Den Kinderwunsch aufschieben?

Facebook und bald auch Apple finanzieren ihren Mitarbeiterinnen in den USA das so genannte Social Freezing, das Einfrieren ihrer Eizellen. So können die Mitarbeiterinnen erst mal in Ruhe Karriere machen und sich später immer noch ihren Kinderwunsch erfüllen. Ohne tickende biologische Uhr.

Diese Meldung hat für viel Kritik gesorgt. Aber so ganz abwegig finden viele – vor allem junge Männer und Frauen – die Idee gar nicht. Zwar halten es 58 Prozent der Deutschen für nicht richtig, ein solches Angebot des Arbeitgebers zu nutzen – das hat eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Wochenzeitung „Die Zeit“ ergeben. Aber immerhin 37 Prozent sprechen sich für diese Möglichkeit aus und fast jeder Fünfte könnte sich sogar vorstellen, sie in Anspruch zu nehmen. Und bei den 14- bis 29-Jährigen ist sogar eine Mehrheit von 53 Prozent dem Social Freezing gegenüber positiv eingestellt.

Ich finde das erschreckend. Schon jetzt spielen in unserer Gesellschaft die Ansprüche des Arbeitsmarktes oft eine größere Rolle als die Bedürfnisse des Kindes und seiner Eltern. Wer drei Jahre mit dem Kind zu Hause bleibt, wird nicht selten kritisch beäugt. Wird das in Zukunft auch so sein, wenn eine Frau mit Ende 20 schwanger wird, obwohl sie doch gerade am Beginn einer vielversprechenden Karriere ist? Sind Arbeitgeber dann noch bereit, bei der Vereinbarkeit zu helfen, Teilzeit und Home Office zu gewähren?

Und außerdem: Wann ist denn der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Viele Paare merken doch jetzt schon, dass es diesen Zeitpunkt nicht gibt. Dass es nicht einfach „klick“ macht und plötzlich alles super passt. Wer sich für ein Kind entscheidet, entscheidet sich für Kompromisse, für Verzicht, für das Neuordnen seiner Prioritäten. Das ist nicht anders, wenn ich die Entscheidung 20 Jahre aufschiebe. Letztlich passt ein Kind nie so richtig in die berufliche Planung. Oder ich muss es so lange aufschieben, bis ich im Rentenalter angekommen bin.

Ich hoffe, dass sich das Social Freezing nicht als neuer Trend in der Familienplanung durchsetzt. Dass sich junge Männer und Frauen für ein Kind entscheiden, auch wenn es grad nicht so perfekt passt. Dass Arbeitgeber weiter daran arbeiten, dass ihre Mitarbeiter Beruf und Familie gut hinbekommen. Dafür können sie gern mehr Geld investieren!

Bettina Wendland, Family-Redakteurin

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