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So wird die Weihnachtszeit entspannt: 3 Tipps für Familien

Endlich mehr Zeit für das Wesentliche: Mit drei einfachen Ideen wird die Weihnachtszeit für Familien entspannt und besinnlich.

Wer kennt das nicht: Im Dezember rast die Zeit. Mit einem unglaublichen Tempo geht es auf Weihnachten zu. Nachdem der Adventskranz gebunden oder gekauft wurde, die Adventskalender der Kinder gepackt und die Füllungen für die Nikolausstiefel besorgt wurden, findet pro Kind noch mindestens eine Weihnachtsfeier statt. Außerdem muss für das Krippenspiel an Heiligabend geprobt werden, fehlende Weihnachtsgeschenke werden besorgt, und der Weihnachtsbaum wird gekauft und geschmückt. Schließlich stehen der Besuch wenigstens eines Weihnachtsmarkts, das traditionelle Plätzchenbacken und gern noch eine tägliche Adventsandacht mit den Kindern auf dem Programm.

Jahrelang war ich diesem Stress ausgeliefert und an Heiligabend völlig fertig und erschöpft. Im Lauf der Jahre habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, die die Adventszeit deutlich entstressen und mit denen wir als Familie sogar mehr Advents- und Weihnachtsbräuche ausleben können als zuvor. In diesem Artikel stelle ich euch drei davon vor.

Tipp 1: Die 12 heiligen Nächte nutzen

Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über die 12 heiligen Nächte – ursprünglich als Rauhnächte mit heidnischem Kontext bekannt, die aber auch einen christlichen Bezug zur katholischen Kirche haben. Da kam mir die Idee, diese Zeit zu nutzen! Warum sollten alle Advents- und Weihnachtsbräuche denn unbedingt noch vor den Heiligabend gequetscht werden, in eine Zeit, in der zusätzlich zu Schule und Kindergarten noch viele extra Termine stattfinden?

Die 12 heiligen Nächte enden am 6. Januar mit der Ankunft der heiligen drei Könige. Die gehören schließlich auch zu Weihnachten und stehen in fast jeder Weihnachtskrippe. Zudem sind in diesem Zeitraum Ferien für die Kinder, und auch die Erwachsenen haben oftmals durch die vielen Feier- und Brückentage frei. Diese 13 Tage (es sind 12 heilige Nächte und somit 13 Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) nutzen wir nun, um die Weihnachtszeit bewusst als Familie erleben zu können. Hierfür haben wir einen „12 heilige Nächte“-Kalender, welcher in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag aufgehängt wird. Er besteht aus 13 Briefumschlägen, versehen mit 12 Zahlen und einem Stern am Dreikönigstag.

Abwechselnd darf jedes Kind beim gemeinsamen Frühstück einen Umschlag öffnen und erzählen oder vorlesen, was darauf steht. Es ist immer ein kurzer Text und ein dazugehöriges Bild abgebildet. Jeden Tag findet nun ein besonderes Event statt wie Plätzchen backen, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besuchen, Schlittschuh laufen, in den Weihnachtszirkus gehen, Schneekugeln basteln oder einen Weihnachtsfilm gucken. Die Kinder lieben diesen Kalender, denn wir verbringen jeden Tag eine besondere intensive Familienzeit miteinander, erleben die Weihnachtszeit sehr bewusst und haben auch Zeit für all die Dinge, welche vor Heiligabend nicht stressfrei in den Kalender gepasst hätten.

Die Kärtchen bereite ich schon im Vorfeld vor, wir benutzen die meisten jedes Jahr wieder. Ich bestücke den Kalender zu Beginn mit den Kärtchen der fest gebuchten Aktivitäten wie Weihnachtszirkus, Kino oder Mittelaltermarkt. Bei Events, die wetterabhängig sind – Schlitten fahren oder Iglu bauen – werden die Kärtchen erst am Vorabend in die Umschläge gesteckt oder entsprechend ausgetauscht, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte.

Da ich an Silvester immer Zeit zum Vorbereiten brauche, wird an diesem Tag traditionell das Kärtchen mit dem „Playmobil Arktis Spieltag“ geöffnet. Die Kinder bekommen eine große Kiste mit der Playmobil Arktis-Welt und dem passenden Hörspiel dazu und dürfen damit einen ganzen Tag bauen, hören und spielen. Diese Kiste gibt es ausschließlich an Silvester, und sie wird auch am nächsten Tag wieder weggeräumt. So beschäftigen sich die Kinder ausgiebig damit, und ich kann in aller Ruhe den Silvesterabend vorbereiten und habe meistens auch noch Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss.

Tipp 2: Weihnachtsvorbereitungen entzerren

Der nächste Tipp betrifft den Stress, welcher durch die Weihnachtsvorbereitungen entsteht: Da muss die Dekoration aufgehängt, die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Tannenbaum gekauft, aufgestellt und geschmückt und das Weihnachtsessen vorbereitet und gekocht werden – und all dies am besten an einem einzigen Tag.

Aber wer sagt denn, dass der Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufgestellt und geschmückt werden darf? Und warum die Weihnachtskrippe nicht schon früher aufbauen? Vielleicht kann man mit den Gewohnheiten der Herkunftsfamilie brechen und eigene Rituale passend für die eigene Familie einführen? Vor wenigen Jahren habe ich diesen Schritt gewagt. Seitdem hat meine Familie viel mehr von der Weihnachtszeit, und ich habe deutlich weniger Stress im Vorfeld und kann entspannt Heiligabend genießen.

Hierzu habe ich alle diese Vorbereitungen auf die verschiedenen Adventswochenenden beziehungsweise Sonntage verteilt. Dekorieren am Sonntag als ganze Familie kann ein tolles und abwechslungsreiches Event und eine schöne Familienzeit sein: So wird die Weihnachtsdekoration am ersten Adventswochenende aufgehängt. Hierbei helfen vor allem die kleineren Kinder fleißig mit. Innerhalb einer Stunde sieht es richtig schön weihnachtlich aus, und wir feiern im Anschluss unsere erste Adventsandacht mit Weihnachtsliedern und Blockflöte, dem ersten Teil eines Weihnachtsgeschichten-Adventskalenders sowie natürlich Punsch und Keksen. Am zweiten Adventswochenende wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, und am vierten Advent steht bereits der Weihnachtsbaum, welcher gemeinsam mit den Kindern und passender Weihnachtsmusik geschmückt wird.

Auch richte ich im Vorfeld schicke Kleidung für jedes Kind – für alle drei Feiertage – sodass diese nur noch hineinschlüpfen können und nichts mehr in Eile gewaschen und gebügelt werden muss, bevor der Besuch bei Oma und Opa ansteht. An Heiligabend gibt es bei uns immer Raclette, da dieses auch gut vorbereitet werden kann. So können wir uns, wenn wir vom Gottesdienst kommen, direkt an den gedeckten Tisch setzen und mit dem Weihnachtsessen anfangen.

Tipp 3: Geschützter Familientag

Gerade an Weihnachten geht es um weit mehr als Geschenke, volle Terminkalender und festliche Dekoration – es geht um die Geburt Jesu, um Besinnung und um Gemeinschaft. Mitten im Trubel der Feiertage tut es gut, bewusst innezuhalten und sich daran zu erinnern. Warum also nicht den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag ganz bewusst als geschützten Familientag einplanen?

Nach den oft aufregenden Tagen mit Vorbereitungen, Besuchen, Gottesdiensten und Programmpunkten darf dieser Tag frei sein von Terminen, Erwartungen und Perfektionismus. Keine Einladungen, keine Gäste, keine Verpflichtungen – stattdessen Zeit nur für die Familie. Vielleicht beginnt der Tag mit einem gemütlichen Frühstück im Schlafanzug, einem gemeinsamen Gebet oder einer kleinen Andacht, um die Weihnachtsbotschaft noch einmal ins Herz sinken zu lassen. Danach bleibt Raum zum Spielen, Spazierengehen oder zum Nichtstun.

Gerade wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Stille zulassen, entsteht Platz für das, was Weihnachten ausmacht: die Freude darüber, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, und die Dankbarkeit für seine Nähe in unserem Alltag. Ein Spaziergang in der Natur kann helfen, diesen Blick zu schärfen – für Gottes Spuren um uns herum und sein Wirken mitten in unserem Leben. So wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern auch erlebt: als Zeit der Ruhe, des Friedens und der Begegnung mit Gott und miteinander.

Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin und Bildungsforscherin und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Familienalltag und Erziehung.

Die Weihnachtszeit entspannt genießen: 3 Tipps für Familien

Endlich mehr Zeit für das Wesentliche: Mit drei einfachen Ideen wird die Weihnachtszeit für Familien entspannt und besinnlich.

Wer kennt das nicht: Im Dezember rast die Zeit. Mit einem unglaublichen Tempo geht es auf Weihnachten zu. Nachdem der Adventskranz gebunden oder gekauft wurde, die Adventskalender der Kinder gepackt und die Füllungen für die Nikolausstiefel besorgt wurden, findet pro Kind noch mindestens eine Weihnachtsfeier statt. Außerdem muss für das Krippenspiel an Heiligabend geprobt werden, fehlende Weihnachtsgeschenke werden besorgt, und der Weihnachtsbaum wird gekauft und geschmückt. Schließlich stehen der Besuch wenigstens eines Weihnachtsmarkts, das traditionelle Plätzchenbacken und gern noch eine tägliche Adventsandacht mit den Kindern auf dem Programm.

Jahrelang war ich diesem Stress ausgeliefert und an Heiligabend völlig fertig und erschöpft. Im Lauf der Jahre habe ich mir verschiedene Techniken angeeignet, die die Adventszeit deutlich entstressen und mit denen wir als Familie sogar mehr Advents- und Weihnachtsbräuche ausleben können als zuvor. In diesem Artikel stelle ich euch drei davon vor.

Tipp 1: Die 12 heiligen Nächte nutzen

Vor einigen Jahren las ich einen Artikel über die 12 heiligen Nächte – ursprünglich als Rauhnächte mit heidnischem Kontext bekannt, die aber auch einen christlichen Bezug zur katholischen Kirche haben. Da kam mir die Idee, diese Zeit zu nutzen! Warum sollten alle Advents- und Weihnachtsbräuche denn unbedingt noch vor den Heiligabend gequetscht werden, in eine Zeit, in der zusätzlich zu Schule und Kindergarten noch viele extra Termine stattfinden?

Die 12 heiligen Nächte enden am 6. Januar mit der Ankunft der heiligen drei Könige. Die gehören schließlich auch zu Weihnachten und stehen in fast jeder Weihnachtskrippe. Zudem sind in diesem Zeitraum Ferien für die Kinder, und auch die Erwachsenen haben oftmals durch die vielen Feier- und Brückentage frei. Diese 13 Tage (es sind 12 heilige Nächte und somit 13 Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar) nutzen wir nun, um die Weihnachtszeit bewusst als Familie erleben zu können. Hierfür haben wir einen „12 heilige Nächte“-Kalender, welcher in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag aufgehängt wird. Er besteht aus 13 Briefumschlägen, versehen mit 12 Zahlen und einem Stern am Dreikönigstag.

Abwechselnd darf jedes Kind beim gemeinsamen Frühstück einen Umschlag öffnen und erzählen oder vorlesen, was darauf steht. Es ist immer ein kurzer Text und ein dazugehöriges Bild abgebildet. Jeden Tag findet nun ein besonderes Event statt wie Plätzchen backen, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besuchen, Schlittschuh laufen, in den Weihnachtszirkus gehen, Schneekugeln basteln oder einen Weihnachtsfilm gucken. Die Kinder lieben diesen Kalender, denn wir verbringen jeden Tag eine besondere intensive Familienzeit miteinander, erleben die Weihnachtszeit sehr bewusst und haben auch Zeit für all die Dinge, welche vor Heiligabend nicht stressfrei in den Kalender gepasst hätten.

Die Kärtchen bereite ich schon im Vorfeld vor, wir benutzen die meisten jedes Jahr wieder. Ich bestücke den Kalender zu Beginn mit den Kärtchen der fest gebuchten Aktivitäten wie Weihnachtszirkus, Kino oder Mittelaltermarkt. Bei Events, die wetterabhängig sind – Schlitten fahren oder Iglu bauen – werden die Kärtchen erst am Vorabend in die Umschläge gesteckt oder entsprechend ausgetauscht, wenn das Wetter nicht mitspielen sollte.

Da ich an Silvester immer Zeit zum Vorbereiten brauche, wird an diesem Tag traditionell das Kärtchen mit dem „Playmobil Arktis Spieltag“ geöffnet. Die Kinder bekommen eine große Kiste mit der Playmobil Arktis-Welt und dem passenden Hörspiel dazu und dürfen damit einen ganzen Tag bauen, hören und spielen. Diese Kiste gibt es ausschließlich an Silvester, und sie wird auch am nächsten Tag wieder weggeräumt. So beschäftigen sich die Kinder ausgiebig damit, und ich kann in aller Ruhe den Silvesterabend vorbereiten und habe meistens auch noch Zeit für einen persönlichen Jahresabschluss.

Tipp 2: Weihnachtsvorbereitungen entzerren

Der nächste Tipp betrifft den Stress, welcher durch die Weihnachtsvorbereitungen entsteht: Da muss die Dekoration aufgehängt, die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Tannenbaum gekauft, aufgestellt und geschmückt und das Weihnachtsessen vorbereitet und gekocht werden – und all dies am besten an einem einzigen Tag.

Aber wer sagt denn, dass der Weihnachtsbaum erst an Heiligabend aufgestellt und geschmückt werden darf? Und warum die Weihnachtskrippe nicht schon früher aufbauen? Vielleicht kann man mit den Gewohnheiten der Herkunftsfamilie brechen und eigene Rituale passend für die eigene Familie einführen? Vor wenigen Jahren habe ich diesen Schritt gewagt. Seitdem hat meine Familie viel mehr von der Weihnachtszeit, und ich habe deutlich weniger Stress im Vorfeld und kann entspannt Heiligabend genießen.

Hierzu habe ich alle diese Vorbereitungen auf die verschiedenen Adventswochenenden beziehungsweise Sonntage verteilt. Dekorieren am Sonntag als ganze Familie kann ein tolles und abwechslungsreiches Event und eine schöne Familienzeit sein: So wird die Weihnachtsdekoration am ersten Adventswochenende aufgehängt. Hierbei helfen vor allem die kleineren Kinder fleißig mit. Innerhalb einer Stunde sieht es richtig schön weihnachtlich aus, und wir feiern im Anschluss unsere erste Adventsandacht mit Weihnachtsliedern und Blockflöte, dem ersten Teil eines Weihnachtsgeschichten-Adventskalenders sowie natürlich Punsch und Keksen. Am zweiten Adventswochenende wird die Weihnachtskrippe aufgebaut, und am vierten Advent steht bereits der Weihnachtsbaum, welcher gemeinsam mit den Kindern und passender Weihnachtsmusik geschmückt wird.

Auch richte ich im Vorfeld schicke Kleidung für jedes Kind – für alle drei Feiertage – sodass diese nur noch hineinschlüpfen können und nichts mehr in Eile gewaschen und gebügelt werden muss, bevor der Besuch bei Oma und Opa ansteht. An Heiligabend gibt es bei uns immer Raclette, da dieses auch gut vorbereitet werden kann. So können wir uns, wenn wir vom Gottesdienst kommen, direkt an den gedeckten Tisch setzen und mit dem Weihnachtsessen anfangen.

Tipp 3: Geschützter Familientag

Gerade an Weihnachten geht es um weit mehr als Geschenke, volle Terminkalender und festliche Dekoration – es geht um die Geburt Jesu, um Besinnung und um Gemeinschaft. Mitten im Trubel der Feiertage tut es gut, bewusst innezuhalten und sich daran zu erinnern. Warum also nicht den ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag ganz bewusst als geschützten Familientag einplanen?

Nach den oft aufregenden Tagen mit Vorbereitungen, Besuchen, Gottesdiensten und Programmpunkten darf dieser Tag frei sein von Terminen, Erwartungen und Perfektionismus. Keine Einladungen, keine Gäste, keine Verpflichtungen – stattdessen Zeit nur für die Familie. Vielleicht beginnt der Tag mit einem gemütlichen Frühstück im Schlafanzug, einem gemeinsamen Gebet oder einer kleinen Andacht, um die Weihnachtsbotschaft noch einmal ins Herz sinken zu lassen. Danach bleibt Raum zum Spielen, Spazierengehen oder zum Nichtstun.

Gerade wenn wir bewusst einen Schritt zurücktreten und die Stille zulassen, entsteht Platz für das, was Weihnachten ausmacht: die Freude darüber, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, und die Dankbarkeit für seine Nähe in unserem Alltag. Ein Spaziergang in der Natur kann helfen, diesen Blick zu schärfen – für Gottes Spuren um uns herum und sein Wirken mitten in unserem Leben. So wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern auch erlebt: als Zeit der Ruhe, des Friedens und der Begegnung mit Gott und miteinander.

Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin und Bildungsforscherin und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Familienalltag und Erziehung.

Glühbirnen-Bildchen und Checklisten

ADHS-Trainerin Judith Gruhler gibt Tipps, was betroffenen Familien helfen kann. Teil 2 unserer Mini-Serie zu ADHS

Ein Leben mit ADHS bringt ständige Herausforderungen mit sich – das kostet Kraft. Vor allem, wenn man als Elternteil selbst auch betroffen ist! Doch es ist möglich, dass der Alltag entspannter wird. Dazu möchte ich in diesem Artikel einige Anregungen geben. Diese ersetzen allerdings kein Elterntraining! Darum ist der erste Tipp: Nehmen Sie an einem ADHSElterntraining teil! Dort lernen Sie, Ihr Kind besser zu verstehen und besser mit ihm umzugehen. Dazu gehört zu verstehen, welche Auswirkungen die andere Netzwerknutzung im Gehirn eines Kindes mit ADHS hat (siehe Teil 1 der Mini-Serie in Family 4/16). Und sie können sich dort mit anderen Eltern austauschen. Das gilt auch für ADHSSelbsthilfegruppen. Je mehr hilfreiches Wissen Sie über ADHS haben, umso besser werden Sie den Alltag bewältigen können (Infos und Buchtipps siehe Kasten).

VORSICHT, GEÄNDERTER FAHRPLAN!
Was kann helfen, dass der Alltag entspannter wird? Einige praxisbewährte Anregungen dazu:

  • Kinder mit ADHS haben Probleme mit Umstellungen. Sie brauchen eine Ankündigung vor einer Umstellung, etwas Neuem oder einer „Fahrplanänderung“. Hilfreich ist ein Küchenwecker, der als Ankündigung beispielsweise fünf Minuten vor dem Ende des Spielens läutet.
  • Bei einem Kind mit ADHS, das überreizt oder irritiert ist, kann die Stimmung unmittelbar kippen. Es kann heftig erregt sein und verletzende Dinge sagen. Nehmen Sie diese Äußerungen nicht persönlich! Versuchen Sie, tief durchzuatmen. Stellen Sie sich vor, vor Ihnen sei eine Plexiglasscheibe, an der die Aussagen Ihres Kindes abprallen.
  • Achtsamkeit, Gelassenheit und Humor können bewirken, dass Schweres leichter wird. Diese Fähigkeiten kann man lernen, dazu braucht man jedoch Zeit!
  • Weil der Alltag viel Kraft kostet, ist ein positiver Ausgleich wichtig. Tun Sie regelmäßig etwas, das Ihnen guttut, wo Sie auftanken können. Um Stresshormone abbauen zu können, ist Bewegung sehr gut. Planen Sie auch Zeiten ein, in denen Sie gemeinsam mit dem Kind etwas Schönes erleben können.

Erschlagen von guten Tipps

Bücher geben Rat in allen Lebenslagen. Aber manchmal ist weniger mehr.

Seit ich alle Buchstaben kenne, lese ich ohne Unterbrechung. Zunächst verschlang ich Pferde- und Internatsbücher, dann Fantasy-Romane. Mit 15 las ich das Kommunistische Manifest. Mit 23 Heinrich Heine, Stefan Heym und Rosamunde Pilcher. Die besten Bücher trösteten mich, veränderten mich, schenkten mir Zuflucht und Rat.

Als ich nach 34 Lebensjahren mit Amelie schwanger wurde, gab es mittlerweile das Internet. Welch ein Segen! Welch ein Fluch! Jede Unregelmäßigkeit ließ mich das Internet zu Rate ziehen: „HILFE! Was bedeutet der schwarze Fleck auf dem Ultraschallbild?“ Ich bekam so viele unterschiedliche Antworten, dass ich mir sicher war, es müsse sich entweder um ein Hämatom, einen unterentwickelten Zwilling oder eine Krebsart handeln. Voller Anspannung ließ ich mich von einem Professor untersuchen. Letztendlich handelte es sich um eine harmlose Zyste.

Von meinem Nachttisch verschwanden die Krimis. Stattdessen stapelten sich dort nun Schwangerschafts-, Still- und Erziehungsratgeber. Zwar war ich eine halbwegs gute Sekretärin und Freizeitleiterin und hatte mittlerweile eine ungefähre Ahnung, wie das mit der Ehe funktionierte. Mutterschaft war für mich jedoch ein Buch mit sieben Siegeln. Das beunruhigte mich. Aber ich hatte schon ganz andere Dinge bewältigt. Also würde ich auch die Geburt und das Stillen und das Wickeln und das Erziehen mit den richtigen Büchern meistern.

Während der ersten Jahre meiner beiden Töchter versuchte ich, streng jedes Wort aus meinen Ratgeberbüchern zu befolgen. Ich stillte länger, als ich eigentlich wollte. Ich trainierte meinem Kind ein ordentliches Schlafverhalten an. Ich redete nur noch in Ich-Botschaften. Ich bin dankbar für einige der Bücher, die mich aus mancher Notlage retteten und mir umsetzbare Tipps für meinen Alltag gaben. Andere Bücher, die Mutterschaft über-idealisierten, ließen mich all meine Unzulänglichkeiten spüren. Das, was ich an den meisten Tagen mit Baby und Kleinkind schaffte, war das nackte Überleben und vor dem Abendessen in Warp-Geschwindigkeit zu duschen.

Mittlerweile sind meine Babys keine Babysmehr, sondern fordernde, eigenwillige, schmutzige Kinder. Und ich habe noch mehr Ratgeber gelesen. Wie meine Kinder Regeln lernen, selbstständig werden und gefördert werden können. Oft war ich nahe der Verzweiflung angesichts der vielen sich widersprechenden Aussagen und komplizierten Systeme. Viele der Methoden, die wir ausprobierten, passten nicht zu uns, nicht zu unseren Kindern. Ich merkte: ich kann mir den Umgang mit meinen Kindern nicht anlesen. Vor Kurzem habe ich alle meine Ratgeber auf ein einsames Regal im Arbeitszimmer verbannt.

Stattdessen verlasse ich mich neuerdings auf mein Bauchgefühl und meinen Mutterinstinkt. Die wurden von den Büchern so sehr an den Rand gedrängt, dass ich erst neu lernen muss, meiner inneren Stimme zu vertrauen. Letztens las ich einen treffenden Satz von Thomas Carlyle: „Bevor der Kopf sehen kann, sieht das Herz schon längst.“ Mir ist es mittlerweile egal, was ein vierjähriges Kind können muss. Und ich rede auch nicht mehr ausschließlich in Ich-Botschaften. Manchmal rede ich sogar erschreckenderweise wie die Prusseliese in Pippi Langstrumpf.

Ich möchte als Mutter ich selbst bleiben. Mein großer Leitfaden heute ist mein Instinkt. Und Jesus. Die Masse an Ratgebern hatte mich verunsichert und trotzdem brauche ich einen, der mir Rat schenkt. Die Lehren von Jesus sind der Ankerplatz für meine Unsicherheiten und er selbst ist Abladeplatz für meine Unzulänglichkeiten. Das, was ich von Jesus lerne, ist immer mit Gnade und Einfühlsamkeit, mit Loslassen und Anleitung zum Selbstständigwerden verbunden. Und wenn mir mal wieder alles über den Kopf wächst, dann meine ich, Jesus flüstern zu hören: „Tief durchatmen, nimm einen Krimi und lass es dir gut gehen.“

Veronika Smoor aus Waldbach bei Heilbronn ist zweifache Mutter, Hausfrau und Ehefrau aus Überzeugung. Nebenbei arbeitet sie als Fotografin aus Leidenschaft. Ihren Mütter-Alltag verarbeitet sie in ihrem Blog: http://smoorbaer.wordpress.com.

 

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