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Zuhören – Der Schlüssel zu einer gelingenden Partnerschaft

Wahrnehmen, zuhören, sich auf den Partner einlassen. Was auf den ersten blick banal klingt, ist gar nicht so leicht. Paartherapeutin Ira Schneider zeigt, wie das wirklich gelingen kann.

Einander zuhören: Das ist doch selbstverständlich, denkst du dir vielleicht. Klingt wie ein Hinweis, den man sich wirklich sparen kann. Jeder weiß doch, dass das wichtig ist. Moment mal – ist das wirklich so? In meinen Gesprächen habe ich oft Paare sitzen, denen das Zuhören völlig abhandengekommen ist, oder die es womöglich nie kultiviert haben. Wie aber kann echtes Zuhören gelingen? Warum lohnt es sich, wirklich zuzuhören und was kann ein Paar dabei gewinnen? Beim Zuhören kommt es vor allem auf die Haltung an. Die innere Haltung hat einen Einfluss darauf, wie wir uns beim Zuhören verhalten und wie wir unserem Partner begegnen, während er erzählt. Haltung entsteht, wenn wir uns im Vorhinein darüber klar werden, wie wir uns verhalten wollen und welche Werte wir dabei vertreten. Drei Herangehensweisen können helfen, das Zuhören in ein verbindendes und ereignisreiches Erlebnis zu verwandeln.

1. Den anderen beschnuppern

Es braucht ein Eintauchen und ein Beschnuppern. Die Haltung, die das Zuhören zu einer Liebestat verwandelt, ist die pure Neugier. Sie ist der Schlüssel, der das Gegenüber immer wieder neu entdeckt. Neugier ist ehrlich. Sie ist interessiert. Sie ist im wahrsten Sinne gierig auf das Neue, das sie erfahren kann. Sie führt dazu, dass wir uns Zeit nehmen, fallen lassen und aufrichtig nachfragen.

2. Eintauchen in die Welt des anderen

Wer zuhört, öffnet sein Herz. Es geht darum, sich voll und ganz mit allen Gedanken auf das einzulassen, was der andere erzählt. Es bedeutet, sich der Gefühlswelt des anderen zu öffnen. Ich würde sogar sagen, dass echtes Zuhören auch bedeutet, sich zu merken, was der andere erzählt. Wer zuhört, schenkt den Prozessen, den Gefühlen und Erlebnissen seines Gegenübers wahrhaftig Raum in seinem Inneren.

3. Wertungsfreie Atmosphäre

Die Königsdisziplin des Zuhörens ist wohl das Hören, ohne zu moralisieren, zu bewerten und ohne zu unterbrechen. Auf diesem Königsweg unterwegs zu sein, ist kein Spaziergang. Es funktioniert nur, wenn man ganz beim anderen ist statt bei sich selbst. Dazu gehört auch mal kurzweilig ein inneres Aushalten und Zurückhalten von Meinungen, Ideen und Lösungen. Es geht darum, das Gesagte als Information und Gewinn für die Beziehungsgestaltung zu betrachten.

 Einfach anfangen

Wenn es darum geht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der echtes Zuhören Raum findet, fängt man am besten selbst damit an. Wer dem anderen zuhört, kann nur gewinnen. In einer leistungsgeprägten Gesellschaft, in der wir um Zeit ringen, ist Zuhören ein Zeitgeschenk. Eine Atmosphäre ohne Druck schafft automatisch einen Ausgleich zum trubeligen Alltag. Du kannst beginnen und durchs Zuhören echte Anteilnahme leben. Dein Gegenüber fühlt sich dadurch wahrgenommen und gesehen. Dadurch entstehen Sicherheit und das Gefühl: ,,Ich habe hier Raum.“ Genau deshalb lohnt sich Zuhören!

Ira Schneider ist Paartherapeutin und Autorin. Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus ihrem aktuellen Buch „Zwischen ich, du & wir – 30 inspirierende Impullse für dich und deine Beziehung“, erschienen bei SCM Hänssler.