Ein junges Mädchen sitzt vor einem Spiegel und cremt ihre Haut ein.

Skinfluencer: Wo der Trend zur Gefahr wird

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens, Skinfluencer, teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.