springe zu:
  • Online-Magazin
    • Artikel aus den Heften
    • Erziehungs-Tipps
  • Family-Produkte
    • Alle Family Produkte
    • Abonnement
  • Familien-Foren
  • ServiceKontakt & Anzeigen
    • Spenden
    • Christliche Jobbörse edenjobs.de
    • Kontakt
      • zur Redaktion
      • zum Kunden-Service
    • Werben in Family (Mediadaten)
    • Vertrag kündigen
  • Family bestellenAbo & Geschenke
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • FamilyNEXT bestellen
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
Artikel aus den Heften

#stayathome: Alte Themen neu entdeckt

Täglich lese ich Nachrichten von Bekannten, Freunden und Fremden, die mir Ideen präsentieren, wie ich die Corona-Zeit optimal nutzen könne: renovieren, sortieren, Sport machen, lesen, Sprachen lernen … Und mein Inneres verkrampft sich.

Ich stelle mir schon die Gespräche nach der Krise vor: „Und? Wie hast du diese Auszeit genutzt?“ Ich: „Ich habe gearbeitet. Es waren volle Tage, irgendwie wie immer.“

Mein Gegenüber wird mich mustern und ungläubig nachfragen: „Aber irgendwas musst du doch getan haben. Ich habe die gesamte Garage aufgeräumt und meine Todo-Liste geleert. Ich habe Nähen gelernt und per Video Sauerteig angesetzt. Und du?“ Ich: „Ich habe gemacht, was ich immer tue. Ich habe täglich versucht, Menschen zu ermutigen!“

Ja, ich weiß, jede Krise ist eine Chance: Homeoffice bedeutet auch weniger Zeiten im Stau. Kurzarbeit bedeutet auch Zeit für Omas Garten. Ich freue mich für jeden, der aktiv an Dingen arbeiten kann, die sonst unerledigt geblieben sind.

Ich sehe für mich auch viele davon, oh ja. Aber mein Tag ist damit ausgefüllt, die Ängste anderer zu mildern, Ideen zu entwickeln und Worte zu finden, damit Nähe entsteht. Ich bin ein Kümmerer. Nachts liege ich wach und spüre mein Herz klopfen. Spüre: Jetzt ist viel los in Familien, bei Selbstständigen. Ich möchte so gern aktiv sein und etwas tun. Mein Haus öffnen und Waffel-Feste feiern …

Das ist meine sehr dringende Todo-Liste. Ich entlarve meinen inneren Antreiber. Was bin ich wert, wenn ich weniger erledige? Weniger sichtbar arbeite und weniger Rückmeldungen bekomme? Die alte „Wer bin ich?“-Frage lugt um die Ecke. Jetzt haben Fragen Raum, die mich erinnern: Es geht um mich. Ich stoße auf alte Bitterkeiten, die durch unliebsame Erfahrungen ausgelöst wurden. Und ich nehme Sehnsüchte und Hoffnungen wahr.

Ich erlebe nach den ersten Tagen der Krise neu an mir, dass ich die Berichterstattung im TV nicht gut verarbeiten kann. Ich lasse mir die Sachlage von meinen Jugendlichen zusammenfassen. Dafür habe ich erstaunlich viel Essbares im Haus, was zu leckeren Dingen werden kann. Ich vermisse es, dass viele Menschen um mich herum sind und erkenne, dass ich mich selbst langweilig finde. Eine Erkenntnis, die mich trifft und beschäftigt.

In allem zu erleben, dass meine nahe Familie sich ebenfalls selbst neu entdeckt und andere Bedürfnisse hat, ist nicht überraschend. Wir stellen uns einander neu vor und suchen Gemeinsamkeiten. So darf ein gestreamter Krimi am Morgen sein, wie auch die Teezeit am Nachmittag. Wir üben täglich neu, im Gespräch zu bleiben.

Werden wir uns das irgendwann auch fragen: Was hast du innerlich sortiert? Wo bist du über dich erstaunt, erschrocken oder begeistert gewesen? Wie ging es dir mit alten Themen, die auf einmal wieder auftauchten?

Ich gehe heute noch sehr motiviert an meine Küchenschränke und halte es aus, dass in mir noch weitere Themen auf Sortierung warten. Ja, diese Krise hat viele Facetten: alte Themen und neue Herzenserkenntnisse.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin und Autorin und lebt mit ihrer Familie in Göttingen.

 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/Jasmina007_GettyImages-1180422569.jpg 1414 2121 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2020-03-27 13:10:332020-03-27 13:10:33#stayathome: Alte Themen neu entdeckt

Ohne Vollmacht geht es nicht

Beim Thema Vorsorge sollte man nicht nur an die alten Eltern denken. Auch für erwachsene Kinder ist eine Vollmacht unerlässlich. Annunziata Hoensbroech hat das erfahren müssen.

Sie machen sich dafür stark, dass Eltern für ihre erwachsenen Kinder eine Vorsorgevollmacht haben. Warum ist das wichtig?
Ich habe selbst erfahren, dass es sehr wichtig ist. Als Eltern gehen wir davon aus, dass wir uns als Problemlöser oder als Krisenbewältiger einbringen, wenn es für unsere Kinder eng oder schwierig wird. Aber bei unseren jungen, erwachsenen Kindern haben wir mit deren Volljährigkeit das Recht verloren, so zu agieren. Es gibt dieses gefühlte Naturrecht der Eltern im juristischen Sinn nicht. Eltern fehlt ohne eine Vorsorgevollmacht die Basis, sich in einer Krise auch weiterhin um ihr Kind zu kümmern, es zu vertreten, wenn es dies nicht selbst tun kann und über 18 ist.

Sie haben auf Ihre persönlichen Erfahrungen hingewiesen …
Mein Sohn hat mit 26 Jahren während eines Studienaufenthaltes in Barcelona einen Unfall erlitten. Er wurde schwerstens verletzt und lag acht Wochen im Koma. Er war nicht in der Lage, für sich selbst zu handeln. Durch eine glückliche Fügung hatte ich eine Generalvollmacht von ihm. Von dem Moment, als ich nach Spanien flog, bis anderthalb Jahre später, als er wieder richtig auf seinen eigenen Beinen stand, habe ich diese Vollmacht unendlich oft gebraucht, um im Interesse meines Sohnes und für ihn Entscheidungen zu treffen.

Wie kam es, dass Sie für Ihren Sohn so eine Vollmacht hatten?
Für Menschen meiner Generation Mitte 50 ist es ganz normal, unsere älter werdenden Eltern zu fragen, ob sie uns eine solche Vorsorge-Vollmacht ausstellen. Im Zuge dessen habe ich auch über mich selbst nachgedacht. Ich habe das Naheliegende gemacht und meine Kinder gefragt, ob sie so eine Bevollmächtigung von mir annehmen. Das alles passierte im Vorfeld einer großen, sehr abenteuerlichen Motorradreise, die mein ältester Sohn mit seinem Zwillingsbruder geplant hatte. Da habe ich gesagt: „Alles, was mir passieren kann, kann euch auch passieren. Gerade wenn ihr jetzt auf eine Reise geht durch die Türkei, den Iran, rund ums Schwarze Meer – wollt ihr das nicht auch umgekehrt machen?“ Und so haben wir gegenseitig diese Vollmacht ausgetauscht.

Der Unfall passierte dann ja nicht bei der Motorradreise, sondern später beim Studium in Spanien. Was hätte passieren können, wenn Sie keine Vollmacht gehabt hätten?
Mit so einer Vollmacht schafft man überhaupt erst eine Gesprächsgrundlage. Die haben Sie als Eltern eines volljährigen Kindes sonst nicht. Es gilt sofort – zu Recht – die ärztliche Schweigepflicht. Um den Arzt und sich selbst auf eine juristisch abgesicherte Gesprächsgrundlage zu stellen, müssen Sie so eine Vollmacht haben. Erst dann darf ein Arzt Ihnen überhaupt Informationen über den Zustand des Patienten geben. Nur mit einer Vorsorgevollmacht haben Eltern einen Anspruch darauf, Antworten zu bekommen auf ihre Fragen: Was ist passiert? Was sind die Konsequenzen? Welche Therapien werden vorgeschlagen? Jede Operation, jede Spritze ist eine Körperverletzung, in die der Patient einwilligen muss. Wenn ein kranker Mensch dies selbst nicht kann, braucht er jemanden, der das für ihn übernimmt. Wenn keine Vorsorgevollmacht da ist, wird das Krankenhaus den vorgeschriebenen Weg zu einem Gericht gehen und sagen: „Ich brauche einen gerichtlich bestellten Betreuer, der sich um diesen Patienten kümmert.“ Das Gericht kann als Betreuer bestellen, wen es möchte. Es kann ein Familienmitglied sein, muss es aber nicht. Weil Sie in so einer Krisensituation sowieso schon schwer belastet sind, brauchen Sie nicht noch eine Auseinandersetzung mit einem Gericht, ob es Sie als Betreuer einsetzt.

Was muss man bei der Erstellung einer Vollmacht beachten?
Generell setzt sich Vorsorge aus verschiedenen Elementen zusammen. Für junge Erwachsene ist das Wichtigste eine Vorsorgevollmacht, die Eltern oder eine Vertrauensperson ermächtigt, für diesen Menschen zu sprechen und zu handeln. Diese Vollmacht sollte ein Jurist aufsetzen. Sie kann sich über verschiedene Bereiche erstrecken, zum Beispiel nur gesundheitliche Aspekte abdecken. Man kann aber auch eine Generalvollmacht erteilen. Diese deckt alle Aspekte des Lebens ab. Denn in der Regel sind mit solch einer Krise, wie wir sie erlebt haben, auch gerichtliche Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Entscheidungen verbunden. Eine Generalvollmacht wird von einem Juristen aufgesetzt und sollte vom Notar beglaubigt werden. Das geht ganz schnell. Damit habe ich mir als Elternteil alle Handlungsfähigkeit erhalten. Ein zweites Element der Vorsorge ist die Patientenverfügung. Das ist die direkte Anweisung von mir als zukünftiger Patientin an einen zukünftigen Arzt. Eine Patientenverfügung beschäftigt sich mit medizinischen Ausnahmesituationen. Eventuell ist sie für ältere Menschen wichtiger als für junge Erwachsene.

Muss ich denn zum Rechtsanwalt gehen? Es gibt ja auch Vordrucke – zum Beispiel auch auf Ihrer Website. Reicht das nicht aus?
Auf meiner Homepage habe ich für Österreich, die Schweiz und Deutschland von Rechtsanwälten Vordrucke entwickeln lassen. Aber oft hat man das Bedürfnis, eine individuelle Anpassung vorzunehmen. Das sollte ein Jurist machen, damit es auch wasserdicht bleibt.

Und wenn das Kind den Eltern keine Vollmacht erteilen möchte?
Ich würde mich erst einmal erkundigen, woher dieser Widerwille rührt und nachfragen: Um was geht es genau? Ich würde meinem Kind erklären, dass es allem, was in einer Krise kommen mag, wirklich allein gegenübersteht. Ich würde wenigstens versuchen, ihm das dritte Element der Vorsorge nahezubringen: die Betreuungsverfügung. Damit geht es sicher, dass ein Gericht einen vorher genannten Betreuer einsetzt und ihn auch kontrolliert. Wenn das nicht die Eltern sind, ist das zu akzeptieren. Denn wen mein Kind bevollmächtigt, bleibt natürlich ihm überlassen.

Neben dem praktischen Aspekt dieser Generalvollmacht – was hat Ihnen persönlich geholfen in dieser Zeit, in der nicht klar war, wie die Geschichte ausgeht?
Als ich mich nach dem Unfall meines Sohnes in Barcelona wiederfand, hat es mich ungeheuer getragen, dass ich nicht allein durch diese Situation gehen musste. Ich habe das Glück, dass ich viele Geschwister und vier Kinder habe. Noch am selben Abend waren wesentliche Teile der Familie ebenfalls in Barcelona. Es hat eine unglaubliche Familiendynamik um uns herum stattgefunden, die wir nicht organisieren mussten. Es war immer jemand da, der uns unterstützt hat. Das war großartig, vor allem auch für Caspars Geschwister, die immer jemanden hatten, mit dem sie sprechen konnten.
Das zweite hört sich ein bisschen merkwürdig an. Ich habe einen Trick, mich selbst relativ zu setzen. Wenn es ganz dick und schwierig kommt, denke ich darüber nach, ob es jemanden gibt, der in dieser von mir als schwierig empfundenen Situation tauschen würde. Und wenn mir jemand einfällt, der mit mir tauschen würde, kann alles ja gar nicht so schlimm sein. Dann muss ich sogar noch ein bisschen dankbar sein für die Situation und für die Möglichkeiten, die ich habe. Selbst am ersten Tag im Krankenhaus sind mir Menschen eingefallen, die mit mir tauschen würden. Menschen, die keine Chance mehr haben, am Bett ihres Kindes zu sitzen und auf das Überleben zu hoffen. Was hätten die darum gegeben? Das hat mich in der Situation dankbar gemacht und mich angespornt.

Wie wichtig war für Sie das Gebet?
Das hat auch eine große Rolle gespielt. Ich war zwei, drei Tage überhaupt nicht in der Lage zu beten und habe das sehr vermisst. Das war mir vorher noch nie passiert, dass ich nicht beten konnte. Und dann hat ein Prozess eingesetzt. Mir wurde klar: Wenn ich bete, verpacke ich immer kleine Handlungsanweisungen an den lieben Gott: „Mach, dass dies und jenes passiert.“ Es sind kleine Aufträge, die wir in unser Gebet mit hineinflechten. Die Situation war aber so, dass ich nicht wusste, was jetzt passieren soll. Um was bitte oder bete ich? Das Überleben in unsäglichen Umständen ist schwierig. Aber um den Tod und das gnädige Erlösen des eigenen Kindes zu beten, ist vollkommen unmöglich. In dieser Situation hat sich der Gedanke gebildet: Ich bin für nichts verantwortlich. Ich bitte weder für das eine noch für das andere. Ich gebe mich einfach ganz in das Gottvertrauen rein: „Lieber Gott, dein Wille geschieht hier. Schenk mir nur die Kraft, damit fertig zu werden, was geschieht.“ Ich habe jede Handlungsanweisung aus meinen Gebeten herausgenommen und mich vollkommen darauf eingelassen zu beten: „Gott, dein Wille geschehe!“ Das hat mich sehr getragen – bis heute.

Das Interview führte Bettina Wendland.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_stift.jpg 1536 2048 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-27 12:57:052020-03-11 13:04:39Ohne Vollmacht geht es nicht

„Übertreiben Sie es mit der Hygiene nicht!“

Wie sauber muss es bei uns zugehen, damit wir gesund bleiben? Hygiene-Experte Frank Günther warnt vor übertriebener Hygiene. Er rät Familien: „Hände weg von Desinfektionsmitteln im häuslichen Umfeld!“

Wann und wie oft sollten Kinder ihre Hände waschen?
In der Regel so oft wie Erwachsene auch. Insbesondere dann, wenn Gegenstände oder Oberflächen angefasst wurden, die von vielen Menschen berührt werden und deshalb mit Infektionserregern besiedelt sein können: zum Beispiel Türgriffe oder Einkaufswagen. Insbesondere vor dem Essen sollten die Hände gewaschen werden. Kinder erforschen ihre Umwelt noch stark mit den Händen und mit dem Mund. Bei ihnen findet deshalb ein viel stärkerer Austausch mit Keimen untereinander und aus der Umgebung statt.

Muss ich meinem Kind also ständig mit Desinfektionsmittel hinterherlaufen, um es zu schützen?
Sie werden es nicht immer verhindern können, dass Ihr Kind irgendetwas anfasst und sich danach die Finger in den Mund steckt. Was man tun kann, ist, nach jedem Ausflug erst einmal die Hände zu waschen. Das genügt, denn dadurch kann man die Keimbelastung schon stark minimieren. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln hingegen kann dem Kind mehr schaden als nützen. Im schlimmsten Fall kann deren Einsatz Hauterkrankungen oder Allergien auslösen. Die Bakterien, die sich auf unserer Hautoberfläche befinden, sind nämlich sehr wichtig für uns, weil sie unser Immunsystem stärken und verhindern, dass sich krankmachende Bakterien auf und in uns ausbreiten können. Mit dem Desinfektionsmittel würden wir nicht nur krankmachende Keime töten, sondern auch die, die gut für uns sind.

Sie raten also grundsätzlich von Desinfektionsmitteln ab?
Ja. Finger weg von Desinfektionsmitteln im häuslichen Umfeld! Auch die Ausbreitung von Infektionen wie einem Magen-Darm-Infekt werden Sie dadurch zu Hause nicht verhindern können. In der Familie herrscht ein so enger Kontakt, dass eine Durchbrechung der Übertragung eigentlich nur durch Isolation gelingen kann – aber damit würde man dem kranken Kind ja noch mehr schaden. Übertreiben Sie es mit der Hygiene nicht! Außer Haus gibt es Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, Desinfektionsmittel mit dabei zu haben, etwa im Streichelzoo. Da Tiere für Menschen riskantere Keime auf sich tragen, kann man, wenn nichts anderes zur Hand ist und bevor man etwas isst, die Hände mit Desinfektionsgel reinigen.

Wie gut und wie gründlich sollte man das Kinderzimmer reinigen?
So wie jeden anderen Raum auch. Wischen Sie einfach regelmäßig die Oberflächen ab und saugen sie, um die Staubbelastung zu minimieren und die Vermehrung von Hausstaubmilben zu vermeiden. Deren Kot, der sich vorzugsweise in Textilien wie Matratzen, Teppichen und Bettwäsche befindet, kann nämlich auch Allergien auslösen.

Was ist bei der Zubereitung von Speisen für Kinder zu beachten?
Bei Obst und Gemüse ist immer davon auszugehen, dass die Oberfläche mit Keimen belastet ist, auch wenn es bio ist. Sie wissen nicht, wo es gelegen oder wer es vor Ihnen in der Hand gehalten hat. Diese Keime müssen nicht unbedingt krankmachen, einige bestimmte können es aber. Deshalb sollte man sie vor dem Verzehr immer mit warmem Wasser abwaschen und am besten auch abreiben. So kann man schon einen Großteil der Keime entfernen. Aber auch hier gilt: Eine komplette Keimfreiheit werden Sie nicht erreichen.

Interview: Ruth Korte

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_putz-scaled.jpg 2002 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-25 17:39:132020-03-10 17:43:01„Übertreiben Sie es mit der Hygiene nicht!“

Eine pinke Winterjacke …

„Mein mittlerer Sohn (4) wünschst sich rosafarbene und glitzernde Playmobilfiguren aus dem ‚Feenwald‘ und eine pinke Winterjacke. Sollten wir das als Eltern unterstützen oder setzen wir ihn damit Mobbing aus?“

Wenn Jungs sich für Dinge interessieren, die in unserer Gesellschaft eher mit Mädchen in Verbindung gebracht werden, machen Eltern sich schnell Sorgen. Während Mädchen in solchen Fragen ein breiterer Rahmen zugestanden wird und beispielsweise kurze Haare, Interesse an Fußball oder Autos akzeptiert werden, sind die Grenzen für Jungs enger gesteckt. Meistens handelt es sich bei gesteigertem Interesse an Sachen, die eher das andere Geschlecht mag, jedoch nur um eine Phase. Nur in sehr seltenen Fällen ist das in diesem Alter schon ein Hinweis auf eine Transidentität, also eine Abweichung der Identität vom sichtbaren Geschlecht.

ES IST NUR EINE FARBE

Wichtig ist, dass Sie die Wünsche Ihres Kindes ernst nehmen und Ihren Sohn unterstützen. Im Grunde sind pink und rosa nichts anderes als Farben. Der Unterschied ist nur, dass diese Farben und die von Ihnen angesprochenen Spielsachen bei uns hauptsächlich Mädchen mögen. Das macht sie aber nicht automatisch zu Mädchenspielzeug oder -farben. Rosa zum Beispiel galt in einigen Epochen als Farbe für Jungs. Es war nämlich das kleine Rot, Farbe des Blutes und des Kampfes und stand für heranwachsende Männlichkeit. Die Vorlieben für Farben und Spielsachen haben also viel mit der Gesellschaft zu tun, in der Kinder aufwachsen. Deshalb können Sie auch davon ausgehen, dass die Vorlieben Ihres Sohnes sich in den nächsten Jahren von allein verändern werden. Er kommt gerade in eine Entwicklungsphase, in der er sich mehr und mehr als Junge wahrnehmen wird und zu Gruppen dazugehören möchte. Das wird sich irgendwann auch in seiner Kleiderwahl und seinen Vorlieben beim Spielen bemerkbar machen.

RÜCKHALT GEBEN

Bis dahin stehen Sie ihm zur Seite. Es kann sein, dass er im Kindergarten aufgrund seiner Vorlieben geärgert wird. Wichtig ist, dass Sie ihm dann nicht das Gefühl geben, an seiner Lage selbst schuld zu sein. Sätze wie: „Zieh halt eine andere Jacke an, dann lassen sie dich in Ruhe“ ändern nichts an seinen Vorlieben, sondern geben ihm das Gefühl, nicht richtig zu sein. Bestärken sie ihn in dem Gedanken, dass Farben und Spielsachen für alle da sind und er rosa tragen darf. Falls Sie dafür offen sind, kann es helfen, wenn der Papa mal mit einem pinken Hemd oder einem rosafarbenen Schal zur Kita kommt und so zeigt, dass auch erwachsene Männer solche Farben tragen. Holen Sie auch das Kitapersonal mit ins Boot, sodass solche Themen auch in der Gruppe oder beim Elternabend besprochen werden können, falls Probleme auftreten. Gerade beim Thema Mobbing ist es zudem leider so, dass Sie Ihr Kind nicht umfassend schützen können. Heute ist es vielleicht das glitzernde Einhorn, es könnte aber genauso etwas anderes sein. Es ist gut, wenn Kinder in solchen Fällen schon früh merken, dass sie unseren bedingungslosen Rückhalt haben. Ein liebevolles Zuhause, in dem Kinder gesehen und angenommen werden, bietet das beste Rüstzeug. Nur Mut!

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern– und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrer Familie bei Kassel und bloggt unter www.eltern-familie.de.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_pink_12.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-20 17:17:022020-03-10 17:33:04Eine pinke Winterjacke …

Bräutigam: „Wegen Corona steht meine Hochzeit auf der Kippe.“

Dass ich wie geplant am 28. März heiraten kann, ist wegen des Coronavirus unwahrscheinlich. Trotzdem will ich nicht verzweifeln.

Gut ein Jahr lang haben meine Verlobte und ich geplant, beraten und uns vor allem gefreut – auf den sogenannten „schönsten Tag unseres Lebens“, unsere Hochzeit. Aktuell stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Dass wir nicht in der geplanten Kirche feiern dürfen, steht seit heute fest. Ob die anschließende Feier stattfinden kann – wir wissen es nicht. Und beim Standesamt dürfen Trauzeugen und Eltern nicht anwesend sein. Denn Veranstaltungen jeglicher Größe sind wegen des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen eigentlich untersagt.

Der Gedanke ans Verschieben ist schrecklich

Und, seien wir ehrlich: Das fühlt sich schrecklich an. Ich weiß, ich habe gut reden. Schließlich steht bei mir nicht mein Beruf auf der Kippe. Ich muss also nicht um meine Existenz bangen. Auch zähle ich nicht zur Risikogruppe. Es gibt also andere, denen geht es zurzeit deutlich schlechter. Trotzdem ist die aktuelle Hochzeitssituation extrem bedrückend. Dass die Eheringe eventuell neu graviert werden müssen, ist noch das kleinste Problem. Schwerwiegender sind Fragen wie: Kriegen wir das sonst ausgebuchte Wunschrestaurant überhaupt noch an einem anderen Termin? Können dann noch alle Gäste kommen? Wer bleibt schlussendlich auf den Kosten sitzen? Was ist überhaupt ein realistischer Termin, auf den wir umdisponieren können? … Kurzum: So haben wir uns diesen ganz besonderen Tag nicht vorgestellt.

Warum ich?

Und ich kann mich dessen nicht ganz erwehren: Zeitweise frage ich mich, warum gerade uns beiden so etwas passieren muss. Wieso muss die Krise gerade jetzt voll über Deutschland hineinbrechen? Wieso haben wir nicht einfach ein anderes Datum wählen können? Hätten weniger drastische Maßnahmen nicht vielleicht doch gereicht? Rational weiß ich, dass diese Gedanken nicht produktiv sind. Es hätte alles anders kommen können – ist es aber nicht. Deswegen will ich die aktuelle Situation viel lieber als eine gute Schule begreifen.

Nicht die Herrscher der Welt

Wir Menschen haben nicht die Macht über alles. Krisen wie die jetzige lassen mir das bewusst werden. Und das ist gut so. Es hilft mir, demütig zu sein. Wir sind eben nicht immer die Herrscher dieser Welt, es gibt Grenzen. Im Umkehrschluss heißt das: Ich kann für viele Dinge dankbar sein, weil sie eben keine Selbstverständlichkeit sind. Hochzeiten feiern zu können zum Beispiel. Unglücksmomente wie dieser sorgen dafür, dass Alltägliches mich wieder glücklich macht. Im kleinen kennt jeder das Gefühl, wenn beispielsweise der Schnupfen nach Wochen endlich nachlässt. Wie viel größer wird unsere Freude sein, wenn wir dann endlich als Paar vor den Traualtar treten dürfen? Das wird ein Geschenk sein, für das ich schon jetzt Dankbarkeit üben kann.

Alles dient dem Guten

Und auch darüber hinaus kann ich aus dieser Situation etwas lernen. Als Christ bin ich der festen Grundüberzeugung, dass alles dem Guten dient. Wieso also nicht auch der potenzielle Ausfall der Hochzeit? Vielleicht wäre der 28. März ein Regentag geworden. Vielleicht hätte sich jemand angesteckt und wäre ernsthaft krank geworden. Vielleicht … In meiner Vergangenheit durfte ich immer wieder erleben, dass auch aus schlechten Situationen etwas Gutes entstehen kann. Hätte mich meine vermeintliche Wunsch-Universität wegen eines formalen Fehlers im System nicht abgelehnt, hätte ich niemals meine heutige Verlobte kennen gelernt. Hätte ich den Job bekommen, den ich mir als Jugendlicher gewünscht habe, wäre ich heute nicht in einem Beruf, der mich erfüllt. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“, heißt es so schön. Das durfte ich bisher immer wieder erleben. Wieso nicht auch bei meiner Hochzeit? Dieses positive Denken lerne ich jetzt – wenn auch ein wenig auf die harte Tour.

Der Nicht-Hochzeitstag

Den 28. März wollen meine Verlobte und ich im Zweifel übrigens zum Nicht-Hochzeitstag deklarieren. Wer sagt, dass man nicht auch den, sobald man wieder darf, feiern kann? Es ist ein schöner Gedanke, unseren Kindern Jahr für Jahr zu erzählen, wie ihre Eltern beinahe geheiratet hätten. Und es dann zum Glück so bald wie möglich nachgeholt haben.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_rose-scaled.jpg 2250 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-18 10:19:562020-03-18 10:19:56Bräutigam: „Wegen Corona steht meine Hochzeit auf der Kippe.“

Ein Paar, zwei Perspektiven: Autofahren

MIT DEN SCHILDERLESEN HAT ER ES NICHT SO

Katharina hat als Beifahrerin alle Hände voll zu tun.

Katharina: Ja, wir kommen häufig zu spät. Einer der Gründe: Hauke verfährt sich regelmäßig. „Papa, wo fahren wir hin? Wir wollen doch zum Sport? Warum fährst du auf die Autobahn?“ Wir sind ständig unterwegs – wohin auch immer Hauke uns trägt. Meine Hauptaufgabe als Beifahrerin ist, immer hellwach zu sein und frühzeitig zu erkennen, dass wir mal wieder drohen, Richtung Süden zu fahren, obwohl die Reise nach Norden gehen soll. Denn merke ich es erst, kurz bevor es zu spät wäre, ist es bereits zu spät, denn mein Bester ist dann nicht mehr in der Lage, das „Ruder“ herumzureißen. Also drehen wir häufiger mal eine Extra-Runde auf der Autobahn, wenn Hauke seine Ausfahrt verpasst. Die A3 ist vermutlich nur deshalb so eine Dauerbaustelle, weil wir die Fahrbahnen so strapazieren.

Hauke will zum Training fahren und wird erst stutzig, wenn er vor dem Kindergarten steht. Er will zur Arbeit und wundert sich nach einer Weile über das fröhliche Gegluckse eines Kindergartenkindes von der Rückbank. Wieder einmal heißt es: „Bitte wenden!“

Unser Bus verfügt auch über eine Rückfahr-Kamera und viele Sensoren, es piept und blinkt überall laut und klar. Es ist mir ein Rätsel, aber mein Mann hat es in den letzten drei Jahren trotzdem geschafft, vier (!) große Parkschäden zu verursachen. Er räumt zwar ein, dass es schon irgendwie gepiept hat, aber er dachte, es wäre vorne gewesen, und da war ja alles frei! Oder er dachte, er hätte noch ein paar Zentimeter. Oder er hätte einfach die Warntöne gar nicht gehört. Die Wahrheit ist wohl: Die Einparkkompetenz sinkt im Alter – mit dem Verlust der Hörfähigkeit. Vor Kurzem wollte ich ihm daher bei schlechter Sicht durch Einweisen in eine enge Parklücke helfen. Ich konnte sein Gesicht im Rückspiegel sehen und winkte ihn langsam zu mir. Plötzlich rollte unser Ungetüm von Wagen mit Schmackes auf mich zu. Ich rief, winkte, boxte gegen den Kofferraum und konnte noch rechtzeitig beiseite springen, bevor der Bus zum Stehen kam, als er mit der Anhängerkupplung das Nummernschild des Autos hinter uns touchierte. Hauke behauptet beharrlich, er hätte mich nicht gesehen!

Natürlich ist mein Mann ein guter Autofahrer. Er fährt uns stets sicher ans Ziel. Wir brauchen halt nur Zeit und mit dem Schilderlesen hat er es auch manchmal nicht so. So hat er bereits zweimal den Führerschein abgeben müssen, weil er zu schnell war. Natürlich: es war beide Male ein Sonntag auf einer 4-spurigen, leeren Autobahn, bei herrlichem Sonnenschein. Trotzdem ist man mit 170 km/h einfach zu schnell, wenn nur 100 km/h erlaubt sind.

Ja, ich sammle auch meine Knöllchen in den 30er Zonen unserer Stadt und die erste Beule in unserem Bus habe auch ich verursacht, weil eine Sturm-Böe die Tür an der Tankstelle gegen einen Pfosten gerissen hat. Aber die Bilanz, wer von uns beiden besser fährt, ist angesichts aller Beobachtungen eindeutig: Frauen können besser einparken, kommen sicherer und vor allem direkter ans Ziel und sind einfach die besseren Autofahrer!

Katharina Hullen (Jahrgang 1977) ist Bankkauffrau und Dolmetscherin für Gebärdensprache in Elternzeit. Sie und Ehemann Hauke haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

 

ICH WIDME MICH GEISTIG ANSPRUCHSVOLLEREN THEMEN

Hauke muss sich von einem beliebten männlichen Klischee verabschieden.

Hauke: Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, es stimmt. Meine Frau fährt besser Auto als ich. Nach diesem Geständnis hat die Kolumne wahrscheinlich den größten Teil ihrer männlichen Leserschaft bereits verloren – warum sollte man(n) auch Zeit damit verschwenden, eine offenkundige Lügengeschichte weiter zu beachten, welche es wagt, das Alleinstellungsmerkmal des Mannes in Zweifel zu ziehen, nämlich die meisterhafte Beherrschung des Automobils? Denn wir wissen es doch alle: Frauen können nur zuhören, Männer hingegen einparken, Frauen und Technik … (lassen Sie beim Lesen hier bitte eine unheilvolle Pause), Frau am Steuer, das wird teuer … und so weiter und so fort.

Diese Macho-Matsche ließe sich noch beliebig fortsetzen. Doch was ist dran an der legendären Verschmelzung von Mann und Maschine? Bei der Beantwortung dieser Frage verlassen wir Männer uns natürlich nicht auf ein diffuses Bauchgefühl, sondern setzen auf knallharte Fakten. Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, es stimmt. Auch insgesamt fahren Frauen besser Auto als wir Männer.

So verunglücken in allen Altersgruppen im Straßenverkehr deutlich mehr Fahrer als Fahrerinnen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug: Wir sind auch meistens selbst schuld daran! Dieses Ergebnis bleibt auch dann bestehen, wenn man berücksichtigt, dass Männer rund zehn Prozent mehr Kilometer im Jahr zurücklegen. Woran liegt unser zerstörerisches Verhältnis zum Vehikel? Die Antwort kommt aus Flensburg: Dort sind 2,5 Mio Frauen als „Verkehrssünder“ registriert – und 8 Mio Männer! Tempolimit, Abstand, Alkoholverbot – in diesen Bereichen setzt die männliche Vernunft am häufigsten aus, so dass statt der edlen Krone der Schöpfung eher ein triebgesteuerter Testosteron-Torpedo über die Autobahn rast.

Bei mir ist das natürlich anders. Meine Blechschäden resultieren aus der Tatsache, dass ich den banalen Einparkvorgang in Gedanken schon längst abgeschlossen habe und mich geistig bereits anspruchsvolleren Themen widme. Während ich über den türkischen Einmarsch in Syrien sinniere, fällt der Parkpoller in die Fahrertür ein, denke ich an die prägenden Einflüsse der Fremdsprachen auf die deutsche Grammatik, hinterlässt ein fremder Außenspiegel seine Prägung im Seitenblech, und aus den Grübeleien über kulturell bedingte Kommunikationsdistanzen reißt mich das knirschende Geräusch einer Stoßstange, die mir beim Rückwärtsfahren zu nahe gekommen ist.

Und auch das, was die beste Ehefrau von allen despektierlich als „sich verfahren“ bezeichnet, ist in Wirklichkeit nur Ausdruck eines großen Geistes. Ich bin in Gedanken (und alsbald auch physisch) eben einfach woanders. Auf diese Weise lerne ich die nähere Umgebung auch viel intensiver kennen und darf mich mit Fug und Recht vielleicht nicht als den besseren, aber als den erfahreneren Automobilisten bezeichnen. Und was soll noch mal der Dirigent Karajan zum Taxifahrer gesagt haben? „Fahren Sie mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht.“ So wird‘s wohl sein.

Hauke Hullen (Jahrgang 1974) ist Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften. Er und Ehefrau Katharina haben fünf quirlige Kinder und leben in Duisburg. Gemeinsam bilden die beiden das Kirchenkabarett „Budenzauber“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_auto_1.png 1957 2936 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-17 16:47:562020-03-10 17:03:59Ein Paar, zwei Perspektiven: Autofahren

„Gott, warum kippt Corona meine Hochzeit?“

Dass ich wie geplant am 28. März heiraten kann, ist unwahrscheinlich. Doch der Frust ist eine gute Übung für den Glauben.

Gut ein Jahr lang haben meine Verlobte und ich geplant, beraten und uns vor allem gefreut – auf den sogenannten „schönsten Tag unseres Lebens“, unsere Hochzeit. Aktuell stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Dass wir nicht in der geplanten Kirche feiern dürfen, ist spätestens ab heute quasi gesetzt. Ob die anschließende Feier stattfinden kann – wir wissen es nicht. Und beim Standesamt dürfen Trauzeugen und Eltern nicht anwesend sein. Denn Veranstaltungen jeglicher Größe sind wegen des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen eigentlich untersagt.

Und, seien wir ehrlich: Das fühlt sich schrecklich an. Ich weiß, ich habe gut reden. Schließlich steht bei mir nicht mein Beruf auf der Kippe. Ich muss also nicht um meine Existenz bangen. Auch zähle ich nicht zur Risikogruppe. Es gibt also andere, denen geht es zurzeit deutlich schlechter. Trotzdem ist die aktuelle Hochzeitssituation extrem bedrückend. Dass die Eheringe eventuell neu graviert werden müssen, ist noch das kleinste Problem. Schwerwiegender sind Fragen wie: Kriegen wir das sonst ausgebuchte Wunschrestaurant überhaupt noch an einem anderen Termin? Können dann noch alle Gäste kommen? Wer bleibt schlussendlich auf den Kosten sitzen? Was ist überhaupt ein realistischer Termin, auf den wir umdisponieren können? … Kurzum: So haben wir uns diesen ganz besonderen Tag nicht vorgestellt.

Keine Strafe Gottes

Und ich kann mich dessen nicht ganz erwehren: In den dunkelsten Stunden keimt auch in mir der gänzlich alttestamentarische Gedanke auf, ob das alles nicht einfach eine ganz persönliche Strafe Gottes ist. Für was auch immer. Denn eigentlich sollte ihm doch daran gelegen sein, wenn ein Paar vor ihm den Bund fürs Leben schließen will. Die Frage: „Gott, warum lässt du zu, dass der Coronavirus meine Hochzeit gefährdet?“ kam mir mehr als einmal. Natürlich weiß ich, dass der Gedanke an zwingende Kausalität irrational ist. Deswegen will ich die aktuelle Situation viel mehr als eine gute Schule begreifen.

Uns kann beim Thema Hochzeit nur noch ein Wunder helfen. Und darin ist unser Gott schließlich Experte. Nach menschlichen Maßstäben ist es absolut unwahrscheinlich, dass wir Ende März 2020 heiraten werden. Nach göttlichen Maßstäben ist alles möglich. Solche vermeintlich ausweglosen Situationen sind perfekt dazu geeignet, sich dieses Ausgeliefertsein bewusst zu machen und im zweiten Schritt zu sagen: „Gott, ich lege es in deine Hand.“

Alles dient dem Guten

Und was, wenn Gott nicht eingreift? Schließlich ist er keine Wundermaschine: Gebet rein, Erfüllung raus. Auch dann kann ich aus dieser Situation etwas lernen. Als Christ bin ich der festen Grundüberzeugung, dass alles dem Guten dient. Wieso also nicht auch der potenzielle Ausfall der Hochzeit? Vielleicht wäre der 28. März ein Regentag geworden. Vielleicht hätte sich jemand angesteckt und wäre ernsthaft krank geworden. Vielleicht … Gott wird wissen, was er tut. Es ist leicht, das in guten Zeiten zu sagen. Und es lässt einen wachsen, das in schlechten Zeiten anzunehmen. Das darf ich jetzt lernen – ein wenig auf die harte Tour.

Nathanael Ullmann ist Volontär in der Online-Redaktion des SCM Bundes-Verlags und mitverantwortlich für die Nachrichten auf Jesus.de.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/jde_strauss.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-16 13:57:192020-03-16 13:57:19„Gott, warum kippt Corona meine Hochzeit?“

Im Sturm der Traurigkeit

Der Mann unserer Autorin kämpft immer wieder mit Depressionen. Wie kommt sie damit klar?

Vor ein paar Jahren, ich war gerade im Auto unterwegs, hörte ich das Lied „Flames“ von Boy. Darin heißt es (frei übersetzt): „Die beständige Angst und Traurigkeit liegt schwer auf deiner aufgewühlten Seele. Ich rufe deinen Namen, aber ich kann nicht zu dir durchdringen. Es tut mir weh, dich so leiden zu sehen. Wenn ich doch nur einen Weg finden könnte, um dich zu beruhigen und zu heilen.“ Als ich so zuhörte, stiegen mir die Tränen in die Augen. Es war, als hätte jemand das in Worte gefasst, was ich gefühlt habe, als ich meinen Mann durch seine Depression begleitete.

Ich wusste von Anfang an, dass er psychische Probleme hat. Als wir uns ineinander verliebten, erzählte er mir, dass er sich gerade von einer Depression erholt habe, die vor ein paar Monaten, während einer Prüfungszeit, aufgetreten sei. Er konnte nichts mehr essen, nicht mehr schlafen und hatte irgendwann einen totalen Blackout. Nichts funktionierte mehr. Er wollte nichts vor mir verheimlichen und mir klar machen, dass ein Ja zu ihm auch ein Ja zu seiner Depression sein würde. Ich wusste also, was mich erwartete und gleichzeitig wusste ich überhaupt nicht, was mich erwartete.

Ein halbes Jahr nachdem wir zusammen waren, war sie wieder da. Eine Depression mit einer Angststörung. Er befürchtete ständig, durch seine Prüfungen zu fallen und sein Studium nicht zu schaffen und lernte Tag und Nacht. Und obwohl die Klausuren immer „sehr gut“ ausfielen, konnte er seinen Erfolg nicht genießen. Er war nicht in der Lage, so etwas wie Freude, Zufriedenheit oder Gelassenheit zu empfinden – und wenn, dann nur für einen kurzen Moment. Es war ein Leben ohne Graustufen. Alles, was ich sagte, schob er, wie es für Depressive typisch ist, entweder in die weiße (gute) oder schwarze (schlechte) Kategorie. Das machte unsere Kommunikation unglaublich schwierig. Gab es etwas, was mir an unserer Beziehung nicht gefiel und ich sagte es ihm, fühlte er sich sehr verletzt. Er zweifelte oft an sich selbst, und, nicht selten, auch an mir. Immer wieder stellte er mich und unsere Beziehung in Frage. Das verletzte mich am allermeisten. Zwei Mal trennten wir uns in den ersten Jahren voneinander. Bis wir ein wirkliches Ja zueinander gefunden hatten, sollten viele Jahre vergehen.

Nicht alle davon waren schlecht. War er medikamentös gut eingestellt und wir in „ruhigen Fahrwassern“ ging es uns sogar sehr gut. Wir reisten zusammen, suchten nach gemeinsamen Hobbys und machten Pläne für die Zukunft. Wir lernten, uns immer mehr so zu lieben, wie wir sind. Wir lernten auch voneinander: Ich lernte von ihm, mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen und fing an, mich für Sport zu begeistern. Er lernte von mir, gelassener zu sein und den Moment zu genießen.

Es gab aber auch viele herausfordernde Momente. Als er ins Berufsleben einstieg, war es besonders schwierig. Der Stress und der Erwartungsdruck, der auf ihm lastete, machten ihm so sehr zu schaffen, dass ich befürchtete, er würde nun vollends zusammenbrechen und den Beruf, auf den er so lange hingearbeitet hatte, aufgeben müssen. In Phasen, in denen er psychisch stabil war, versuchte er immer wieder mit Begleitung eines Psychiaters das Antidepressivum, das er inzwischen mehrere Jahre zu sich nahm, auszuschleichen. Doch jeder Versuch scheiterte und warf ihn und uns jedes Mal zurück.

„Wie kommst du da durch?“

Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Wir sind verheiratet und haben eine Familie. Mein Mann ist in seinem Beruf inzwischen zufrieden und sehr erfolgreich. Er hat seine Depression und seine Ängste dank der Psychopharmaka und Menschen, die ihn und uns begleiten, im Griff. Die Stürme kommen jetzt seltener, aber es gibt sie noch.

Was hilft mir in stürmischen Zeiten? Diese Frage konnte ich selbst lange nicht beantworten. Fragte man mich, wie ich da durchgekommen sei, gab ich häufig „Mit Gottes Hilfe“ zur Antwort. Und es stimmt: Hätte ich mich in all meiner Verzweiflung, Hilflosigkeit und mit all meinem Schmerz nicht an Gott wenden können, hätte es für uns keine Zukunft gegeben. Aber es sollte nicht nur der Glaube sein, der Angehörige von Depressiven durchträgt. Es sind auch die Freunde, die nachfragen, mitbeten oder, wenn nötig, auch mal ablenken. Es ist wichtig, sich über das, was man an der Seite eines Depressiven erlebt, auszutauschen – und zwar nicht nur mit dem Partner. Je nachdem, wie schwerwiegend seine Depression ist, kann es für ihn sogar zusätzlich belastend und deshalb kontraproduktiv sein. Wenn die Situation so belastend ist, dass ich sie selbst nicht aushalten kann, wende ich mich an meine Eltern, zu denen ich ein sehr gutes Verhältnis habe, und gute, vertrauensvolle Freunde – meistens solche, mit denen ich auch ins Gebet gehen kann. Eine von ihnen ist Psychologin und kann mir auch fachliche Tipps geben.

Überhaupt ist es wichtig, sich mit dem Thema Depression fachlich auseinanderzusetzen. Als ausgebildete Pädagogin dachte ich lange, ich wüsste bereits genug darüber. Ich hatte jedoch nie längere Zeit mit Depressiven zu tun gehabt und wusste schon gar nicht wie es ist, als Angehörige davon betroffen zu sein. Auch ich brauchte Hilfe und Begleitung. Das Internet bietet auf vielen Seiten, wie etwa der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die Möglichkeit, sich zu dem Thema zu informieren. Aber auch ein Gespräch mit einer Person vom Fach, wie etwa einem Psychotherapeuten oder Psychiater, der man direkt Rückfragen stellen kann, ist hilfreich. In vielen Städten gibt es außerdem Selbsthilfegruppen für Angehörige von Depressiven, in denen man sich mit anderen austauschen kann. Je mehr man über Depressionen weiß, desto besser kann man das Verhalten des Partners verstehen und einordnen.

Gleichzeitig ist es wichtig, nicht alle Zweifel und Ängste, die der Partner hat, als übertrieben oder psychisch bedingt abzutun. Es ist nicht die Person selbst, sondern die Depression, die dazu führt, dass diese Gefühle für sie so unerträglich und für uns so unnachvollziehbar werden. Viele verstehen das nicht. „Das ist Quatsch“ oder „Du spinnst ja“ sind Sätze, die mein Mann während einer depressiven Phase manchmal zu hören bekommen hat. Auch Sätze wie „Du bist halt krank“ oder „extrem empfindlich“ sind in so einer Episode wenig hilfreich. Deshalb überlegen wir uns sehr genau, wen wir in dieses Thema einweihen. Mein Mann ist nicht „der Depressive“ oder „der Verrückte“, als den ihn manche abstempeln, weil es ihnen zu anstrengend und unangenehm ist, sich in ihn und seine Gefühlswelt hineinzudenken. Er ist der Mann, den ich liebe und der ab und zu jemanden braucht, der ihn sanft zurück auf die Beine stellt, ohne über seine Gefühle und Gedanken zu urteilen! Das steht niemandem zu – egal, ob gesund oder krank.

Nicht immer die Stärkere

Hilfreich war für mich auch, einzusehen, dass ich als „Gesündere“ von uns, nicht gleichzeitig auch immer die Stärkere sein muss. Natürlich versuche ich für ihn da zu sein, ihn zu trösten und aufzumuntern, wenn es ihm schlecht geht. Aber auch ich habe meine Grenzen, die ich lernen musste anzuerkennen, um nicht selbst krank zu werden. Manchmal bedeutet das auch, ihm vorzuschlagen, mal mit jemand anderem darüber zu sprechen und mich selbst ein bisschen zurückzuziehen. Ja, man darf sein Leben trotzdem genießen und sich selbst etwas Gutes gönnen – auch, wenn es dem Partner gerade nicht gut geht. Für mich bedeutet das, mich mit Freundinnen zu treffen, mir eine Massage zu gönnen oder ausführlich Sport zu machen. Aber auch als Paar darf man sich in solchen Zeiten schöne Abende gönnen und das Leben trotz allem feiern, indem man zum Beispiel einen Babysitter engagiert und ausgeht oder aber sich das Essen nach Hause liefern lässt und einen schönen Film zusammen guckt oder ein Spiel spielt. Umgekehrt gab es übrigens auch schon zahlreiche Situationen, in denen er der Stärkere von uns war, obwohl er der „Kränkere“ ist.

Es wäre falsch zu behaupten, dass wir inzwischen so sturmfest wären, dass uns die Stürme nichts mehr ausmachen würden. Wenn Ängste und Zweifel herumwirbeln und unser Schiff zum Schwanken bringen, erfordert es immer noch viel Kraft und Glauben, Jesus auf dem schwankenden Wasser zu erkennen und darauf zu vertrauen, dass er uns nicht untergehen lässt.

Die Autorin ist der Redaktion bekannt, möchte aber anonym bleiben.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_depression-scaled.jpg 2250 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-11 13:25:162020-03-12 10:27:22Im Sturm der Traurigkeit

Nicht auf Kosten der Kinder

Wie finden wir ein partnerschaftliches Familienmodell, das allen Beteiligten gerecht wird? Und das auch so etwas wie ein „christliches“ Familienmodell ist? Von Jutta Koslowski

„Meine Rolle, deine Rolle. Gibt es ein ‚christliches‘ Familienmodell?“ – So titelte Family im Herbst 2018. Dazu erschien ein Artikel, der aufräumt mit überkommenen Rollen-Klischees – und das ist gut so. Wir Christen neigen ja manchmal dazu, den gesellschaftlichen Entwicklungen etwas hinterherzuhinken, anstatt für andere wegweisend zu sein. Und so ist es höchste Zeit, Abschied zu nehmen von der Vorstellung, dass die traditionelle Rollenverteilung mit einer göttlichen Ordnung gleichzusetzen ist. „Kinder – Küche – Kirche“: Für viele Frauen ist das nicht mehr ausreichend, auch in christlichen Kreisen. „Kinder – Krippe – Karriere“ heißt dann der neue Lebensentwurf. Bleibt nur die Frage, wie die Aufgaben zwischen den Ehepartnern konkret verteilt werden – allen voran die Aufgabe der Kinderbetreuung.

DIE BESTEN STUNDEN DES TAGES

Mir war schon vor unserer Hochzeit vor 25 Jahren klar, dass es mir viel bedeutet, in meinem Beruf zu arbeiten. Ich wollte Theologie studieren und Pfarrerin werden. Und ich wollte Kinder haben – mindestens vier. Dabei bin ich der Meinung, dass Kinder am besten in ihrer Familie aufgehoben sind, also von Mutter und Vater und allenfalls noch den Großeltern betreut werden sollten. Zwar habe auch ich mit einer Tagesmutter experimentiert. Manche Eltern machen damit ja gute Erfahrungen, aber für mich war es eher schwierig.

Jeden Tag habe ich auf den Moment ihrer Ankunft hingelebt und mich bemüht, dass alles dafür bereit war: die Kinder satt, frisch gewickelt und ausgeschlafen, die Küche aufgeräumt. Dann hat die Tagesmutter die besten zwei Stunden des Tages mit meinen Kindern verbracht; und wenn ich abends zurückkam, habe ich wehmütig die Duplo-Bauwerke und Sandkuchen bewundert, die während meiner Abwesenheit entstanden waren – bevor ich mich dann ans Abendessen und Zubettbringen gemacht habe. Und es gab noch ein Problem: Entweder bauen meine Kinder eine intensive Beziehung zu einer vorübergehenden Bezugsperson auf – dann ist es ein Verlust für sie, wenn diese die Familie wieder verlässt; oder sie bauen keine intensive Beziehung auf – das ist mir ebenfalls nicht recht.

NASEN UND KLOS PUTZEN

Schließlich wurde mir klar: Was ich wirklich brauche, ist jemand, der bei meinen Kindern bleibt, auch wenn sie krank und ungezogen sind. Der sich nicht nur um die Betreuung kümmert, sondern zugleich um den Haushalt. Der Nasen und Klos putzt, den Rasen mäht und Verabredungen mit Freunden organisiert. Wer kann so etwas schaffen? Niemand anders als der Papa! Und wie ist das möglich? Nur durch Teilzeitarbeit. Deshalb habe ich so lange auf meinen Mann eingeredet, bis er sich dazu bereit erklärt hat, seine Arbeitszeit zu reduzieren. Wir einigten uns, in Zukunft beide nur noch „halbtags“ zu arbeiten. Das musste mein Mann seinem Chef klarmachen. „Geht nicht“, konterte der, „ich will Sie zu meinem Nachfolger aufbauen, da müssen Sie ganz zur Verfügung stehen.“ Das ging so lange, bis mein Mann ihm eines Morgens das Kündigungsschreiben auf den Schreibtisch legte (ohne eine neue Arbeitsstelle in Aussicht zu haben). An diesem Tag kam er mit dem Vertrag für eine Teilzeittätigkeit nach Hause. Das hat der Arbeitgeber nie bereut, denn nun ging mein Mann jeden Morgen hochmotiviert aus dem Haus, war fast nie krank und hatte seine Work-Life-Balance gefunden.

ALLES, WAS MAN BRAUCHT

Und wie sah es mit unserem Geld aus? Während meiner Promotion habe ich nichts verdient. Konnten wir als fünf-, später sechsköpfige Familie von einem halben Gehalt leben? Ja, wir konnten! Das liegt zum einen daran, dass wir einen qualifizierten und gut bezahlten Beruf haben. Andererseits lagen wir mit einem halben Gehalt unterhalb der offiziellen „Armutsgrenze“ und hatten Anspruch auf Sozialleistungen. Dabei würde ich noch nicht einmal sagen, dass wir besonders gelitten haben. Wir sind zum Beispiel mehrmals im Jahr in den Urlaub gefahren. Diese gemeinsamen Zeiten waren uns immer sehr wichtig; allerdings haben wir sie unkonventionell und preiswert gestaltet. Einmal, als die Familienkasse leer war, haben wir unseren Kindern gesagt: „Wir fahren in den Sommerferien nach Italien – dann eben ohne Geld.“ Ein paar Nächte haben wir am Strand unter dem Sternenzelt verbracht, bis unsere Kinder protestierten, dass wir wie Obdachlose hausten und auf eigene Faust einen günstigen Campingplatz ausfindig machten.

Wir haben ein alternatives Familienmodell gelebt, für das wir uns niemanden zum Vorbild nehmen konnten: Seit vielen Jahren arbeiten wir beide halbtags und kümmern uns partnerschaftlich um Haushalt, Kinder und alle anderen Aufgaben. Zwischendurch gab es auch Phasen, wo mein Mann wieder in Vollzeit arbeitete. In dieser Zeit haben wir gut verdient – dennoch war am Ende des Monats nicht mehr Geld übrig als zuvor. Im Lauf der Jahre haben wir etliche Male die Situation erlebt, dass sich unser Brutto-Einkommen von einem Tag auf den anderen um mehr als tausend Euro erhöht oder erniedrigt hat, ohne dass sich das nennenswert auf unser Netto-Einkommen ausgewirkt hätte. Daraus habe ich meine persönliche Wirtschafts-Theorie entwickelt: nämlich, dass man eigentlich immer so viel Geld zur Verfügung hat, wie man braucht. Zugegeben, das passt in kein Lehrbuch der Betriebswirtschaftslehre – aber dafür zur Erfahrung des Apostels Paulus: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“ (Philipper 4, 11–13).

ROLLENTAUSCH

Als unser viertes Kind geboren wurde, haben wir unsere Rollen für eine Weile ganz getauscht: Drei Jahre ist mein Mann in Elternzeit gewesen, weil ich in dieser Zeit mein Vikariat als Pfarrerin absolviert habe – eine Aufgabe, die nur in Vollzeit möglich war. Inzwischen sind wir wieder beide bei unserer 50-50-Rollenverteilung angekommen. Seit alle unsere Kinder am Vormittag im Kindergarten oder in der Schule sind, ist unser Leben einfacher geworden: Wir arbeiten täglich zwischen 8 und 13 Uhr, und am Nachmittag sind wir beide zu Hause und können uns um unsere Kinder kümmern – wobei wir einen traumhaften „Betreuungsschlüssel“ von 2:1 haben und fast jeden Nachmittag auch noch Zeit finden, gemeinsam in der Sonne zu sitzen und einen Kaffee zu trinken …

Mein Mann ist in unserer Familie eher der „Außenminister“, der viele der täglich anfallenden Fahrten übernimmt, während ich die „Innenministerin“ bin, die sich um Dinge wie Haushalt, Schulaufgaben, Musikinstrumente üben kümmert. Andererseits gibt es ein paar Bereiche, wo die klassische Rollenverteilung bei uns eher umgekehrt ist, weil dies unseren Fähigkeiten und unserer Persönlichkeit mehr entspricht. So kocht mein Mann das Essen; dafür greife ich fast täglich zum Werkzeugkasten.

Wichtiger als das Urteil anderer ist die Frage, wie wir innerhalb unserer Familie mit unserer Aufgabenteilung zurechtkommen. Um ehrlich zu sein: Das ist nicht einfach. Sicherlich hat unser Modell manche Vorteile. Allen voran, dass wir nicht in getrennten Lebenswelten leben, sondern dass mein Mann die Telefonnummer unseres Kinderarztes ebenso kennt wie ich. Der größte Nachteil besteht für mich im Verlust von Autonomie im Umgang mit unseren Kindern. Denn natürlich ist mein Mann nicht einfach nur da, sondern er bestimmt mit. Mir scheint, dass ich die einzige Mutter weit und breit bin, die nicht darüber entscheiden kann, ob ihr Kind an einem nasskalten Herbsttag ein Unterhemd anziehen soll …

KINDERTRÄNEN VERMEIDEN

Eins aber steht für mich fest: Der Lebensentwurf, den wir wählen, darf nicht auf Kosten unserer Kinder gehen! Denn für unsere Kinder haben wir uns entschieden, und sie sind besonders schutzbedürftig. Das Kindeswohl muss an oberster Stelle bei allen Entscheidungen stehen.

Einige Kinder fühlen sich tatsächlich wohl bei der Tagesmutter oder in der Kinderkrippe. Aber andere nicht. Ich habe etliche Jahre in einem Kindergarten als Erzieherin gearbeitet. Da konnte ich beobachten, wie manche Kinder auch noch nach Monaten vor allem eine Frage auf dem Herzen hatten: „Wann kommt meine Mama? Wann werde ich abgeholt?“ Natürlich hören die meisten Kinder mehr oder weniger schnell auf zu weinen, wenn man sie mit festem Entschluss abgegeben hat. Aber warum? Weil es in Wirklichkeit doch gar nicht so schlimm ist, wenn Mama und Papa fort sind? Vielleicht versiegen ihre Tränen ja auch, weil sie ihre Ohnmacht erkennen: Meine Eltern sind fort und kommen nicht wieder – auch mit herzzerreißendem Weinen kann ich daran nichts ändern. Aber will ich tatsächlich, dass mein Kind eine solche Lektion der Hilflosigkeit oder gar Verzweiflung lernt?

Ich jedenfalls habe meinen Kindern, als sie jeweils mit drei Jahren in den Kindergarten kamen, gesagt: „Ich möchte, dass es euch hier gut gefällt und ihr glücklich seid. Wenn ihr nicht im Kindergarten bleiben wollt, dann braucht ihr nicht zu weinen; ihr braucht es mir nur zu sagen, und ich nehme euch wieder mit nach Hause oder melde euch ab.“ Zwei unserer vier Kinder haben wir tatsächlich vorübergehend wieder vom Kindergarten abgemeldet. Aber keines von ihnen hat eine einzige Träne dort vergossen. Das war es mir wert. Denn ich bin überzeugt: Tränen von Babys und Kindern bedeuten nichts anderes als bei uns Erwachsenen – sie sind Ausdruck von tiefem seelischen Schmerz. Und Kindertränen sollten wir vermeiden, wenn das Wohl des Kindes im Mittelpunkt unseres Handelns steht.

REICHLICH BELOHNT

Gibt es ein christliches Familienmodell? Es sollte sich nicht in der Zuweisung traditioneller Rollenmodelle zwischen Mann und Frau erschöpfen. Wenn überhaupt, dann wäre es vielleicht dies: In einem christlichen Familienmodell stehen diejenigen im Mittelpunkt, die Jesus seliggepriesen hat, die Schwachen – also vor allem die Kinder (Matthäus 18, 1-5). Und nicht das Geld. Erst recht, wenn es nicht um Alleinerziehende geht, sondern um ein verheiratetes Ehepaar, stellt sich die Frage, ob es wirklich keine andere Option gibt, als ein Kind in Fremdbetreuung zu geben. Ich meine, dass wir es uns in einer Überflussgesellschaft wie der unseren in aller Regel leisten können, auf einen Doppelverdienst zu verzichten, wenn wir bereit sind, unseren Lebensstandard entsprechend zu senken.

In meiner Familie hat unser Familienmodell dazu geführt, dass wir über Jahre hinweg „arm“ waren. Wir waren auf Sozialleistungen wie Wohngeld angewiesen. Das hat manche Nachteile mit sich gebracht; andererseits haben wir erfahren, dass man auch ohne Einkommen sein Auskommen haben kann. Noch gravierender war die Tatsache, dass sowohl mein Mann als auch ich auf viele Karrieremöglichkeiten verzichten mussten, die im Rahmen einer Teilzeittätigkeit nicht zur Verfügung standen. Aber dafür wurden wir reichlich belohnt, indem wir das Gefühl haben, im Leben unserer Kinder nichts verpasst zu haben. Und wenn ich höre: „Ach ja, schon wieder ein Jahr vorbei; wie schnell die Zeit vergeht!“, dann denke ich manchmal im Stillen: Für mich fühlt sich ein Jahr eigentlich wie eine kleine Ewigkeit an, so viel habe ich in dieser Zeit erleben dürfen …

Dr. Jutta Koslowski ist Sozialpädagogin und evangelische Pfarrerin, Autorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Mainz. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie im Kloster Gnadenthal im Taunus.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_koslowski-scaled.jpg 2250 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-10 17:11:412020-03-06 17:51:02Nicht auf Kosten der Kinder

„Ihr Verhalten ist uns unangenehm“

„Unsere Tochter (1,5) schubst und schlägt andere Kinder – wenn ihr jemand zu nahe kommt zum Beispiel, oder wenn sie sich freut oder aufgeregt ist. Was können wir tun?“

Kinder unterscheiden sich in ihren Interessen und ihrem Temperament. Auch Gefühle bringen sie unterschiedlich zum Ausdruck: Manche weinen, stampfen oder werfen sich zu Boden, wenn sie sich ärgern oder wütend sind. Andere schlagen, beißen oder schubsen, auch dann, wenn sie sich freuen oder aufgeregt sind. Für Sie als Eltern ist dieses Verhalten oft sehr unangenehm. Dabei hat das vermeintliche „Fehlverhalten“ wenig mit Ihnen zu tun.

KEINE BÖSE ABSICHT

Das Gehirn des Kindes entwickelt sich erst. Während das „Gefühlszentrum“ schon angelegt ist und Ihr Kind unterschiedliche Gefühle wahrnehmen kann, ist sein „Vernunftshirn“ noch in der Entwicklung. Um wichtige Verbindungen zwischen „Gefühlszentrum“ und „Vernunftshirn“ herzustellen, braucht das kindliche Gehirn noch einige Jahre. Erst diese Verbindungen ermöglichen es ihm, sich bei bestimmten Gefühlen angemessen zu verhalten.

Vor allem in Stresssituationen funktioniert das im Kleinkindalter ohnehin nur rudimentär angelegte „Vernunftshirn“ noch weniger. Das „Gefühlszentrum“ bestimmt dann das Verhalten Ihres Kindes: Überfordert von den intensiven oder negativen Gefühlen, weiß es sich nur mit einfachen, reflexhaften Handlungen (schlagen, schubsen) zu helfen. Der Situation angemessene Verhaltensweisen muss sie noch lernen. Erst im Alter von drei bis vier Jahren fangen Kinder an zu verstehen, dass sie anderen mit ihrem Verhalten wehtun können. Es steckt also keine böse Absicht dahinter.

SEIEN SIE EIN VORBILD

In Situationen, die Ihre Tochter stressen oder starke Emotionen hervorrufen, können Sie ihr wichtige Hilfestellungen geben. Ihre Tochter reagiert nicht grundlos mit Schubsen und Schlagen, auch wenn die Gründe für das Verhalten nicht immer leicht zu verstehen sind. Überlegen Sie, wie sie sich wohl in Situationen fühlt, in denen sie gehäuft schubst oder haut. Was möchte sie mit ihrem Verhalten erreichen? Vermutlich schubst Ihre Tochter beispielsweise ein zu nahe kommendes Kind (nennen wir es Lara), weil sie sich in ihrer persönlichen Sicherheitszone verletzt fühlt und diese verteidigen möchte. Wehrt sich Lara daraufhin, ist Ihre Tochter frustriert oder fühlt sich noch bedrohter.

Seien Sie deshalb in der Nähe Ihrer Tochter, wenn sie mit anderen Kindern zusammen ist. So können Sie schnell reagieren, wenn ihr ein Kind zu nahe kommt. Sagen Sie ihr: „Du möchtest nicht, dass Lara dir zu nahe kommt? Schau, so kannst du es ihr zeigen.“ Seien sie dann ein Modell für Ihre Tochter (nennen wir sie Maria), indem sie freundlich mit Lara sprechen: „Lara, Maria möchte nicht, dass du ihr so nahe kommst. Kannst du dich bitte hierher stellen?“ So lernt Ihr Kind im Zuge seiner normalen Sprachentwicklung auch, eigene Grenzen zu wahren.

Seien Sie immer wieder ein gutes Modell, indem Sie Ihrer Tochter sagen und zeigen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten kann. Sie braucht Sie als Übersetzungshilfe ihrer Gefühle und als Vorbild, um sich in Zukunft eigenständig sozial kompetent ausdrücken und verhalten zu können. Haben Sie Geduld!

Sandra Maul ist Psychologin und lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn bei Gießen.
Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2020/03/family_haut_01.jpg 1488 1616 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2020-03-06 17:10:142020-03-06 17:10:14„Ihr Verhalten ist uns unangenehm“
Seite 78 von 151«‹7677787980›»

Jetzt Family bestellen:


... für mich
Die eigene Familie gestalten

... für andere
Das ideale Geschenk

... zum Testen
Aktuelle Ausgabe gratis lesen



Hurra, Baby ist da!


Unser neues Leben mit Baby

Der Start in die Kinderphase ist spannend und aufregend. Und herausfordernd.

Das neue family Special „Unser neues Leben mit Baby“ will Baby-Eltern in den ersten Monaten begleiten. Mit bewegenden Erfahrungsberichten, hilfreichen Tipps und vielen Anregungen, wie diese neue Lebensphase gestaltet werden kann.

Alle Infos & weitere Specials

Search Search
  • Vertrag kündigen
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen