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Das erste Taschengeld: So lernt Ihr Kind den Umgang mit Geld

Elternfrage: „Unser Sohn kommt bald in die Grundschule, und wir möchten nun das Taschengeld einführen. Wie können wir Kindern einen guten Umgang mit Geld beibringen, sodass sie auch verstehen, was Sparen oder Spenden bedeutet?“

Wie schön, dass Sie sich mit dem Thema Taschengeld beschäftigen und das so bewusst angehen. Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Mit meinem jüngsten Sohn (inzwischen sieben Jahre alt) leben wir seit zwei Jahren ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt. Er wendet es inzwischen selbstverständlich an, und ich möchte als Anregung erklären, wie das funktioniert.

Münzen auf vier Zwecke aufteilen

Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:

  • Portemonnaie: für alles, was es direkt ausgeben möchte
  • Sparen: für größere Wünsche
  • Investieren: für langfristiges Sparen, bei dem es „Zinsen von Mama“ gibt
  • Spenden: als Zeichen dafür, wie gut es uns geht und dass wir etwas davon abgeben können

Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.

Bei uns besteht die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werde. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.

Marmeladengläser gestalten

Mein Tipp für den Einstieg ist, dass Sie zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Verwenden Sie außerdem auch ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Sie können die Gläser auch gemeinsam gestalten. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?

Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Bleiben Sie geduldig mit Ihrem Kind. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.

Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“. diefinanzkomplizin.de

Geschwister als Babysitter: Ist das sinnvoll?

Elternfrage: „Können wir unsere Tochter (14) als Babysitter für unseren Jüngsten (5) einspannen? Mein Mann und ich sind uns uneinig.“

Klare Absprachen

Wir haben als Familie sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jeweils älteren Geschwister bei den Jüngeren babysitten zu lassen. Warum? Ältere Brüder oder Schwestern sind wohlvertraut. Es gibt keine seltsamen Beklommenheitsgefühle oder Ängste, wie sie einem außenstehenden Babysitter manchmal entgegengebracht werden. Umgekehrt ist die Übernahme von Verantwortung in und für die eigene Familie ein großer Zugewinn. Die älteren Geschwister dürfen erfahren, was ihnen von ihren Eltern zugetraut wird. Nicht zuletzt stärkt es die Gemeinschaft unter den Geschwistern. Einen Abend allein zu verbringen, ist ein kleines Abenteuer und schreibt die gemeinsame Geschichte fort, ganz ohne elterliche Argusaugen.

Allerdings müssen für diese Benefits einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das ältere Geschwisterkind diesen Job auch tatsächlich übernehmen wollen. Niemandem ist gedient, wenn die Kleinen den Großen aufs Auge gedrückt werden und diese auf die Rolle überhaupt keine Lust haben. Es muss klar und anerkannt sein, wer in diesen Stunden die Ansagen macht, und dass diese Ansagen ohne Diskussionen gelten. Die Rahmenbedingungen sollten klar gesteckt sein. Was werdet ihr essen, welchen Film werdet ihr schauen, wann ist Zubettgehzeit? Stellt alles bereit, damit es etwas Besonderes wird: leckeres Essen natürlich und ein paar Snacks zum Film. Und abschließend hat ein ordentlicher Babysitter, verwandt oder nicht, einen ordentlichen Lohn und Anerkennung verdient.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein.

Klein anfangen

Als Mama von zwei erwachsenen Kindern und einer lebhaften, fast fünfjährigen Tochter erlebe ich das Betreuen der Kleinen von den Großen als Bereicherung. Voraussetzung für den Babysitter-Job war: Ich muss mich verlassen können, dass der Fokus der Älteren auf der Jüngsten liegt. Ich wünsche mir nicht eine „Nebenbei auf die Kleine schauen“-Mentalität, sondern eine „Ich bin gerade allein verantwortlich“-Einstellung. Ich habe erlebt, dass aus meinem Zutrauen den älteren Geschwistern gegenüber Vertrauen entsteht und das zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt. Das ist eine Fähigkeit, die ihnen im Leben immer wieder zugutekommt.

Natürlich braucht es klare Absprachen und ein Gespür dafür, was jedes Kind leisten kann. Aber unsere Großen können mehr, als man denkt! Am besten fängst du nicht mit einem ganzen Babysitter-Tag an, sondern mit einem kurzen Zeitfenster, in dem du telefonisch erreichbar bist („Mama, mach aber dein Handy mal auf laut!“ Upsi). Nach einer solchen ersten Erfahrung würde ich kurz gemeinsam reflektieren: Wie hast du dich gefühlt? Hättest du irgendetwas mehr gebraucht? Und egal, wie es gelaufen ist, für mich gehört immer ein dickes „Danke, ich bin stolz auf dich“ dazu.

Jenni Terlitzki ist Mutter, Singer und Songwriter als Teil der Band Eli Worship.

„Nicht meine Mama“

Ich war elf Jahre alt und hatte drei jüngere Geschwister, als meine Babysitter-Karriere startete. Ich verbinde gemischte Gefühle damit. Auf der einen Seite habe ich mich geehrt gefühlt, dass ich das in den Augen meiner Eltern schaffen kann. Der Gedanke „die trauen mir das zu“ hat mich groß werden lassen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein. Von meinen jüngeren Geschwistern habe ich oft den Satz „Du bist nicht meine Mama“ gehört. Das stimmte zwar, aber dennoch hatte ich ja die Verantwortung in dem Moment für sie – dieser Spagat war schwer.

Zudem hatte ich Ängste. Was ist, wenn jemand einbricht? Wenn es brennt? Wen werde ich zuerst retten? Ich bin viele Worstcase-Szenarien durchgegangen und konnte deshalb nicht schlafen. Wenn meine Eltern dann vom Hauskreis heimkamen, habe ich mich schnell schlafend gestellt. Meine Eltern haben es gut gemeint, ich habe sehr früh sehr viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt, aber ich habe das nicht immer so gefühlt. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich lasse deshalb meine Teenagertochter nicht auf ihren jüngeren Bruder aufpassen. Sie darf in meinen Augen einfach erst einmal Teenagerin sein und sich selbst entdecken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine regelmäßige Übernahme der Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind möchte ich meinem Kind nicht übertragen.

Die Autorin möchte anonym bleiben.

So lernen Kinder, gut mit Geld umzugehen

Elternfrage: „Unser Sohn kommt bald in die Grundschule, und wir möchten nun das Taschengeld einführen. Habt ihr Tipps, um Kindern einen guten Umgang mit Geld beizubringen, sodass sie auch verstehen, was Sparen oder Spenden bedeutet?“

Wie schön, dass Sie sich mit dem Thema Taschengeld beschäftigen und das so bewusst angehen. Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Mit meinem jüngsten Sohn (inzwischen sieben Jahre alt) leben wir seit zwei Jahren ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt. Er wendet es inzwischen selbstverständlich an, und ich möchte als Anregung erklären, wie das funktioniert.

Münzen auf vier Zwecke aufteilen

Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:

  • Portemonnaie: für alles, was es direkt ausgeben möchte
  • Sparen: für größere Wünsche
  • Investieren: für langfristiges Sparen, bei dem es „Zinsen von Mama“ gibt
  • Spenden: als Zeichen dafür, wie gut es uns geht und dass wir etwas davon abgeben können

Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.

Bei uns besteht die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werde. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.

Marmeladengläser gestalten

Mein Tipp für den Einstieg ist, dass Sie zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Verwenden Sie außerdem auch ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Sie können die Gläser auch gemeinsam gestalten. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?

Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Bleiben Sie geduldig mit Ihrem Kind. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.

Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“.

„Mama, ich will keine Kinder“ – So können Eltern mit der Enttäuschung umgehen

Elternfrage: „Meine Tochter (23) meinte neulich, dass sie keine Kinder haben will. Ich bin mit Blick auf mögliche Enkelkinder ein bisschen enttäuscht und frage mich, ob ich ihr das Muttersein so unschön vorgelebt habe. Wie kann ich das ansprechen, ohne ihr Druck zu machen?“

Es geht nicht um die eigenen Lebensziele

Die Tatsache, dass Ihre Tochter ihre Gedanken zum Muttersein geteilt hat, lässt vermuten, dass sie gesprächsbereit ist. Das dürfen Sie nutzen! Um ihr jedoch keinen Druck zu machen, würde ich empfehlen, diese Entscheidung nicht infrage zu stellen, sondern nachzufragen, was Ihre Tochter zu diesen Gedanken bewogen hat. Denn Gedankenspiele ohne den direkten Austausch führen nur zu Spekulationen und schaffen keine echte Klarheit. In einem solchen Gespräch sollte es nicht um Rechtfertigung, sondern um Verständnis gehen: „Was sind deine Beweggründe? Was verbindest du mit dem Muttersein? Was magst du darin nicht?“ All das darf ausgesprochen werden. Je weniger Sie die Gedanken Ihrer Tochter bewerten oder in eine bestimmte Richtung lenken, desto offener können Sie ins Gespräch kommen.

Es scheint sich abzuzeichnen, dass Ihre Tochter Ihnen keine Enkelkinder schenken wird. Ihre Enttäuschung darüber darf sein und auch zum Ausdruck gebracht werden. Aber letztlich können Eltern die Entscheidungen der erwachsenen Kinder nur respektieren. Kinder haben nicht die Aufgabe, die Träume und Wünsche der Eltern zu erfüllen. Deswegen sollte ein Austausch zu diesem Thema nicht das primäre Ziel haben, Einfluss zu nehmen, um die eigenen Lebensziele zu erreichen, sondern um Verständnis zu schaffen. Und wer weiß? Vielleicht kann Ihre Tochter auf der Grundlage dieser Freiheit und durch den ehrlichen Austausch mit Ihnen sogar eine neue Perspektive und ein Ja zur Mutterschaft entwickeln.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.

Wenn es sich fremd anfühlt

Eltern können eine Entscheidung des Kindes in Themen, die sie grundlegend anders getroffen haben, wie einen unbekannten Gast behandeln. Was bringt dieser Gast mit? Was macht den Schmerz aus? Woher kommt die Enttäuschung? Neugierig und offen können Sie sich selbst Fragen stellen: Was war oder ist so erfüllend an der Elternschaft für mich? Wie hätte mein Leben ohne Kind ausgesehen?

Nach dem „Beschnuppern“ der fremden Entscheidung, dem unbekannten Gast, könnte ein gemeinsames Gespräch mit der Tochter folgen. Dabei hilft ein klarer, unter Umständen bisher unüblicher Gesprächsrahmen: „Ich habe etwas, das ich in Ruhe mit dir besprechen möchte. Hast du in den nächsten Tagen einen Zeitpunkt, der gut für dich ist?“ Außerdem tut es dem gegenseitigen Verständnis gut, den Austausch in eine liebevolle Haltung der Annahme zu kleiden: „Ich nehme deine Aussage sehr ernst. Hilf mir, das besser zu verstehen. Hast du das Muttersein bei mir als belastend erlebt?“ Eltern dürfen dabei auch ehrlich fragen: „Gibt es etwas, in dem dich unser gemeinsamer Weg verletzt hat?“

Jede Antwort des Kindes in diesem Gespräch ist kein Gesetzesentwurf, sondern ein Statement mit dem aktuellen Tagesdatum. Darauf ohne Wertung mit „Ich denke weiter darüber nach …“ oder „Danke, für den Einblick in deine Gedanken“ zu antworten, stärkt das Vertrauen. Es kann helfen, die Akzeptanz für die Entscheidung wachsen zu lassen, bis eine vorsichtige Freundschaft zu dem zuvor fremden Gast entsteht.

Stefanie Diekmann ist Pädagogin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern.

„Unsere Kinder könnten sich doch mal verabreden“ – Kann man Freundschaft erzwingen?

Elternfrage: „Wiederholt hat mich eine Freundin gefragt, ob sich unsere Töchter (11) nicht mal verabreden möchten. Aber meine Tochter verabredet sich nicht so gern mit ihrer Tochter. Mir fällt es schwer, ihnen abzusagen. Soll ich meine Tochter überreden oder meiner Freundin die Wahrheit sagen?“

Ihre Tochter steht an der Schwelle zum Jugendalter und braucht in ihren sozialen Beziehungen ein immer größer werdendes Mitbestimmungsrecht. Aus diesem Grund sollten Sie das Nein Ihrer Tochter unbedingt ernst nehmen und die Grenze Ihrer Tochter schützen.

Solange Kinder noch jünger sind, stehen sie häufig in Kontakt miteinander, weil sich ihre Eltern treffen. Kleinere Kinder spielen miteinander, ohne dass sie untereinander immer die besten Freunde sein müssen. Das ändert sich jedoch mit dem Alter. Kinder lösen sich von den Eltern und ändern ihre Bedürfnisse. Dann sind Gleichaltrige nicht mehr vorrangig zum Spielen da, sondern um sich über ihre Lebenswelt, Interessen und Träume auszutauschen. So können tiefere Freundschaften entstehen, die ein Vertrauensverhältnis und eine Freiwilligkeit voraussetzen. Dies sollte unbedingt geachtet werden.

Selbstbestimmung des Kindes

Wenn die Wellenlänge zwischen Ihrer Tochter und der Tochter Ihrer Freundin nicht stimmt, ist das schade, aber kein Grund, aus Gefälligkeit der Mutter gegenüber Druck auf die eigene Tochter auszuüben. Denn Verabredungen oder gar Freundschaften können nicht erzwungen werden. Auf der einen Seite ist Ihr Wunsch, Ihre Freundin nicht vor den Kopf zu stoßen, berechtigt und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite ist es aber Ihre Aufgabe als Mutter, Ihrer Tochter in ihren Beziehungen möglichst viel Gestaltungsfreiheit zu geben. In dieser Abwägung ist es ratsam, dass Sie die Selbstbestimmung Ihrer Tochter über das eigene Harmoniebedürfnis stellen.

Als Mütter befreundet bleiben

Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie mit Ihrer Freundin in einen offenen und ehrlichen Austausch gehen. Hier könnten Sie das Gespräch mit der Frage beginnen, warum es ihr so wichtig ist, dass sich die Mädchen treffen. Vielleicht steckt hinter diesem Wunsch die Sorge, dass sich die Tochter zu sehr isoliert oder ihre Freizeit nicht sinnvoll gestalten kann. Vielleicht sind es falsche Freunde, mit denen sich das Mädchen trifft, weshalb Ihre Freundin einen Handlungsbedarf sieht. Auch die Frage, was denn die Tochter selbst möchte, könnte helfen, die Situation etwas klarer werden zu lassen.

Durch solche Fragen schaffen Sie eine Vertrauensbasis, und Ihre Freundin fühlt sich mit ihren Anliegen gesehen. Möglicherweise können Sie auf diesem Weg gemeinsam Ideen entwickeln, wie Ihre Freundin gut für ihre eigene Tochter sorgen kann.

Wenn Sie an dieser Stelle klar benennen, dass Sie die Grenze Ihrer Tochter bewahren wollen, kostet das sicherlich etwas Überwindung, aber ohne Ehrlichkeit wird das Thema langfristig nicht zur Ruhe kommen. Erklären Sie Ihrer Freundin, dass Sie persönlich einen Kontakt zwischen den beiden Mädchen befürworten würden, aber die Entscheidung Ihrer Tochter respektieren möchten. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter Ihnen das danken wird. Und eine Freundschaft unter Erwachsenen sollte es aushalten, dass eine Bitte abgelehnt wird, wenn das in Wertschätzung und Respekt geschieht.

Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Remscheid und leitet bei team-f den Fachbereich Familie und Erziehung.

„Mein Kind ist eine Naschkatze“ – Wie viele Süßigkeiten sind okay?

Elternfrage: „Unsere Tochter (10) ist eine Naschkatze und liebt Süßigkeiten. Ich mache mir Sorgen, dass sie sich eine ungesunde Ernährungsweise angewöhnt und ertappe mich dabei, dass ich ständig an ihr herumkritisiere. Woher weiß ich, wie viel Zucker oder Fett okay ist?“

Kinder lieben Süßes. Das ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt. Die Muttermilch schmeckt bereits durch den enthaltenen Milchzucker leicht süß. Sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken. Dennoch ist Ihre Sorge nicht unbegründet. Leider haben Süßigkeiten und der darin enthaltene Zucker ein „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns schnell an den Geschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden.

Alles in Maßen

Zucker und Fett sind in vielen Lebensmitteln enthalten. In Süßigkeiten werden Zucker und Fett kombiniert: Kalorienbomben pur! Wer zu viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten (wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ II) betroffen. Sich über die Ernährung der Kinder Gedanken zu machen, ist also absolut wichtig. Die wünschenswerte Menge der einzelnen Lebensmittel pro Tag ist gut durch die Pyramide des Bundeszentrums für Ernährung wiedergegeben und lässt sich dort nachlesen. Dabei entspricht die Menge eines Bausteins in etwa einer Handgröße (kleine Hand = kleine Portion). Doch wie lassen sich diese Angaben und Maßstäbe umsetzen?

Zwischen „sollen“ und „wollen“

Kinderernährung kann und muss nicht zuckerfrei sein. Aber der Umgang mit Snacks will gelernt sein. Eltern sind dabei ein wichtiges Vorbild. Denn Kinder tun bekanntlich nicht unbedingt das, was wir sagen, sondern was wir tun. Erwachsene sollten – unter Mitbestimmung der Kinder – zum Essen einladen: Sie entscheiden, wann, was und wie gegessen wird. Aber es ist die Entscheidung der Kinder, ob und wie viel sie essen. Dabei wird die Herausforderung beim Thema Essen deutlich: Wir möchten unsere Kinder besonders gesund und nachhaltig ernähren. Aber Kinder haben eben auch ihre eigenen Bedürfnisse.

Folglich sitzen sich am Esstisch das „Sollen“ und „Wollen“ häufig gegenüber. Wie es trotzdem gelingen kann, auf einen Nenner zu kommen als Eltern mit Naschkatzen im Haus, habe ich in den nachstehenden Tipps zusammengetragen. Bleiben Sie entspannt: Mithilfe von Regeln legen Sie einen Rahmen für die Ernährung Ihrer Tochter fest; innerhalb dieses Rahmens kann sie dann aber – ohne Ihre Anmerkungen – frei entscheiden.

8 Tipps für eine gesunde Kinderernährung

 

  • Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes und Fettiges in Maßen essen sollten. In Bezug auf Fett fährt man am besten, wenn man bei fetthaltigem Brotbelag komplett auf Streichfett verzichtet.
  • Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern zum Beispiel eine „süße Wochenration“ oder eine geplante Naschzeit fest.
  • Süßigkeiten sollten zu den Mahlzeiten gegessen werden, sie eignen sich sehr gut als Abschluss (anschließend Zähneputzen nicht vergessen).
  • Achten Sie auf ein bewusstes Genießen und essen Sie mit Ihren Kindern nur im Sitzen. Das trägt nicht nur zum Genuss bei, sondern sorgt ganz nebenbei für eine bessere Kontrolle.
  • Regelmäßige Mahlzeiten beugen dem Heißhunger auf Ungesundes vor.
  • Bieten Sie süße Getränke gar nicht oder nur zu besonderen Anlässen an.
  • Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
  • Bieten Sie attraktive Alternativen an, wie zum Beispiel Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Vollkorndinkelstangen, Obstspieße oder Rohkoststicks.

Elke Decher ist Diplom-Oecotrophologin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft, Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

Zu viele Süßigkeiten? Ernährungsexpertin verrät, wie gesunde Kinderernährung gelingt

Kinderernährung muss nicht zuckerfrei sein. Trotzdem sollten Süßigkeiten in Maßen gegessen werden. Ernährungsexpertin Elke Decher gibt Tipps für einen guten Umgang mit Snacks.

Kinder lieben Süßes. Das ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt. Die Muttermilch schmeckt bereits durch den enthaltenen Milchzucker leicht süß. Sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken. Dennoch ist Ihre Sorge nicht unbegründet. Leider haben Süßigkeiten und der darin enthaltene Zucker ein „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns schnell an den Geschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden.

Alles in Maßen

Zucker und Fett sind in vielen Lebensmitteln enthalten. In Süßigkeiten werden Zucker und Fett kombiniert: Kalorienbomben pur! Wer zu viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten (wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ II) betroffen. Sich über die Ernährung der Kinder Gedanken zu machen, ist also absolut wichtig. Die wünschenswerte Menge der einzelnen Lebensmittel pro Tag ist gut durch die Pyramide des Bundeszentrums für Ernährung wiedergegeben und lässt sich dort nachlesen. Dabei entspricht die Menge eines Bausteins in etwa einer Handgröße (kleine Hand = kleine Portion). Doch wie lassen sich diese Angaben und Maßstäbe umsetzen?

Zwischen „sollen“ und „wollen“

Kinderernährung kann und muss nicht zuckerfrei sein. Aber der Umgang mit Snacks will gelernt sein. Eltern sind dabei ein wichtiges Vorbild. Denn Kinder tun bekanntlich nicht unbedingt das, was wir sagen, sondern was wir tun. Erwachsene sollten – unter Mitbestimmung der Kinder – zum Essen einladen: Sie entscheiden, wann, was und wie gegessen wird. Aber es ist die Entscheidung der Kinder, ob und wie viel sie essen. Dabei wird die Herausforderung beim Thema Essen deutlich: Wir möchten unsere Kinder besonders gesund und nachhaltig ernähren. Aber Kinder haben eben auch ihre eigenen Bedürfnisse.

Folglich sitzen sich am Esstisch das „Sollen“ und „Wollen“ häufig gegenüber. Wie es trotzdem gelingen kann, auf einen Nenner zu kommen als Eltern mit Naschkatzen im Haus, habe ich in den nachstehenden Tipps zusammengetragen. Bleiben Sie entspannt: Mithilfe von Regeln legen Sie einen Rahmen für die Ernährung Ihrer Tochter fest; innerhalb dieses Rahmens kann sie dann aber – ohne Ihre Anmerkungen – frei entscheiden.

8 Tipps für eine gesunde Kinderernährung

  • Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes und Fettiges in Maßen essen sollten. In Bezug auf Fett fährt man am besten, wenn man bei fetthaltigem Brotbelag komplett auf Streichfett verzichtet.
  • Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern zum Beispiel eine „süße Wochenration“ oder eine geplante Naschzeit fest.
  • Süßigkeiten sollten zu den Mahlzeiten gegessen werden, sie eignen sich sehr gut als Abschluss (anschließend Zähneputzen nicht vergessen).
  • Achten Sie auf ein bewusstes Genießen und essen Sie mit Ihren Kindern nur im Sitzen. Das trägt nicht nur zum Genuss bei, sondern sorgt ganz nebenbei für eine bessere Kontrolle.
  • Regelmäßige Mahlzeiten beugen dem Heißhunger auf Ungesundes vor.
  • Bieten Sie süße Getränke gar nicht oder nur zu besonderen Anlässen an.
  • Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
  • Bieten Sie attraktive Alternativen an, wie zum Beispiel Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Vollkorndinkelstangen, Obstspieße oder Rohkoststicks.

Elke Decher ist Diplom-Oecotrophologin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft, Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

Stress in der Grundschule: Lehrerin verrät, was hilft

Jedes dritte Grundschulkind fühlt sich überfordert. Wie Eltern Stress bei ihren Kindern wahrnehmen und sie unterstützen können.

Das Phänomen „Stress“ ist zum ständigen Begleiter für viele Grundschulkinder geworden. Der tägliche Spagat zwischen Terminen, Schulpflichten und äußeren Bedingungen löste laut einer Studie des Deutschen Kinderschutzbundes 2012 bei jedem dritten Grundschulkind ein Gefühl der Überforderung aus. Aktuelle Studien bestätigen, dass diese Thematik immer noch eine zentrale Rolle im Alltag von Grundschulkindern spielt.

Von Schulstress bei Grundschulkindern sprechen wir, wenn der schulische Alltag in Kindern ein Gefühl der Überforderung auslöst. Gestresste Kinder zeigen oft auch Symptome von körperlicher oder psychischer Belastung. „Die Kinder haben beispielsweise Ängste wie etwa Versagens- oder Leistungsängste“, erklärt Dr. Anja Ozik-Scharf, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. „Sie leiden unter Schlafstörungen, Rückzugstendenzen oder auch depressiven Verstimmungen, zeigen kompensatorisches Verhalten – indem sie sich beispielsweise über andere lustig machen, sich wegträumen – oder auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten. Manche Kinder klagen, sind überfordert oder unterfordert, können Probleme nicht eigenständig lösen und können sich selbst nicht ermutigen.“

Die Ursachen für Schulstress sind vielfältig: Laut dem Präventionsradar der Krankenkasse DAK liegt der größte Anteil der Stressfaktoren im Leistungsdruck etwa beim Schreiben von Tests oder Klassenarbeiten. Aber auch Probleme mit Lehrkräften oder Mitschülerinnen und Mitschülern wirken sich auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern aus. Rund 54 Prozent der Kinder fühlen sich durch Hausaufgaben gestresst, 22 Prozent empfinden Druck durch die Eltern.

„Ich werde gesehen“

Eltern, die bei ihrem Kind ein verändertes Verhalten oder körperliche Beschwerden beobachten, sollten ihre Wahrnehmung ernst nehmen. Sie können zunächst das Gespräch mit dem Kind suchen und es nach seinen möglichen Sorgen fragen. Auch ist es sinnvoll, den Kontakt zur Klassenlehrkraft des Kindes aufzunehmen, um nach deren Eindrücken zu fragen.

Anja Ozik-Scharf sieht Eltern als „Expertinnen und Experten für ihr Kind“. Deshalb rät sie grundsätzlich dazu, „eher einmal mehr Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“ Das kann ein Besuch beim Kinderarzt oder einer Kinderärztin sein. Diese können zu weiteren Schritten raten. Bei Unsicherheiten empfiehlt Anja Ozik-Scharf, eine psychotherapeutische Sprechzeit, also ein psychotherapeutisches Erstgespräch, wahrzunehmen. Auch der schulpsychologische Dienst, die kommunalen Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder Coaches beziehungsweise Lerncoaches können hilfreiche Anlaufstellen sein.

Wichtig sei, dass Eltern feste Strukturen schaffen, betont Anja Ozik-Scharf: „In jeder Familie sollte es Werte geben und auch Regeln – und Beziehung. Für mich ist es besonders bedeutsam, Blickkontakt zum Kind herzustellen und zu halten. Das schafft Beziehung, und das Kind erhält das Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes gesehen zu werden.“ Eltern seien wichtige Vorbilder, wenn es darum geht, wie sie selbst mit Stress umgehen. Wenn es ihnen gelingt, reflektiert mit eigenen Belastungen umzugehen, können sie ihr Kind effektiv bei der Stressregulation stärken.

Ein Ausflug ins Schwimmbad

Bei der Co-Regulation unterstützen Eltern ihr Kind dabei, mit dem Schulstress umzugehen. Beispielsweise durch feste Regeln und Strukturen innerhalb des familiären Alltags kann vieles bewirkt werden. Die Kinderpsychotherapeutin ermutigt an dieser Stelle auch dazu, mit positiven Verstärkungen zu arbeiten. Wenn also ein Ziel geschafft ist – und sei es noch so klein –, dürfen zuvor verabredete kleine Wünsche eingelöst werden: zum Beispiel ein gemeinsames Eis essen, ein Ausflug ins Schwimmbad oder ein Spielenachmittag.

Auch sei es wichtig, den Kindern Strategien gegen den Stress zu vermitteln. Das können Entspannungsübungen sein oder das gemeinsame Beten. Kinder sollten zudem die Gelegenheit erhalten, Stress über Bewegung abbauen zu können, sei es im Verein, beim Besuch auf dem Spielplatz oder beim gemeinsamen Sport mit den Eltern. Auch kreatives Tun wie Malen, Schreiben, Musizieren oder Töpfern trägt dazu bei, den Stress hinter sich zu lassen.

Wenn Grundschulkinder unter Schulstress leiden, ist es für sie besonders wichtig, den Rückhalt ihrer Eltern zu erleben und ihr Verständnis zu erfahren. Gemeinsam können Lösungswege erarbeitet werden. Durch Beobachten und offene Kommunikation unterstützen Eltern ihr Kind zielgerichtet und nachhaltig dabei, die seelische Gesundheit zu stärken.

Alexandra von Plüskow-Kaminski war mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin tätig. Sie ist Fachjournalistin und zweifache Mutter.

3 bis 5 – So wird der Sonntag mit Kindern entspannter

Elternfrage: „Sonntage sind bei uns oft die anstrengendsten Tage in der Woche. Wir möchten das ändern. Habt ihr Anregungen, wie der Sonntag mit Kindern im Kita-Alter auch ein Ruhetag werden kann?“

Oh ja, Sonntage mit Kindern in diesem Alter können echt herausfordernd sein! Mir haben ein paar Punkte dabei geholfen, mehr Ruhe am letzten Tag der Woche zu erfahren. Vielleicht sind auch Anregungen für euch dabei:

1. Vorbereitung

Manche Dinge, die mich am Sonntag stressen, lassen sich gut vorbereiten und dadurch vermeiden. Zum Beispiel kann ich unter der Woche ein Mittagessen vorkochen und einfrieren oder samstags die Wäsche durchwaschen und Ordnung schaffen. Wenn es zeitlich knapp ist, darf das auch heißen, die Wäsche und Unordnung hinters Sofa zu schieben und Tiefkühlpizzen zu kaufen. Außerdem kann ich samstagabends eine Dose Apfelschnitze, die Toniebox und Kopfhörer hinlegen: Wenn die Kinder morgens früh aufstehen und man selbst noch ein bisschen liegenbleiben will, lässt sich so die Zeit im Bett noch etwas verlängern, bis es für alle Frühstück gibt.

2. Rituale zum Tagesstart

Kleine, wiederkehrende Rituale machen auch den Kindern sichtbar, dass heute ein besonderer Tag ist. Das können zum Beispiel Zutaten zum Frühstück sein, die es nur sonntags gibt oder eine Kerze, die die Kinder anzünden dürfen. Oder eben die Apfelschnitze im Bett.

3. „Wunschzeiten“

In der Familie kommen viele unterschiedliche Vorstellungen zusammen, wie ein Ruhetag aussehen sollte. Eine Freundin von mir hat deshalb „Wunschzeiten“ eingeführt, und wir haben damit auch gute Erfahrungen gemacht. Dazu sprechen wir darüber, welche Idee jeder von einem Ruhetag hat. Zuerst unter uns Eltern und dann auch mit den Kindern. Mit Kindergartenkindern lassen sich die Wünsche auf Bildkärtchen festhalten. Darauf könnte zum Beispiel „Spielplatz“, „Lego bauen“, „Lesen“ oder „Allein spazieren gehen“ stehen. Fangt bei der Umsetzung der Wünsche klein an: 20 Minuten reichen für den Anfang. Eine Sanduhr kann dabei helfen, die Zeit für die Kinder zu visualisieren. Dann heißt es: Bis die Sanduhr abgelaufen ist, liest Mama allein draußen ein Buch und Papa ist zuständig. Oder wir spielen alle zusammen Feuerwehr. Wenn die Kinder wissen, dass sich in ihrer Zeit alles auf sie konzentriert, ist es für sie auch leichter, uns Erwachsenen unsere Zeit zu geben, wenn wir dran sind.

4. Verabredungen

Für mich sind die entspanntesten Zeiten oft die, wenn wir mit Freunden zusammen sind, die Kinder im ähnlichen Alter haben. Dann sind die Kinder miteinander beschäftigt und wir haben Zeit für Austausch. Der Besuch von einer befreundeten Familie kann ein schönes Sonntagsritual sein, das allen Bedürfnissen gerecht wird.

5. Erwartungen loslassen

Ganz ehrlich: Der Sonntag mit kleinen Kindern wird nicht mehr so ruhig sein wie in der Zeit vor den Kindern. Manchmal machen uns die eigenen Erwartungen den größten Stress. Den Sonntag, an dem wir so richtig zur Ruhe kommen, die Wohnung ordentlich bleibt und das Essen drei Gänge hat, wird es womöglich erst wieder geben, wenn alle ausgezogen sind. Bis dahin gehen wir kleine Schritte. Manchmal auch zwei vor und einen wieder zurück. Wir fangen damit an, samstagabends die Wäsche hinters Sofa zu schieben, Tiefkühlpizza einzukaufen und uns mit Hilfe einer Sanduhr Lesezeit zu gönnen. Wir arbeiten uns langsam vor und feiern die kleinen Erfolge.

Sarah Franke ist Erzieherin und Gemeinde­pädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie im Schwarzwald und bloggt.

Soziale Netzwerke – gehören Kinderbilder auf Insta und Co?

Soziale Netzwerke laden dazu ein, das eigene Leben mit dem Rest der Welt zu teilen. Dabei stehen Eltern oft vor der Frage: Kann ich ein Bild von meinem Kind posten? Mediencoach Iren Schulz rät zur Vorsicht.

Das Familienleben hält jede Menge aufregende, lustige und besondere Momente bereit. Und weil Eltern sich gern daran erinnern und stolz auf ihre Kinder sind, werden die Erlebnisse mit der Smartphone-Kamera festgehalten und in privaten oder eben auch öffentlichen Communities geteilt. Insbesondere soziale Netzwerke bieten eine Plattform. Auch wenn Eltern positive Gedanken dabei haben, übersehen sie leider, dass solches Bildmaterial im Prinzip für jede(n) zugänglich ist und in falsche Hände geraten kann.

Grundsätzlich muss man sagen, dass digitale Medien wie das Smartphone heute selbstverständlicher Bestandteil des Familienalltags sind und nicht nur bei der Organisation helfen, sondern auch eine Art Erinnerungskiste, Verbindungsschnur und Sammelalbum darstellen. Gleichzeitig ist aber die Kindheit eine besonders schützenswerte Lebensphase. Wir als Erwachsene tragen die juristische und erzieherische Verantwortung dafür, dass Kinder sicher und gut aufwachsen können.

Das Recht am eigenen Bild

Juristisch gesehen ist das zum Beispiel darüber geregelt, dass auch Heranwachsende ein Recht am eigenen Bild haben. Weil sie aber noch nicht selbst über die Veröffentlichung entscheiden können, sind Eltern gefragt, hier besonders sensibel und sorgsam zu entscheiden. Denn sicher ist, dass Kinderfotos im Netz das Risiko für unerwünschte Kontakte oder eine problematische Weiterverwendung bergen. Deshalb sollten sich Eltern gut überlegen, ob und auf welche Art und Weise sie Kinderfotos im Netz und in sozialen Netzwerken verbreiten.

Öffentlich zugängliche Profile, Portale und Programme sind dafür nicht geeignet. Wenn Bilder veröffentlicht werden, sollten Kinder auf diesen Fotos nicht direkt erkennbar sein, sondern beispielsweise nur im Anschnitt, von hinten oder mit Sonnenbrille. Außerdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Fotos keine Kontextinformationen wie personenbezogene Daten zum Kind, Standortdaten oder Ähnliches enthalten. Zudem sollten Eltern regelmäßig die Sicherheits- bzw. Privatsphäre-Einstellungen in ihren Social-Media-Profilen überprüfen. Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen sind absolut tabu!

Gute Routinen und Regeln

Mit dem Älterwerden sollten Heranwachsende in die Entscheidung einbezogen und gefragt werden, ob sie einverstanden sind, dass ein Foto von ihnen erstellt und geteilt wird. Kinder haben nicht nur ein gutes Bauchgefühl, sondern eben auch ein Recht darauf und lernen so, bewusst und souverän mit den Möglichkeiten digitaler Medien umzugehen. Hierbei ist auch noch einmal die Vorbildrolle von uns Erwachsenen angesprochen. Wenn wir uns verantwortungsvoll mit und in digitalen Medien bewegen, gute Routinen und Regeln in der Familie etablieren und auch mal ohne Smartphone zum Ausflug antreten, wird es eher gelingen, diese Handlungsweisen an unsere Kinder weiterzugeben. Und mal ehrlich: Ist nicht jeder Ausflug und jedes Erlebnis schöner, wenn die Familie mit allen Sinnen – und nicht mit allen Bildschirmen – dabei ist?

Dr. Iren Schulz ist Mediencoach bei der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“