„EIN KOMISCHER TYP NAMENS PAPA“

„Unser Sohn (8 Monate) ist ein gesundes und munteres Kerlchen. Er lacht mit jedem, aber abends, wenn Papa von der Arbeit kommt, haben wir Riesen-Theater. Unser Baby mag Papa nicht. Ist das normal?“


Zuerst einmal: Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Baby seinen Papa nicht mag. Das täte weh und wäre wenig produktiv! In den ersten Monaten eines Babys kann es sein, dass die Lebenssituation einer jungen Familie Folgendes vorgibt: Papa ist arbeiten, aus Sicht des Babys also überhaupt nicht vorhanden. Mama hingegen kümmert sich zuverlässig ums Füttern, Baden, Wickeln, Trösten, Kuscheln. Alles Handlungen, die dem Baby Wohlergehen signalisieren. Klar, wenn das Baby sich in dieser Lebenssituation zu Mama hingezogen fühlt. Abends kommt plötzlich ein „komischer Typ namens Papa“ zur Tür hinein, lächelt das Baby verliebt an und nimmt es auf den Arm. Manch ein Baby kann da Unbehagen empfinden. Denn es weiß: „Das ist nicht meine Mama.“

ENDLICH IST PAPA DA!

Schon ein paar Monate später kann genau dieses Baby deutlich in seiner Entwicklung vorangeschritten sein. Möglicherweise kennt es bereits all die Vorgänge, die Mama im Alltag draufhat. Dabei ist es doch so neugierig geworden, es will alles wissen, erforschen, ausprobieren. Langweilig, was Mama macht. Alles einschätzbar, routiniert. Wenn e s d ann k lappert im H ausflur, w ächst d ie Freude. Die Tür öffnet sich, jemand ruft: „Ich bin da!“ und schon schwingt derjenige sein Baby freudig durch die Luft. Das macht Spaß! Wie schön, dass Papa endlich da ist. Hier kann sich das Blatt wenden. Plötzlich möchte das Baby nur noch von Papa ins Bett gebracht werden. Mama schluckt. Da hat sie den ganzen Tag alles gegeben, den Alltag ganz nach dem Kind ausgerichtet. Und das ist der Dank? Nehmen Sie all das nicht persönlich. Ihr Kind profitiert von Mama und Papa. Jedes Kind durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen. Und jedes Kind hat eine eigene Wahrnehmung, woran es sich orientieren muss. Jeder Erwachsene hat eine andere Umgangsweise, andere Schwerpunkte und Charakterzüge. Bezug und Bindung ist von so vielen Faktoren abhängig: Zeit, Charakter, Lebenslage, Situation, all das spielt hinein beim Baby und bei den Eltern. So genannte „Mama-Kinder“ müssen nicht zwingend „Mama-Kinder“ bleiben.

KEIN RANKING ENTWICKELN

Genießen Sie es mit Ihrem Partner, ein grandioses Team zu sein. Wichtig ist, dass sich zwischen Ihnen und Ihrem Partner kein Ranking entwickelt, wer der Beliebtere ist. Auch wenn es gut tut, sollte solch eine Situation niemals forciert werden. Sehen Sie Ihre Ressourcen und die Ihres Partners. Sprechen Sie darüber und setzen Sie sie sinnvoll für ein harmonisches Familienleben ein. Sie spüren dennoch das Gefühl des Ungeliebtseins? Versuchen Sie, Ihre Gefühle ehrlich in Worte zu fassen. Das stärkt Ihr Miteinander und schafft die Möglichkeit für Absprachen, die den Alltag leichter werden lassen. Vielleicht kann Ihr Partner in der Zeit, in der das Baby Ihnen den Rücken zuwendet, Ihnen volle Aufmerksamkeit, Zuwendung und Anerkennung schenken. Was meinen Sie, wie schnell Ihr Baby Sie dann wieder interessant findet?

Irina Kostic ist Kinderkrankenschwester, Autorin und  Mutter von vier Kindern.
Sie lebt mit ihrer Familie in  Nordfriesland. irinakostic.de

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