„Papa, erzähl mal!“

Geschichten erfinden und frei erzählen

Kinder lieben Geschichten. Sie können nicht genug davon bekommen. Besonders toll ist es, wenn Eltern selbst Geschichten ausdenken und frei erzählen. Doch vielen Eltern fällt das schwer. Dabei kann es ganz einfach sein:

Fantasie hat keine Grenzen

Fangen Sie klein an. Suchen Sie sich eine kurze Vorlesegeschichte aus und lesen Sie sie Ihrem Kind immer wieder vor. Bald können Sie sie selbst auswendig und frei erzählen. Nach einiger Zeit werden Sie selbst Ideen für neue Geschichten entwickeln. Waren Sie zusammen im Zoo? Lässt sich Ihr Kind nicht gern die Haare kämmen? Liebt es Geschichten mit bestimmten Themen wie Prinzessinnen, Tiere, Autos? Schon haben Sie einen Aufhänger für Ihre eigenen Geschichten. In den Geschichten können Tiere sprechen, Gegenstände auch, der Kobold reitet auf einer Nadel, die Kuh hat Schnupfen, die einzige Blume auf einer Wiese fühlt sich einsam …

Es gibt viele Möglichkeiten, fantasievolle und märchenhafte Geschichten zu erfinden. Hier einige Anregungen:

  • Verpacken Sie Erziehungsziele in Geschichten: Erfinden Sie eine Zahnputz- oder Waschgeschichte oder eine Geschichte rund ums Haare kämmen, die neue Brille oder das Fahrradfahren.
  • Erzählen Sie vorgelesene Geschichten weiter oder erfinden Sie ein neues Ende.
  • Spielen Sie bekannte Geschichten mit Spielzeug oder Handpuppen nach.
  • Erwachsene erzählen gern aus ihrer Kindheit oder von ihrer Arbeit. Daraus können Sie neue Geschichten entwickeln.
  • Schauen Sie Fotoalben an und erzählen Sie die Begebenheiten dazu.
  • Malen oder kleben Sie Bilder, zum Beispiel, indem Sie aus alten Katalogen oder Werbeblättchen Motive ausschneiden und zu Collagen kleben. Erzählen Sie dazu eine Geschichte.
  • Geschichtenmemory: Suchen Sie ein paar Karten aus dem Memory-Spiel aus und erzählen Sie damit eine Geschichte – einmal das Elternteil, einmal das Kind.

Die richtige Atmosphäre

Schaffen Sie eine gemütliche und ruhige Atmosphäre für das Erzählen: Fernseher und Musik aus, vielleicht eine Kuscheldecke auf dem Sofa oder eine speziell eingerichtete Ecke mit Schmusetieren. Manchmal ist Ihr Kind unruhig und muss erst einmal entspannen. Nehmen Sie ein Glöckchen oder eine Triangel und läuten Ihre gemütliche „Stunde“ ein. Schließen Sie gemeinsam die Augen und stellen sich etwas vor. Sagen sie einen Lieblingsreim Ihres Kindes auf oder singen Sie etwas Beruhigendes. So fällt es beiden Beteiligten leichter, sich auf die Reise in die Welt der Geschichten einzustimmen.

Das Geschichtenerzählen dient wie das Vorlesen der Vorbereitung auf das spätere eigene Lesen. Aber es erfüllt noch viele andere Funktionen. Kinder lieben es, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Das gemeinsame Erlebnis stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Solche gemeinsamen Zeiten erhöhen auch die Bereitschaft Ihres Kindes, von sich und seinen Gefühlen zu erzählen.

Ich möchte Ihnen Mut machen, das „altmodische“ Geschichtenerzählen in Ihrer Familie zu praktizieren. Sicher können nicht alle Eltern alles vermitteln. Ich wusste auch nicht, wie ich meiner Tochter das Schwimmen beibringen sollte und wir haben einen Schwimmkurs gebucht. Wenn Ihnen das Geschichtenerzählen gar nicht liegt, nutzen Sie Ihre anderen Begabungen, um etwas mit dem Kind zu machen: basteln, singen, backen, gärtnern … Da liegen die Talente und Ideen in jeder Familie anders. Und vielleicht haben die Oma oder der Patenonkel ja Spaß am Geschichtenerzählen.

Maren Niedernhöfer lebt mit ihrer Familie in Bad Wildungen und hat ihrer inzwischen acht Jahre alten Tochter seit dem Kleinkindalter selbst erdachte Geschichten erzählt und aufgeschrieben. Außerdem arbeitet sie ehrenamtlich als Büchereileiterin in einem Kindergarten.

Illustration: Thees Carstens

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