Kampf ums Wickeln: Wenn das Kind protestiert
Elternfrage: „Meine kleine Tochter (1,5 Jahre) will sich nicht mehr wickeln lassen. Sie schreit, strampelt und wehrt sich. Auch Höschenwindeln zieht sie sich wieder aus. Trocken werden klappt aber noch nicht. Was kann ich tun?“
Ich kann Ihre Unsicherheit gut verstehen. Gerade weil Ihr Kind noch nicht mit Worten erklären kann, was los ist oder was es braucht, ist diese neue Situation schwierig. Wickeln gehört zum Alltag. Deshalb gilt es, aufmerksam beim Kind zu sein, neue Möglichkeiten auszuprobieren und – das wird oft vergessen – auch gut auf sich selbst zu schauen und darauf, was für Sie als Eltern passend ist.
Wenn das Kind sich plötzlich nicht mehr wickeln lassen oder keine Windeln mehr tragen will, ist ihm womöglich etwas unangenehm. Überlegen Sie, ob es einen Auslöser gab. Klappt es bei einem Elternteil besser? Was macht dieser anders? Oder zwickt vielleicht die Windel? Dann hilft möglicherweise eine andere Marke. Beziehen Sie Ihr Kind ein, etwa indem es die Windeln beim Einkauf zur Kasse trägt oder zu Hause einräumt. Meinem Sohn half damals, gemeinsam Plüschtiere zu wickeln. So konnte er spielerisch verstehen, was beim Wickeln passiert, und selbst aktiv werden.
Wickeln als Moment der Nähe
Überlegen Sie auch, wann Ihr Kind ohne Windel sein kann, zum Beispiel im Garten oder beim Spielen, und wann Ihnen eine Windel wichtig ist – etwa beim Einkaufen oder nachts. Wenn Ihnen Ihre eigenen Gründe klar sind, können Sie diese Ihrem Kind ruhig mitteilen. Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Kindes ernst zu nehmen – und die eigenen ebenso.
Wickeln ist ein sehr intimer Moment. Nehmen Sie sich, wenn möglich, Zeit dafür. Löst der Wickeltisch Stress aus, suchen Sie gemeinsam einen anderen Ort. Schauen Sie Ihrem Kind in die Augen, lächeln Sie oder machen einen Spaß und erklären Sie Schritt für Schritt, was Sie tun. So erkennen Sie vielleicht, welcher Teil unangenehm ist.
Gefühle benennen
Wehrt sich Ihr Kind, halten Sie kurz inne und sprechen Sie Ihre Beobachtung an. So erlebt es, dass es gesehen wird. Nutzen Sie den Moment auch, um wahrzunehmen, wie es Ihnen geht. Spürt Ihr Kind Ihre Unruhe, fällt es ihm schwerer, sich zu beruhigen. Teilen Sie Ihre Gefühle in einfachen Worten mit, zum Beispiel: „Ich sehe, dass du die Windel gerade nicht anziehen möchtest. Ich weiß leider nicht, wie ich dir helfen kann. Ich möchte aber mit dir einkaufen gehen, und dafür ist mir die Windel wichtig.“ Geben Sie Ihrem Kind einen Moment und ziehen Sie die Windel dann achtsam, aber bestimmt an.
Wehrt sich das Kind weiter, schützen Sie sich beide vor Verletzungen und bleiben Sie möglichst behutsam. Danach braucht Ihr Kind viel Nähe. Solche Situationen sind für alle anstrengend. Umso wichtiger ist es, sich Unterstützung zu holen, Sorgen und Frust mit dem Partner zu teilen und gemeinsam Entlastung zu suchen. Vielleicht können Termine mit „Windelpflicht“ vorübergehend reduziert werden. Denn es geht nicht darum, das Verhalten des Kindes schnell zu ändern, sondern gemeinsam gut durch diese Phase zu kommen.
Janine Schönenberger lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern bei Luzern. Sie arbeitet als Familienberaterin: www.flowkeeper.ch.








