„Sie hat nur Mode im Kopf“

„Meine Tochter (17) schminkt sich extrem und beschäftigt sich mit nichts anderem als mit Mode. Ihr Taschengeld gibt sie nur für Klamotten und Schminke aus. Muss ich mir Sorgen machen, dass sie sich so auf Äußerlichkeiten reduziert?“

Die heutigen 17-jährigen zählen zur sogenannten „Generation Z“, also zu den Menschen, die von klein auf digital aufgewachsen sind. Für diese Jugendlichen gehören Smartphones und Tablets so selbstverständlich dazu wie für frühere Generationen das Fernsehen. Dazu zählt auch ihre aktive Nutzung, um sich selbst darzustellen. Natürlich so schön wie möglich.

Ihre Tochter erhält Beauty-Tipps von Freundinnen und – was nicht unwahrscheinlich ist – auch von YouTubern, die ihre Schmink- und Schönheitstipps zum Nachmachen ins Internet stellen. Die Mädchen schminken sich, machen sich zurecht, fotografieren sich mit dem Handy und schicken sich die Fotos. Jede will natürlich besonders gut aussehen. 17-Jährige haben heutzutage andere Vorbilder als früher.

SEIN ÄUSSERES LIEBEN IST GUT

Im Grunde ist es durchaus positiv, wenn sich Menschen gefallen. Denn erst wenn man sich selbst liebt, ist man in der Lage, auch andere wertzuschätzen. Schminke kann helfen, das eigene Äußere zu unterstreichen, den einen oder anderen unschönen Pickel zu überdecken oder den Blick auf die strahlenden Augen und nicht auf die zu große Nase zu lenken. Auch die entsprechende Kleidung kann viel zum eigenen Selbstwertgefühl beitragen.

Für Ihre Tochter ist es wichtig, das richtige Maß zu finden. Dabei können Sie ihr helfen. Zunächst einmal sollten Sie „ihre Themen“ nicht verurteilen. Das Entdecken der eigenen Schönheit ist ein wichtiger Baustein in Richtung Erwachsenwerden. Falls Sie sich selbst auch schminken, zeigen Sie Ihrer Tochter, wie Sie sich schminken und weshalb Sie darauf verzichten, Ihre Augen mit Kajalstift so zu umranden wie eine Traueranzeige oder wie Sie Make-Up dezent verwenden.

Auch wenn es Ihre Tochter scheinbar nicht zu interessieren scheint: Es wird eine Wirkung haben. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter ein Wellness-Wochenende verbringen. Solche Angebote gibt es zum Beispiel bei den Deutschen Jugendherbergen. Neben Massagen spielen auch Frisur und Make-Up eine Rolle. So ein Wochenende macht Spaß und zeigt Ihrer Tochter, dass sie von ihrer Mutter verstanden wird. Außerdem lernen Sie andere Mutter-Tochter-Paare kennen, denen es ähnlich wie Ihnen geht.

ABWARTEN UND ZEIT GEBEN

Auch wenn Ihre Tochter noch nicht das richtige Maß gefunden hat, müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn mit 17 Jahren ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Vielleicht zeigt sie auch nur deshalb so viel Interesse an diesen Äußerlichkeiten, weil Sie weiß, dass die eigene Mutter anders damit umgeht. Dann ist das für sie die Möglichkeit, sich abzugrenzen. Zeigen Sie Interesse, geben Sie ihr Zeit. Dann wird sich der richtige Umgang mit diesen Äußerlichkeiten sicherlich einpendeln. Dazu kommt, dass ihr Taschengeld nicht lange genug vorhält. Das wird dazu führen, dass sich ihr Konsum von Schminksachen und Kleidung auf das Normalmaß reduziert.

Ingrid Neufeld arbeitet als Erzieherin mit Flüchtlingskindern und deren Eltern. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Töchtern und lebt in Schlüsselfeld bei Bamberg.