Lügen und andere Heimlichkeiten

„Unser Sohn (12) hält es mit der Wahrheit nicht so genau. Oft macht er heimlich Dinge, die wir ihm verboten haben und lügt dann, wenn wir ihn ‚erwischen’. Was können wir tun?“

Wenn Kinder lügen, hat das viele verschiedene Ursachen. Darum gibt es auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Wenn ein 12-Jähriger anfängt, sich nicht immer an die Wahrheit zu halten, mag die beginnende Pubertät ursächlich für dieses Verhalten sein. Die Eltern sind irritiert, dass ihr Sohn sozusagen „von heute auf morgen“ Dinge verheimlicht oder sogar die Wahrheit mit Lügen verschleiert. In der Pubertät verändert sich sehr viel, körperlich und emotional. Viele Teenager verstehen sich selbst nicht mehr und rennen gegen bestehende Grenzen an. Sie wollen und müssen sich messen. Während die einen sich im häufigen Streit an den Eltern reiben, übertreten die anderen heimlich die Verbote der Eltern. Vielleicht legt Ihr Sohn es darauf an, dabei erwischt zu werden. Er fordert Sie zu einer Reaktion heraus. Wenn Ihr Sohn provozieren will und beispielsweise „heimlich“ einen Film anschaut, den Sie ihm verboten haben, und dies noch leugnet, dann sagen Sie ihm das ruhig auf den Kopf zu. Erklären Sie ihm, warum Sie ihm den Film verboten haben und weshalb Sie nicht wollen, dass er die Unwahrheit sagt. Verweisen Sie darauf, dass niemand alles immer richtig macht und dass es zum Erwachsenwerden dazugehört, dass man eingesteht, wenn man Verbote übertreten hat.

ZU FEHLERN STEHEN

Auch ein Erwachsener, der bei Rot über die Ampel fährt, muss für die Konsequenz geradestehen. Genauso ist das auch bei einem Jugendlichen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Sohn einen Konflikt auszutragen. Das ist ein wesentlicher und notwendiger Baustein in der Erziehung. Denn unsere Heranwachsenden entwickeln ihre Persönlichkeit, indem sie sich an den Erwachsenen reiben. Grenzen sind wichtig und das Anrennen dagegen ebenfalls. Werden Sie nicht müde, Ihre Position deutlich zu machen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es der falsche Weg ist, zu lügen. Kinder lernen am Beispiel der Eltern. Wenn Sie zu eigenen Fehlern stehen, helfen Sie Ihrem Sohn dabei, dass er lernt, mit seinen Fehlern richtig umzugehen.

DIE PRIVATSPHÄRE AKZEPTIEREN

Andererseits gibt es auch Kinder, die lügen, um ihre Privatsphäre zu wahren. Wenn Ihr Sohn die Wahrheit beschönigt, um sich Freiräume zu verschaffen, so bleiben Sie gelassen. Schauen Sie darüber hinweg und lassen Sie ihm diesen Freiraum. Ihr Sohn fängt jetzt an, sich fürs andere Geschlecht zu interessieren. Dieses Interesse ist ihm vielleicht selbst peinlich und er erfindet deshalb „Geschichten“. So wie Simon, der sich heimlich mit Lisa auf dem Spielplatz trifft und den Eltern erzählt, er wäre bei Marcus zu Hause gewesen. Eine solche Lüge müssen Eltern nicht aufdecken. Hier ist Nachsicht und Verständnis angebracht. Ihr Sohn braucht jetzt einen größeren Freiraum und vielleicht auch mehr Distanz zu den Eltern. Wenn er Ihnen nicht mehr alles mitteilt und auf Nachfrage sogar „Märchen“ erzählt, sollten Sie nicht so lange nachbohren, bis Sie die Wahrheit herausgefunden haben, sondern einfach das Abblocken Ihres Sohnes akzeptieren. Lassen Sie ihm seine Privatsphäre!

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