WIE GASTFREUNDLICH MUSS ICH SEIN?

Ist Gastfreundschaft eine Gabe oder ein Gebot? Sprich: Müssen wir alle gleich gastfreundlich sein oder ist es eher die Aufgabe derer, die dafür besonders begabt sind? Maren Seitzinger hat sich mit der Gastfreundschaft in biblischer und heutiger Zeit auseinandergesetzt und einige Entdeckungen gemacht.

Einladungen flattern am Schwarzen Brett im Gemeindehaus. Alle Gottesdienstbesucher sind aufgefordert, sich in der Spalte der Gastgeber oder in der für Gäste einzutragen. Ein älteres Ehepaar stellt einer Flüchtlingsfamilie eine Wohnung für unbestimmte Zeit zur Verfügung und versorgt sie mit Kleidung und Spielzeug für die Kinder. Ein anderes Ehepaar lädt sonntags nach dem Gottesdienst spontan Besucher zum Essen ein, die neu in der Gemeinde sind. In einer Lebensgemeinschaft stehen zwei Gästezimmer zur Verfügung für Menschen, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Für eine Nacht, eine Woche, vielleicht auch einen Monat. An jedem Dienstagabend während der kalten Wintermonate öffnen gütige Menschen die Türen der Gemeinde, legen Schlafsäcke aus, belegen Brötchen, kochen Kaffee. Obdachlose bekommen ein nettes Wort, einen warmen Schlafplatz, eine Mahlzeit. Welche Gefühle lösen Geschichten wie diese bei uns aus? Freuen wir uns über Menschen, die Gastfreundschaft praktisch werden lassen, schütteln wir innerlich den Kopf oder schauen wir betreten zur Seite, weil wir denken, das müssten wir auch tun? Wie ist das eigentlich gemeint mit der Gastfreundschaft? Ist sie eine Gabe oder ein Gebot, ein kultureller Ausdruck oder eine christliche Tugend?

NUR DAS BESTE FÜR DEN GAST

Schon in der frühen Antike spielte die Gastfreundschaft eine wichtige Rolle, und bis heute ist sie in vielen orientalischen Kulturen eine zentrale Sitte. Interessant sind diesbezüglich die vielen Parallelen im Islam und Judentum: Gäste werden zuvorkommend behandelt, ihnen stehen Schutz, Nahrung und ein trockener Schlafplatz zu. In vielen Kulturen gibt es ein Festessen, wenn Besucher erwartet oder unerwartet vor der Tür stehen. Das beste Stück Fleisch, der bequemste Sessel, nur das Beste für den Gast. Zudem waren Menschen in den früheren Jahrhunderten viel mehr auf die Gastfreundschaft angewiesen und auch der Gastgeber hatte oft nur diesen Weg, mit der Welt um ihn herum in Kontakt zu treten.

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