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Warum der Liebestank über Ihr Beziehungsglück entscheidet

Fehlt die Wertschätzung, kann das die Partnerschaft ziemlich abkühlen. Der Liebestank ist leer. Therapeut Jörg Berger erklärt, wie die Beziehung zu Wärme und Wohlwollen zurückfindet.

Ursprünglich war der Liebestank ein Topf. Die amerikanische Familientherapeutin Virginia Satir hat diesen nützlichen Gegenstand in den Sechzigerjahren eingeführt. Wird der emotionale Topf gefüllt, fühlen sich Menschen wertvoll und geliebt. Viele Probleme lassen sich durch einen leeren Topf erklären. Virginia Satirs Topf ist seither vielfach aufgegriffen worden. Im Deutschen hat er sich als Tank eingebürgert. Sind wir nicht alle Ingenieure? Nicht was satt macht, wird betont, sondern was den Motor am Laufen hält. Auch gut. Mit diesem nützlichen Gegenstand möchte ich Sie nun vertraut machen.

Treibstoff Wertschätzung

„Sie sind beide tolle Persönlichkeiten“, sage ich zu dem Paar, das von mir sitzt. „Würde das irgendjemand aus Ihrem Freundeskreis bezweifeln? Sie sind beide großzügig und haben das Wohl anderer im Blick. Trotzdem habe ich gerade den Eindruck, dass Sie sich in den Augen des anderen nicht wertvoll fühlen. Als würde jeder um seinen Wert in der Beziehung kämpfen. Im Kampf verletzt dann einer den Selbstwert des anderen.“

Wenn diese Diagnose stimmt, dann zeichnet sich auch die Therapie ab. Es geht darum, wieder Wertschätzung auszudrücken, und zwar so, dass sie beim anderen ankommt. Nötigenfalls vermittle ich Techniken, mit denen man sogar dann am eigenen Wert festhalten kann, wenn der andere sich einmal nicht wertschätzend verhält. So füllt sich der emotionale Tank. Die Liebe wird wieder spürbar. Plötzlich kann ein Paar wieder mit den kleinen Kränkungen umgehen, die sich in unserem Liebesalltag nicht ganz vermeiden lassen. Damit sind nicht alle Probleme gelöst. Doch mit einem vollen Tank sucht man zuversichtlich nach Lösungen. Man handelt Kompromisse aus, auch wenn sie beide etwas kosten.

Das Gefühl, in Ordnung zu sein

Nicht nur Wertschätzung ist wichtig. In der Liebe braucht jeder auch ein gutes Gewissen und das Gefühl, es gut genug zu machen. Auch das Gefühl, für den anderen in Ordnung zu sein, kann einem Paar ausgehen. Dann füllen entlastende Worte den Liebestank: „Danke, du hast dir so viel Mühe gemacht!“ – „Du machst schon mehr als genug, schau, dass du dir auch Zeit für dich nimmst.“ – „Es ist chaotisch gerade, aber ich bin so glücklich mit dir!“. Sollte Ihr Partner sein Ohr verschließen, wenn Sie Wünsche haben, dann denken Sie vielleicht an unseren nützlichen Gegenstand: Füllen Sie den emotionalen Tank Ihres Partners, indem Sie Ihrem Partner erstmal das Gefühl geben, in Ordnung zu sein. Füllen Sie nicht nur ein paar Tröpfchen ein. Volltanken, bitte! Wer weiß, was geschieht, wenn Sie dann über Ihre Wünsche sprechen.

Vielleicht ist es Ihnen in dem Beispiel aus meiner Praxis aufgefallen: Wenn es einem Paar noch nicht gelingt, einander den emotionalen Tank zu füllen, dann versuche ich, das überbrückend zu tun. Ich flute den emotionalen Tank mit dem, was fehlt, wenn es ein Paar zulässt. Manchmal sind es Freunde, die das leisten. Der Zuspruch sollte allerdings den Tank beider im Blick haben. „Du bist so toll, deine Frau hat dich nicht verdient.“ – „Du bist fleißig, dein Mann ist eine faule Socke.“ Den Tank des einen zu füllen, indem man den des anderen leert, würde natürlich nicht helfen.

Der Liebestank

Mit der Wertschätzung habe ich begonnen, weil Virginia Satir sie betont hat. Meiner Beobachtung nach fehlt häufiger etwas anderes im Tank: Liebe. Nicht eine Liebe in der Art: „Ich habe dir doch schon letztes Jahr gesagt, dass ich dich liebe.“ Vielmehr eine Liebe, die täglich fließt in zärtlichen Gesten, Worten der Zuneigung und Wertschätzung, Momenten voller Aufmerksamkeit, Zeichen der Unterstützung und in kleinen Geschenken. Nicht nur Frauen, auch Männer haben manchmal das Gefühl, auf Reserve zu fahren, was Liebe angeht. Im Gespräch muss ich dann den liebesvergessenen Partner überzeugen und fühle mich dabei beinahe wie ein Versicherungsvertreter: „Sie bekommen es so billig: Eine Umarmung zwischendurch oder ein ehrliches Kompliment kosten nur Sekunden. Sie heben so Ihre Ehe auf ein ganz anderes Level und haben wieder eine entspannte, großzügige Partnerin.“

„Ich weiß gar nicht mehr wie … Es fühlt sich so unnatürlich an“, zögert der liebesvergessene Partner manchmal. Dann greife ich zum Äußersten und liebkose den vernachlässigten Partner oder die Partnerin mit aufrichtigen Komplimenten: für das Outfit, für ein gewinnendes Lächeln, für die angenehme Art, sich ins Gespräch einzubringen, für das tolle Muttersein oder Vatersein, das durch den Bericht eines Paares durchscheint … Der so angesprochene Partner wird ganz verlegen, wenn die Zuneigung von mir kommt statt vom Ehepartner. Deshalb wende ich mich auch an diesen: „So ungefähr. Ich stelle es mir gar nicht schwer vor, Ihrer Frau/Ihrem Mann täglich Liebe zu zeigen. Es gibt so viel Liebenswertes.“ Es ist unglaublich, wie sich die Atmosphäre ändert, wenn das Paar beim nächsten Mal mit einem gefüllten Liebestank kommt.

Eine Frage der Motivation

Glauben Sie nicht, dass ich es in meiner eigenen Ehe besser mache als die Paare, die zu mir kommen. In meiner Praxis bin ich oft aufmerksamer als zu Hause. Experimente von William Ickes (2003) haben außerdem gezeigt, dass Männer besser kommunizieren, wenn sie dafür bezahlt werden. Sie ziehen dann sogar in der Einfühlungsleistung mit Frauen gleich. Kleine Geldbeträge, die den Ehrgeiz wecken, reichen dazu bereits. Doch eigentlich sollte es bessere Gründe geben, seiner Partnerin den emotionalen Tank zu füllen. Daran muss ich mich erinnern: Aus einem vollen Liebestank speist sich das Gefühl, wirklich geliebt zu werden, wertvoll zu sein und dem anderen auch im stressigen Alltag zu genügen. Am vollen oder leeren Tank liegt es, ob wir Wünsche als Forderungen hören oder eine berechtigte Kritik als Vorwurf. Machen Sie gern mit mir Gebrauch von diesem nützlichen Gegenstand: Lassen Sie den emotionalen Tank Ihres Partners überfließen. Es kostet nicht viel, hat aber überwältigende Auswirkungen.

Jörg Berger ist Psychotherapeut mit einer eigenen Praxis in Heidelberg.

Zuhören – Der Schlüssel zu einer gelingenden Partnerschaft

Wahrnehmen, zuhören, sich auf den Partner einlassen. Was auf den ersten blick banal klingt, ist gar nicht so leicht. Paartherapeutin Ira Schneider zeigt, wie das wirklich gelingen kann.

Einander zuhören: Das ist doch selbstverständlich, denkst du dir vielleicht. Klingt wie ein Hinweis, den man sich wirklich sparen kann. Jeder weiß doch, dass das wichtig ist. Moment mal – ist das wirklich so? In meinen Gesprächen habe ich oft Paare sitzen, denen das Zuhören völlig abhandengekommen ist, oder die es womöglich nie kultiviert haben. Wie aber kann echtes Zuhören gelingen? Warum lohnt es sich, wirklich zuzuhören und was kann ein Paar dabei gewinnen? Beim Zuhören kommt es vor allem auf die Haltung an. Die innere Haltung hat einen Einfluss darauf, wie wir uns beim Zuhören verhalten und wie wir unserem Partner begegnen, während er erzählt. Haltung entsteht, wenn wir uns im Vorhinein darüber klar werden, wie wir uns verhalten wollen und welche Werte wir dabei vertreten. Drei Herangehensweisen können helfen, das Zuhören in ein verbindendes und ereignisreiches Erlebnis zu verwandeln.

1. Den anderen beschnuppern

Es braucht ein Eintauchen und ein Beschnuppern. Die Haltung, die das Zuhören zu einer Liebestat verwandelt, ist die pure Neugier. Sie ist der Schlüssel, der das Gegenüber immer wieder neu entdeckt. Neugier ist ehrlich. Sie ist interessiert. Sie ist im wahrsten Sinne gierig auf das Neue, das sie erfahren kann. Sie führt dazu, dass wir uns Zeit nehmen, fallen lassen und aufrichtig nachfragen.

2. Eintauchen in die Welt des anderen

Wer zuhört, öffnet sein Herz. Es geht darum, sich voll und ganz mit allen Gedanken auf das einzulassen, was der andere erzählt. Es bedeutet, sich der Gefühlswelt des anderen zu öffnen. Ich würde sogar sagen, dass echtes Zuhören auch bedeutet, sich zu merken, was der andere erzählt. Wer zuhört, schenkt den Prozessen, den Gefühlen und Erlebnissen seines Gegenübers wahrhaftig Raum in seinem Inneren.

3. Wertungsfreie Atmosphäre

Die Königsdisziplin des Zuhörens ist wohl das Hören, ohne zu moralisieren, zu bewerten und ohne zu unterbrechen. Auf diesem Königsweg unterwegs zu sein, ist kein Spaziergang. Es funktioniert nur, wenn man ganz beim anderen ist statt bei sich selbst. Dazu gehört auch mal kurzweilig ein inneres Aushalten und Zurückhalten von Meinungen, Ideen und Lösungen. Es geht darum, das Gesagte als Information und Gewinn für die Beziehungsgestaltung zu betrachten.

 Einfach anfangen

Wenn es darum geht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der echtes Zuhören Raum findet, fängt man am besten selbst damit an. Wer dem anderen zuhört, kann nur gewinnen. In einer leistungsgeprägten Gesellschaft, in der wir um Zeit ringen, ist Zuhören ein Zeitgeschenk. Eine Atmosphäre ohne Druck schafft automatisch einen Ausgleich zum trubeligen Alltag. Du kannst beginnen und durchs Zuhören echte Anteilnahme leben. Dein Gegenüber fühlt sich dadurch wahrgenommen und gesehen. Dadurch entstehen Sicherheit und das Gefühl: ,,Ich habe hier Raum.“ Genau deshalb lohnt sich Zuhören!

Ira Schneider ist Paartherapeutin und Autorin. Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus ihrem aktuellen Buch „Zwischen ich, du & wir – 30 inspirierende Impullse für dich und deine Beziehung“, erschienen bei SCM Hänssler.