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Schlagwortarchiv für: Stress

Beiträge

Eine Weile aufs Meer schauen

Ruhe – danach sehnen wir uns. Und suchen und genießen sie doch viel zu selten.
Ein Plädoyer für mehr Ruhe von Tomas Sjödin

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https://www.family.de/wp-content/uploads/2016/02/Eine-Weile74.jpg 1720 2400 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2016-02-18 10:54:062016-06-28 09:45:43Eine Weile aufs Meer schauen

Test: Wie gestresst ist mein Kind?

  1. Wie sieht ein typisches Wochenende bei Ihnen aus?
  • Das Wochenende gehört der Familie: Meistens unternehmen wir etwas zusammen. Entweder spielen wir Fußball oder machen einen Ausflug ins Grüne. An anderen Tagen kümmern wir uns um den Haushalt oder lernen für die Schule. (2 Punkte)
  • Das sind unsere einzig freien Tage. Also wollen wir Spaß haben oder uns entspannen. Jeder darf erst einmal das tun, was er will, und dann machen wir vielleicht noch etwas zusammen. (0 Punkte)
  • Meistens läuft das Wochenende chaotisch ab, aber zusammen frühstücken muss sein! Danach erledigen wir meistens die Dinge, die in der Woche liegen geblieben sind. (4 Punkte)

 

  1. Kann Ihr Kind abends gut einschlafen?
  •  Nein, es hält mich immer lange auf Trab! (4 Punkte)
  • Ja, das funktioniert reibungslos. (0 Punkte)
  • Kinder wollen ja nie wirklich ins Bett, aber meistens hilft eine klare Ansage oder eine Gute-Nacht-Geschichte. (2 Punkte)

 

  1. Zeit für eine Zukunftsvision: Wo sehen Sie Ihr Kind in 20 Jahren?
  • Fleißig bei der Arbeit, mit einem gut gefüllten Bankkonto und einer schönen Wohnung. (4 Punkte)
  • Am Schreiben der spannenden Doktorarbeit und vielleicht sogar im Ausland. (2 Punkte)
  • Glücklich in einer tollen Beziehung und mit einem Job, der Spaß macht. (0 Punkte)

 

  1. Wie planen Sie die Sommerferien?
  •  Wir diskutieren alle Vorschläge innerhalb der Familie und dann wird abgestimmt! (2 Punkte)
  • Wir fahren – wie jedes Jahr – wieder an den See. (4 Punkte)
  • Wir teilen uns die Ferien auf: Den einen Teil verbringen wir zusammen, den anderen darf unser Kind mit den Großeltern oder Freunden verreisen. (0 Punkte)

 

  1. Angenommen, Ihr 9-jähriges Kind klagt über Bauchschmerzen und will nicht in die Schule. Was machen Sie?
  • Ich rufe in der Schule an. Mein Kind bleibt Zuhause und ich verwöhne es mit Tee und Zwieback. (0 Punkte)
  • Das kenne ich. Es will nur nicht in die Schule. Damit kommt es bei mir nicht durch. (4 Punkte)
  • Ich glaube, mein Kind hat Angst vor der Mathearbeit. Ich rede mit ihm darüber und wenn es ihm besser geht, sollte es hingehen. (2 Punkte)

 

  1. Was macht Ihr Kind nach der Schule?
  • An manchen Tagen hat es nicht viel zu tun, wohingegen es andere Tage mit vollem Programm durch Sport und Hausaufgaben gibt. (2 Punkte)
  • Meistens hat es Sport oder Musikunterricht, geht zur Nachhilfe oder hilft im Haushalt. (4 Punkte)
  • Es bleibt erst einmal für sich auf dem Zimmer und geht anschließend zum Sport oder trifft Freunde. (0 Punkte)

 

  1. Stellen Sie sich vor, ihr Kind hat es trotz Nachhilfe nur zu einer 4 in Englisch geschafft. Wie ist Ihre Reaktion?
  • Das ist ungerecht! Vielleicht suchen wir einen anderen Nachhilfelehrer? Ich bespreche das in Ruhe mit meinem Kind. (2 Punkte)
  • Ich bin schon enttäuscht und zeige es meinem Kind auch. (4 Punkte)
  • Das tut mir sehr leid, aber davon geht die Welt nicht unter. Ich tröste, denn eine 4 ist doch ok! (0 Punkte)

 

  1. Wann hatte Ihr Kind das letzte Mal Kopfschmerzen?
  •  Gerade vorhin. Der Arzt hat uns dafür Kindertabletten gegeben. (4 Punkte)
  • Das ist lange her und hing mit der Schule zusammen. (2 Punkte)
  • Ich glaube, es hatte noch nie Kopfschmerzen. (0 Punkte)

 

 

  1. Welchem Zitat würden Sie zustimmen?
  • Kennedy: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung.“ (4 Punkte)
  • Goethe: „Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles.“ (2 Punkte)
  • Mark Twain: „Für mich gibt es Wichtigeres im Leben als die Schule.“ (0 Punkte)

 

  1. Welcher Spruch würde am besten zu Ihrem Sprössling passen?
  • „Mit Humor geht alles besser!“ (2 Punkte)
  • „In der Ruhe liegt die Kraft!“ (0 Punkte)
  • „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“ (4 Punkte)

 

 

Auswertung

0 bis 12 Punkte

Ihr Kind ist stress-immun

An Ihrem Sprössling prallt der Stress regelrecht ab: Er ist gelassen und ausgeglichen, nimmt sich genügend Zeit für sich und lässt sich durch Probleme in der Schule nicht aus der Ruhe bringen. Kopfschmerzen vor der Mathearbeit? Bauchschmerzen nach Ärger mit Freunden? Fehlanzeige! Bei Bedarf holt er sich bei Ihnen Hilfe. Und wenn Sie Ihr Kind unabsichtlich mit zu vielen Terminen oder Aufgaben überladen, zieht es eindeutige Grenzen: Bis hierhin und nicht weiter!

Wunderbar, Sie schaffen für Ihr Kind eine stressfreie Umgebung und ausreichend Qualitätszeit, in der es eigenbestimmt spielen und Dinge tun kann, die es gerne macht.

Tipp des Psychologen: Achten Sie weiterhin auf die Signale Ihres Kindes. Außerdem könnten Sie gegen zu viel Gelassenheit und Phlegma öfter probieren, Ihrem Kind auch für intensivere Gefühle Raum zu geben. Herzhaftes Lachen, Schreien oder Weinen sind die Ventile, die die Psyche langfristig gesund und stabil halten. Es sollte sie kennenlernen und ausleben dürfen.

 

10 bis 26 Punkte

Ihr Kind ist ein Stress-Manager

Ihr Nachwuchs beherrscht die Kunst, sich nur im Ernstfall aufzuregen: Bei Ungerechtigkeit in der Schule oder Ärger mit den Geschwistern. Normalerweise ist es recht ausgeglichen, wenn es aber um wirklich wichtige Dinge wie Freizeitgestaltung, Beziehungsprobleme oder unliebsame Klassenarbeiten geht, fühlt es sich gestresst und reagiert entweder aggressiv, mit Rückzug oder mit körperlichen Symptomen wie Bauch- und Kopfschmerzen. Auch das Einschlafen fällt Ihrem Kind dann schwer. Es dauert, bis man es beruhigen kann.

Aber Vorsicht: Nehmen Sie die ersten Stressanzeichen Ihres Kindes wahr und ernst, sonst können sich diese als Dauersymptome chronifizieren.

Tipp des Psychologen: Achten Sie immer darauf, dass Ihr Kind genügend Zeit für sich selbst hat und gönnen Sie ihm bewusst Freiräume, die es ohne Druck mit Musik, Hobbies und Freunden verbringen kann. Ermutigen Sie Ihren Nachwuchs, die Gefühlslage zeigen zu dürfen. So können Sie gegebenenfalls den Alltagsstress des Kindes reduzieren. Wichtig ist der Wechsel zwischen Pflicht und Spaß, damit es den Stress immer wieder abbauen kann.

 

28 bis 40 Punkte

Ihr Kind ist im Dauer-Stress

Auch wenn es nicht deutlich sichtbar ist, weil Ihr Kind meist engagiert und strebsam wirkt, so könnte es doch in dem Gefühl einer ständigen Überforderung leben. Es will Sie nicht enttäuschen, möchte in der Schule alles richtig machen und steht durch zu viele Termine und zu wenig selbstbestimmte Freizeit ständig unter Strom. Da niemand die Lage erkennt, äußert es die Probleme auch nicht.

Aber Vorsicht: Durch den Dauerstress könnte die Krankheitsanfälligkeit Ihres Kindes steigen. Vielleicht senden Körper und Seele bereits einige Notsignale in Form von Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafproblemen? Dann sollten Sie schnellstens etwas dagegen unternehmen.

Tipp des Psychologen: Auch wenn Sie es mit dem vollen Terminkalender Ihres Kindes nur gut meinen, verschaffen Sie ihm ab sofort Erholungsphasen, in denen es sich regelmäßig zurückziehen kann. Durchforsten Sie mit ihm zusammen den Terminkalender und werfen Sie alles raus, was nicht notwendig ist und was vor allen Dingen keinen Spaß macht. Entspannte Gespräche und Kuscheleinheiten tun nicht nur Ihrem Nachwuchs gut, sondern auch Ihnen selbst.

 

Katia Saalfranks 4 Tipps für eine stressfreie Kindheit:

  1. Überprüfen Sie Ihre eigenen Erwartungen: Oft sind diese zu hoch und lassen Eltern in Stress geraten. Reduzieren Sie Ihren eigenen Stress und lassen Sie sich in Bezug auf Bildung und Förderung Ihres Kindes nicht von Bemerkungen anderer verunsichern. Ihr Kind lernt immer, es kann gar nicht anders. Es hat sein eigenes Tempo und braucht Ihre Bestärkung. Druck führt zu Gegendruck und erstickt so die natürliche Neugier und Lernlust der Kinder.
  2. Qualitätszeit für Kinder schaffen: Seien Sie als Eltern achtsam und sensibel mit sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen. Nur dann können Sie auch ein Gespür dafür entwickeln, wie es Ihren Kindern geht. Denn diese brauchen die Freiräume, in der sie selbstbestimmt Dinge tun können, die ihnen Spaß machen.
  3. Mehr Autonomie für Kinder: Beziehen Sie Ihre Kinder in Ihre Planungen und Vorstellung mit ein und fragen Sie offen, wie es Ihrem Kind mit den vielen Termine und außerschulischen Aktivitäten geht – planen Sie dann gegebenenfalls gemeinsam um. Wichtig: oft ist es nicht die Anzahl der Termine die Kindern Stress macht, sondern das Gefühl, sich nicht selbst für die Termine entschieden zu haben.
  4. Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre: Kinder brauchen eine liebevolle, stabile Beziehung. Und doch: Kinder werden unter Umständen nicht sagen, dass ihnen manche Hobbys oder Veranstaltungen zu viel sind. Achten Sie deshalb auf Signale der Kinder und Anzeichen von Überforderung: Müdigkeit, Erschöpfung, schlechte Laune, Schlafschwierigkeiten oder aggressives Verhalten. Kinder brauchen eine vertrauensvolle Atmosphäre, sie benötigen Begleitung und Unterstützung, kindgerecht und ihrem Alter entsprechend.

Quelle: Bepanthen Kinderförderung

https://www.family.de/wp-content/uploads/2015/10/fcscafeine_ThinkstockPhotos-480874813.jpg 2578 3867 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2015-10-16 10:04:012015-10-14 14:19:01Test: Wie gestresst ist mein Kind?

Burnout im Kinderzimmer

Etwa jedes sechste Kind (18 Prozent) und jeder fünfte Jugendliche (19 Prozent) in Deutschland leidet unter deutlich hohem Stress. Die negativen Folgen bei Kindern und Jugendlichen sind enorm, gestresste Kinder entwickeln Depressionen und Versagensängste und haben ein erheblich erhöhtes Aggressionspotential. Wesentliche Ursache für diesen Stress ist der fehlende Freiraum für eine kindliche Selbstbestimmung, ausgelöst durch die hohen Erwartungen von Eltern an ihre Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt die Universität Bielefeld in der aktuellen Studie „Burnout im
Kinderzimmer: Wie gestresst sind Kinder und Jugendliche in Deutschland?“ im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung. Dabei wurde Stress als Ungleichgewicht zwischen wahrgenommenen Anforderungen und der subjektiven Fähigkeit definiert, diese Anforderungen zu erfüllen.

Befragt wurden Kinder von sechs bis elf Jahren und Jugendliche von zwölf bis 16 Jahren sowie deren Eltern. Die Besonderheit der Studie ist, dass Stress aus Kindersicht erfasst wurde. Stress ist ein ernst zu nehmendes Problem für Kinder und Jugendliche und führt zu nachweisbaren, negativen Auswirkungen. Erhöhter Stress geht mit emotionalen Problematiken einher, d.h. betroffene Kinder berichten, dass sie oftmals wütend oder zornig sind. Außerdem fand die Forschungsgruppe der Universität Bielefeld heraus, dass Kinder mit hohem Stress über eine eher niedrige Problemlösungskompetenz verfügen: Nahezu jedes sechste Kind weiß nicht, wie es Probleme eigenständig bewältigen kann.

Kinder mit hohem Stress leiden außerdem unter Versagensängsten. Knapp die Hälfte der gestressten Kinder hat Angst seine Eltern zu enttäuschen, denn gestresste Kinder nehmen die an sie herangetragenen Erwartungen der Eltern viel intensiver wahr. Die Ergebnisse der psychischen Auswirkungen von Stress auf Jugendliche sind immens. 11 Prozent der Jugendlichen mit hohem Stresslevel sind depressiv verstimmt. 13,6 Prozent der Jugendlichen haben den Eindruck, ein Versager zu sein und 47,2 Prozent fühlen sich manchmal nutzlos. Dabei wählen 32,4 Prozent den freiwilligen sozialen Rückzug.

Laut Stress-Studie beeinflussen insbesondere zwei Faktoren das Stressempfinden der Kinder und Jugendlichen: die Anzahl und die eigene Entscheidung über ihre Termine. So haben 39 Prozent der 12- bis 16-Jährigen an drei oder mehr Tagen pro Woche mindestens einen festen Termin nach der Schule – wie z.B. Musik-, Fußball oder Schwimmunterricht. Zudem dürfen sie oftmals nicht eigenständig darüber entscheiden und erleben Termine und Aufgaben als Zwang und Belastung. 60,2 Prozent der gestressten Kinder geben an, nur manchmal oder nie nach ihrer Meinung gefragt zu werden und 85,6 Prozent der Kinder mit hohem Stress werden nicht in die eigene Freizeitplanung eingebunden.

Interessant ist, dass 87,3 Prozent der Eltern von gestressten Kindern nicht glauben, ihr Kind zu überfordern. Ungefähr 50 Prozent gaben an, alles dafür zu tun, um ihr Kind zu fördern. „Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Wichtig ist, dass sie dabei ein Feingefühl dafür entwickeln, was Kinder wirklich brauchen und sie nicht überfordern. Ich erlebe die Eltern selbst enorm unter gesellschaftlichen Druck. Sie wollen allen Anforderungen gerecht werden. Dies übertragen sie dann auch auf ihre Kinder. Somit entsteht eine Stressspirale, die für Kinder fatale Folgen haben kann“, so Katia Saalfrank, Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung und Familienberaterin. Stress bleibt nicht ohne Folgen für die Betroffenen. „Unserer Gesellschaft bringt es nichts, wenn Kinder und Jugendliche unter Stress aufwachsen und so schon in jungen Jahren Burnout-Symptome aufweisen, zornig und aggressiv sind, weil sie überfordert und mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung eine stressfreie Umgebung und vertrauensvolle Atmosphäre. Sie benötigen Begleitung und Unterstützung – kindgerecht und ihrem Alter entsprechend. Umso wichtiger ist es, über dieses Thema aufzuklären. Dies sehe ich in meiner Verantwortung als Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung“, verdeutlicht Katia Saalfrank.

Lesen Sie mehr zum Thema „Burnout bei Kindern“ in der aktuellen Family.

Außerdem veröffentlichen wir in Kürze hier im Blog einen Test, mit dem man herausfinden kann, wie gestresst das eigene Kind ist.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2015/10/OcusFocus-ThinkstockPhotos-479563230.jpg 3280 4928 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2015-10-14 13:56:562015-10-14 13:56:56Burnout im Kinderzimmer

„Warum tu ich mir das eigentlich an?“

Ein ganz normaler Tag um die Mittagszeit. Der Dreijährige ist k. o. vom Kindergarten und entsprechend nervenstrapazierend. Unsere Achtjährige stochert meckernd auf ihrem Teller herum. Zwei Wochen zuvor war dieses Essen noch ihr Lieblingsgericht. Ohne aufzuschauen bemerkt sie: „Wenn du arbeiten gehen würdest, dann könnte ich in der Betreuung zu Mittag essen. Meine Freundin wünscht sich immer, dass ich auch dableibe.“ Na toll, denke ich mir einigermaßen frustriert, dafür habe ich nun am Herd gestanden.

Nach den Hausaufgaben machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf in Richtung Spielplatz. Auf dem Umweg zum Bäcker, den wir vorher noch machen, entfaltet der Dreijährige seine Künste, sich lautstark zu widersetzen. „Ich will nicht zum Bäcker!“ Einmal rennt er fast vor ein Auto. Dann trödelt er im Schneckentempo. Als ich an der Hauptstraße entlang darauf bestehe, dass er an meiner Hand bleibt, brüllt er so laut, dass sich Passanten nach uns umdrehen. Ich seufze und frage mich: Warum tu ich mir das eigentlich an? Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, einige Jahre Vollzeit-Familienfrau zu sein. Ich will mir Zeit für die Kinder nehmen und bin dafür bereit, auf materielle Annehmlichkeiten zu verzichten. Aber an Tagen wie diesem kann ich Eltern, die ihre Kinder den größten Teil des Tages im Kindergarten und in der Schule betreuen lassen, extrem gut verstehen. Voller Selbstmitleid fange ich innerlich an, nach Stellenanzeigen Ausschau zu halten …

Später auf dem Spielplatz habe ich Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen. Mit der Frühlingssonne im Gesicht und zwei zufriedenen Kindern verblasst das Selbstmitleid schon etwas. Mir kommt ein Gespräch mit einer berufstätigen Mutter in den Sinn. Ihr Beruf macht ihr Spaß und sie ist grundsätzlich zufrieden mit ihrer Wahl, aber neulich sagte sie: „Ich wünschte, ich hätte erst später wieder angefangen zu arbeiten. Ich bin oft so gehetzt, mein Alltag ist so vollgestopft. Manchmal fühle ich mich richtig schlecht, dass ich nicht mehr Zeit für die Kinder habe.“

Ich tauche vollends aus meinem Selbstmitleid auf und denke mir: Keine Art, Familie zu leben, ist frustfrei. Egal, wie ich mich entscheide – ich habe Punkte, an denen ich mich reibe und die mich Kraft kosten. In dieser Hinsicht sind sich die unterschiedlichen Lebensentwürfe vermutlich sehr ähnlich. Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden und will ihn durchhalten, auch wenn die Kinder es nicht zu jeder Zeit schätzen. Vielleicht würdigen sie es später, vielleicht auch nicht. Jedenfalls brauche ich mich nicht woanders hin zu wünschen. Denn genau die Lebensumstände, in denen ich stecke, sind meine Herausforderung, um Gelassenheit, Widerstandskraft und Meckerresistenz zu lernen. Dazu ermutigt mich auch ein Zitat von Romano Guardini: „Was geschieht, kommt von Gott her, aus seiner Liebe, auf mich zu. Es ruft mich an. Es fordert mich auf. Darin soll ich leben und handeln und wachsen und der werden, der ich nach Gottes Willen sein soll.“

Ingrid Jope ist Theologin und Sozialpädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wetter/Ruhr.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2014/06/tankstelle_w.jpg 1377 2081 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2014-09-02 13:45:322020-09-18 09:41:27„Warum tu ich mir das eigentlich an?“

„Warum reagiert er jetzt so komisch?“

Ehepartner gehen je nach Typ ganz unterschiedlich mit emotional schwierigen Situationen um. Wundern Sie sich nicht, unterstützen Sie lieber auf die richtige Weise – meint Jörg Berger.

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https://www.family.de/wp-content/uploads/2014/07/Bildschirmfoto-2014-09-01-um-15.06.14.png 495 700 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2014-09-01 15:37:572015-10-19 10:25:59„Warum reagiert er jetzt so komisch?“
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