nicht nur Außenseiter. Auch Jugendliche mit intaktem Freundeskreis können sich einsam fühlen. Erziehungscoach Daniela Albert kennt die Warnsignale und zeigt, worauf Eltern achten sollten.

Wenn wir an Einsamkeit bei Kindern und Teens denken, haben wir manchmal bestimmte Bilder vor Augen: das Kind allein in seinem Zimmer. Eltern, die viel arbeiten oder deren Alltag von Schwierigkeiten und Krisen geprägt ist, die es kaum möglich machen, emotional für die eigenen Kinder verfügbar zu sein. Vielleicht denken wir auch an Einzelkinder oder Kinder mit wenigen Freunden.

All das gibt es natürlich, und die genannten Bilder spiegeln Gründe für Einsamkeit wider. Doch bilden sie das Thema längst nicht in seiner Komplexität ab. Denn auch Kinder und besonders Teenager, die nach außen gut angebunden an familiäre Netzwerke und Freundeskreise erscheinen, können sich einsam fühlen. Gleichzeitig können Menschen, die nur wenige Kontakte haben und oft allein unterwegs sind, sich so ausreichend mit anderen verbunden fühlen, dass ihnen Einsamkeit fremd ist.

Einsamkeit bedeutet dabei nicht einfach, allein zu sein. Sie beschreibt das schmerzhafte Gefühl, keine tragfähige Verbindung zu anderen zu haben, sich nicht gesehen, verstanden oder zugehörig zu fühlen. Gerade bei unseren Kindern und Teens kann das weitreichende Folgen für die emotionale Entwicklung, das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit haben.

Alarmsignale

Einsamkeit hat kein eindeutiges Gesicht. Dazu kommt, dass besonders Teens sich oftmals schämen, über das, was sie gerade empfinden, mit uns zu sprechen oder gar nicht die richtigen Worte dafür finden.

Als Eltern müssen wir hier also genau hinschauen: Ein plötzlicher, auffälliger sozialer Rückzug kann ein Alarmsignal sein. Kinder haben manchmal das Gefühl, irgendwo nicht mehr gut reinzupassen. Sie fühlen sich unverstanden oder ausgeschlossen, auch, wenn die Erwachsenen um sie herum das anders beobachten und es keinen offensichtlichen Grund für diese Gefühle gibt. Hierbei sollten Eltern bedenken, dass Kinder sich im Lauf ihres Aufwachsens und ihrer Entwicklung verändern – manchmal so stark, dass vorher passende Freundesgruppen, Hobbys oder Netzwerke nicht mehr richtig erscheinen. Gleichzeitig ist aber manchmal noch nichts Neues an diese Stelle getreten. Ein Vakuum entsteht und mit ihm schmerzhafte und verwirrende Gefühle.

Bei Teenagern ist hier noch mehr Fingerspitzengefühl und genaues Hinsehen gefragt als bei jüngeren Kindern. Denn ein junger Mensch, der nur noch sporadisch aus seinem Zimmer kommt und dann meistens mürrisch wirkt, ist vielleicht auch nur ganz normal pubertär.

Aber vielleicht haben Eltern ihren Teenager auch lange nicht mehr lachen sehen, sondern nehmen wahr, dass er oder sie ständig bedrückt wirkt. Das wäre ein Alarmsignal. Junge Menschen, die nicht nur einen hormonell verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus haben, sondern gar nicht mehr zur Ruhe kommen, sollten uns ebenfalls Sorgen machen. Genau wie psychosomatische Beschwerden oder ein dauerhafter Rückzug in mediale Welten ohne erkennbares Interesse an anderen Dingen.

Elterliche Unterstützung

Vorübergehende Phasen der Einsamkeit, wenn Brüche oder Übergänge stattfinden, gehören zum Leben dazu. Sie dürfen, wie alle anderen negativen Gefühle und Erfahrungen auch, erlebt, gelebt und verarbeitet werden. Wenn daraus jedoch ein längerfristiges Problem entsteht und Kinder und Teens nicht mehr den Weg zurück in eine Gemeinschaft finden, die sie trägt, ist elterliche Unterstützung gefragt.

Zuerst einmal hilft es, wenn Eltern wertfrei auf den Tisch bringen, was sie wahrnehmen: „Ich sehe, dass du in letzter Zeit oft allein in deinem Zimmer bist.“ – „Mir fällt auf, dass deine Hobbys dir keinen Spaß mehr machen.“ – „Deine Freunde waren in letzter Zeit gar nicht mehr hier.“ – „Du wirkst traurig/unruhig/missmutig.“

Manchmal können Kinder und Teens diese Gesprächseröffnungen annehmen und erzählen, was gerade in ihnen vorgeht. Dann ist es wichtig, dass wir das, was sie uns anvertrauen, ernst nehmen. Auch dann, wenn wir es anders empfinden. Sätze wie: „Aber das stimmt doch gar nicht, X und Y mögen dich total gern.“, oder: „Du hast doch immer gern Fußball gespielt“, schlagen die Tür zum Herzen unserer Kinder, die wir gerade geöffnet haben, ziemlich sicher wieder zu.

Eltern können stattdessen deutlich machen, dass Einsamkeit kein persönliches Versagen ist. Viele Menschen erleben solche Phasen. Gerade in biografischen Übergangsphasen brauchen Kinder und Teens Unterstützung oder zumindest Beratung, um neue Räume auszuprobieren und herauszufinden, wer sie gerade sind und mit wem sie sich gern umgeben wollen. Schauen Sie gemeinsam nach Angeboten im sozialen Raum, ermutigen Sie dazu, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu machen.

Aber manchmal reicht das nicht. Wenn Einsamkeit anhält, sich verstärkt oder mit Depressionen, Angst oder Rückzug einhergeht, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Einsamkeit vorbeugen

Einsamkeit lässt sich nicht vollständig verhindern. Aber Eltern können viel dazu beitragen, dass Kinder innere Sicherheit und soziale Kompetenzen entwickeln. Kinder, die sich zu Hause gesehen und angenommen fühlen, entwickeln eher Vertrauen in Beziehungen. Regelmäßige gemeinsame Zeiten, echtes Interesse und verlässliche Zuwendung sind dafür zentral.

Freundschaften entstehen nicht von selbst. Kinder dürfen lernen, Konflikte auszutragen, Kompromisse zu schließen, Nein zu sagen und Nähe zuzulassen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Alltag von Anfang an – auch durch das, was wir vorleben.

Zuletzt: Nicht jedes Kind findet Anschluss im gleichen Umfeld. Unterschiedliche soziale Räume, Vereine, Kirchengemeinden, unverbindliche Gruppen und viele andere Orte bieten Begegnungsräume und erhöhen die Chance, passende Menschen zu treffen, mit denen echte Verbindungen entstehen können.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel. eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/07/Einsame-Teenager_GettyImages_Daisy-Daisy_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-07-23 11:20:352026-07-23 11:20:35Einsamkeit bei Kindern: Diese Warnsignale sollten Eltern kennen

„Wird unser Sohn in der Schule gemobbt?“ – Auf diese Anzeichen sollten Eltern achten

Wenn Jugendliche unter Mobbing oder Cybermobbing leiden, besteht dringender Handlungsbedarf. Elterncoach Sandra Schreiber erklärt, was die Alarmsignale sind.

„Unser Sohn (14) zieht sich immer mehr zurück und erzählt uns kaum mehr etwas. Seine Klassenlehrerin hat uns erzählt, dass er in der Schule eher Außenseiter ist und wahrscheinlich sogar gemobbt wird. Darauf angesprochen, hat er sich in sein Zimmer verzogen und jedes Gespräch mit uns verweigert. Wir würden ihm gern helfen, aber wie?“

Geben Sie Ihrem Sohn Zeit und signalisieren Sie ihm, dass Sie für ihn da und gesprächsbereit sind. Vielleicht ist es möglich, dass er in einer entspannten Atmosphäre zu einer für ihn passenden Zeit auf Sie zukommt? Gab es in der Vergangenheit vielleicht Momente, in denen persönliche Gespräche leichter entstehen konnten (bei der Autofahrt oder beim Einkaufen)? Falls ja, probieren Sie diese Möglichkeit aus. Sie könnten ihm auch anbieten, sich seinen Gesprächspartner frei zu wählen. Möglicherweise gibt es eine Tante, die einen guten Draht zu ihm hat, einen Jugendleiter, ältere Geschwister oder vielleicht den Sporttrainer? Sollten die depressiven Gefühle und die Verweigerungshaltung anhalten, rate ich Ihnen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was ist die Definition von Mobbing?

Da die Klassenlehrerin bereits das Wort Mobbing ausgesprochen hat, möchte ich Ihnen noch einige Überlegungen dazu mitgeben: Es ist wichtig, einen Unterschied zwischen Konflikt und Mobbing zu machen. Bei einem Konflikt sind die Beteiligten einigermaßen gleichstark und gleichberechtigt. Konflikte gehören zum Alltag, sie haben meist einen konkreten Inhalt und gehören zur sozialemotionalen Entwicklung dazu. Aus Konflikten kann man viel lernen, wie etwa nachgeben oder sich wehren, sich durchsetzen, Lösungen finden und Ähnliches. Im Gegensatz dazu herrscht beim Mobbing ein Kräfteungleichgewicht (das Opfer ist körperlich oder psychisch unterlegen), die Lösung aus eigener Kraft ist nicht möglich, und die Angriffe erfolgen systematisch, wiederholt und über einen längeren Zeitraum. Bei Mobbing handelt es sich um Macht und Schwäche, Drohen und Schweigen, Ausschluss und Einsamkeit, Manipulation und Hilflosigkeit.

Werden Sie aktiv!

Beobachten Sie Ihr Kind auf Verhaltensveränderungen wie etwa Leistungsabfall in der Schule, sozialer Rückzug, körperliche und psychische Reaktionen wie Angst, Übelkeit, Kopfschmerzen, Fehlen und Beschädigung von Schulsachen. Bedenken Sie, dass Mobbing auch in Form von „Cybermobbing“ in sozialen Netzwerken stattfinden kann und Ihr Sohn somit etwaigen Angriffen möglicherweise nicht nur vor Ort in der Schule ausgesetzt ist. Bestätigt sich die Vermutung, sollten Sie aktiv werden. Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Sohn über Ihre und die Sorge der Klassenlehrerin. Achten Sie dabei darauf, dass Sie ihm keine Schuldzuweisungen machen. Erklären Sie ihm, dass er ohne die Hilfe von Erwachsenen nicht aus der Situation herauskommt und dass es Ihre Aufgabe als Eltern und Schule ist, ihm zu helfen. Versichern Sie ihm, dass alle Interventionen vorher mit ihm besprochen werden. In der Schule gibt es häufig einen Sozialarbeiter oder eine Vertrauenslehrerin, der oder die in Anti-Mobbing-Programmen geschult ist. Nutzen Sie das Helfersystem, das sowohl Ihr Kind als auch Sie als Eltern unterstützt und konkrete Hilfe leisten kann.

Sandra Schreiber ist Beraterin und systemischer Elterncoach in der christlichen Beratungsstelle „LebensRaum Gießen“. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2021/11/family_mobbing.jpg 1414 2121 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2021-11-11 15:34:472021-11-11 15:34:47„Wird unser Sohn in der Schule gemobbt?“ – Auf diese Anzeichen sollten Eltern achten

Rückzug in die heile Familienwelt?

Mein Smartphone piept. Eilmeldung von Spiegel Online: Boko Haram hat in Nigeria eine ganze Stadt ausgelöscht. Wieder so eine Meldung, die ich schier nicht ertragen kann. Nach dem Terror in Paris, dem Horror in Syrien und im Irak, der Ebola-Katastrophe … Abends schaue ich aber doch die Tagesthemen, setze mich auseinander mit dem Überfall auf Charlie Hebdo, dem Terror in Nigeria und anderswo. Freue mich über die Welle der Solidarität unter dem Motto „Je suis Charlie“, spüre aber auch meine Sehnsucht, die Augen vor all dem zu verschließen. Mich mit meinem Kind aufs Sofa zu setzen und ihm vorzulesen …

Mein Glaube hilft mir – aber nur begrenzt. Ja, ich kann die Ereignisse, die mich erschrecken und belasten, an Gott abgeben. Aber das ändert ja nichts für die betroffenen Menschen. Ich wünsche mir, dass Gott stärker eingreift, mehr verhindert. Warum tut er das nicht? Und was kann ich schon tun? Und wenn ich etwas tun könnte – wäre ich dazu bereit?

Im ZEIT Magazin lese ich einen Artikel über den Trend zur Weltflucht. Angesagte Themen wie Achtsamkeit und Entschleunigung, die neue Lust an Hand- und Gartenarbeiten, der Erfolg von Zeitschriften wie FLOW und Landlust verdeutlichen diesen Zeitgeist. Ich fühle mich ertappt. Gut, ich engagiere mich in Schule und Gemeinde, aber ich genieße es auch, mich in meine heile Familienwelt zurückzuziehen: Plätzchen backen mit meinen Kindern, shoppen mit meiner Tochter, meinen Sohn beim Fußballturnier anfeuern.

Wie geht ihr mit dieser Herausforderung um? Gelingt es euch, die Augen nicht zu verschließen vor den Schrecken dieser Welt und trotzdem Marmelade zu kochen? Wie viel Engagement schafft ihr neben Familie und Job? Wofür würdet ihr gern kämpfen?

Auch mit Family versuchen wir, eine Balance zu finden. Berichten über Flüchtlinge aus Syrien und veröffentlichen Basteltipps. Stellen eine Familie vor, deren Kind starb und geben Tipps für den gemütlichen Eheabend. Auch das empfinde ich immer wieder als Herausforderung: Was ist wichtig? Wichtiger? Viele offene Fragen …

Bettina Wendland

Family-Redakteurin

https://www.family.de/wp-content/uploads/2015/01/photocaseed6fni8755531641_by-sör-alex.jpg 533 800 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2015-01-09 10:39:132015-01-09 10:39:13Rückzug in die heile Familienwelt?

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