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Schlagwortarchiv für: Sport

Beiträge

Dürfen Profis Schwächen zeigen?

Ab und zu wird die perfekte Fassade im Leistungssport durchlässig: Wenn Per Mertesacker sagt, dass der Druck bei der WM 2006 so groß war, dass er froh über das Ausscheiden gegen Italien gewesen ist; oder wenn Andre Agassi in seiner Biografie über Schmerzen, Drogen und Einsamkeit schreibt; oder wenn ein Schiedsrichter durch einen falschen Abseitspfiff eine Mannschaft um den bestimmt sicheren Sieg gebracht hat. Dann gibt es regelmäßig einen Aufschrei. Denn eigentlich sind wir überzeugt, dass Sportler Maschinen sein müssen, die perfekt funktionieren. Kriegen sie nicht eine Unmenge Geld dafür? Den Menschen hinter der makellosen Außendarstellung möchten wir lieber nicht sehen, denn das würde unser Bild zerstören.

Doch mal Hand aufs Herz: Würden Sie Ihren Job als Eltern tausendfach besser machen, wenn man Ihnen Millionen dafür zahlte? Ich nicht. Wenn doch, dann müsste ich mich fragen lassen, warum da noch so viel Luft nach oben ist.

Kann man nicht vergleichen? Das sind ja Profis? Nun, mein Eindruck ist, dass die Leistungssportler die Helden unserer Gesellschaft sind. Kinder vergleichen sich permanent mit ihnen. Und die Kommentare von Müttern und Vätern am Fußballplatz lassen nur den Schluss zu, dass sie das auch tun. Gleichzeitig scheinen sich die Werte und Ideale unseres Miteinanders in der Bundesliga und anderen Wettbewerben zu verdichten. Deshalb ist es so wichtig, dass wir in unseren Familien eine andere Fehlerkultur dagegen setzen. Wer keine Fehler machen darf, wird vieles lieber gar nicht erst anpacken. Ganz einfach ausgedrückt: Wenn die Vierjährige beim Eingießen die Milch verschüttet, darf sie es wieder probieren. Dazu sind Familien da.

Klingt banal? Kinder bringen in unserem durchgetakteten Alltag immer wieder Sand ins Getriebe. Alles, was länger dauert, kann unglaublich stören. Doch wenn Fehler Teil des Lernprozesses sind, dann ist es eigentlich absurd, sich darüber aufzuregen. Dass ich gut darauf reagiere, ist wichtiger, als dass alles reibungslos funktioniert. Ich muss mir das immer wieder bewusst machen.

Christof Klenk ist Redakteur bei Family.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2018/05/daniel.schoenen_photocase.de_.jpg 1996 3000 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2018-05-09 10:31:202018-06-05 14:19:43Dürfen Profis Schwächen zeigen?

Wie sportlich wird dein Kind?

Ich habe mich an dieser Stelle schon öfter über Produkte aufgeregt, die angeblich ganz wichtig sind für glückliche, gesunde und gut geförderte Kinder. Die Pressemeldung, die ich kürzlich erhielt, toppt aber alles. Jetzt kann man nämlich per Gentest herausfinden, ob das süße Baby, das nicht mal krabbeln kann, später eher Handballer, Leichtathlet oder Couch-Potatoe wird. Mithilfe eines Speicheltests, der schon bei Kindern ab zwei Wochen (!) durchgeführt werden kann, wird ermittelt, ob genetisch eine Veranlagung zu Schnellkraft, Ausdauer oder Gemütlichkeit vorliegt. Damit man das Kind auch von Anfang an zielgerichtet fördern kann. Oder – im Fall der Gemütlichkeit – es besser gleich bleiben lässt. Bringt ja doch nichts, bei so einem Kind Geld in den Sportverein zu investieren.

Oder wie es die Presseagentur formuliert: „Mit dem Test gewinnen Eltern eine frühzeitige Einschätzung über die sportliche Veranlagung ihres Kindes und können so Aktivität gezielt unterstützen, passende Disziplinen fördern und es vermeiden, die Messlatte unrealistisch hoch zu stecken.“ Und das alles für nur 29 Euro!

Das spart Eltern die Mühe, herauszufinden, was ihr Kind gern macht. Dann muss Papa gar keine Zeit aufs Bälleschießen verschwenden. Und die teure Hockeyausrüstung kann man sich auch sparen. Oder eben nicht. Je nach Diagnose des Gentests.

Sehr schön ist auch der Schlusssatz der Presseinfo: „Damit kommen Eltern dem Geheimnis um eine spätere Karriere auf der Aschenbahn, dem Pferderücken oder vielleicht doch eher der Saunabank einen Schritt näher!“ Also dann …

Bettina Wendland

Redakteurin Family/FamilyNEXT

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/05/Genekam-DNAsportcheck.jpg 1591 2386 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2017-05-22 15:29:322017-05-22 15:29:32Wie sportlich wird dein Kind?

Fitness

SCHNAPPATMUNG

Katharina Hullen denkt über einen persönlichen Fitnesscoach nach.

Katharina: „ 5 Kinder! – Sportlich!“ Ha, wenn es das nur mal wäre! Es stimmt: Ich bezwinge mehrmals in der Woche unsere Wäschegebirge, betätige mich täglich mit ganzem Körpereinsatz als „Stalljunge“ an der Wickelkommode und ziehe dutzende Male am Tag mein persönliches Fitnessprogramm „Sachen vom Boden aufheben“ durch. Ich müsste fit wie ein Turnschuh sein. Faktisch ist mein Körper nach den Geburten von fünf Kindern aber doch leicht aus der Form. Da halfen auch zehn Stunden Rückbildungsgymnastik nichts – wenn der Geist zwar willig ist, aber das Fleisch nach dem Kurs wieder müde und chipshungrig auf dem Sofa sitzt. Dazu kommt, dass sich jeder Trotzanfall der Kinder doch auch viel leichter mit einem großen Stück Schokolade herunterschlucken lässt. Und ist eine mollige Mama nicht ohnehin viel kuscheliger? Außerdem bemerke ich den Verfall ja nicht nur bei mir, sondern auch bei Hauke. Warum soll nur ich mir Mühe geben, wieder in Form zu kommen? Und wie sollte es überhaupt im Moment gehen? Im Fitnessstudio anmelden? Dort gäbe es ja sogar eine Kinderbetreuung – ich fürchte allerdings, dass dann leider alle anderen Eltern ihre Kinder nicht mehr mitbringen würden, weil unsere Schar den kleinen Raum komplett ausfüllt. „Hilfe, die Hullens kommen!“ Dann doch lieber Sport daheim. Ohnehin ist es doch ungemein praktisch, sich alles nach Hause zu holen, damit man nicht immer mit Sack und Pack und Mann und Maus überall aufschlagen muss: Musiklehrer, Frisör, Finanzberater … warum nicht auch den Personal- Trainer? Am besten als Familien-Trainer. Das wäre großartig! Wobei – wäre es das wirklich? Hätten wir alle Spaß daran? Während die Kinder an der Turnstange mit wehenden Haaren und einem Liedchen auf den Lippen Feldaufschwünge, Klimmzüge und Salti schlagen, lägen Mama und Papa doch schon nach dem Warm-Up mit Schnappatmung ausgestreckt auf der Wiese. Ach ja. Abnehmen, wieder fitter, beweglicher sein, das wäre schon gut. Für mich, und damit auch für uns alle. In diesem Jahr werde ich 40 Jahre alt. Ich glaube ja, dass Konfektionsgrößen an das Alter angepasst sind. Immer ist die Größe aktuell, in die man altersmäßig hineinwachsen wird. Fürs erste behalte ich aber die 38er Klamotten noch, auch wenn die 42 am Horizont schon zu sehen ist. Vielleicht zählt ja irgendwann das gefühlte Alter! Auf meinem Wunschzettel jedenfalls steht ein stabiler Crosstrainer, der im Zweifel auch Haukes Gewicht trägt, wenn er irgendwann soweit ist, sich einzugestehen, dass seine Kleidung nicht kürzer, sondern er „größer“ geworden ist. Aber lesen Sie selbst …

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

IM ZWEIMANNZELT

Hauke Hullen wird aus der Kleiderabteilung mit Normalgrößen verbannt.

Hauke: Die Umkleidekabine – welch Ort der Demütigung! Grelles Neonlicht, ein unvorteilhafter Zerrspiegel und dann noch dieser süffisant vor sich hin grienende Verkäufer mit offenkundiger Sehschwäche, der mir Hosen in aberwitzigen Größen anschleppt … doch der Reihe nach! Früher hatte ich Bundweite 34, doch da die Hersteller ihre Maße änderten, muss ich inzwischen einen 36er-Bund akzeptieren. Anfang Januar stelle ich aber fest, dass etliche Hosen in Bauchhöhe eingelaufen waren. So suchen wir ein großes Kaufhaus auf, wo ich hoffnungsfroh mit einer seltenen 35er-Hose in der Umkleide verschwinde. Sie passt. Hurra – ich habe abgenommen! Doch vor der Umkleide gibt es statt Szenenapplaus nur Schweigen und betretene Mienen des Verkäufers und meiner Frau. Der Angestellte schüttelt resigniert den Kopf. Nein, die Hose ginge gar nicht, auch 36 käme nicht in Frage, doch größere Hosen würden sie in dieser Abteilung nicht führen. Ich will dem Verkäufer ordentlich den Marsch blasen, doch der zu eng eingestellte Gürtel verhindert das Luftholen. „Wir haben da noch die Abteilung für starke Größen”, flötet er. Wo genau? „Auf der anderen Seite der Etage, immer geradeaus.” Aha. Wer also wie meiner einer ein bisschen muskulöser gebaut ist, wird in die hinterste Ecke abgeschoben, um die unterernährten anderen Kunden optisch nicht zu belästigen, schon klar! Ich sinniere, wie die Abteilung wohl genannt wird: „Dick & Chic” vielleicht, oder „Fett & Adrett”?!? Wir machen uns auf den Weg, dem Gang der Schande aus dem „Games of Thrones”- Epos nicht unähnlich. Er führt uns quer durch die Sportabteilung. „Schande!”, scheinen die Blicke der drahtigen Mittzwanziger zu sagen, die in den Trikotagen wühlen, „Schande!”, rufen die aufgereihten Laufschuhe, „Schande!” skandiert die Funktionswäsche, „da geht wieder so ein Adipositas-Athlet, der seine Neujahrsvorsätze schon in der ersten Woche gebrochen hat!” Endlich haben wir unsere Abteilung erreicht, wo mir ein schmieriger Verkäufer die übliche 36er-Hose verwehrt und mir höhnisch ein paar 38er in die Hand drückt. Ich betrete die Kabine neben dem – genau! – Lastenaufzug. Kabine? Eine Familienumkleide! Für Großfamilien! Gut, ein bisschen stämmig bin ich vielleicht geworden, aber muss man mir zum Umziehen gleich einen Tanzsaal zuweisen? Mit einer Spiegelwand? Erbost schlüpfe ich in das mir aufgeschwatzte Zweimannzelt und trete aus der Umkleide. Wieder Schweigen. Dann ein anerkennendes Nicken des Angestellten: „Passt!” Kathi strahlt: „Gut siehst du aus!” Jetzt fällt es mir auch auf. „Richtig sportlich”, ergänzt die beste Ehefrau von allen. „Ja”, bestätigt der überaus sympathische und sachkundige Fachverkäufer. Wir kaufen alles. Es ist wirklich leicht, seine gute Figur zu halten!

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2017/04/1Paar2PersFFN.jpg 911 1289 Julia Kallauch https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Julia Kallauch2017-05-06 10:00:392017-04-19 14:23:39Fitness

Ich bin kein Jogger

Warum Stefan Gerber zum 40. keinen Marathon läuft.

Ich bin nicht so der Jogger. Natürlich habe ich es auch versucht. Schließlich sind einige meiner großen Vorbilder, wie der Willow-Creek-Pastor Bill Hybels, bekennende Läufer. Also habe ich die eine oder andere Runde in der wunderschönen Gegend gedreht, die direkt vor meiner Haustür beginnt. Trotz starken Willens scheiterte ich kläglich! Mehr als dreimal in Folge schaffte ich es nie.
Ich bin einfach kein Jogger. Das musste ich mir mit der Zeit eingestehen. Und so hab ich auch der Versuchung widerstehen können, mich zu meinem vierzigsten Geburtstag in diesem Jahr mit einer Marathonteilnahme zu beglückwünschen. Ist ja toll für alle Männer, die das auf die Reihe kriegen. Aber ich will mich doch nicht noch zu meinem Geburtstag mit so etwas abplagen!
Ich bin aber auch nicht ganz unsportlich. Viel Freude erlebe ich beim Strampeln auf dem Fahrrad. Erst an der Aare entlang, danach schwitzend den Berg hinauf in den Wald und zum Schluss in rasantem Tempo herunter, der Dusche entgegen. Ich gebe zu, dass selbst diese einstündigen Biketouren etwas Überwindung kosten. Doch wenn ich mich überwinden konnte, ist es jedes Mal eine wohltuende Tankstelle für Körper und Geist.
Ich bin ein Siegertyp. Nicht, dass ich immer gewinne. Aber ich gewinne gerne. Darum liegt mir wohl das Joggen so überhaupt nicht: Wenn ich mich da alleine abmühe, gibt es einfach wenig zu gewinnen. Schon früher als Kind fand ich zu den Teamsportarten einen besseren Zugang. Nachmittage lang machte ich mit meinen Kollegen den Schulhausplatz unsicher, wo wir leidenschaftlich Rollhokkey spielten.
Ich bin dankbar dafür, dass vor einigen Jahren in unserem Dorf eine Unihockey-Hobbymannschaft gegründet wurde. Ein verbindliches Mittun in einem ambitionierten Sportverein war für mich, neben all meinen Tätigkeiten und den unregelmäßigen Arbeitszeiten, nicht drin. Und genau da trifft diese Plauschmannschaft den Nerv unserer Zeit: Wenig Verbindlichkeit, viel Fun. Wer mittwochs um 18 Uhr zum gemeinsamen Training kommen kann – wunderbar.Wer verhindert ist – auch okay.
Ich bin kein Theoretiker, mich interessiert die Anwendung mehr als die Technik. Das ist im Sport so, aber auch ganz generell. Und darum bin ich so froh, dass unsere „Trainings“ eigentlich keine solchen sind. Wir teilen die Anwesenden in zwei Gruppen, und dann geht’s schon los mit dem Spiel: Auf jede vergebene Chance folgt ein „dummer“ Spruch eines Mitspielers, jedes Tor wird würdig gefeiert und tut der Seele des Siegertyps in mir richtig gut. Tankstelle pur.
Ich bin in Bewegung. Inzwischen bin ich ziemlich verbindlich beim Unihockey-Team dabei. Einfach weil ich dem wöchentlichen Termin eine hohe Priorität gebe, geben will. Da ist sie, die viel besagte intrinsische Motivation (Motivation von innen heraus), die ich beim Joggen trotz bestem Willen nie aufbringen konnte (da blieb es immer Motivation von außen: „Man(n) sollte …“). Bewegung ist wichtig, Bewegung ist gesund, Bewegung muss aber unbedingt auch Spaß machen!

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/FAMILY_2015_6_DS_Seite_38.jpg 495 700 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2015-10-12 16:11:572015-10-16 10:10:47Ich bin kein Jogger

Fußball? Hockey? Schwimmen?

„Die Freunde von Max (6) spielen Fußball. Max will eigentlich auch mitmachen. Aber als ich mit ihm zum Training gegangen bin, hatte er Angst und wollte nicht mittrainieren. Soll ich die Sache mit dem Fußball sein lassen? Oder ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in den Sport noch nicht da?“

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https://www.family.de/wp-content/uploads/2012/08/Family_2015_5_DS_Seite_31.jpg 495 700 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2015-09-30 09:29:032015-09-03 09:29:58Fußball? Hockey? Schwimmen?
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